blaue Stunde -14- uralter Gesang

002 die uralte Buche und das junge Leben

Pause, Picknick. Picknick bei der uralten Buche …

Was kann ich ihr erzählen, was sie nicht sowieso schon weiss?

Stille, Frieden- unterirdisch ein Summen von dreihundert Jahren währenden Geschichten.

Gelassenheit.

Moosbetten, Eckerchen, Stachelkleid und starke Wurzeln-

Keine Furcht.

„Hoffe das Beste, sei auf das Schlimmste gefasst“,

Und was, wenn ich nur liegen will?

 

blaue Stunde -13- die Nomadin und die Strassenbahn

strassenbahn 2ab

Lediglich im Winter ist sie seßhaft, die Nomadin. Wenn der Schnee kommt, braucht sie ein solides Dach und  schützende Wände. Wenn … Stürme und Frost kommen immer. Auf sie kann sie sich verlassen. Zeit für die Nomadin am Feuer zu sitzen, dem Innen zu lauschen, der Behaglichkeit zu frönen.

Doch jetzt, in den Monaten der frostfreien Nächte. der warmen bis heißen Tage wollen die Füsse laufen, will die Nase den Tag und die Nacht riechen. Unverblümt. Ein Zelt ist Haus genug. Genug ist auch ohne Wen. Es reicht, wenn sie, mit sich im Arm, unter der Sternendecke liegt, unter ihr ein Moosbett. Ein Körnchen vom Ganzen, ein Facettchen.

Nicht, dass sie plötzlich den „Chens, Les und Leins“ frönen würde. Das nicht. Es geht um den Unterschied vom Korn zum Körnchen. Von einer Sicht aus einer Linse zum dreitausendteiligen Facettenauge einer Libelle. Man stelle sich das vor!

0133 23.08.14 sichtweisen

Dreitausend Facettchen. Kaleidoskopbilder. Eine winzige Bewegung, ein kleines Schütteln oder Verrutschen, ein neues Bild.

Leben in Scherben. Scherben zu Mosaik. Mosaik mit einem Verrutschtem. Einem, der den Blick hält, ihn weitet, der beginnt zu kreiseln, am Verrutschtem entlang. Eine neue Geschichte oder wenigstens eine andere. Allein, der Standort ist geblieben.

Es wechselt. Irgendetwas wechselt immer. Muss es tun. Etwas muss verrutschen, sich verschieben, unscharf werden, brechen. Sonst rutscht er ab, der Blick, stürzt ins Leer, ohne Geschichte, weder eine neue, noch eine andere.

Sprung

Eine Straßenbahn

strassenbahn 1

Der Platz direkt hinter dem Straßenbahnfahrer. Kurbeln, bimmeln, gleiten, manchmal auch ein Ruckeln. Escalator over the hill, eine Seilbahn zum Gipfel, eine Straßenbahn ins Weit hinein. Ein Gleiten.

Erinnerung

Männer in tadellosen Anzügen, mit tadellos geputzten Schuhen, tadellos rasiert, mit tadellosen Aktenmappen, stehen an der geöffneten Türe, das Ziel fest im starren Auge. Ein Gleiten. Kurbeln, bimmeln, ruckeln. Aussteigen. Frauen im tadellosem Kostüm, mit tadellosem Make-up, tadellosen Stöckelschuhen und tadellosen  Aktenmappen steigen ein, das Ziel im starren Auge. Nächster Halt. Es wexelt sich. Männlich, weiblich, manchmal auch kindlich, auf alle Fälle ziemlich kindisch. Die Starre. Endlosschleife.

Stopp

Keine Kurbel, keine Bimmel, kein Ruckeln.

Der Atem hält an.

Etwas passiert. Es wird passieren. Etwas.

Die eine Sekunde … ein Auto explodiert. Dann brennt es aus. Ein Saxophon schreit. Tadellose Menschen verlieren ihre tadellosen Minen. Und auch mal einen Schuh. Beim rennen. Masken zerfallen in aufgerissene Augen und Münder ohne Schrei. Angst macht nackt.

Pause

Blitzschnelles Aufräumen. Kurbeln, bimmeln, kurzes ruckeln. Dann gleiten. Kostümröcke werden glatt gestrichen, Haare an den Kopf gelegt. Ohren und Münder schliessen sich, der aufgerissene Blick findet seine Starre wieder. Er hat nichts gesehen.

Ende …

Pause

ist nie ein Ende.

Der Faden hängt nicht lose im Raum. Es ist nur eine Facette verrutscht.

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Eine Geschichte über die Faszination von Facettenaugen und einem Straßentheaterstück, gesehen in den Neunzehnhundertneunziger Jahren in Amsterdam. Die Erinnerung kam plötzlich, so plötzlich wie damals die Straßenbahn und alles andere und genauso plötzlich war es auch wieder vorbei. Unvergessen.

Meer und Land – blaue Stunde 12. Teil

0106 18.07.14 Meer und Land

 

Es heisst alles Leben kommt aus dem Meer, aber woher kommt das Salz im Meer und wo werden die Wellen geboren? Und wenn wirklich das Meer Leben an Land schickte, dann hat das Meer ein Land gebraucht. Und woher kam das? Und was machte all das Leben an Land? Es paarte und vervielfältigte sich, es mutierte, gebar sich wieder und wieder selbst in unzähliger Form. Es wuchsen ihm Felle, Federn, Stacheln, Schuppen, vier, sechs, acht, tausend Beine, Flügel auch und Augen, die sahen, aber nie gleich, bei all den Arten. Und Nasen. Die einen riechen noch das, was in einem Kilometer Ferne ist, die anderen nicht das Naheliegende. So geht es immerfort, das Leben. Das Meer ebbt und flutet dazu.

Vom Nutzen rede ich nicht, auch nicht davon wem es nutzen könnte, sollte oder wollte. Auch vom Sinn rede ich nicht. Es ist nutzlos, sinnlos. Und ob es nun die Spinne war, die einst das Universum webte oder Gott aus Adams Rippe Eva schuf, der grosse Geist über allem schwebt, ob alles mit einem Knall begann oder mit einem Wort, einem Ton, das beschäftigt nur uns Menschen.

Das Leben lebt sich. Es wartet auch nicht. Und es wird sich gepaart, sich multipliziert, sich erhalten, auch verändert, es wird sich weiter- und unterwickelt, es wird sich ausgestorben und wieder auferstanden und erneut geboren … das ist der Reigen. Das ist das Lied vom Meer und vom Land.

Und ich habe mir schon so manches Mal Kiemen gewünscht.

Flügel auch.

blaue Stunde 11. Teil – Sommer in der kleinen Stadt

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Frauen und Männer, jung, alt und dazwischen, Mädchen und Jungen flanieren, radeln, sitzen, liegen und küssen an den Ufern des Rheins, der heute nicht blau ist, nicht grün, sondern lehmig braun. Es hat viel geregnet in den letzten zwei Wochen.

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Ein Sommertag, an dem die Gedanken mit dem Milan auf den Winden segeln. Ich höre schwyzerdütsch, englisch, französisch, italienisch und einen spanischen Strassensänger, vor allem aber höre ich Gemurmel. Ich muss niemanden verstehen. Welch ein Luxus! Kein Wort für mich, keins von mir an ein Du. Keiner zieht, keiner will. Ich geniesse.

Dem Berg habe ich den Rücken zugewandt, bin hinabgestiegen ins bunte Sommertreiben einer kleinen Stadt. Ganz Voyeurin, ganz Flaneurin. Es gibt nichts zu tun. Nur Jetzt.

0104 16.07.14 Sommer in einer kleinen Stadt

Es ist noch nicht so heiss, dass Frauen in Bikinis, Männer in Badehosen in Scharen von den Häusern zum Rhein zum baden gehen. Nur viele nackte Füsse von Riemchen gehalten, blaue, rote und schwarze Fussnägel und wenn ich wirklich einmal schöne Füsse in hübschen Sandaletten sehe, spricht ihre Trägerin französisch. Viele Hemdsärmel, wippende Röcke und die obligatorischen straff hochgezogenen Herrensocken in braunen Wildledersandalen. Manches bleibt. Auch der schlechte Geschmack. Wie eben auch nackte Bierbäuche am Wegesrand, zwei Nummern zu kleine T-Shirts, die nur notdürftig die Übergrössen darunter verbergen. Aber ich bin ja in Basel. Da hält sich all das in Grenzen, mehr Freuden, denn Beleidigungen fürs Auge. Und  eine immer wiederkehrende Freude ist eben die Kunst auf der Strasse und in den Fenstern.

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Draussen sitzen, Espresso trinken, das Wasser danach, der Blick schweift und was er nicht bannt, macht der Stift auf dem Papier. Momentaufnahmen …

Es wird Abend in der kleinen Stadt. Ich schenke mir ein Lächeln. Lausche dem Saxophon, schaue den Tanz.

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Schlendernde Füsse, joggende auch, je tiefer die Sonne sinkt, umso mehr. Den I-Pod auf den Ohren. Verkabeltes Sein. Smartphones auf Objekte gerichtet, andere telefonieren beim flanieren. Ich schaue auf Hände, denen man ihre tägliche Arbeit ansieht und solche, die manikürt sind, die vielleicht tippen, statt graben … Rote Kleider sind rar geworden, lautes Lachen, leises Lächeln auch. Man redet. Angestrengt. Dabei ist es doch Sommer! Väter und Mütter führen ihre Kinder aus, Damen ihre Pudel. Nichts geht verloren. Keine der alten Geschichten. Neue müssen sich erst noch schreiben …

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Packeis – blaue Stunde 10. Teil

Packeis

Das heutige Datum weiß sie nicht. Vorgestern war es, als sie sich noch auskannte. Vorgestern, als Selbstverständlichkeiten in einzelne Teile zerbrachen. Es schleicht seitdem und duckmäusert. Und das … fühlt sich nicht richtig an.

Wer hält länger den Atem an?

In jedem Frühjahr bestellten sie den Garten neu. In jedem Sommer pflegten sie ihn. Dann erntete sie. Jedes Jahr teilte sie mit ihm. In jedem Herbst bauten sie luftige Schlösser, die sie in keinem Winter betraten.

Wer räumt nun den Schutt weg?

Demut ist der Liebe keine Haltung. Manches möchte mitgenommen werden, anderes ging schon lange vorher verloren. Vermissen … zur stillen Alltäglichkeit geworden. Zorn trägt noch Hoffnung in sich. Jetzt hütet sie sich hinter verschlossener Türe, legt Pflaster auf Wunden, das nicht tröstet.
Rotes Schreiten mit geradem Rücken, von Augenblick zu Augenblick, mehr kann sie nicht verlangen.

Wer hütet jetzt das Haus? Wer den Garten?

Wäre dies ein Film, würde sie jetzt das Schiff besteigen. In der einen Hand den alten grünen Koffer, in der anderen den kleinen Rucksack, den großen auf dem Rücken. Rot, mit geradem Rücken, den Blick nach vorne gerichtet, schreitet sie die Gangway hinauf. Sie dreht sich nicht um. Niemand und Nichts ist zu verabschieden.

Blende ein, Blende aus.

Rot liegt sie an Deck im Liegestuhl. Möwen kreisen. Bronzen schimmert die Haut, roter Stift auf schmalen Lippen, Spiegelsonnenbrille. Mehr Zeichen setzt sie nicht. Kein Koffer, kein Rucksack, keine Kamera, kein Buch, kein Getränk, keine Zigarette, kein Heft, kein Stift, keine Bewegung. Das Zwerchfell hebt und senkt sich. Vorüberschlendernde werfen kurze Blicke, schlendern weiter.

Schnitt gegen Tristesse.

Rot steht sie an der Reling, inmitten von Grau, Beige, Blau, Weiß und Schwarz. Sie raucht. Immer noch kreisen Möwen. Eine unbekannte Skyline, Häuserhorizonte, Flussdelten, kleine Inseln zur Vorhut. Unbekanntes Land. Hier wird sie aussteigen, ein Zimmer mieten, Arbeit finden, ein Auto kaufen, einen Garten bestellen. Sie wird freundlich sein im fremden Land. Mehr nicht.

Ende.

Die Liebe braucht das Haus und den Garten nicht.  Sie braucht auch keine Kinder, nichts dazwischen. Sie darf sich selbst genügen.
Ihn kann sie nicht neu erfinden. Er wird seine hölzernen Kanten behalten. Seine Untiefen, seine Berge und Täler auch.
Erinnerungen werden kommen, weil sie immer kommen, weil sie nicht anders können. Bis sie sich abgenutzt haben. Sein Geruch wird über dem Meer verwehen, sein Bild in den Seemeilen verschwimmen, seine Worte im Ozean versinken.

Rot … ist das neue Kleid.

Etwas wandert noch zu ihm. Schaut ihn an. Dann geht es wieder. Der Staub der Jahre legt sich auf den Atem. Leise schließt sie die Türe. Zorn trägt noch Hoffnung in sich. Wattierte Musik dringt durch verschlossene Türen. Harry Manx singt:

  „Lord, I need forgiveness for the methods I used

I believe, I believe I can overcome them

Well, I’m talking about the Blues …”

Am nächsten Morgen, noch besoffen vom Gestern, zwischen den Stühlen aufzuwachen ist ein mieser Film, der niemanden dient, nur dem Selbstmitleid. Sie wirft seine Klamotten aus dem Fenster. Demut ist der Liebe keine Haltung.
Im Neu wohnt kein Fenster, keine Klamotte, kein Garten, kein Haus, keine Wut, die sonntäglichen Frieden zerbrüllt.
Im Neu steht noch das alte Schatzkästchen. Das mit dem roten Band darin. Erst wenn sich die Erinnerungen abgenutzt haben, wenn es nicht mehr wehtut, wird sie es öffnen. Wird sie noch einmal dem roten Band folgen, vom Rot des Inkarnatklees bis zum Haus mit Garten. Bis dahin wird sie das Kästchen von Zeit zu Zeit abstauben, es von hier nach da rücken. Manchmal wird sie in Versuchung geraten. Sie wird den Moment erkennen, wenn es nicht mehr wehtut.

Heute hat sie das rote Kleid gekauft. Heute hat sie die Türe leise hinter sich geschlossen. Heute betrat sie den roten Weg. Und plötzlich, am Abend, liegen alle Masken vor ihr auf dem Tisch. Im grünen Hemd tanzt sie den Blues und weiß nicht, wem das alles dient.

Kein Ohr, keine Schulter, kein Mund, keine Hand, keine Stimme, kein Bein mehr über ihrem. Das ist das, was man betäuben will. Nichtverstehen, Härte, Streit und Unerbittlichkeit begraben. Mit frischer Erde an den Händen, dem Weit Tür und Tor öffnen.

Wer hat den längeren Atem?

Undeutlich wurde die Silhouette des verlassenen Hafens. Zwei Tage sind viele Seemeilen zwischen vorgestern und heute. Im Herzraum des Dampfers stampfen die Maschinen im Takt. Vorwärts, vorwärts, kein Zurück. Da setzt es aus in ihr. Maschinen stampfen weiter. Keine Gnade bis zum neuen Hafen. Neue Gerüche, neue Töne, nur die Möwen kreischen überall gleich. Kein Glück, kein Haus, kein Bach im Garten. Kein Garten, kein alter Apfelbaum, kein Pflaumen-, Kirsch-, Birnen- Mirabellenbaum, keine Gemüsebeete, keine Bienenweiden, keine Kräuterecken, kein Spaten, kein Stich. Keine Wiese, keine Kinder.

„Du hast mich nie verstanden!“, das steht jetzt zwischen ihnen. Nie ist nie nie, sowie immer nicht immer immer ist, aber viel zu oft.
Zwei Kontinente, dazwischen die Schollen, keine Nord-Ost-Passage, festgefahren. Packeis legt sich um zwei Dampfer. Dazwischen die Eisberge, irgendwo. Und ob und wann es je wieder Frühling wird …

Wie lange trägt die Liebe den vollen Wasserkrug auf ihrem Kopf ins Haus?

blaue Stunde 9. Teil, die kleine Stadt

Vor zwei Jahren zog sie in die kleine Stadt, in ein Häuschen. Am Fluss hat es auf sie gewartet. Seine Leerheit füllte sie, seine Wände tünchte sie, die Türrahmen blau. Darüber freute sich der Maler und mischte neue Farben. Mehr und mehr kamen hinzu. Farben und Kleckse, Linien auch, Gesichter und so, Stromschnellen und Stolpersteine. Aber darüber regt sich hier niemand auf. Kein Geschrei, kein Mordrio.
Reges Treiben während der Allwochentage, Stille am Abend … pssst … es wird geschrieben, gemalt, kreiert, sinniert und komponiert in der kleinen Stadt. Einen gibts, der trifft stets den richtigen Ton. Das freut die Tänzerin.
Weite Herzen, große Schritte, Denkwellen und Gedankenkarussels, Kinder plündern ihre Spardosen: Einmal Schiffschaukel, bitteschön.
Es trifft sich. Es geht vorüber. Freundliches winken und der Kaffee ist vorzüglich. Hinein, verweilen, hinaus in die Welt. Die Bewegung bestimmt die Mitte, nicht das Stillesitzen. In der Stille sitzen schon. Philosophierstündchen mit und ohne Kamin, aber mit Tanten, dann und wann. Große Mütter und Väter sitzen neben zornig jungen Erwachsenen. Das geht!
Und Kinder spielen am Ufer. Sie spielen Schiff oder Kieselstein, spielen Worte und singen dazu. Die Akkordeonspielerin trägt ihre Vogelmaske am Kai spazieren. Rabe keckert frech, der Schelm! Und fliegt zum Fest mit Huhn in Tüll, unter rot samtigen Hut. Vorsicht bei der Anfahrt! Verirrte Eisberge … Wie gut, dass es die Igel gibt! Das findet auch die Märchenerzählerin, nimmt den Hasen bei den Ohren, das Gewehr schüttelt sich von selbst heraus. Plumps, keine Falle, kein Fall, weg. Kein Kommissar, kein Kaplan, kein Polizist. Sowas soll es geben! Aber viel Mond, viel Sonne, viele Blumen und Falterchen, Krabblerchen, Vögel, Vögelchen und vögeln, dass das Weit eine Freude hat, der Rost erblüht. In der kleinen Stadt.

Mondfalterbach … aber ja, er fließt mit dem Strom zum Groß und Wildgänse rauschen durch die Nacht, Sätze finden. Sterne in Türen geschnitzt, gemalt, gesprüht, an den Himmel geblinkt, flinke Nadeln stechen bunte Bilder fürs Schön, Papierschiffchen legt am Ufer an. Wie gut, dass es die Möwenstege gibt! August hat die Wegweiser aufgestellt. Seine Schuhe wissen wann sie sich kreuzen müssen. Das hat ihnen die Wortemalerin in die Sohlen gewebt und die Fotografin auf Digital gebrannt.
Meer rauscht, leise trommelt das Fern. Weite Reisen, große Seen, schwarzweiße Bäume in Grün, Straßenbahnklingeln, so vertraut. Dampfer tuten das tiefe A in Moll.

Auf Wiedersehen, kleine Stadt …

Blaue Stunde 8. Teil – vom weben

(dieser Teppich hat sich aus vier aneinander gehängte Fotozusammenstellungen gewebt, vier Bilder, vier Jahre Gauscher Pixelismus*/*der „Gausche Pixelismus „wird in Bälde näher definiert)

Lebensteppich webt sich fort und fort. Fadenverknüpfungen, anderes hängt lose, wird es noch eine Weile tun.
Bunt prächtige, eng verschlungene, klar schlichte, schwarzweiß schattige Muster im Rückblick. Leicht ist das Hin und Her des Schiffchens. Adler hat’s gesehen. Stillstand folgt auf den Fluss, früher und später auch. Verknotungen, Verstrickungen, verheddert das Ganze. Pause. Entknotung. Ungeahnte Farbbegegnungen, gestern noch ungekannt webt sich heute Neu ins Alt.

Knoten … durchs Nadelöhr geschlüpft.

Fortsetzung blaue Stunde 7. Teil – aus der Stille heraus

Aus der Stille heraus, ist meist nur aus einer relativen Stille heraus. Das in der Großstadt ausgebildete Ohr neigt dazu die Fluglinie Marseille – Paris, oder Zürich –  in die Welt, zu überhören. Erst einmal…

Nicht aber die Rufe der Bussarde, Schlangenadler und Raben, nicht das Gekecker der Krähen und Eichelhäher, nicht das Meisentschiep am Tag. Nicht des Käuzchens Ruf und der Eule Schrei während der Nacht. Auch nicht das mahlende Wiedergekäu zur selben Zeit, das Geraschel der Bilche, ihr Tappen und Kratzen. Es webt sich ein Teppich von still bis fast. Nichts stört. Auch nicht der Nordwind, der mit dem noch grünen Laub seine Freude hat.

Nur manch Gedanke, gerade noch leise, schwillt zu einer Sinfonie im Sturme an. Gebiert Gefühle. Unangenehme. Da hocken sie dann in den Zellen, bei Sonnenschein. Drehen sich hierhin und dorthin, suchen ein Ziel, brauchen aber doch einen Ausgang… Halten. Gehalten. Vorbei.

Jetzt ist doch nicht gestern! Gestern ist vorbei, morgen noch nicht da. Abschütteln. Gedanken und Gefühle. Was war zuerst? Mal so, mal so…

Jetzt plätschert wieder der Dorfbrunnen durchs Still der Zuhauseberge, Käuzchenrufe sind hier selten, Eulen schon gar nicht, ab und an bellt der Fuchs, das wars auch schon. In der Nacht der Zuhauseberge.
Blaue Stunden- Zeit zwischen Tag und Sonne geht, Nacht und Sterne kommen. Mond je nachdem. Mancheinem und –einer ist es eine heilige Zeit.

Immer noch schlummert im Blau das Tief. Das so wenig Worte hat, aber viel Gespür. In der die ZaunreiterInnen auf ihre Pferde steigen, trommelnd der Hufschlag. Pforten erscheinen, wo gerade noch nur eine Felswand war. Nun noch das Zauberwort, den Rückweg sichern, dann hinein geschlüpft in die Magie der Zwischenzeiten und –welten. Keine Grenzen, wenig Worte, keine Feinde, nicht hier! Wahrheit spiegelt und orakelt sich. Eine Närrin, ein Narr auch, die dann das Gegenteil tun…

Aber ja, die Menschen sind närrisch. Immer schon?

Und ja… was wissen wir schon? Was zum Teufel ist Wahrheit… ist Wirklichkeit… ist Gewissheit? „What the bleep do we know?”, (http://de.wikipedia.org/wiki/What_the_Bleep_Do_We_Know) fragte schon vor ein paar Jahren ein US-amerikanischer Film (=sehenswert).

Tausend und viele mehr Schreiberlinge und andere sind dieser Frage auf der Spur, seit Jahrtausenden schon. Hat uns dies auch nur einen Millimeter weiter in der Menschheitsentwicklung gebracht? (ich rede nicht vom Fortschritt, nicht jetzt, nicht hier…). Ist es nicht eher so, dass Jede und Jeder immer wieder von vorne und ganz allein hinabsteigen muss, um den Schatz zu heben, den heiligen Gral zu finden? Sprechen denn nicht genau hierüber die Geschichten, Märchen, Fabeln und Gleichnisse?

Immer nur gleich, seltenst selbig. Auch nicht der Sonnenaufgang. Nicht eine Sekunde. Das eine gleicht dem anderen, spiegelt sich, wird reflektiert. Die Welt aber hinter dem Spiegel scheint einzigartig. Meine Welt. Deine…? Nirwana und Samsara, die Grenze ist schmal. Zart sind die Nebel von Avalon, bis sie sich verdichten. Der Rückweg abgeschnitten… Verirren ist menschlich! Was, wenn Verirrung und Verwirrung erst zur letztendlichen Klarheit führt? Wohl denen, die ihre Flügel zu nutzen wissen!

Mäkeln, grollen, zürnen scheint einfacher, denn lieben. Charlie Rivel heult dazu sein herzergreifendes Huhuuu… Schon vergessen? Charlie Rivel, der Meisterclown (http://www.comedy-club.biz/clowns/rivel.html). Unvergessen. So wie auch W.C. Fields und die Brüder Marx… es lebt sich leichter mit einem Lachen im Gepäck!

Und was, wenn wir Menschen nur das Wort Zufall erfunden haben, weil wir die Verbundenheit nicht aushalten? Wohin fallen die Synchronizitäten?

Schnittpunkte, Berührungspunkte. Netze. Ich denke an Martin Häuslers Gewebe.

(leider finde ich es nicht mehr auf seiner Seite http://rumgekritzelt.wordpress.com/), vielleicht hilft er ja und ich darf es kopieren und hier einfügen… sozusagen zur Verbildlichung?)…

Nachtrag… hier also das Netz (Trainingskit für Spinnen von Martin Häusler, mit herzlichem Dank :))

 

(draufklick = groß)

 

Schnittpunkte also und Berührungspunkte, Brennstellen, Knotenpunkte, Netze weben sich von hier nach da und manchmal auch zurück und ein anderes Mal reißen sie. So ist das…

Gedanken mäandern durch das Still der blauen Stunde. Nicht alle lassen sich fangen. Nicht dieses Mal. So müssen sie noch ein wenig weiterschweifen. Bis zum nächsten Mal. Bis zur nächsten blauen Stunde…

P.S. Wenn ich das Wort Leben rückwärts lese, dann steht dort Nebel… bei Paul Auster liest es sich so: live = evil… Zufälle?

Blaue Stunde 7. Teil – aus der Stille heraus

Eine weitere blaue Stunde schiebt sich in den Freitagabend. Sie schreibt sich dem samstäglichen Herbstequinox entgegen. Nun werden sie wieder lang und länger, die Nächte. Und die Schatten. Bald raunt es erneut aus dem Urgrund. Schwarze Vögel werden über endlos Weiß und Kreuze kreisen. Huhuuu… Huhuuu…

Plötzlich… ist es still geworden.

SO… stellt sie sich die Stille im Innern eines Schneckenhauses vor. Die Membran davor ist das Wintertor. Oder gaaanz unten… als Sandkorn in der fest geschlossenen Muschel auf dem Meeresgrund, wohin kein Laut mehr dringt.

Wie war das mit dem Sandkorn und der Perle? Und… wann genau lebten die Hugenotten in den Wäldern, bis man diese verbrannte, um sie hinaus zu treiben? Und… warum stiehlt man schwarze Madonnen, die dann derjenige doch nicht zeigen kann? Oder baut sich manch ein Kunstdieb eine Krypta über seinen unterirdischen Fluss… von der Viper bewacht?

Solches kreist noch in der Stille. Dann wieder nichts. Wenigstens keine Worte. Eher Bilder, verschiedenfarbige Lichter und Formen und Gestalten, wie zum Beispiel die rosa Kühe beim Sonnenuntergang. Ein Bild, das ein Lächeln zauberte. Und wieder zaubert… in der Erinnerung.

Monsieur Ziegenkäse lächelt auch beim Wiedersehen. Ein freudiges, überraschtes, ja… auch neugieriges Lächeln.

„Schön, wie Hanna Schygulla…“, soviel verstehe ich. Gestreichelte Eitelkeit. Röte schiebt sich unter Bräune. Still. Zu wenig Worte sind geläufig. Lächeln versteht jede Sprache. Dem Klang lauschen. Und den Gebärden. Die Hände haben zu tragen, beim Nachhausegang.

Lautlos steigt Schlangenadler auf. Viper hat den Stein über sich gelegt und grinst sich eins. SO… ist das hier!

Tiefe Neumondnacht. Sterne, Sterne, Sterne, Milchstraße.

Wie können wir Teil von ihr sein und sie gleichzeitig sehen? Was ist der Raum dazwischen? Fragen. Ob sie wichtig sind?

„Ist das Kunst oder kann das weg?“, eine grandiose Frage, die ein großes Jihaaa für die jungen WendlandkünstlerInnen hervorlockt.

„Da gönnt der eine Künstler dem anderen nicht das Lob der Kritik, nicht das Brot auf dem Tisch, nicht das Schwarz unter seinen Fingernägeln“, sinniert der Freund. Neid ist anstrengend, Gier auch… und erst der Hass! Unendlich viel Atemlosigkeit bei solch einem Geschrei.

Still. Plötzlich. Leer.

Lesen, Kühe betrachten, Pferde auch. Mit dem Reh und den Pilzen eine Wiese teilen. Weitblick. Keine Angst.

Auf Böden der Geschichte wandeln. Ist nicht jeder Boden Träger von Geschichte und Geschichten? Wachsen diese denn nicht aus dem Urgrund? Okay… mancheine fällt auch vom Himmel. Sternschnuppengleich.

Erst ohne Ich dazwischen kann man wirklich sehen, hören, riechen, schmecken… wahrnehmen, schreibt Paul Auster (sinngemäß) in: Die Erfindung der Einsamkeit.

(An dieser Stelle einen herzlichen Dank an Mützenfalterin für diesen Tipp).

Einsamkeit… ist sie ein Zustand oder ein Gefühl? Ein gefühlter Zustand… ein zu-ständiges Gefühl…

Die Stille im spiraligen Buntinnen eines Schneckenhauses, inmitten der Milchstraße.

Nur eine Zikade hat noch den Sommer in ihren Hinterbeinen. Sie stehen nicht still… die ganze Nacht lockt sie. Ob sie sich einsam fühlt? Einsamkeit sehnt sich, reibt sich, verzehrt sich.

Alleine auf dem Berg sitzen… da ist keine Einsamkeit. Auch kein Gestern, kein Morgen, noch nicht einmal ein Vergleich!

Kiefer… du… du wunderschöne Kiefer… du meine mongolische Tuschezeichnung… in deinem Schatten lässt es sich vortrefflich ruhen! Farne zerwehen im Spätsommerwind, Kühe grasen Pfade, Bussard erhebt sich in die Lüfte, Finken spielen Frühling, Wacholderdrosseln rasten auf ihrem Flug von dort nach noch viel weiter…

(Gefunden im Netz unter http://www.duden.de/_media_/full/W/Wacholderdrossel-201100280088.jpg)

Der Schrei einer Eule klingt in der Nacht wie der Aufschrei einer Frau. Alarmglocken läuten. Thriller ziehen vor das geistige Traumauge… noch nicht ganz erwacht. Einen Wimpernschlag lang. Dann verwandelt sich die Frau in das, was sie ist… eine Eule auf ihrem nächtlichen Beutezug. Ausatmen… weiter schlafen. Träume weben sich in den Heuduft der Matratze. Floh sticht. Hafer auch. Aber der wächst im Norden. Hier wachsen die Eschen, Kiefern, Weiß- und Schwarzdörner, Ilex, Buchen, Ginster groß und klein, hier leben die Blaufalterchen, Eidechsen, Vipern und Bilche, Rotkappen, Steinpilze und Schirmlinge und…

Zauberwald im ersten Sonnenstrahl. Unschuldig, unverdorben, unverbraucht… ein neuer Tag.

 

Reduktion. In Zeiten von Überflutung und Überforderung das Ganze aufs Wesentliche zusammen schrumpfen lassen. Feuer anzünden, Wasser aus dem Brunnen schöpfen und in den Kessel füllen, Tee kochen, sitzen, Tee trinken, Sonne steigt, waschen… sich und was sonst noch will. Kein Muss.

Lautlos weben die alten Weiber ihre Netze für den Morgentau, gleichmäßig streicht des Liebsten Sense. Steinmänner wachen, Schildkröte schützt den Kamin, Fahne weht, Königskerze verblüht, goldene Sonne auf Basalt, der Holzfrau goldenes Herz leuchtet…

Frisch sind die Morgende. Erfrischend kühl das Brunnenwasser. Frisch sind die Abende. Heiß die Tage. Schattenplätze finden sich. Am Abend braten Pilze auf dem Feuer.

„Auch Steine vermehren sich…“, schreibt Michail Schischkin in seinem Buch Venushaar, „durchs zerbröseln…“

„Paris ist weit weg“, sagen die Südfranzosen, und die Tibeter: „Die Berge sind hoch, der Kaiser ist fern…“ und wie ist das hier, hier im deutschen Land? Ist da Berlin auch weit weg?

In die Stille hinein wächst der Turm der Erinnerungen. Er hat einen Speicher. Und einen Keller. Und eine Wendeltreppe… eine escheraeske. Mal führt sie nach oben, dann wieder nach unten oder sie zweigt ab. Nie kann man sich sicher sein in welche Richtung sie letztendlich führen wird. Zu welchen Räumen, in den Keller oder auf den Speicher. Keine gerade Linie, nur ein unendliches Über- und untereinander, ein Nebeneinander auch. Gleichzeitigkeit.

Die Mittagshitze verstreicht unter der Kiefer, plötzlich ein Damals… Orte, die mit diesem nichts zu tun haben, Wetter, Gefühle, anderes, gleiches oder gar Selbiges taucht auf. Schnittpunkte von gestern zu heute ins morgen. Spiralen und Wendeltreppen, welche Räume sich öffnen bleibt ungewiss.

Im Keller braucht es ein Lichtlein, um das Dunkel zu erhellen und in die Nischen zu schauen. Hier heißt es mutig sein. Die Angst an die Hand zu nehmen und den Dämonen Liebe in ihre Fratzen zu atmen. Das mögen sie nicht. Ihre Nahrung ist die Furcht. Angeekelt ziehen sie sich zurück. Glück gehabt!

Mäandernde Stunden, Schlangenwege, Schlangenbrücken, sich schlängelnde Straßen, Schlangenadler…

Vom Sandkorn zur Perle zum Sandkorn…

Blaue Stunde 6. Teil – über Abwesenheit und Verbundenheit

Manche, so sagt man, heiraten ihre Mutter oder ihren Vater. Sie… hätte niemals ihren Vater heiraten können, nur seine Abwesenheit und die der Mutter gleich dazu. Ihre Abwesenheit bei gleichzeitiger Anwesenheit.
So… hatte auch sie gelernt sich zu entziehen. Sich selbst zu genügen. Scheinbar.

Manchmal noch weinte das Mädchen in der erwachsenen Frau.
Es hatte Solche gegeben, die das Mädchen in ihren Augen gelesen hatten. Ein so tiefes Schauen aber war ihr unangenehm. Ihre Einsamkeit gehörte ihr allein. Ihre Not auch.
Schlimm genug, wenn sie sich manchmal Bahn brach. Die Not. Wenn die Kapsel brach. Unter Tränen. Mit roter Wut. Die Not, die den Verlust und die Leere wieder und wieder inszenierte.

Wer nicht tief schaute, bemerkte nichts. Sah, was sie wollte, das es gesehen wurde. Sie hatte die Kunst des Modellierens gelernt. War sie eine Mogelpackung geworden?

Sie saß in der blauen Dämmerung auf der Bank vor dem Haus. Die Beine und Füße zum Schneidersitz gekreuzt, den Blick auf Ferne gestellt. Die perfekte Meditationshaltung. Äußerlich. Innerlich weinte das Mädchen. Die erwachsene Frau war müde.
Noch nie hatte sie „richtig“ auf Stühlen, Bänken oder Sesseln sitzen können.
„Du… bist doch nicht von hier!“, tönte noch manchmal Mutters Kommentar.
„Nein, ich bin nicht von hier. Ich habe mich verirrt. Falsche Familie, falscher Zeitpunkt, falscher Ort…“

Sie hatte sich selbst dabei zugesehen, wie sie zunehmend abwesend wurde. Da, aber nicht mehr verbunden. Auch nicht mit ihm. Sie nannte es ihre Antwort. Aber vielleicht nahm sich nur das Raum, was sie schon als Kleine eingeatmet hatte, dem sie zeitlebens, wenigstens bis hierher, ein Gesicht zu bekommen verwehrt hatte. Ihr Trotz zu Abwesenheit gewandelt? Das rebellische Mädchen zu einer traurigen Frau?

Im Schweigen wohnte das Mädchen, die Frau, die Wut, die Traurigkeit Seite an Seite.

Ihre Abwesenheit schien seine zu verwandeln. Aber jetzt wusste sie nicht, ob sie es noch wollte. Nach all der Vergeblichkeit. Sie mochte keine Spielchen, wünschte sich Aufrichtigkeit und spielte und behütete ihre Geheimnisse wohl.

Einst hatte sie sich ihn so einfach vorgestellt. Hatte ihn wohl tausend Mal im Geist gemalt, entworfen, verworfen, wieder neu modelliert… ihren Adonis, der kein Gesicht annehmen wollte. Seine Züge, immer so flüchtig! Bis er vor ihr gestanden hatte. Sofort hatte sie ihn erkannt, seine Augen, seine markanten Züge, seine Falten, seine Statur. Der Anfang für die Erfindung eines Ehemannes war getan. Wer war er wirklich? Wer sie? Jetzt…

Jahrelang hatte sie an der Verbundenheit gestrickt. Jetzt hielt sie ein löchriges Etwas in den Händen, von einem Faden zusammengehalten. Löcher, in die sie hinein gefallen war. Löcher aus denen sie wieder heraus gekrabbelt war. Wer oder was hielt sie? Wer oder was trug sie?

Der Blick kam aus der Ferne zurück. Landete auf ihren, ruhig im Schoß liegenden Händen. Das Mädchen hatte aufgehört zu weinen. Es schien als lausche es auf etwas. Auch die Frau lauschte.

„Liebe“, flüsterte es. Ein zartes Lächeln schlich über ihr Gesicht. Sie schenkte sich ein Spiegelbild. Versöhnung stand darüber geschrieben.

Später wird sie diese zwei Worte aufschreiben und in ihren Zettelkasten legen. Zur Erinnerung. Zur Vermeidung von grauschleierigen Vorhängen der Vergangenheit über dem Klar des Jetzt. Noch etwas wird sie aufschreiben:
„Abwesenheit ist nur eine Facette.“

Liebevoll nahm die Frau das Mädchen in den Arm und flüsterte Verbundenheit in das dürstende Ohr.
Nacht hatte sich über den Abend gelegt. Ein kühler Wind strich über ihre immer noch gekreuzten Beine. Sie lächelte erneut, erhob sich und ging zurück ins Haus. Die Tür stand auf.