Ich bin ein Schneckchen

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Ich bin ein Schneckchen in dieser Welt. Ja doch … ja schon … ich komm voran! Aber ich müsste 130 Jahre alt werden und natürlich fit, wie ein Turnschuh bleiben und mein Geist klar, wie ein Bergkristall ohne Einschlüsse, um annähernd all das zu schaffen, was ich so gerne noch schaffen würde. Aber ehrlich gesagt hänge ich an so manchem Einschluss. Ich bin keine Nacktschnecke. Nein, nein! Dann müsste ich mich ja ständig verkriechen … Mein Haus ist immer dabei. Es fehlt nur der Turnschuh. Und vielleicht liegt das ja wiederum an der Zwiebel. Es tränt sich ein ganzes Meer zusammen, im Laufe eines Lebens. Schicht um Schicht. Und nicht immer kommt ein Fährmann und schliesst das neue Ufer auf. Noch erstaunlich wie alles zusammengeht, in einem Haus. Das „Zu-langsam“ und dann doch zu schnell.

In diesen Tagen

Während zweier Fiebernächte erblinde ich beim Autofahren und komme dennoch gut an. Alte Häuser stellen sich mir immer mal wieder in den Weg. Und immer betrete ich sie und immer gibt es viele Treppen, viele Gänge und viele Türen. Keine verbotenen. Und immer eine Überraschung. Es erinnert sich die eine, es erinnert sich der andere und andere fragen sich wieweit sie sich erinnern mögen. In diesen Tagen. Ein Jetzt ohne Gestern- eine Unmöglichkeit. Ich denke an einen Ulyssestag. Ich denke an Wasser.

Wasser, das trägt

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Wasser, das in der Abendsonne glitzert

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Wasser, das kreiselt

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Stilles Wasser

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Wasser, das strömt

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Wasser, vom Wind bewegt

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Ich denke an Wassermusik und an den Wind

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(alle Bilder werden gross, wenn du sie anklickst)

Lebensfluss durch Krankheit gestaut. Wenig frischer Wind in den Gedankengängen. Irgendwann ist auch das ein Gestern!

blaue Stunde – 18 – Öffnung

001 bucheckernschaleSich zeigen, die leere Bucheckernschale ist das Symbol. Weit haben sich ihre stacheligen Flügel geöffnet. Golden leuchtet das Innen.

Sichtbar werden, geschützt bleiben.

Wieviel Öffnung mute ich mir zu, wieviel der Welt? Öffnung braucht Mut und Wachheit, braucht Vertrauen, vor allen Dingen in sich selbst, in die eigene Wahrnehmung, die nicht allgemeine Wahrheit ist, nur immer die eigene und manchmal, in wenigen Ausnahmen, auch ganz allgemein.

Öffnung braucht Schutz, braucht die Gewissheit, dass nichts passieren wird, was nicht passieren soll, heißt bei sich und mit sich selbst zu sein. Heißt zu wissen, dass es nichts wirklich zu verlieren gibt. Kein Gesicht und keinen Ruf. Unschuld ist schon lang vorbei! Und ums Leben geht es hier nicht. Auch nicht um Blindheit, um das Betreten von Gefahrenzonen, die man nicht meistern kann. Es geht um Öffnung, dem Leben, ganz. Weit zu werden, ohne etwas haben oder erreichen zu wollen, ohne Greifen, ohne Zwang.
„Es“ zu tun.

Das Leben tanzen, auf seinen Wellen reiten, hoch hinauf und tief hinunter, juchzen und schreien, lachen und weinen, nichts ausschließen. Die Mitte und die Stille sind Ruheräume, hier wird Kraft geschöpft. Hier werden Eindrücke verdaut, Gedanken zu Papier gebracht, hier werden Gefühle zu Bildern, bis das Leben wieder Fahrt aufnimmt. Hoch hinauf und tief hinunter. Narr und Närrin lachen.

Leer war die Welt geworden, als Närrin und Narr das weite Land und die kleine Stadt verlassen hatten. Melancholie legte sich über die Gassen, trübte das Laternenlicht in der Nacht.

002 nebelnacht

Leise waren die Gesänge der Schwäne geworden. Die Kraniche tröteten an Afrikas Flüssen. Es war nicht lange her, dass sich Närrin und Narr getroffen hatten, dass sie gemeinsam die Nacht erleuchtet hatten. Es vergingen nur wenige Tage bis sie gemeinsam die kleine Stadt verließen. Und wieder war es Nacht, es fiel der erste Schnee. Stille legte sich über Land und Stadt.

Es saß eine kleine blaue Frau am Meer. Leise Wellen spielten Vor und Zurück. Die Narreteien waren verschwunden. Nur die Vögel sangen weiter ihre Lieder, die Raben und Krähen krächzten, Kraniche waren in den Süden geflogen, sie hatten die Närrin auf ihren Wegen in einer Stube sitzen gesehen. Sie war beschäftigt … mit Menschendingen. Schalk hielt sich versteckt.

Es galt die Leere auszuhalten. Die Stille, wieder einmal. Die Kraniche flogen zurück in den Norden, tröten über dem weiten Land und der kleinen Stadt. Sie waren die Vorhut für glöckchenfeines Lachen. Närrin und Narr kehrten zurück. Melancholie und Leere machten ihrem Lachen Platz. Ihm und dem ganzen verrückten Leben!

Man muss sich die Narreteien erlauben! Es ist genügend Ernst, Leid und Schmerz in der Welt. Sie muss man nicht suchen, sie stecken hinter jeder Ecke. Sie können eine Portion Narretei gut gebrauchen, eine Prise Ironie, einen Schalk, einen Narr, eine Närrin.
Ja, Empörung tut Not in dieser Zeit. Mut auch, um hinzuschauen, es auszuhalten und dann auch einmal wegzuschauen und die Welt, Welt sein zu lassen.

Angst hält die Menschen klein und die Welt in Atem. Feinde werden erkoren und immer sind es die anderen, die uns etwas wegnehmen wollen. So wird alles Habenwollen umgekehrt, werden Räume eng. Es ist noch immer genügend Platz für jede und jeden, niemand muss gehen und niemand muss alles mögen, auch ich nicht von mir selbst. Aber ich darf lachen. Auch über diese Welt!

Es wiegt schwer, das Diktat. Es ist die Fessel bei jedem kreativen Akt. Die Närrin verleiht Flügel, Coyote heult sein Mondlied dazu, Schlange häutet sich, Samenkapseln platzen auf, Zitronenfalter fliegen, Kirschbäume blühen, Hummeln brummen, Bienen summen.

0001a ErblühenIn meinem Takt bleiben, ohne zu hasten, ohne Atemlosigkeit, gleichmäßiger Schritt. Die Werkzeuge finden sich ganz von allein. Routine schenkt kreative Räume, lässt Gedanken frei und den Geist tanzen. Freiheit ist kein äußerer Raum. Ich kann mich nur selbst frei geben! Gegen die Angst gesehen zu werden, gegen die Scham vor der eigenen Kleinheit. Gerade das, was wir am meisten zu verbergen suchen, wird von geübten Augen als erstes erkannt. Warum es also überhaupt noch versuchen?

Karl Ove Knausgård lässt Schranken fallen. Er zeigt sich der Welt in seinen Schwächen und Stärken, aber ganz besonders in seinen Schwächen. Er versteckt sich nicht hinter erfundenen Geschichten, bewegt sich innerhalb seiner Wahrnehmungen und Wahrheiten, wohl wissend, dass es seine Erinnerungen sind. Andere, wie seine Mutter, sein Bruder erinnern sich anders, an anderes, auf jeden Fall nicht so … Es bleibt Verwunderung und das sichere Wissen um die eigene Welt, die eigene Wahrnehmung und Empfindung. Doch nach der Lektüre seines vierten Bandes: „Leben“, frage ich mich: will ich all das so genau wissen?

Knausgård hält auch in diesem Band das Tempo und somit eine gewisse Spannung aufrecht, sodass ich immer weiter lesen will und muss. Aber es gibt Längen und eben diese Frage. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass sich hier etwas trennt. Erschien er mir bis hierher eher als eine Art Bruder, so wird er jetzt zu Karl Ove Knausgård. Einem Mann, der mich an seiner Pubertät, seinem Erwachsenwerden teilhaben lässt. Der sich als ein Kerl zeigt, den ich mit 16, 17, 18 Jahren nicht gemocht hätte. Ob er sich selbst mochte, damals …? Ich glaube nicht, wenn ich ihn richtig gelesen habe. Und genau hier setzt dann auch wieder meine Achtung für sein Werk ein. Es braucht Mut sich zu zeigen. Ganz. Auch auf die Gefahr hin nicht gemocht zu werden. Sich der Welt zuzumuten. Weiter und immer weiter zu gehen, mit seinem Projekt. Seinem Kampf ins Gesicht zu schauen, ihn zu benennen, alles von ihm der Welt zu zeigen, die sich darin wiederfinden kann. Alles, soweit alles eben geht.

Und wieder wirkt die Frage: wie weit bin ich bereit mich zu zeigen? Und wer will das alles wissen? Wenn schreiben ein Muss geworden und geblieben ist, dann muss es sich die Frage gefallen lassen: für wen und wozu. Was ist nur Bedürfnis nach Anerkennung oder nach Erkennung gleicher Geister- wo entsteht Reibung und halte ich diese aus? Was ist, weil es muss und was wird kreiert, was ist immer schon da und will nur hinaus? All die vielen Tierchen, die leisen und lauten, die wilden und zahmen, sie alle wollen das offene Land und die Weite des Himmels. Käfige und Dressuren tun niemanden gut, keinem Tier, keinem Menschen, keinem Kraut. Es wird viel gebogen und verborgen, viel gelogen und verbogen in der Welt und nichts scheint mehr heilig. Aber wenn erst einmal alles profan geworden ist, wie soll es dann noch Staunen und Freude geben? Alles will leben. Ganz. Zu und in seiner Zeit. Alles will voll erblühen,

0001 Erblühenwill sich voll entfalten, will in Freiheit hoch hinauf und tief hinunter, will ausruhen im sicheren Raum, ausatmen und weitergehen.

Sich zeigen, die leere Bucheckernschale ist das Symbol. Weit haben sich ihre stacheligen Flügel geöffnet. Golden leuchtet das Innen.

Sichtbar werden, geschützt bleiben.

001a sichtbar werden, geschützt bleiben

die andere Seite VI

oder

Die kleine blaue Frau, die Nacht, der Mond, die Träume, der Frühling und Madame Petit Bleu-

035 18.02.15 die kleine blaue Frau - 4 - und die Nacht, die Träume, der Frühling und Madame Petit Bleu

Es leben die Menschen auf verschiedenen Seiten. Manches erscheint selbig, manches gleich. Und dann auch wieder doch nicht … Manches erscheint fremd und manches anders→.

Und alles erscheint nur so, denkt die kleine blaue Frau.

Sie träumt einen grünen Mond in die Nacht. Sie malt Frühlingsgrün und Wasserblau in großstädtische Fensterscheiben. Sie denkt sich Madame Petit Bleu nah. Sie schaut die andere Seite. Einer pfeift ein Lied.

(Klick auf das Bild = gross und Klick auf den Link = pixartix)

blaue Stunde -17- Schichten

001 schichten

 

Klick gleich gross – heute Morgen im Hochtal

Schicht für Schicht türmt sich der Schnee vom Tag zur Nacht zum nächsten Morgen. Wind bläst Dünenlandschaften, wellt die Hochebene. Eiszapfen wachsen.

Was macht der Fuchs, wenn der Dachs schläft? Was machen die Karpfen im Teich?

Wattebäusche liegen über den Gedanken, nur langsam gleitet der Füller voran. Imbolc- vier Nächte vor Vollmond. Fräulein Smilla wüsste all die verschiedenen Schneeformen der letzten Tage zu benennen. Ich kenne Pulverschnee, damit fing alles an. Und ich kenne verharschten Schnee und Schneegraupel, damit ging es weiter. Mit Schneeregen und Schneematsch hört es wieder auf, irgendwann. Und das kann dauern in diesem Jahr! Fünf Worte für Schnee, aber es gibt so viel mehr Schneekonsistenzen, die in meinen Breiten namenlos bleiben. Fräulein Smilla könnte helfen.

Wir können jetzt Iglus bauen, eine Schneegarage gibt es schon.

002 Schneegarage

 

Wir können Körner für die Vögel streuen und Essensreste in den Hauseinigang stellen. Winzige Pfoten verraten am Morgen den nächtlichen Besucher. Möge er sich satt gefressen haben!

003 spuren

 

Ich bin ein bisschen wie der Igel, die Bärin oder der Dachs, mag meine warme Höhle, labe mich an den gesammelten Vorräten des letzten Jahres, verzehre den Weihnachtsspeck.

Ich träume, erträume mir das kommende Jahr.

Ein bisschen bin ich auch wie Tomte Tummetott. Schleiche durch die Nächte, tröste und flüstere in die Ohren der vom schweren Mut hängenden Köpfe Schneeglöckchenbilder. Und wieder habe ich im Herbst vergessen die Knollen der Märzenbecher in die Erde zu stecken. Schade! Ich flüstere in die Ohren derer, die süchtig nach dem Sehnen was gerade nicht ist sind: es wächst die Vogelmiere weiter unter dem Schnee und in wenigen Wochen läuten die Glöckchen an den südlichen Hauswänden den Frühling ein.

Ich träume. Es ist die Zeit dazu. Erträume mir das Neu. Spüre hin zu den Pfaden, die Vertiefung wollen, lupfe den Deckel des Kessels, den ich zur Wintersonnenwende schloss. Lasse den Duft der Lebenssuppe frei, schmecke ihre Ingredenzien, betrachte die Komposition und beginne zu würzen und zu verfeinern. Zwölf Monde habe ich jetzt Zeit.

Die stille Zeit ist vorbei. Sie war eine Fledermaus in diesem Jahr: husch und weg. Die Unruhe der Welt hat sie mit sich genommen, der Wind blies dazu. Kaum eine Nacht in der er geruht hat. Hier stehen noch alle Bäume.

Es schichten sich die Fragen, wie der Schnee. Bin ich gerüstet für all das, was noch kommen kann? Bin ich nicht manchmal zu sehr Igel, Dachs oder Bärin? Die Freundin sagt, dass niemand wirklich auf die Probleme vorbereitet ist, die es jetzt in der Welt zu lösen gilt. Ich stimme zu und zubbel an der eigenen Nase.

Es schichten sich die Jahre, wie der Schnee auf der Hochebene, nicht alle haben einen Namen.

004 Winterstill

die kleine blaue Frau III

020a 26.01.15 kleine blaue Frau und die Welt

Es ist die Welt zu laut an manchen Tagen für die kleine blaue Frau. Sie geht ins Still. Sie träumt das Blau der Berge, des Himmels, des Wassers und des Nichts, mitten im Grün des Lebens.


 

Das Aquarell malte ich 1975 … die kleine blaue Frau fand ich im Bildernetz, die Künstlerin, der Künstler ist unbekannt. Falls sie oder er hier vorbeikommen sollte und nicht mit der Weiterverarbeitung von mir einverstanden ist, so bitte ich mir dies zu sagen – herzlichen Dank.

 

blaue Stunde 16 – Madame Petit-Bleu

eiszeit I

Sowohl-als-auch ist gross, grösser, viel grösser als gedacht, seine Weite und sein Raum lassen sie manchmal ängstlich werden. Entweder-oder bietet Grenzen, scheinbare Sicherheiten, sowohl-als-auch scheinbare Haltlosigkeiten. Es gibt kein Absolutum, auch nicht zwischen diesen beiden, nur jetzt nimmt sich das Sowohl-als-auch seinen Raum.Es hat lange gewartet, hat lange kopfschüttelnd die Sorgenfalten sich vertiefen sehen, bei all dem Entweder-oder.

Unter winterlich klar-blauem Himmel singt die kleine blaue Frau das Lied von sich und den Menschen in der Welt, die tun, was es zu tun gilt und sind, was sie ist. Es ist ein leichter Tanz, wenn sie sich entscheidet. Jeden Morgen neu, jeden Morgen die erneute Einbettung in den Lebensfluss.

Der Bach rauscht bis an ihr Bett heran, Madame Petit-bleu hat Herzklopfen, probiert die roten Schuhe in der warmen Stube, sie träumt Leidenschaft, sie lächelt beim Tanz. Sie denkt an Schneeglöckchen, Märzenbecher und wilden weissen Krokus auf den Bergwiesen.

Langsam kommt das Rad wieder in Schwung. Das Fauchen der Percht ist verstummt, wild war sie in diesen rauhen Nächten, hat Äste von Bäumen geschüttelt, Schnee zu Bergen und Tälern geweht, Schneelawinen rutschten krachend von den Dächern, Krähen krächzten, kein Fuchs in der Nacht.

Die kleine blaue Frau singt wieder, tanzt die ersten kleinen Schritte, spürt die stille, feine Bewegung im Erdenreich. Bach rauscht, es wachsen Eiszapfen über Nacht. Die Puppe im Kokon träumt sich dem Schmetterling entgegen, Mond und Sterne erstrahlen im Winterglanz frostiger Januarnächte.

eiszeit II

es ist ein Johnnybild und ein Emil

004 31.12.14 ein johnnybild

(danke an Dina für das Schiff)

Es ist ein Johnnybild

Und wieso denke ich jetzt an einen Zigarettenautomaten? Aaah ein bisschen blauen Dunst, eine bisschen schummerige Kneipe, eine Musikbox in der Ecke, klar. Später hängt ein feiner Nebel zwischen den Häuserzeilen, ein Arm, der hält, aber nichts verspricht. In der Ferne tutet und rummst der Hafen. Und immer ist es ein Johnnylied.

Emil hiessen die Väter, meiner und seiner auch. Es gibt mehr von ihnen, es gibt immer mehr. Wenn es weniger wird, ist es Zeit zu gehen- bevor nichts mehr hält. Versprochen wurde nichts und wenn, dann wurde es vergessen.

Es hört nicht auf, nie, vom ersten bis zum letzten Atemzug nicht. Nur im Schlaf ist es leiser. Nichts läuft wirklich im Kreis, nichts geradeaus, nicht von Natur aus, die Unwucht ist das Spannungsmoment, das Nichtgeplante, Nichtgedachte, das Haltlose. Hingabe kennt viele Arme.

Emil hat Johnny abgeholt, pfeifend verlassen sie das Blickfeld. Leer getrunkene Gläser klatschen an Wohnungswände.

Geschichten wie diese enden im Nebel. Tragödien und Melodramen durchtränken die Taschentücher von Millionen Frauen. Die Männer indes entwickeln den Seemannsgang.

Es ist ein Johnnybild und ein Emil.

005 31.12.14 johnny und emil

auf ein Neues …

Teil 3 „… den Kopf nach links, nur ein bisschen …“

es ist schon eine Weile her, dass Irgendlink und Soso diese Fortsetzungsgeschichte ersannen und Kapitel 3 an mich übergaben, darum zur Erinnerung

Kapitel 1 von Soso

Kapitel 2 von Irgendlink

Kapitel 3

Und dann wurde wieder alles schwarz. Kein Gedanke, keine Erinnerungen, kein Traum, abtauchen, auftauchen und wieder abtauchen und auftauchen … Zeit wurde zu einer Gummischlange. Woher sollte er wissen wann Tag und wann Nacht war? Was wusste er überhaupt? Schemenhaft zogen Büro, Handy laden, Hausnummer suchen, Fahrrad abschliessen erneut an ihm vorbei, vermengt mit dem verflixten Wohnwagen und den Augen von Egon. Was wohl aus ihr geworden ist? Leif driftete wieder, erinnerte sich an Egon, ihr Lachen, ihre flatternden Haare im Fahrtwind, ihren unerschütterlichen Optimismus. Gerne hätte er sie geküsst, damals. Vielleicht auch jetzt. Aber du meine Güte, wie lang ist das schon alles her! Nach dieser Katastrophenfahrt hatten sie sich nicht mehr getroffen. Nein, das war keine Absicht gewesen und auch keine Antwort auf den vermasselten Urlaub, es ist passiert, einfach so. Ich werde einmal recherchieren und sie dann anrufen. Na ja, werde ich …

Seine Hand, die festgezurrte unter dem Gürtel, die bewegliche, hatte gezuckt, hin zu seiner Körpermitte. Die Reflexe eines Mannes, wenn er ans Küssen denkt. Er schüttelte den Kopf, der beweglich war, wie die Hand, in seinen Ohren das Tropfen des Wassers. Doch Moment, es gab mehr als die Wassertropfen und seinen Herzschlag, seinen Atem, ein anderes Geräusch hatte sich unter die Wassermusik gelegt. Hatte es nicht eine Zeit gegeben, als alles Tropfen verstummt war? Und hatte er nicht ein Flüstern gehört, Schritte? Aber jetzt, jetzt tropfte es wieder und … angestrengt lauschte er, versuchte Gehörtes mit einem Wort zu belegen, etwas zu finden, das ihm einen Halt gab in all dem Haltlosen und doch Gefesseltem. Er kannte es, er musste es schon Hunderte Male gehört haben. Zuhause … ja! Im Büro … auch, auch damals bei Mutter, nein, im Auto nicht. Er lauschte, seine Hand blieb ruhig, er versuchte die Quelle auszuloten, einen Punkt zu finden, wo das Geräusch begann, aber es bewegte sich, ging hierhin und dorthin, wurde lauter, kam näher, dann ging es weiter, wurde leiser, es schabte, es brummte.

Noch immer war da dieser Nebel um ihn herum, er steckte in einer Blase, manchmal kam er an die Oberfläche, dann tauchte er wieder ab. Die Geschichte begann sich in eine Auszeit zu schreiben. Ungeplant, nicht gewollt, ohne Grund, aber auch ohne Eile. Wie damals mit Egon, da war auch alles ungeplant, ungewollt und ohne Eile gewesen. Ohne Grund? M… da war er sich nicht sicher. Geschieht überhaupt irgendetwas ohne Grund? Es ging doch immer um Ursache und Wirkung, oder nicht? Aber verdammt, wieso lag er dann hier, was war die Ursache, was der Grund? Die Wirkung spürte er ja klar, klar und vernebelt zugleich.

Während er grübelte, hockte der Horror in einer Ecke des Nichts, er fühlte sich zunehmend unwohl, wollte hinauf auf das Podest, wollte wüten, vielleicht massakrieren, aber vor allen Dingen erst einmal einem, irgendeinem so richtig das Fürchten lehren. Seine Nahrung war und ist das Wimmern seiner Opfer, elendige Kreaturen, die an ihrem Leben kleben, als gäbe es wirklich etwas zu verlieren. Er wusste, dass sein Auftritt näher kam. Aber jetzt musste erst einmal diese blöde Putze Feierabend machen und verschwinden. Als hätte sie ihn von draussen denken hören, schaltete Elvira den Staubsauger aus. Es war genug für heute. Sie stellte den Sauger in seine Ecke, zog den Kittel aus, ihren Mantel und die Stiefel an, sah sich noch einmal um, nickte und ging. Der Kies knirschte unter ihren Füssen, ein Wind blies letzte Herbstblätter über die menschenleere Strasse dieser beschaulichen Wohngegend. Sie seufzte, wie anders es doch bei ihr daheim aussah. Enge Strassen, voll mit Autos, Motor- und Fahrrädern, Menschen hasteten von früh bis spät von hier nach da, es gab Geschrei, Gezanke aus den Fenstern und so manch besoffenes Gegröle in der Nacht. Sie blieb noch einen Moment stehen, während Horror hinter der Hecke hockte. Soweit hatte er es nun schon aus dem Nichts herausgeschafft, er konnte sein Opfer schon riechen. Konnte diese doofe Tussi nicht e n d l i c h gehen! Ich fass es nicht, beinahe hätte er sich vor die Stirne gehauen, nun hält sie auch noch einen Plausch mit diesem Alten! Tatsächlich war Elvira am Gartenzaun stehen geblieben und plauderte ein bisschen hin und her. Mit Otto, dem Alten, der so gerne Kleinholz machte. Gerade stand er wieder an seinem Hackklotz und schärfte seine Axt.

N`abend Otto, nu mach du och ma Feierabend, wird schon dunkel un kalt isset och!

Meene Kleene, er nannte sie immer meene Kleene, dette vastehstde nich, hier isset jut für mich, wat soll icke denn jetzt schon inne Stube? Aber nu hau schon ab, sei nett zu dene Jören! Auch das sagte Otto jedes Mal, sei nett zu dene Jören und dabei zwinkerte er ihr immer zu.

Na dann tschüss. Elvira hob die Hand zum Gruss und ging die lange Strasse hinunter.

Endlich war seine Stunde gekommen …

 

Fortsetzung folgt (vielleicht)

Bisher spielten mit:

Er (Leif), Putzfrau (nicht Elvira), die Egon, zwei finnische Tramper, Frank, norwegischer Polizist, Elvira (die Putzfrau), Otto und der Horror

Zeitfenster: 1990 und jetzt

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte, den Anfang machte Sofasophia, es folgte Irgendlink, nun ich … vielleicht magst ja jetzt du die Fortsetzung schreiben, dann bitte bei Sofasophia oder Irgendlink melden …

Ich bekam von Irgendlink die Stichworte: Staubsauger, Hackklotz und verflixt

Ich verteile: Fluglotsenstreik, Alimente und Gummitwist

Rückblick, der letzte – November 2014

ci rückblick nov. 2014

Gerade noch blühten Blumen im Garten, leuchtete das Gelb der Gräser und Blätter die letzte Wärme in steigende Nebel, ein Balaceakt zwischen Innen und Aussen begann. Das Feuer hatten wir schon vor einigen Wochen ins Haus getragen, das Holz gesägt. Altwerden ist eine Frage, das wo und das wie. Rückschau auf Wochen, Monate und Jahre und immer wieder Frieden schliessen, mit sich und dem was war. Hier… schliessen sich die Kreise! Wieviel schwerer ist es doch in der Welt!