S = Spiel

Alphabet der mutigen Träume

01-10-15-ende

Wie ihr seht ist auch der erste Entwurf meines mutig erträumten Alphabets nicht starr. Statt Sichtweise, wie zuerst gedacht, habe ich mich nun für das Spiel entschieden.

Spiel gehört zu meinem inneren Mädchen, das sich freut, wenn ich mit Worten, Farben und Formen spiele, wenn ich mich spielerisch und leichtfüßig in der Welt bewege und in dieser Haltung lerne und meine Herausforderungen annehme.

Kinder lernen spielerisch, sie lernen freiwillig, weil sie lernen wollen- jedes Kind auf ihre und seine ganz eigene Weise. Spielerisches Lernen geht über die Erfahrung mit allen Sinnen, anstelle von Pult, Tafel, Tisch und Bank, anstelle von Zwang und der Doktrin: „Das musst du jetzt lernen und können!“

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(Hier könnt ihr noch einmal schauen, wie aus einem grauen Denkmal eines Narrens eine Närrin wurde, das meine ich eben auch, wenn ich von Spiel spreche → https://cafeweltenall.wordpress.com/2013/01/05/wanderschaft/)

Spiel, Humor und Leichtigkeit gehören für mich zusammen. Hier ist auch die Närrin daheim, sie forscht zwanglos in den Feldern, weil sie es will und nicht weil sie muss. Ihr Fokus liegt auf dem Weg und nicht auf dem Ziel.

Der Weg kann in Eile, mit Schweißtropfen auf der Stirn und Atemlosigkeit gegangen werden oder tänzelnd, hüpfend, ausprobierend, schlendernd, schreitend oder im eigenen Tempo gegangen werden.

Das Spiel kennt GewinnerInnen und VerliererInnen, aber auch das Wissen, dass sich das Blatt immerzu wendet.

Es sind die Formen und Methoden in den Elternhäusern, Kindergärten, Schulen und Universitäten, die prägen und oftmals die Freude am Lernen zerstören, in denen oft kein Raum für das Spiel bleibt. Ich habe in den 1970er Jahren nach einer vierjährigen sozialpädagogischen Grundausbildung das Handtuch geworfen. Ob ich nun in einem Kindergarten arbeitete oder in einem Kinderheim oder in einem Heim für geistig behinderte Menschen, der O-Ton war immer der Gleiche: von oben herab, autoritär und somit in meinen Augen zerstörerisch. Als Praktikantin in diesen Häusern stieß ich immer wieder auf Unsägliches. Man versuchte auch mich dahingehend zu „erziehen“, dass es eben nicht anders gehen würde. Daran glaubte ich aber nicht und ich wollte nicht so werden wie diese ErzieherInnen, sah aber damals auch keine Möglichkeit für neue Felder, obwohl es sie schon gab, sie sich mir aber noch nicht gezeigt hatten.

Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie sich am einzelnen Kind orientieren, an dessen Fähigkeiten und Qualitäten und diese fördern. Spielerische Herangehensweisen finden sich besonders in den Freien Schulen und bei den Einrichtungen nach den Lernkonzepten von Maria Montessori.

Einst las ich eine Schrift des griechischen Homöopathen George Vithoulkas zum Lernen. Vithoulkas hat das homöopathische System nach Hahnemann weiter entwickelt hat und gilt als Koryphäe auf diesem Gebiet. Er schlüsselte sehr genau die einzelnen Stadien des Menschens auf und richtete darauf sein pädagogisches System. Am Anfang stand das Spiel, über ausprobieren, Versuch und Irrtum zu lernen, sowie Bewegung und Sprachen. Die naturwissenschaftlichen Fächer fanden ihren Platz bei schon älteren Kinder, ferner behauptete er, dass Fächer für die logisches Denken eine Voraussetzung sind, erst ab der Pubertät gelehrt werden sollten, weil es braucht, bis sich das logische Denken ausbildet. Ich fand das damals alles sehr schlüssig. Leider fand ich diese Schrift nicht im www und mein Exemplar kann ich leider auch nicht finden.

Ich behaupte, dass Kindern, die bei ihren Fähigkeiten und Qualitäten abgeholt und dahingehend begleitet und gefördert werden, die Freude am Lernen nicht vergeht.

Spielerisch können wir verschiedene Blickwinkel einnehmen, etwas, das ich gerne beim Fotografieren mache und später dann bei den Collagen und Fotomontagen, wenn ich mit verschiedenen Hintergründen und den jeweiligen einzusetzenden Sujets spiele. So öffnen sich mir neue Sichtweisen. Und so haben die Sichtweisen doch noch einen Platz gefunden.

R = Richtungswechsel

Alphabet der mutigen Träume

Kormoran hat zum Thema Kommunikation folgendes gefragt:

K-Frage heisst in Deutschland ja wer wird Kanzler – was würdest Du kommunizieren bei einem Tag als K.

Meine Antwort:

Verehrter Herr K – ormoran, Sie stellen ja Fragen … ich würde auf alle Fälle einen Richtungswechsel ankündigen (da wäre ich doch gleich eine richtige K. 😉 ), das zweite Ziel würde Bruttosozialglück (=B) heißen und die Form des Staates: Demokratie unter Miteinbeziehung des Volkes bei staatstragenden Entscheidungen. Ferner würde ich die Steuern für die Reichen und Superreichen erhöhen, Hartz IV abschaffen und das bedingungslose Grundeinkommen für jede und jeden einführen. Damit hätte ich mir nun schon genug Feinde gemacht, um die Vertrauensfrage gestellt zu bekommen…

…und dann würde ich, wenn ich nicht schon vorher vom Podest geholt worden wäre,  eine Rede über all das halten, was ich von A = Allgemeinwohl bis hierher benannt habe, würde Gedanken von Gerdas griechischem Alphabets des freien Denkens hineinflechten, um den Damen und Herren VolksvertreterInnen und Volk einen Richtungswechsel hin zu einer von Humanität getragenen Gesellschaftsform schmackhaft zu machen. Und natürlich würde ich die Ministerinnen und Minister vorstellen, die in diesem Sinne die Ideen umsetze würden. Denn eine K. allein, das funktioniert nicht. Abgesehen davon, dass ein Mensch eh nie alles weiß und kann und es für einen Richtungswechsel viele kluge Köpfe braucht.

Der Richtungswechsel ist notwendig, weil es so, wie es Zurzeit in der Welt ist, zu noch größeren Katastrophen führen kann. Um negativen Prophezeiungen den Boden zu entziehen, setze ich mutige Träume dagegen.

Gerda hat natürlich Recht, wenn sie (im Kommentarstrang zu Brechts Ballade am Samstag) sagt, dass unsere beiden Alphabete die wirtschaftliche Seite nicht außen vor lassen darf. Ich habe deswegen den einen und anderen Gedanken hier mit eingewebt. Bislang sprach ich von Allgemeinwohl, Bruttosozialglück, von einer Welt des Nehmens und Gebens.

Ich bin nun wahrlich keine Wirtschaftsexpertin, auch habe ich das Kapital von Marx nie gelesen- ich weiß nur, dass der Turbokapitalismus auf Dauer nicht funktionieren kann. Ihr lest es, hier ist eine Fachfrau/ein Fachmann gefragt. Gerda hat auch damit Recht, wenn sie sagt, dass es noch ein drittes Alphabet geben müsste, eins der wirtschaftlichen Fragen… das aber würde ich gerne ihr oder denjenigen überlassen, die in diesem Gebiet firm sind. Ich weiss nur, dass Schluss sein müsste mit der Macht der Banken, der Spekulationen und Korruptionen- ein wahrlich großes Unterfangen!

Um mich dem Ganzen überhaupt zu nähern, kann ich mich nur an kleinen Projekten und Ideen, sowie an ihren Formen orientieren, die mir sinnvoll erscheinen. Dazu gehört für mich das System der Genossenschaften und das der Kollektive = Selbstbestimmung ohne Masterplan, aber mit System und Plan, der sich an dem Moment und seinen speziellen Aufgaben orientiert. Ich habe selbst lange in einem Kollektiv gearbeitet. Ja, manchmal war es nervig, wenn wir ein Thema zum 100sten Male diskutieren mussten, weil Konsens eben Konsens heißt und trotzdem war es in meinem Arbeitsleben mit anderen die beste Form, die gerechteste auch.

Mitspracherecht und Gewinnbeteiligung in der Produktion ist in dem Kontext schon eine Selbstverständlichkeit, Fair-Trade auch. Regionale Vertriebe ist ein weiteres Stichwort. Ich denke auch an eine Landwirtschaft, die den Namen wieder verdient hat- weg von Monokulturen und riesigen Betrieben, weg von Massentierhaltung und Subventionen, weg von genormten Früchten und Gemüse, Gentech sowieso nicht. Wie kann es sein, dass die Landwirtin, der Landwirt immer noch wie ein dummer Bauer behandelt wird? Sie ernähren uns! Es geht also auch immer wieder um einen Richtungswechsel in der Bewertung von unterschiedlichen Arbeitsfeldern. Ihr lest es, jedes Stichwort kann einen eigenen Artikel füllen.

Zurück zu meinen Stichworten: Umverteilung des Kapitals = Steuerrecht. Die Reichen und Superreichen haben ihren Reichtum auf dem Rücken von Tausenden erwirtschaftet und sind nicht bereit sie an diesem Wohlstand teilhaben zu lassen, obwohl sie so viel besitzen, dass sie es nicht in zehn Leben  ausgeben können. Was hindert die meisten von ihnen daran einen Teil ihres Geldes an ihre ArbeiterInnen und Angestellten weiterzugeben, was hindert sie Geld in Kultur und soziale Projekte zu stecken? Geiz ist eine der Antworten, Gier die nächste, Stolz eine andere, Macht die nächste. Und somit erscheint alles als unmöglich, nicht wahr? Denn wer vermag schon den Geizigen, Gierigen, Stolzen, Mächtigen zu einer Umkehr zu bewegen? Und wie komme ich Angesicht dieser Tatsachen dazu ein mutig erträumtes Alphabet zu ersinnen und zu veröffentlichen?

Die Säerin, 1926, v. Wilhelm Schulze Rose – dahme.de

Es heißt immer wieder: „Stetig ist der Wandel“ und „Steter Tropfen höhlt den Stein“- seht mich als steten Tropfen, seht mich als Eine, die weiß, dass ein Richtungswechsel Zeit braucht und über meine eigene Lebensspanne hinausreicht- nicht mir zum Wohle schreibe und träume ich das alles, vor allen Dingen für das Wohl der nachfolgenden Generationen und einem Planeten, der auch für sie noch Früchte trägt und Wasser schenkt. Und ja, seht mich als eine, die Samen streut, die auch nur übt und auf dem Weg ist.

Gestern Abend hörte ich ein feature über einen Amerikaner, der sich Zeit seines Lebens für den Weltfrieden engagierte, er wird nun 80 und sagte sinngemäß: Bislang haben wir den Weltfrieden nicht erreicht und gerade eben sind wir wieder weit von ihm entfernt, aber wir haben uns wenigstens um ihn bemüht. Dann hat er herzlich gelacht. (Leider habe ich nur mit halbem Ohr zugehört und der Name ist mir weggerutscht.) Diese Haltung ist es, die mich dazu bringt mich weiterhin einzusetzen, mich zu bemühen und ist Motor für das Alphabet und einiger meiner Bilder.

Unter O = Offenheit habe ich das Buch von Geseko Lübke – Die Politik des Herzens, vorgestellt, vielleicht hat ja die Eine und der Andere mal geblättert- auch hier werden die einzelnen Kapitel von unterschiedlichen Menschen geschrieben, Geseko Lübke war der Sammler und Initiator, ich habe jetzt entschieden, dass ich mir das Buch kaufen werde, hier finde ich bestimmt noch viel Ergänzendes und Vertiefendes zu meinem Alphabet der mutigen Träume. Eine Buchbesprechung folgt dann…

 in dem Buch blättern →

Nachtrag- nun habe ich doch einmal nachgeschaut, Frau Wildgans hat mich im Kommentarstrang dazu motiviert, wer genau der 80jährige war/ist:  Die Sendung lief auf SWR2 – der Mann Benjamin Ferencz, einer der Chefankläger bei den Nürnberger Prozessen- hier ist der Link, du kannst es nachhören und das werde ich auch machen, weil ich ja eben nur mit halbem Ohr zugehört habe-
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/feature/benjamin-ferencz-hurra-wir-haben-nicht-versagt/-/id=659934/did=18849784/nid=659934/cqn5dw/index.html

Ich muss mich entschuldigen, Benjamin Ferencz war zu der Zeit, als das feature entstand – 2015 – schon 97 Jahre alt, nun habe ich die Sendung nachgehört!

 

Q = Querdenken

Alphabet der mutigen Träume

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©stepstone.at

In jungen Jahren nannte man mich Querulantin, Querkopf und Quälgeist, weil ich schon früh damit begann Fragen zu stellen und zu hinterfragen. Das war unbequem für die Befragten, also speisten sie mich ab, was weder nährend, noch förderlich war. Später fand ich viele Antworten in den Büchern, soviel wie ich fragte, soviel las ich ab dem Moment als ich es konnte, mit fünf Jahren … weil ich es so wollte. Querkopf eben, Dickkopf auch! Gut so, das hat mich vor größeren Schäden bewahrt. Und wie ich immer wieder einmal in der Literatur lese, nicht nur mich, zuletzt las ich Ähnliches in der wunderbaren Trilogie um Hilda herum, geschrieben von Ulla Hahn.

Je älter ich wurde, umso mehr schätzte ich querdenken und QuerdenkerInnen. In der Schule liebte ich die Lehrerinnen und Lehrer, die uns ermunterten das Gelernte in eigene Worte zu fassen, statt in vorgefertigten Merksätzen runterzurasseln, was bei mir eh nicht funktionierte, ich war keine Auswendiglernerin, außer bei Liedern. Wieder so was Verqueres… Ähnlich verquer, wie ich immer die eigenen Erfahrungen machen muss, bis ich Gelesenes oder Gehörtes zu mir nehmen kann. Noch verquerer war es, als ich vor ewigen Zeiten in einer Töpferwerkstatt ein Praktikum machte, ich konnte ein Gefäß immer erst zeichnen, wenn es durch meine Hände „gelaufen“ ist, zuträglich war meine bildliche Vorstellungskraft, wenn eine Kundin/eine Kunde mir ihre Vorstellung vermittelte, aber üblich war diese Herangehensweise nicht. Was sagt uns das? Dass verschiedene Menschen verschiedene Zugänge zum Lernen und Umsetzen haben.

Quer denken heißt für mich sich auf den Weg zu machen, um erst einmal die eigenen Fähigkeiten kennen und ausloten zu lernen, für sich die Wahrheiten und Lebensformen zu finden, die sich stimmig anfühlen, auch wenn sie quer zur Hauptrichtung der Anderen verlaufen. Querdenken heißt außerdem etwas zu verknüpfen, was bis dato noch nicht verknüpft wurde oder als undenkbar erscheint.

Viele EntdeckerInnen, ForscherInnen, KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen sind QuerdenkerInnen. Sie alle trauen und trauten sich quer zur bestehenden Denkrichtung zu denken, unmöglich Erscheinendes möglich zu machen, groß zu denken, mutig zu handeln, die Möglichkeit des Scheiterns miteinbezogen.

Viele trauen sich nicht groß zu denken und mutig zu handeln, weil die Angst vor dem Scheitern groß ist. Nicht jedes Vorhaben gelingt auf Anhieb und ist von Erfolg gekrönt, manches scheitert erst einmal ganz, was dann zwar bedauerlich ist, mich aber nicht davon abhält es erneut zu versuchen. Zuerst aber kommt die Phase des Trauerns, der Zweifel und des Infragestellens, gefolgt von der Phase des Hinterfragens, was ich besser oder anders machen kann, damit es gelingt.

Vielleicht beginnt Scheitern ganz woanders, nämlich bei der Bewertung und bei dem Bild, das uns von gescheiterten Menschen vorgeführt wird. Der Umgang mit sogenannten wirklich gescheiterten Existenzen heute, hier und jetzt, fördert eher die Angst, statt den Mut zu schüren es auf weitere Versuche ankommen zu lassen. Selten hören oder lesen wir von Menschen, die es wieder und wieder probier(t)en, bis sich dann der Erfolg einstellte.

Ich frage mich ob ein Grund für die vorherrschenden Frustrationen, Unzufriedenheiten, der zunehmenden Wut und Gewalt in der Welt der ist, dass die Menschheit eine Welt der Sieger und Verlierer gebaut hat, statt eine Welt in der für jede und jeden Platz ist, weil sie mit ihren Fähigkeiten und Qualitäten ernst genommen und gefördert werden.

Im Alphabet der mutigen Träume geht es immer auch darum die Menschen genau dort abzuholen, dafür stehe ich. Ich stehe auch für das bedingslose Grundeinkommen, um dem Ziel, dass für jede und jeden Platz in dieser Welt ist, näher zu kommen. Freudig schaue ich auf Projekte, die genau dies tun, sei es nun das wunderbare Gartenprojekt bei Gerda in der Nähe oder aber diesem Projekt im Wendland, wie auf  viele andere Projekte auch. Sie alle sind Ergebnis von mutigen Handeln und der Haltung: es ist möglich!

QuerdenkerInnen finden sich nicht einfach mit Gegebenheiten ab, sie denken quer zu allen die sagen:

  • das geht sowieso nicht
  • das kann ich nicht
  • ich habe sowieso nie Glück
  • ich habe nicht genügend Kraft
  • das ist doch langweilig
  • an der Sache liegt mir nichts
  • und eigentlich ist mir das sowieso egal.

Alle diese Statements oder Glaubenssätze verhindern Erfolg und Fortschritt und sind leider sehr verbreitet. So gilt es auch diese Glaubenssätze Schritt für Schritt zu verwandeln:

  • das ist möglich
  • das will und kann ich lernen
  • es wird mir gelingen
  • ich habe die Kraft, die ich brauche, um…

Querdenken heißt eben auch unmöglich Erscheinendes möglich zu machen.

Es gäbe viele QuerdenkerInnen beim Namen zu nennen, ich nenne eine Generation: die sogenannten Altachtundsechziger, denen ich den Artikel von Mutmachern und Hutmacherinnen gewidmet haben, hier gehts lang →

Das Buch zum Link 01-alles

 

P = Prudentia/Klugheit

Alphabet – mutig geträumt

Oder P = der vergessene Buchstabe. Tatsächlich hatte ich bei meiner Aufstellung des Alphabets das P vergessen, schaut selbst:

0248-07-12-2016Ein aufmerksamer Leser meines Blogs wies mich darauf hin und schlug „Prudentia“ vor. Gerne nehme ich die Klugheit in mein Alphabet des mutigen Träumens auf und noch einmal bedanke ich mich herzlich für den Vorschlag und fürs aufmerksame Lesen.

Prudentia = Klugheit also:

Als klug gilt sie/er, die/der in der Lage ist Situationen und Herausforderungen zu erkennen, zu verstehen, um sie dann bestmöglichst zu meistern. Die Klugheit wird zu den vier Kardinaltugenden gezählt, die da wären: Besonnenheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Klugheit.

Klugheit ist so viel königlicher als die Schläue der „Schlitzohren“, die nur nach ihrem Vorteil trachtet, sich nicht scheut unlautere Mittel zur Erreichung ihrer Ziele einzusetzen und somit auch nicht davor zurückschreckt anderen zu schaden. Mir scheint, dass die heutige Welt und ihre Regierungen mehr von der Schläue, denn von der Klugheit gelenkt werden…

 

prudentia-jost_ammanJost (Jodocus) Amman auch Jobst Amman (* 1539 in Zürich; † März 1591 in Nürnberg) war ein schweizerisch-deutscher Zeichner, Kupferätzer und -stecher und hat in diesem Bild die Klugheit dargestellt, das Bild trägt den Titel „Prudentia“

Prudentia kennt sowohl den Blick in den eigenen, wie in den Spiegel der Welt und sie kennt auch die Herausforderungen, hier in Gestalt der Schlange dargestellt. Mir scheint, als ob Prudentia mit der Schlange in einem Dialog steht. Oftmals steht ja die Schlange für das Böse, die Vertreibung aus dem Paradies, ich verstehe sie als Herausforderung, aber auch als Sinnbild der Transformation, des Wandels. Und nichts anderes will ja das mutig geträumte Alphabet vermitteln: den Mut zur Häutung, dem Abwerfen von alten Häuten. Kluges Handeln setzt den Einsatz des Verstandes und des Herzens voraus..

Gerda schrieb einen umfassenden Artikel zum Verstand, sodass ich mir hier sparen kann tiefer auf ihn einzugehen. Ich behaupte: ohne Einsatz des Verstandes und des Herzens kein kluges Handeln. Gerda schrieb ebenfalls einen Artikel zu Kopf und Herz →

Komme ich zur Intelligenz, eine Größe des menschlichen Seins, die mich immer mal wieder beschäftigt. Mühselig habe ich akzeptiert, dass die Einen mehr, die Anderen weniger davon haben. Lange Zeit glaubte ich, dass jede und jeder, bei entsprechender Förderung, alles lernen könne.

Welch ein Gaukelbild (!), wenn auch ein inspirierendes. Es hat mir nämlich beim Gaukeln ein zweites Bild gezeigt, eins mit einem freundlichen Gesicht und lachenden Menschen gegenüber. Es ist die Klugheit, die lächelnd auf die Menschen zugeht und sie einlädt ihr zu erzählen wovon sie träumen, woran sie glauben, was sie sich wünschen, was sie gerne tun, aber auch wovor sie sich fürchten und was sie gar nicht wollen. Die Klugheit erfasst, was es braucht und welche Unterstützung vonnöten ist, um den Wandel in die Wege zu leiten. Die Klugheit erkennt die Sorgen und Nöte, die Wünsche und Träume der Menschen und handelt in ihrem Sinne, sie trachtet nach Möglichkeiten das Bestmögliche für alle lebenden Wesen umzusetzen und ist somit ein unabkömmlicher Aspekt des mutig geträumten Alphabets.

O = Offenheit

Alphabet – mutig geträumt

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ruft die Mutter, ruft die Großmutter, ruft der Vater, ruft der Großvater und schon läuft das Kind voller Freude in die weit geöffneten Arme…

Die Offenheit, die ich meine, hat als Zweitüberschrift „Neugierde“ und als Drittüberschrift „Vertrauen“, ihre Verortung liegt im offenen Herzen.

Neugierig zu sein auf die, der, das Andere, auf das Fremde, das Verborgene, das Leben hinter den Fassaden und Masken, auf die Gedanken und Gefühle hinter den Werken, allem Gesagtem und Gezeigtem, dem Menschen hinter seiner äußeren Erscheinungsgestalt, anstelle von Abgrenzung und Misstrauen, das ist eine Haltung, die ich mit dem Alphabet der mutigen Träume versuche darzustellen und selbst zu verinnerlichen. Sie ist für mich auch die Haltung der Kinder, die anfangs offen und neugierig der Welt begegnen.

Wir diskutierten es schon woanders, dass „grenzenlos“ keine Option ist.

Ein Mensch, der sich ehrlich beobachtet und hinterfragt kennt auch die eigenen Grenzen und erkennt sie an. Sie können jederzeit geweitet oder verengt werden, je nachdem, wie die Zusammenhänge sind und die Felder, in denen man sich gerade bewegt. Grenzen sind Selbstschutz.

Das Ich begreife ich als nichts Festes, Starres, auf immer und ewig Festgelegtes, es ist aus meiner Sicht jederzeit wandelbar, wenn man bereit dazu ist und die Mühen, die damit einhergehen (können), nicht scheut. Blinder Glauben, an welch höhere Macht auch immer noch, die schon alles im eigenen Sinne richten wird, hilft da nicht weiter. Vertrauen in die eigene Kraft und helfende Hände schon, sowie die Neugierde und Offenheit  gegenüber dem bevorstehendem Wandlungsprozess.

Offenheit ist eine Haltung, die mit Vorurteilsfreiheit und Wertefreiheit Hand in Hand geht, was nicht heißt, ich kann es nicht oft genug betonen, gutzuheißen was anderen schadet oder, wie es mein Extherapeut immer so drastisch wunderbar formulierte: es geht nicht darum Sahnehäubchen über Scheisshaufen zu sprühen…

Die Fragen, die für mich, meine Haltungen und Handlungen wegweisend wurden, lauten:

  • Womit schade ich mir und/oder den anderen und gilt es von daher zu vermeiden?
  • Was nährt mich und andere und ist somit zu stärken?

Das offene Herz ringt nicht um Mitgefühl, es fühlt mit, es fragt nicht nach Liebe und deren Beschaffenheit, es liebt.

Ja, ich glaube an die eigene Kraft und daran, dass ich mein Herz öffnen kann und die Öffnung weiten- in jedem Augenblick kann ich mich entscheiden, ob ich etwas blockiere, mich verschließe oder mich dem was ist öffne. Das offene Herz weiß, wann es geschützt werden muss, man muss ihm nur lauschen (gar nicht so einfach bei all dem Getöse, das die Welt macht!).

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(Dies war einmal ein Versuch von mir zum einen den Weg des Herzens zu zeigen, sowie all die Facetten des Lebens und der Menschen, die in meinem Platz haben…)

Gerda schrieb in ihrem Artikel: Griechisches Alphabet des freien Denkens: O wie ΟΡΑΜΑ (Vision) ebenfalls über Öffnungen, wenn auch in einem anderen Kontext. Sie schrieb u.a. über die Vulva und das Auge. Das offene Auge nimmt auf und sendet, ebenso die geöffnete Vulva. Was immer wir verschließen oder geschlossen halten blockiert die Lebenskraft und Lebensfreude, das gilt für das Auge, wie für die Vulva, wie für das Herz.

Am Ende dieses Artikels möchte ich euch noch einen mutigen Traum von mir vorstellen, der in weiter Zukunft angesiedelt ist, in sehr weiter:

Ich träume von einer Welt (bzw. Erde) ohne Grenzen- einer Welt, in der Nehmen und Geben eine Selbstverständlichkeit ist, deren Menschen ihr Leben selbstverantwortlich zum Wohle aller und sich selbst gestalten und somit frei von Ausbeutung, Unterdrückung und Herrschaft ist, eine Welt, die das Andere respektiert, statt bekämpft. Ich nenne ihn einen blauen Traum.

In der Kunst, besonders in der Musik gelingt es immer häufiger, dass Menschen aus vollkommen verschiedenen Kulturkreisen und Traditionen stammend miteinander musizieren und neue Harmonien finden.

Statt Mitgefühl unter dem Buchstaben M hätte auch Miteinander stehen können. Miteinander statt gegeneinander öffnet den Weg zu einer Welt der offenen und vielleicht sogar irgendwann einmal vollkommen überflüssigen Grenzen, dann, wenn es Usus geworden ist, dem Verbindenden, statt dem Trennenden zu folgen; dem Fremden nicht mehr mit Angst und Abwehr zu begegnen, sondern mit Neugierde und Offenheit.

Und weil ich nicht missverstanden werden will, das alles sind Samen, die ich streue, in eine Welt hinein, die mich täglich davon überzeugen will, dass sich die Menschheit nicht zur Umkehr bewegen lässt, dass Gier, Neid und Hass weit verbreitet sind und kaum Platz für anderes lässt. Und dann halte ich es mit dem Satz, den auch Christiane im Kommentarstrang schrieb: aufgeben gilt nicht!

Buchempfehlung

Geseko Lübke – Die Politik des Herzens, wenn du dem Pfeil folgst, dann kannst du sogar ein bisschen in dem Buch blättern →

N = Natürlichkeit/Natur

Alphabet – mutig geträumt

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Ich habe Wiki besucht und las unter dem Begriff „Natur“ Folgendes:

Natur (lateinisch natura von nasci „entstehen, geboren werden“, griechisch semantische Entsprechung φύσις, physis vgl. „Physik“) bezeichnet in der Regel das, was nicht vom Menschen geschaffen wurde (…)

Die wichtigsten Bedeutungen des Naturbegriffs sind

  • das Sein im Ganzen, der Kosmos (Universum),

  • ein Teil der Wirklichkeit, der mit einem nichtnatürlichen Bereich – z. B. dem Göttlichen, Geistigen, Kulturellen, Künstlichen oder Technischen – kontrastiert ist,

  • eine Eigenschaft der Wirklichkeit bzw. eines Wirklichkeitsbereiches und

  • das Wesen eines Gegenstandes.

Mehr kannst du hier lesen https://de.wikipedia.org/wiki/Natur

Ich bleibe mal bei dem Wesen eines Gegenstands und erweitere auf das Grundwesen eines Menschens/eines Lebewesens.

Bleibe ich vorerst beim Menschen:

Jeder Mensch bringt bei seiner Geburt Eigenheiten mit sich, die nur so und nicht anders bei ihr/ihm angeordnet sind, sie bestimmen ihre und seine Eigenart des Lernens, der Annäherung und Einverleibung der Welt; es zeigen sich Charakter und Temperament. Je mehr der Mensch in seinen Fähigkeiten und Qualitäten wahrgenommen, erkannt und gefördert wird, umso weniger wird sie/er gebrochen und bleibt somit in der ihr und ihm eigenen Natürlichkeit. Menschen, die viel Unheil während ihrer Sozialisation erfahren haben, die gebrochen/traumatisiert wurden, haben oft erst einmal keinen Zugang mehr zu ihrem natürlichen Wesen. Manche haben die Gnade einer weisen Begleitung und bekommen darüber wieder Zugang, schaffen es die Abspaltung, durch traumatische Erlebnisse verursacht, aufzuheben.

Andere meinen, dass es für sie besser wäre ihr Wesen nicht zu zeigen oder meinen sie dürften es nicht. Moralisches legte sich über den eigenen Kern und über die eigenen Bedürfnisse.

Auch heißt es immer wieder, dass heute viele Menschen ihre Bedürfnisse nicht mehr kennen- oder sie haben diese, aus welchen Gründen auch immer noch, irgendwo angesiedelt, was ihnen und ihrem Wesen nicht entspricht, kämpfen also ihr Leben, oder eine weite Strecke lang gegen Windmühlen.

Auf die Welt bezogen ist mir jeder sich selbst überlassene Wald = Bann- oder Urwald, jeder natürlich entstandene See, jeder Fluss in seinem eigen geschaffenem Bett, jede gewachsene Siedlung tausend mal lieber, als all die forstwirtschaftlich betriebenen Wälder (die allerdings wohl auch sein müssen?!), die künstlichen Stauseen und modernen Städte und Siedlungen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie den Bezug zu ihrer Umgebung verloren haben.

Natürlichkeit heißt für mich auch, dass jedes Kraut, jede Blume, alles Obst, Getreide und Gemüse ohne chemische Düngemittel heranwachsen und reifen sollte, jedes Tier sollte artgerecht gehalten werden.

In dem Punkt sind wir als VerbraucherInnen gefragt. Wir bestimmen was wir kaufen, wieviel und wo. Durch die Kaufentscheidung bestimmen die VerbraucherInnen auch was produziert wird und auf welche Art und Weise. Leider ist das Bewusstsein hierfür nicht sehr hoch, wurde verdrängt von Slogans, wie „Geiz ist geil“, „kauf billig, kauf viel“.

Wenn heute im Netz dazu aufgerufen wird Nestle aufgrund seiner Wasserpolitik zu boykottieren, so finde ich das einerseits richtig, andererseits weiß ich, dass es nicht mehr so einfach ist, als noch vor 30 Jahren. Die Gegenseite lernt auch und kauft z.B. Firmen auf, belässt ihre Namen und verschleiert somit wer jetzt das Sagen hat. Die wenigsten wissen, dass sich z.B. hinter Volvic-Wasser Nestle verbirgt oder hinter Tartex (einer Reformhausmarke für vegetarische Brotaufstriche). Selbst dort, wo wir Nestle lesen können siegen oftmals Bequemlichkeit und Gusto, wer möchte schon immer auf seinen „Pausensnack“ verzichten?! Wahrlich, ein großes Thema! Ein Thema, dem ich mich als ehemalige Bioladnerin schon oft stellen musste. Ich bin immer wieder und immer noch erstaunt auf wieviel Abwehr ich dabei stoße.

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Nicht anders sieht es bei der Heilkunde aus. Sei es nun die Phytotherapie (Heilpflanzenkunde) oder die Homöopathie, die Ayurvedische, die Tibetische oder die Chinesische Medizinen, ganz zu schweigen von den schamanischen Heilweisen, bei vielen lösen sie Abwehr aus. Alle hier genannten Methoden sind alt gewachsene Systeme, die aus genauer Beobachtung und Versuchen zu dem geworden sind, was sie sind. Schon früh begannen die Menschen das Verhältnis des Menschen zu sich und anderen, sowie zu der Natur und diese zu ihm hin zu beobachten und zu analysieren, um Krankheiten an Leib und Seele begegnen zu können. Ich möchte in keinster Weise die Errungenschaften in der Chirurgie oder bei der Krebsbekämpfung schmälern wollen, aber es gibt genügend Krankheiten, die ohne chemische Keulen, mit ihren vielen Neben- und Langzeit(aus)wirkungen, auskommen könn(t)en. Ein Miteinander von klassischer Heilkunde und Schulmedizin ist denk- und machbar, wenn sich beide Seiten öffnen.

Das alte Wissen zu erhalten und weiter zu tragen, gegebenenfalls zu modellieren und unseren Bedingungen anzupassen, ist mir genauso ein Anliegen, wie junge Menschen zu ermutigen ihrem (natürlichem) Wesen treu zu bleiben.

Natürlichkeit steht Kultur gegenüber, dem, was vom Menschen geschaffen wurde und wird. Letztlich sehe ich hier keine Trennung, eher Inspiration, Bereicherung und ein Miteinander.

Kultiviertes Land ist mittlerweile das meist gesehene Land, wenn man nicht gerade im Hochgebirge, im Urwald oder in Wüsten unterwegs ist. Man sieht sehr schnell, ob dem Land in seiner ursprünglichen Form gefolgt oder es in Form gebracht wurde. Mein Gärtnermann zeigt auf wunderbare Weise, wie sich ein Garten entwickeln kann, wenn man mit seinen Gegebenheiten geht, statt gegen sie.

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Natürlichkeit kommt aus dem Herzen und kann Wunderbares schaffen. Wir sind nicht nur Teil der Schöpfung, jede und jeder ist eine Schöpferin, ein Schöpfer, nämlich der eigenen Realität und der Welt, wie sie ihr/ihm erscheint- von hieraus lassen sich wunderbare Werke gestalten- seit Jahrtausenden war und ist die Natur Inspiration und Spiegel. Menschen sind nichts anderes als Natur, wir sind nichts Getrenntes, aber viele Menschen handeln immer noch nach der Prämisse: Mache dir die Welt Untertan, gehen so immer mehr aus dem Kontakt, beuten die Erde aus, behandeln Tiere wie Ware und vernichten jedes Jahr zig Arten von Lebewesen. Wusstet ihr, dass nun auch schon der Regenwurm auf dem Index für gefährdete Tiere steht? Eine Umkehr in der Land- und Forstwirtschaft ist notwendig, kleine Schritte wurden und werden getan, ich wünsche in dem Fall wären es größere.

M = Mitgefühl

Alphabet – mutig geträumt

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Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, mehr gibt es an sich nicht zum Mitgefühl zu sagen- an sich … eigentlich…

Mützenfalterin schrieb im Kommentarstrang zu H = Hilfe:

Viele sehr komplexe Verwicklungen in ein paar kurze Sätze gepackt. Noch kürzer und prägnanter steht es nur in diesem Gebot in der Bibel „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ Vermutlich eines der wichtigsten und am schlechtesten verstandenen Gebote. Andererseits, wer bringt uns denn auch bei, uns selbst zu lieben?

Meine Antwort an sie:

Als hätte dieser Satz heute noch in der Luft gehangen, samt der Schlussfolgerung- heute Mittag unter der Dusche ging es mir genauso wie du es schreibst durch den Kopf… Wenn ein Weg wirklich richtig lang in meinem Leben war, dann der hin zur Selbstliebe, sie darf allerdings immer noch gerne reifen und wachsen. Es war eigentlich zur selben Zeit, der Moment, als ich mich zum ersten Mal liebender Weise im Arm hielt und der Moment, als ich lernte, dass ich mir Hilfe holen darf…

Je länger ich mich mit dem Alphabet des mutigen Träumens beschäftige, umso deutlicher wird mir einmal mehr, wie alle diese Themen, die ich hier in den Raum stelle, miteinander verwoben sind, wie eines vom anderen abhängig ist.

So ist auch jede und jeder Einzelne abhängig vom anderen und den Gegebenheiten in der Welt, egal, wie unabhängig Einzelne sein wollen oder sich fühlen. Simple Beispiele hierfür sind der Bäcker: ohne Bäcker kein Brot, oder der Bauer: ohne Bauer kein Korn, kein Gemüse, kein Fleisch- ihr lest es, diese Reihe lässt sich noch viel weiter führen! Alleine, ohne die anderen, ist man nichts. Das gilt auch in der Kunst, in der Literatur, in der Musik, in der Wissenschaft. Hier bezieht es sich besonders auf die Inspiration und das Wissen derjenigen, die vor mir waren oder auch hier und jetzt leben.

Wenn nun wirklich alles voneinander abhängig ist (ich nehme es als Wahrheit zu mir), dann darf das Mitgefühl nicht fehlen.

Mitgefühl schwingt mit Dankbarkeit, mit Wohlwollen, mit Kenntnissen über das menschliche, das zwischenmenschliche und insbesondere über das eigene Sein mit all seinen Höhen und Tiefen, Qualitäten und Talenten, Emotionen und Gefühlen.

Wieder wähle ich ein simples Beispiel, wenn Eine/Einer weint, so kann ich mitfühlen, weil ich selbst Traurigkeit kenne, deswegen muss ich aber nicht mitleiden! Mitleid und Mitgefühl werden gerne in einen Topf geworfen, unterscheiden sich aber grundsätzlich. Wenn ich mitleide, kann ich nicht unterstützend oder hilfreich sein, fühle ich aber mit, dann bleibt eine Distanz erhalten, die mir ermöglicht nährend zu sein. Gerade in meiner Arbeit als Prozessbegleiterin ist dies unabdingbar (weiter unten gibt es wieder eine Buchempfehlung).

Das oben gezeigte Bild eines Thangkas zeigt Chenrezig, auch Avalokiteshvara genannt. Er gilt als Bodhisattva (nicht als „Gott) des Mitgefühls, im (tibetischen) Buddhismus glaubt man nicht an einen universalen Schöpfergott, noch an Götter und Göttinnen an sich, auch wenn diese Begriffe immer mal wieder in übersetzten Texten auftauchen, was aber schlichtweg falsch ist. Mehr gibt es hier nachzulesen →

Chenrezig als Meditationsobjekt dient dazu unsere eigene Fähigkeit des Mitgefühls zu stärken. In dem Namen Avalokiteshvara steckt „die Wahrnehmung der Welt“. Die Haltung ist offen, beobachtend, zuhörend, erkennend, was wiederum ein Hinweis darauf ist, dass das Mitgefühl Erkenntnis des Selbsts und der Welt in ihrem Sein braucht. Ich kann nicht mitfühlen, wenn mir etwas absolut unbekannt ist.

Kurz und gut, wenn ich meine Gefühle nicht kenne, keine Erfahrungen, kein Wissen über und mit der Welt habe, mich nicht reflektiere, nicht in der Lage bin in den Spiegel zu schauen, kann ich nicht mitfühlen.

Vielleicht fragt sich jetzt die Eine oder der Andere wieso ich nun im mutig geträumten Alphabet beginne buddhistische Weisheiten aufzunehmen: weil es nicht getrennt voneinander ist. Ein Boddhisattva ist ein Mensch, der nach höchster Erkenntnis strebt, Vollkommenheit bei den Tugenden anstrebt, um dann hilfreich für alle Lebewesen tätig zu sein. Nichts anderes will die Schamanin, der Schamane. In meinem Artikel L = Liebe zitierte ich Serge Kahili King, hier noch einmal sein Schlusssatz:

Mögen Frieden und Liebe uns Führer und Ziel sein, während wir daran arbeiten, unsere Welt zu heilen.

Auch wenn Heilung und heilen mittlerweile inflationär gebraucht werden und ich schon manchmal eine Abwehr spüre, wenn ich es lese oder höre, geht es dennoch aus meiner Sicht, sowohl in Gerdas griechischem Alphabet des freien Denkens, wie in meinem Alphabet des mutigen Träumens, genau hierum. Gespeist von dem Wunsch und dem Bedürfnis den Zustand der Welt zu verbessern und der Suche oder Findung von Werkzeugen, die dies bewerkstelligen können. Gerda schrieb in ihrem Artikel: O wie ΟΡΑΜΑ (Vision):

Wenn wir alle Aspekte zusammengebracht haben – auch die, die in den Kommentaren hinzugefügt wurden -, dann haben wir vielleicht einen ersten gemeinsamen Entwurf von der Karte, die uns zeigt, wohin wir steuern wollen, welche Klippen und Gefahren zu vermeiden sind und welche Mittel uns zur Verfügung stehen.

Nichts anderes machen Praktizierende des Buddhismus und/oder des Schamanismus. Immer geht es um das Wohl und um die Befreiung aller Lebewesen, sprich um Methoden und Techniken, die dies begünstigen. Es geht ebenso darum die Klippen und Gefahren nicht aus den Augen zu verlieren. Bei allem was jede und jeder Einzelne umsetzt, wie tief und gut die eigene Motivation auch ist, es gibt immer auch das Außen, wie ich in meinem Artikel K = Kommunikation versucht habe darzustellen.

Alles ist mit allem verbunden, alles bedingt einander und ist abhängig von einander, darum tun wir Menschenwesen gut daran unsere Tugenden, zu denen ich auch das Mitgefühl zähle, und unser Wissen zu nähren, für das Wohl aller.

Gib negatives Handeln auf, tue Gutes, zähme deinen Geist – das ist die Lehre des Buddhas

Dafür muss ich keine Buddhistin/kein Buddhist sein, genauso wenig, wie ich Schamanin/Schamane sein muss, um den mutigen Träumen zu folgen. Jede und jeder auf ihre und seine ganz eigene Weise und schon bekommt die Welt ein freundlicheres Gesicht.

Buchtipp

Amy Mindell – Die Weisheit der Gefühle – Metafähigkeiten – die spirituelle Kunst in der Therapie – ISBN 3-928632-45-0

L = Liebe

Liebe, Lust und Leidenschaft

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Um es vorweg zu nehmen, „Liebe“ im Alphabet des mutigen Träumens handelt nicht ausschließlich von der leidenschaftlichen Liebe zwischen zwei Menschen. Es geht um die Liebe an sich, angefangen zu sich selbst, weiter zu den Nächsten und zu allen und allem anderen. Von manchen wird sie auch die universelle Liebe genannt.

Liebe schließt nichts aus.

Bei den Passionsgeschichten schrieb ich unter der Überschrift Leidenschaft und Lendensaft:

„Ich kann das Wort Leidenschaft nicht schreiben, ohne dass ich Liebe und Lust dazu denke…“

Umgekehrt kann ich aber auch das Wort Liebe nicht denken, ohne dass sich nicht gleich die Lust und die Leidenschaft dazu gesellen.

Ohne Liebe keine Lust, ohne Lust keine Leidenschaft, ohne Lust keine Liebe, ohne Leidenschaft keine Lust. Ich glaub das lässt sich jetzt noch ein bisschen fortsetzen, ich aber belasse es hierbei und empfehle die vierundzwanzig Mutmaßungen über die Liebe bei Frau Graugans (auch wenn es hier bei vielen Texten um die Liebe zwischen zwei Menschen geht, aber eben nicht ausschließlich). Geschrieben wurden die Mutmaßungen von Vielen, erschienen sind sie auf ihrem Blog vom 01. – 24. Dezember 2016, jeden Tag eine…

Apropos Frau Graugans, sie schrieb im Kommentarstrang zur Güte:

… daß Güte bedeutet, allem, wirklich und kompromißlos ALLEM, sei es noch so böse in uns oder bei sonst wem, nachsichtig, freundlich, wohlwollend entgegenzukommen!

Güte und Liebe gehören zusammen, wie Frieden und Liebe auch, wie Respekt und Liebe, Toleranz und Liebe, Offenheit und Liebe, sowie Demut, Hilfe, Einigung, Mitgefühl und Liebe, ohne sie funktioniert das alles nicht.

Serge Kahili King schreibt in seinem Buch: Der Stadtschamane – ISBN 3-363-03014-2

„Je machtvoller man ist, desto liebvoller ist man auch (da es immer weniger zu fürchten gibt); und je liebevoller man ist, desto machtvoller ist man auch (da das Vertrauen immer größer wächst).“

„Der beste Einsatz allen schamanischen Wissens, ob städtisches oder anderes, wäre der für die Sache des Friedens im Inneren und Äußeren. Ein altes hawaiianisches Sprichwort sagt: He ali`i ka la`i, he haku na ke aloha (Frieden ist ein Häuptling, der Herr der Liebe). Mögen Frieden und Liebe uns Führer und Ziel sein, während wir daran arbeiten, unsere Welt zu heilen.“

Anmerkung

Die Fotomontage machte ich im Juni 2016 – das Mädchen und die Meise © Banksy – thanx

K = Kommunikation

Alphabet – mutig geträumt

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Ja bin ich denn des Wahnsinns fette Beute, konnte ich mir nichts anderes auf die Fahnen schreiben als Kommunikation- wie wäre es denn mit Kunst gewesen oder Konsens oder Kritikfähigkeit oder Kuss?

Aber hej, das gehört ja alles auch zur Kommunikation! Nichts anderes bedeutet ja Kommunikation, aus dem lat. stammend: communicatio = Mitteilung = Austausch oder Übertragung von Informationen.

Kunst kommuniziert mit meinem Innen und geht damit nach außen, gleichzeitig sind es äußere Eindrücke, die ich in meinen Bildern und Texten verarbeite. Dann stehen die Bilder und Texte in meinen Raum, ich beginne mit ihnen zu kommunizieren, beginne darin zu lesen, finde manche verborgene Botschaft, sowohl zwischen meinen Zeilen, wie in den Bildern. Immer mal wieder wissen diese mehr als ich selbst, in dem Moment ihrer Erschaffung. Später dann, wenn ich mich dazu entschließe meine Texte oder Bilder in den öffentlichen Raum zu stellen, kommunizieren sie mit den Betrachterinnen und LeserInnen. Manch neues Fenster öffnet sich.

Hierüber lerne ich offen für Kritik und Erweiterung zu sein und nicht nur an meinem festzuhalten. Kritik (ein K-Wort) ist ein schwieriges Feld, nicht nur für mich. Ich mag es, wenn sie konstruktiv (ah, noch ein K-Wort) ist, wenn die Kritikerin, der Kritiker von sich aus spricht und nicht versucht Allgemeinplätze einzunehmen. Kritik aber, die nur dazu dient sich selbst zu erhöhen, um andere zu erniedrigen lehne ich ab, da kann ich schon mal grantig werden!

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Und schwupps bin ich mittendrin in der Kommunikation. Ich habe es ja schon oft geschrieben, dass ich ein großer Fan davon bin in Kreisen (und noch ein K-Wort) zu sitzen und sich darin auszutauschen. Kreise haben den Vorteil der gleichen Augenhöhe, niemand kann von oben herab „lehrmeistern“.

Irgendwann schrieb ich schon einmal über die Technik des Councils, die so neu nicht ist. Denn es gab und gibt die Kulturen (= K-Wort) in denen es selbstverständlich war und ist, im Kreis zu sitzen, sich gegenseitig zuzuhören, sich aussprechen zu lassen und vom Herzen her zu sprechen und mit dem Herzen zuzuhören. Wir „Postmodernen“ müssen/dürfen das erst einmal wieder lernen.

So, wie ich diese Methode während meiner Ausbildung lernte und übte, so lernte ich einige Jahre zuvor die Methode der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg kennen, kurz GfK genannt. Auch hier heißt es, spreche von dir selbst, besonders in einem Konflikt, sage wie es dir mit der Sache geht, was es mit dir macht, was du brauchst und was du dir wünschst→ die vier Eckpfeiler der GfK.

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Schön und gut, letztlich hatte das Ganze auch immer dann Erfolg, wenn ich mit Menschen übte oder sprach, die die selbe Grundlage hatten, aber allein die Sprache der GfK erschien mir immer wieder sehr gekünstelt, sodass ich erst einmal üben musste weiterhin in meiner Sprache zu bleiben, weil ich ansonsten schneller auf Abwehr stieß, als ich es mir je hätte träumen lassen. Doch selbst dann, wenn ich einfach nur von mir, meiner Wahrnehmung, meinen Gefühlen, Bedürfnissen und Wünschen sprach oder spreche, kann ich nicht darauf hoffen, dass mein Gegenüber das Ganze wohlwollend aufnimmt. Eine Krux ist das!

Beide Methoden können unterstützend in Konflikten und im generellen Austausch sein, wie auch andere Methoden, ich lasse es hier stehen, da es nur ein Punkt der Kommunikation ist und beide Methoden Bücher füllten (s.u.).

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Dass in dieser Welt vieles an der Kommunikationen bzw. der Nichtkommunikation scheitert, weiß wohl jede und jeder hier und ich bin davon überzeugt, je besser eine Jede und ein Jeder lernt zu kommunizieren, umso friedlicher kann diese Welt werden. Deswegen plädiere ich immer wieder gerne für ein neues Schulfach: Kommunikation eben. Es gibt die unterschiedlichen Meinungen und Ansichten und es heißt immer wieder einen Umgang mit ihnen zu finden.

(Wie schwierig es ist in Worten präzise das darzustellen, was ich meine, denke und fühle, was ich vermittlen will, sehe ich gerade auch bei diesem Projekt, bei dem es schon einige Missverständnisse gab, wenn auch keine gravierenden.)

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Die hier eingestellten Bilder sind in dem Zeitraum von 2013-2015 zum Thema „Dialog“ entstanden.

Wenn wir etwas über die/den anderen erfahren wollen, auch über uns selbst, sowie über das Wesen einer Pflanze, eines Tieres, eines Baums oder eines Steins, dann passiert dies über den Dialog.

Um beim Alphabet des mutigen Träumens zu bleiben, ist der Verlauf eines Austauschs bestimmt von meiner eigenen Haltung gegenüber meinem Gesprächspartner, meiner Gesprächspartnerin. Wohlwollen, Vertrauen, Zugewandtheit, Offenheit und Neugier sind prächtige Böden, auf denen gegenseitig Nährendes und Kräftigendes für den Wandel in der Welt wachsen kann!

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Bei diesem Bild fällt mir noch ein Baustein der Kommunikation ein: der Raum, den wir der/dem anderen schenken und lassen, sowie die Lücke, die uns erlaubt erst einmal zurückzutreten, ob nun von uns selbst oder der/dem anderen.

Kommunikation braucht einen gesunden Menschenverstand, um Konflikte zu lösen, konstruktiv miteinander umzugehen und schwingt somit ganz wunderbar mit Gerdas N, dem „Νους/Νοος=Verstand“

Verstand korrespondiert (K-Wort) mit Verstehen und der Bemühung darum- ohne Verstehen kein Fortkommen, weder im Zwischenmenschlichem, noch im und um das Leben herum. Und wir brauchen ihn, um die Dinge zu durchdringen und um früchtetragend mutig zu träumen. Denn darum geht es ja hier: Kommunikation in Bezug auf das Alphabet der mutigen Träume…

Nun habe ich lange nur über die Kommunikation in Worten und letztlich bei Konfliktlösungen geschrieben. Kommunikation geht weit darüber hinaus, es sind die Blicke, die Gesten, die Gefühle mit denen wir ebenfalls kommunzieren, in Kontakt gehen oder ihn zu vermeiden suchen, unabhängig ob mit Menschen, Tieren oder auch mit Pflanzen, Bäumen, Steinen…

Mit anderen Lebewesen zu kommunzieren funktioniert mehr über Gestik und Mimik. Bei Pflanzen und Bäumen kann man über die Signaturenlehre gehen, über genaue Beobachtung und Hinspüren. So verstehe ich es immer, wenn es heißt, dass z.B. ein Baum zu mir spricht oder eine Pflanze. Na, mir schenken sie eh meistens Lieder und das ist dann noch einmal eine ganz andere Kommunikation, die der Musik eben.

Kommunikation beginnt am Morgen, wenn ich die Augen aufschlage und beginne mich zu regen und endet am Abend, wenn ich schlafe, egal ob ich alleine bin oder nicht. In der Nacht gibt es noch die Träume, der Moment in dem mein Unterbewusstsein mit mir kommuniziert.

Darauf zu schauen wie ich kommuniziere, was es dabei noch zu lernen, zu vertiefen gibt, aber auch welchen Informationen ich mich zuwende, sind für mich die Fragen in Bezug darauf, wie ich mit Hilfe meiner Kommunikationswerkzeuge bereichernd, nährend, unterstützend sein kann, wie ich  Wohlwollen und Freude säen kann, statt Missverständnisse und Unmut in die Welt zu setzen. Eine lebenslange Lernaufgabe- finde ich.

Ergänzendes und Weiterführendes

https://cafeweltenall.wordpress.com/2012/05/10/faszinosum-sprache/

Bücher:

Friedemann Schulz von Thun hat mehrere Bücher zur Psychologie der Kommunikation geschrieben, ich beschäftigte mich mit seinem ersten Buch: Miteinander reden Band 1 und fand seinen Ansatz spannend und lehrreich

Jack Zimmermann & Virginia Coyle: Der große Rat – Das Coucil – mit dem Herzen hören und sprechen, den Kreis erweitern

Mehr zum Thema Council hier:

http://www.hrweb.at/2011/09/council-ruckkehr-zum-zuhoren/

http://www.umweltbildung.at/cms/download/1386.pdf

Informationen zur GfK hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation

J = Ja

Alphabet – mutig geträumt

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Das kleine Wort mit der großen Kraft. Mir fällt kein kleineres mit solch einer Kraft ein, zumindest nicht in unserer Sprache. Sieh selbst, es vermag sogar die ersten Eisblumen am Fenster zu schmelzen und die Sicht auf den blauen Himmel zu öffnen…

Erst als ich gelernt hatte Ja zu den Dingen/Ereignissen in meinem Leben und im Allgemeinen zu sagen, zu allen meinen Anteilen, auch den weniger geliebten, sowie zu der Welt, wie sie mir erschien und erscheint, öffnete ich der Wandlung die Tür. Wenn es auf der einen Seite im Alphabet des mutigen Träumens um Tugenden geht, die es weiterzuentwickeln und zu leben gilt, so geht es auf der anderen Seite immer auch um die Wandlung oder Verwandlung von etwas, sei es nun meine Wahrnehmung, meine Haltungen, meine Glaubenssätze, meine Ideale, etc.. „Ja“ wurde zu meinem persönlichem „Abrakadabra“.

Ja zu den Gegebenheiten zu sagen, heißt für mich auch zu versuchen diese zu durchdringen, ihnen auf den Zahn zu fühlen, zu erkunden, was hinter ihnen verborgen ist, was sie mit mir zu tun haben, was sie mir spiegeln, wohin der weitere Weg führt, welche Herausforderungen es anzunehmen gilt.

Ich gehöre zu den Menschen, die gerne erst einmal Nein sagen oder sagten. Ja, es ist besser geworden- und weil das so ist, war für mich die Entdeckung der Kraft, die in diesem kleinen Wort liegt, eine kleine Erleuchtung und deswegen gehört das „Ja“ unbedingt in mein Alphabet.

Ja ist Zustimmung, schenkt mir Weite, nehme ich als weich wahr, nein ist Ablehnung, macht den Raum und die Brust eng, ist in seiner Ausstrahlung hart. Härte aber gab und gibt es genug, schon lange bin ich auf dem Weg der leiseren Töne, der weicheren Formen, der Weite in mir.

Erinnern wir uns, dass die SchamanInnen dieser Welt sagen, dass wir die Welt so wie sie ist träumen, andere sagen, dass sie nur eine Illusion ist. Beide sprechen davon, dass meine Sichtweise, meine Realität immer beschränkt auf meine Fähigkeiten bleiben, dass es viel mehr gibt, als ich wahrnehme, sehe, höre und denke. „Ja“ scheint auch die Fähigkeiten der Wahrnehmungen zu erweitern.

Es hat mich in meinem Leben keinen Millimeter weiter gebracht als ich gebetsmühlenartig wiederholte was ich alles nicht mochte und wollte, was anders hätte sein sollen, vor allen Dingen an mir selbst und/oder von den anderen zu mir hin und in der Welt sowieso. Die anderen/das andere und mich erst einmal anzunehmen, es zu schmecken, zu riechen, zu ertasten, zuzuhören, zuzusehen, zu beobachten, verstehen zu lernen, all das schenkte mir Weite. Ja, auch Tränen, es gilt nichts auszuschließen, auch nicht den Schmerz, den Zorn, den Ekel oder was auch immer noch man geneigt ist abzulehnen.

Es gibt Vieles in der Welt, das mir nicht behagt, wenn ich aber nicht versuche das Ganze zu verstehen und zu durchdringen, sprich, erst einmal Ja zu dem was ich vorfinde sage, bleibt es bei Kampf und Abwehr und genau das ist ein alter Zopf, den ich abgeschnitten habe.

Vieles in meinem mutig geträumten Alphabet braucht tatsächlich Mut und Kraft, wie den Willen etwas verwandeln zu wollen, um Teil dessen zu sein/zu werden, was die Welt zu einem besseren Ort macht- dass auch dieses kein Spaziergang unter ewig blauem Himmel ist, muss ich eigentlich nicht betonen. Und dass es auch immer wieder ein Nein geben wird, auch nicht. Ein Teil der Wahrheit(en) lässt sich im Paradox finden.

JA!