Sonntagsbilder 24 2021

Die schönste Steinfrau

„Steinmännchen“ machen ihre Runde. Ich lernte sie in den 1970er Jahren in den Bergen von Norwegen kennen. Dort hatten sie die Beschützerrolle und sie waren Wegmarker in unwegsamen Gelände.

Mittlerweile sind diese Skulpturen modern geworden. Ich entdecke sie in den Bergen, am Meer und an Flüssen, manchmal baue ich auch einmal selbst eins. Aber noch nie fand ich solch eine schöne Steinfrau. Und dass es eine Frau ist, daran gibt es für mich keinen Zweifel. Doch seht selbst.

Das Original – der erste Blick

Ich begann diese kleine Skulptur zu umkreisen und nahm sie aus verschiedenen Perspektiven auf, aber nicht jedes Foto ist gelungen. Mir war nur klar, dass diese Steindame mich einlud sie in Szene zu setzen. Hier die Ergebnisse.

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Die Wartende

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Die, die ihren Rahmen verlässt

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Der Rahmen belebt sich

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 Rahmen und Übergang

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Was ist Rahmen, was freies Sein?

draufklick = große Bilder – please click to enlarge

Nun bleibt mir nur noch euch einen ungerahmten Sonntag zu wünschen.

38 Gedanken zu „Sonntagsbilder 24 2021

  1. Ja, wirklich – wunderbar! Sehr gelungen. Ich dachte immer, es kommt auf die Art des Rahmens an. Ihn selbst zu gestalten ist meine Freiheit zu……, in diesem Fall den Rahmen zu gestalten, es auf eine bestimmte Art und Weise oder es nicht zutun. Ist die Natur mein Rahmen? Ein klares Jein! Ich bin Natur und gleich gehe ich hinaus und hole mir ein wenig Moos um für die Tischdekoration das Alpenveilchen einzuhüllen = einzurahmen. Es soll wohl sonnig werden. Dir auch einen feinen Sonntag! Herzliche Grüsse Ruth

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    • Guten Morgen, liebe Ruth, selbstbestimmte Rahmen sind wunderbar. Die meisten Menschen aber stecken in sehr engen, fremdbestimmten Rahmen fest. Das tut nicht gut.
      Dir einen schönen Sonntag, hier ist es grau und uselig.
      Liebe Grüße
      Ulli

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  2. Sehr fein, Ulli ! … und du hast recht: es ist eindeutig eine Frau, eine afrikanische aus einem Land, wo die nichturbane Bevölkerung nicht ganz arm ist; sieht man an ihrem neckischen, modischen Hütchen, dem flatternden Kleid aus buntem und nicht minderwertigem Stoff ihrer Dreijährigen und dem Kalb, das sie dabeihaben. Der ‚artistischen‘ Leistung der/s unbekannten Gleichgewichtskünstlerin/s und dem sichtbar gemachten Gefühl für Formen und Proportionen, zolle ich ebenfalls meinen Respekt !
    Vor der Veränderung von an sich als Naturell perfekten Bildern fürchte ich mich immer ein bißchen – aber hier scheint mir jedes einzelne gelungen, wie schön … 😉 – danke dafür.

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  3. Diese Steinfigur ist natürlich eine Frau, was sonst! Wie der Wind ihr in den Rock fährt und ihn bauscht, ist sie ganz Ostseefrau. Deine Schritte auf der Suche nach dem passenden Rahmen, Versuche, aus dem Rahmen zu treten (nicht zu fallen), gefallen mir sehr, zeigen auch, wie kunstfertig du mit Bildbearbeitungswerkzeugen umgehen kannst. Hast du die beiden einzelnen weiblichen Augen bewusst gezeigt oder hat Freund Zufall sie eingefügt?

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  4. Die Steinfrau mit ihren kleinen Begleitern am Meeresufer erinnert mich an alte Gemälde von Fischerfrauen, die mit ihren Kindern auf die gute Heimkehr des ausgefahrenen Mannes hoffen. Aber durch den Prozess des Herauslösens und des Wandels wird für mich die Szene vom wie versteinerten Warten der Frau auf eine andere, symbolischere Weise weiterentwickelt.

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  5. Du hast recht: Diese Haltung! Die ist könig(innen)lich, wunderbar und sehr ausdrucksstark. Da ließe sich sofort eine Geschichte entwickeln und weiterspinnen … wartet sie? Oder sieht sie jemandem nach? 🤔
    Gefällt mir sehr 🧡
    Trübe Sonntagmorgenkaffeegrüße 😁🍂🍁☕🍪🚶‍♀️👍

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  6. Die Wartende erinnert mich an ein Bild von Peder Severin Krøyer : Vier Frauen und ein kleines Mädchen am Meeressaum. Obwohl bei den Frauen und dem Mädchen sich die Röcke nicht bauschen – es ist da doch ein Ausdruck von Standhaftigkeit und Stärke, den ich auch bei Deiner Wartenden wahrnehme.

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  7. Liebe Ulli,
    wir kennen diese Steinfiguren von Schweden. Als wir Kinder waren, waren wir fasziniert davon. Diese Steinfiguren standen meist an Wegkreuzung im Wald und sollten die bösen Trolle vertreiben. Vor einigen Jahren besuchten wir Lindisfarne und unterhalb von Lindisfarne Castle hatten Kinder und Erwachsene eine große Gruppe von Steinfiguren am Meer gebaut. Und jetzt fällt uns ein, dass sie uns immer begleiteten, wir sahen sie in Yorkshire, wo wir selber eine Steinfamilie bauten. Kommentar von Siri 🙂 „die meisten Familien sind ja versteinert“. Wir fanden einige in der Arktis, in Grönland und Spitzbergen, wo schon immer aufeinander geschichtete Steine den Weg wiesen, und bisweilen versuchen sich auch Touristen, Steinfiguren an unserem Strand aufzubauen.
    Skulpturen von wartenden Frauen sind hier relativ häufig. Es kam leider immer wieder vor, dass fast alle Fischer eines Ortes ertranken. Zum Gedenken daran wurden dann größere und kleinere Skulpturen gefertigt.
    Alles Gute, eine tolle kommende Woche wünschen wir dir
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

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    • Die kann leicht gelassen den Blick in die Ferne schweifen lassen, Bruni…
      Wenn du dir vergegenwärtigst, welchen Standort sie für ihre Ausschau gewählt hat wird klar, daß sie bereits wissen muß, daß die Männer gesund einlaufen werden – denn allerspätestens beim nächsten halbwegs ausgewachsenen, auflandigen Sturm sowie Springtide ist sie garantiert wieder weg … 😉

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    • Liebe Bruni, aufgrund deines Kommentars frage ich mich nun, ob damals die Fischerfrauen nicht auch eine gewisse Gelassenheit in sich entwickeln mussten, um sich von den Sorgen nicht auffressen zu lassen, ob ihre Männer wieder heil zurückkommen. Das Meer ist für Fischer auch unberechenbar gewesen und ist es wahrscheinlich auch noch heute, wenn auch zu anderen Bedingungen.
      Herzliche Grüße
      Ulli

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      • Sie mußten ja lange warten, bis die fischenden Männer zurückkamen. Sie waren das Warten also gewohnt und wenn ein Kindchen zur Welt kam, während der Vater zur See fuhr, dann gab es die Nachbarinnen und alle halfen sie einander. Auch beim Warten…
        Aber ich bin eine Landratte, wohne vom Meer viele viele Km entfernt. Ich kenne die Gepflogenheiten nur aus Büchern… Meine Tante wohnte zwar in der Nähe von Bremen, aber ursprünglich kamen Onkel und Tante aus dem Riesengebirge …
        Liebe Grüße von mir

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  8. Wunderbar würdevoll. Ich musste allerdings sofort an die peruanischen Frauen mit ihren Hüten denken, die ich in den Achtzigern, als ich in den Anden bewundert habe. Und auch ich habe in Norwegen das erste Mal die Steinmännchen gesehen. Der Polarkreis war überbevölkert davon. Liebe Grüße Marie

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  9. Aus dem Rahmen fallen – das ist eine für mich positiv besetzte Metapher, anders zu sein als das Gros der Leute um einen herum, seltsame Musik hören, Stille suchen und genießen, antizyklisch leben und so großen Menschenmengen aus dem Weg gehen. Das ist eben auch die SteinFrau am Meer, bestimmt auch, wer sie dort aufgebaut hat. Alles ist vergänglich, früher oder später holt die See die steinerne Lady, spurlos. Eines Tages werde auch ich mich der Ewigen See anvertrauen, den letzten Liegeplatz auf dem Meeresgrund. Aber das hat noch Zeit, hoffentlich viel Zeit, die jedoch nicht ich bestimme.
    Sei und bleib behütet, liebe Ulli! Ganz lieben Gruß aus dem Land am Meer.

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    • Guten Tag, lieber Wolfgang, aus dem Rahmen fallen ist eins, aus dem Rahmen treten, als bewusster Akt, das andere. Wenn es um Frauen geht, dann ist letzteres noch immer ein wichtiges Thema für mich. Der gesellschaftliche Rahmen für Frauen hat sich ja leider nur sehr bedingt erweitert, aus meiner Sicht gibt es da noch viel zu tun.
      Ganz liebe Grüße an dich und die Leuchtturmwärterin, Ulli

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