Transformation 3

Der dritte Beitrag zu Jürgens Projekt – Wortklärung

Transformation heißt übersetzt: Umwandlung, Umformung, Umgestaltung, Übergang – sagt mein Duden Fremdwörterlexikon. Und genau so begreife ich auch dieses Wort.

Im Netz fand ich weitere Begriffserklärungen, die sich auf die mathematischen und die physikalischen Transformationen beziehen. Hier tritt dann auch der Transformator auf. Das Teil, das den Wechselstrom in Gleichstrom umwandelt.

Auf psychologischer und spiritueller Ebene bedeutet die Transformation die Annäherung an den Kern des Selbst, wenn es erst einmal von allen „Verdunkelungen“ = Neurosen u.ä. befreit wurde. Jürgen hat sich ebenfalls in seinem gestrigen Beitrag zeichnerisch dem Kern genähert  → https://juergenkuester.net/2020/11/03/kunftig-bald-nach-vorne-transformation-am-dienstag-grundsatzliches/

Denke ich hierbei an meinen eigenen Weg, so heißt das für mich, dass ich erst einmal meine Schatten zu mir nehmen musste. Statt sie weg haben zu wollen, sie anzunehmen, um sie dann einer Umwandlung zu unterziehen. Allgemein gesprochen heißt das zum Beispiel negative Glaubenssätze in positive zu verwandeln oder zu erkennen welche Ressourcen aus verletzenden/schädigenden Erlebnissen in der Kindheit auf der anderen Seite gewachsen sind.

Da ist sie also wieder, die Verwandlung oder Umwandlung. Hierfür braucht es aber ebenfalls einen Transformator, das kann eine Therapeutin/ein Therapeut sein, eine Freundin/ein Freund oder das Ich selbst, mit der Einsicht, dass Dieses oder Jenes so nicht weitergehen kann oder wie es C.G. Jung nennt: helfende Hände.

Wann immer ich mich mit diesem Thema beschäftige, denke ich als erstes an Inanna, der sumerischen Göttin, die zu ihrer Schwester, der Todesgöttin, in die Unterwelt stieg. Sie kam an sieben Tore, an jedem Tor musste sie ein Kleindungs- bzw. Schmuckstück ablegen, nach dem siebten Tor war sie nackt. Ihre Schwester hängte sie an einen Haken, der Tod war Inanna sicher. Aber sie war noch nicht bereit zu sterben. Innerlich rief sie um Hilfe. Ihre getreue Dienerin hörte diesen Ruf und rettete sie. Diese Geschichte ist für mich Sinnbild geworden. Ohne die Bereitschaft in die eigenen Tiefen zu steigen, nackt am Haken zu hängen, kann keine Transformation stattfinden. Die von Jung benannten „helfenden Hände“ haben in der Dienerin eine Gestalt gefunden.

Dazu gestaltete ich einmal ein Bild, gleichzeitig ging es hier auch um den Tod von David Bowie → https://cafeweltenall.wordpress.com/2016/02/06/der-blaue-vogel/

Verwandt mit dieser Mythologie ist die von Persenophe, der sich gestern Gerda u.a. gewidmet hat → https://gerdakazakou.com/2020/11/03/reifung-oder-metamorphose-am-beispiel-des-granatapfels/ 

Ein weiterer Aspekt der Transformation ist der Übergang vom Leben zum Tod. Menschen mit einer Nahtoderfahrung sprechen danach von einer grundlegenden Veränderung/Umwandlung ihrer Haltung gegenüber dem Leben.

Auch auf spiritueller Ebene wird immer wieder davon berichtet, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema Tod zu einer Transformation führt/führen kann – nämlich dann, wenn die Angst vor dem Tod „bezwungen“ wird. Einer meiner Lehrer sagte einmal: „Wo keine Angst ist, ist kein Tod.“ Ich habe diesen Satz nie vergessen, nur durchdrungen habe ich ihn immer noch nicht. Es ist ein Weg. Es braucht. Und wenn es stimmt, was ebenfalls viele spirituelle Lehrerinnen und Lehrer sagen, dann geht es um die Transformation von Angst in Liebe. Ich habe immerhin eine Ahnung und ich bleibe dran.

Ihr merkt es schon, das alles sind hochkomplexe Themen! Diese kann ich hier und jetzt nur anreißen und nicht in der Tiefe ausloten.

Zur Abgrenzung von der Metamorphose möchte ich auch noch diesen Begriff übersetzen. Metamorphose bedeutet: Umgestaltung, Verwandlung – diese finden wir bei der Entwicklung eines Schmetterlings, vom Ei zur Raupe, zur Verpuppung zum Schmetterling. Tatsächlich liegen für mich beide Begriffe sehr nah beieinander und sind doch voneinander zu unterscheiden.

Bei meinem gestrigen Beitrag zeigte ich ein Selbstporträt. Die menschliche Entwicklung ist demnach eher eine Metamorphose, denn eine Transformation. Aber ohne die innere Transformation wäre ich niemals in der Lage gewesen dieses Selbstporträt zu gestalten, geschweige denn zu zeigen. Es braucht Mut sich selbst in den verschiedenen Facetten und Stationen zu zeigen. Das haben einige von euch wahrgenommen und dafür bin ich dankbar. So wurde auf subtile Art und Weise die Transformation sichtbar, die unter dem Offensichtlichen liegt.



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20 Gedanken zu „Transformation 3

  1. Liebe Ulli, du bringst mir die Transformation näher, besonders mit der Definition, Transformation wäre die Annäherung an den Kern des Selbst.
    Dazu werde ich heute meine Tagebucheintragung zeichnen.
    Eine schöne Vorstellung!
    Liebe Grüße von Susanne

    Gefällt 4 Personen

  2. Liebe Ulli, die Lektüre Deines Beitrages bringt mich heute im Atelier sicher ein Stück weiter. Deine Worte und Sätze sind mehr als hilfreich. Sie bringen mich inhaltlich ein gutes Stück weiter, danke dafür. Bin gespannt, was sie auf der kreativen Ebene bewirken.
    Liebe Grüße
    Jürgen

    Gefällt 2 Personen

  3. Sehr inhaltsreich und klar und gut verständlich, was du schreibst, Auch für mich liegt der Schlüssel für die Eigenentwicklung im Ausdruck „Annäherung an den Kern“, nachdem alles Drumherum – also das,was durch Erziehung und Lebensumstände den Kern umgibt – durchgearbeitet und verwandelt oder abgelegt wurde, Und auch deinen Hinweis darauf, dass „helfende Hände“ bei diesem Vorgang manchmal lebensrettend sind, kann ich unterschreiben.
    Ich beschäftige mich seit gestern damit, den Unterschied zwischen Metamorphose und Transformation besser zu begreifen – und zwar nicht eingegrenzt auf die Eigenentwicklung, sondern bezogen auch auf andere Lebensfelder wie: künstlerisches Schaffen, Gesellschaftsform, Beziehungen, Natur. Langsam klärt sich der Begriff.
    Hab einen guten Tag, liebe Ulli!

    Gefällt 3 Personen

    • Liebe Gerda, noch komme ich gar nicht dazu das Ganze in einem Bild darzustellen, da könnte ich maximal einzelne Aspekte herausnehmen, mal schauen, ob ich heute Abend noch eine Idee habe. Ein bisschen schade finde ich das schon, da es ja eigentlich um die künstlerische Umsetzung des Begriffes geht. Aber immerhin kann ich mir euers anschauen und mich vielleicht sogar inspirieren lassen?!
      Liebe Grüße
      Ulli

      Gefällt 1 Person

      • Es ist ein äußerst komplexes Thema, und natürlich kann man sich ihm nur schrittchenweise annähern. Da wir, die wir uns hier miteinander austauschen, sehr verschiedene Ansätze haben, gehen wir auch sehr verschieden voran. In der Gesamtschau werden wir uns vielleicht in einigem #begegnen und etwas hinzugelernt haben. Schon jetzt fühe ich mich bereichert.

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  4. Pingback: künftig/bald/nach vorne: Transformation durch Worte | BUCHALOVS BLOG ••••••••

  5. Gerade habe ich schon bei Gerda geschrieben, dass mein Kopf heute keinen Platz für eigene Gedanken hat und wie schönes ist denn ihren zu folgen. Genau das gleiche kann ich jetzt hier schreiben. Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

  6. Du hast das gut beschrieben und mir geht es ähnlich mit den Begriffen Transformation und Metamorphose. Sie liegen auch für mich nah beieinander. Ich muß Gerdas Text dazu noch lesen. Interessant sind natürlich die Ursprünge dieser Wörter. Ich frage mich, ob man sie in Bezug auf Leben und Tod wirklich trennen muß. Bildlich gesprochen wandeln auch wir uns in verschiedenen Lebenslagen und Lebensstadien. Aber ich nehme so etwas nicht so genau 😉 Wo keine Angst ist, ist kein Tod – ein interessanter Satz deines Lehrers, der sich wahr anhört. Aber wie du sagst, ihn zu durchdringen, kann lange dauern. Zu diesem Thema gäbe es noch viel zu entdecken… LG Almuth

    Gefällt 3 Personen

    • Guten Morgen, Almuth, du fragst dich, ob man Leben und Tod überhaupt trennen muss, eigentlich nicht, das ist wohl der Dualismus unseres Denkens geschuldet. Wenn ich mich mit dem ewigen Kreislauf von Leben, Werden, Sein und Sterben verbinde, dann gibt es diese Trennung nicht. Die Natur zeigt es uns, Jahr für Jahr, wie du es uns auch mit deinen schönen Beiträgen zeigst. Es ist nur die Form, die körperliche Hülle, die vergeht. Hier ist auch für mich der Satz verankert: Nichts geht verloren. In schamanischen und buddhistischen Kulturen ist dieses Wissen tief verankert. Und hieran kann ich dann auch die Angstlosigkeit fest machen. Ja, das Thema ist groß!
      Ich freue mich über unseren Austausch, danke dafür.
      Liebe Grüße
      Ulli 🌺

      Gefällt 3 Personen

  7. Pingback: Transformation 4 |

  8. Liebe Ulli,
    der Transformator ändert die Spannung hier 230 Volt rein – da 12 Volt raus , was du meinst heißt Gleichrichter…
    Aber schön dass das Thema so Raum greift ..
    Liebe Grüße Tobias

    Gefällt 1 Person

  9. Pingback: Transformation 5 |

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