38 Gedanken zu „Sonntagsbild 33 2020

    • liebe ulli, mir scheint, du beschreibst hier (nicht nur, aber auch) eine bestimmte art der selbstdarstellung im netz – hübsche kleine, ein süß blickender avatar, hochinteressanter lebenslauf, wohnorte mal hier, mal da, toller job, tolle begabungen, tolle hobbies, tolle ziele, flotte zunge, zielstrebig, jung und schön und glücklich und vital und klug und kämpferisch – ganz außergewöhnlich besonders, richtig superwomanmäßig … aber wer steckt eigentlich dahinter, wen träfe man wohl bei einer leibhaftigen begegnung? womöglich einen lichtscheuen messie in schmuddeligen jogginghosen, der sich am computer in sonst noch wen verwandelt …? mag ja alles fake sein …
      ja … dichtung und wahrheit, fließende übergänge …
      nun, mich beschäftigt derlei zur zeit im rahmen aktuellen erlebens, drum les ichs so.
      danke dir fürs einstellen.

      sehr ❤️ -lich: pega

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      • Liebe Pega, das finde ich nun spannend, dass du es so liest. Mir ging es um das, was man zeigt und dem, was daraus an Bildern in den Köpfen der Betrachtenden/Lesenden passiert. Wie ein Bild des Künstlers/der Künstlerin entsteht und dann als so-ist-sie oder er sich zementiert.
        Aber eben, andersrum betrachtet wird natürlich auch ein Schuh draus.
        Herzliche Sonntagmorgengruesse, Ulli ❤️

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  1. Da ist ein Text, da ist ein anspielungsreiches Bild – da ist auch eine Künstlerin, die es ins Werk gesetzt hat. Und nun geht das Rätselraten los: was mag sie gemeint haben? Was für eine Person ist sie? Wie möchte sie gesehen werden? etc pp
    Allle diese Reaktionen bleiben im Außerkünstlerischen. Es sind Reaktionen wie bei persönlichen Bildern im Netz.
    Dabei ist die Text-Bild-Montage so wie jedes künstlerische Bild ja vor allem das Angebot einer Projektionsfläche: was löst es bei mir, der Betrachterin aus? was macht es mit mir? Das Bild sucht nach Antworten im Betrachter.

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      • „raus bist du noch lange nicht, musst erst sagen, wie alt du bist“ – du kennst den Kinderreim. Im übrigen sind wir einer Meinung. Der Künstler schafft ein Werk – danach ist er „raus“. Das Werk spricht für sich, an ihm dürfen sich die Betrachter abarbeiten, sofern sie das möchten. Den Künstler sollen sie nicht fragen, „was hast du damit gemeint „, und sie sollen auch nicht die Aussage des Kunstwerks als Ich-Aussage missverstehen. Sie sollen es nicht – aber sie tun es doch.

        Seit Kunst nicht mehr anonym ist, hat sich die Grenze zwischen Künstler, Kunstwerk und Betrachter verschoben. Immer mehr wird der Künstler zum Bestandteil des Werks. Wenn du ein Märchen liest oder eine Ikone betrachtest, fragst du nicht nach dem Erschaffer. Heute aber ist die Identifikation zwischen Kunst und Künstler sehr weit fortgeschritten. Nicht Kunst – Künstler werden vermarktet, kritisiert, anatomisiert, interpretiert .. Zum Teil liegt das an den Künstlern selbst (ich meine, mit Dali hat es begonnen, dass Künstler sich offen selbst vermarkten), zum Teil aber liegt es an der Verwischung der Grenzen zwischen nicht-künstlerischer Selbstdarstellung im Netz und dem ins Netz gestellten Kunstwerk. „Wie will sie gesehen werden“ ist eine berechtigte Frage, wenn jemand sein Blld und das seiner Freunde, Aktivitäten etc ins Netz stellt. Und die Frage „wie sehen mich die anderen“ ist sicher einer der Hauptantriebe bei Selbstdarstellungen im Netz.
        Das Kunstwerk will ganz und gar unabhängig vom Künstler betrachtet werden. Es soll für sich wirken. So wünschst du es dir, so wünsche ich es mir, so wünschen es sich auch die Verfasser von Romanen und Gedichten. Sie haben das Ihre gesagt und wollen „raus“ sein. Aber funktioniert es? (Jutta Reichelt hat dazu Aufschlussreiches bezüglich der autobiografischen Komponente in Romanen geschrieben).
        So, nun bin ich auch raus. Liebe Grüße!

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  2. Liebe Ulli,
    Handelte es sich bei dem Verfasser oder der Verfasserin wirklich um eine Frau, die „sich selbst erobert hat“, wiegte sie sich sicherlich in den Hüften und schlenderte so zufrieden dahin. Madame, Monsieur oder ein mögliches Mon cher wäre kein Ach für sie, keine Anerkennung, nach der sie ganz offensichtlich sucht. Denn sie müsste nicht mit Worten die Gelassenheit betonen, die sie ausstrahlt und sie müsste nicht erst ihre Blaupupille von unten nach oben werfen um damit in einem Gegenüber ihre Unschuld zu betonen. Alles was du besonders meinst bei anderen betonen oder hervortun zu müssen, vermisst du eigentlich oder wünscht du dir an Dir…
    Sie müsste auch überhaupt kein Französisch können um so französisch weich und schön zu sein, sie müsste nicht einmal Bilder von sich selbst in die Öffentlichkeit stellen oder ihre Worte in ziemlich schräg hingekleckster Schönschrift verfassen.
    Diese Gedanken gingen mir durch den Sinn. Und dieses verkorkste Schriftbild.
    Ein schönes Sonntagsbild, wunderbare Farben und ein Schriftbild…Worte, die viel mehr herzeigen und verraten – als sie vielleicht wollen…😉
    Lieben Dank und Gruß
    Amélie

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  3. „Ich bin so geboren.“
    Ein großer und fragwürdiger Satz. Und wer wollte sich in Bloggistan so zeigen? Ist das nicht das Land, in dem man sich völlig neu erfinden kann?
    Legitim. Und eigentlich weiß keine nix vom Anderen. Lauter Puzzle aus Fenstern, durch die wir mal kurz reinschauen dürfen. Und wer weiß, ob wir da jeweils Lebensraum oder Bühne sehen?
    Man glaube nichts … für die Liebe ist das richtige Leben unzuverlässig genug, da braucht’s nicht noch zusätzlich ein digitales Vexierspiel.
    Außer man nimmt’s, wie es ist, und vor allem nicht schwer.
    Hab wohl gerade meine skeptischen zehn Minuten.

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    • Du bist mir selbstredend auch mit deinen skeptischen Momenten Willkommen, liebe Ule!
      „Ich bin so geboren“, bezieht sich auf meine blauen Augen, die immer wieder Auslöser für etwas sind, was oft nix mit mir zu tun hat. Auf blöde Anmache war ich noch nie scharf.
      Ansonsten stimme ich dir zu, man zeigt Facetten, sowieso und überall, mich stören die Schubladen, besonders solche der Vehemenz. Nun ja, das weißt du ja.
      Liebe Grüße
      Ulli

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