Etüde 08 2020

Die Worte, um die es in dieser Etüdenrunde geht, sind auf dem Bild zu sehen. Es ist wieder Zeit für eine Extraetüde, sagt Christiane und lud in dieser Woche dazu ein. Die Bedingungen: es gilt aus 6 Wörtern 5 auszuwählen und einen Text (oder ähnliches) mit maximal 500 Wörtern zu schreiben. Ich wählte einmal wieder ähnliches …


Viele Worte, sanfte Worte, kluge Worte, nichtssagende Worte, großspurige Worte, Worte – viele und ständig, was schweigen sie tot? Was sprechen sie aus? Wahrheit ist nicht immer dazwischen oder im Paradox. Wahrheit versteckt sich und ist doch oft zu nah, um sie zu sehen.

Manche fallen und es ist nicht schlimm. Manche fallen, fallen und fallen. Wohin? Manche stehen immer wieder auf. Manche wissen nichts vom Grund.

Der Zeit ist des Menschen Gehassels egal. Die Zeit ist und vielleicht auch nicht. Die Zeit hat keinen Plan. Die Zeit nimmt alle mit.

Am Horizont gleitet elegant ein Katamaran.

99 Wörter



Aus meiner Blogpause heraus …



To my English speaking readers:

If you are interested, you can read every article of me in English. You have to go to the end of my blog page, there you’ll find the buttom „Google Translater“. Enjoy!

 

21 Gedanken zu „Etüde 08 2020

    • Liebe Pega, viele empfinden ja die Zeit als gnadenlos, weil sie geht/vergeht, wie sie es eben tut, vom Tag zur Nacht zum Tag usw., sie als allbarmherzig zu betrachten, eröffnet neue Sichtweisen. Danke dafür und ganz herzliche Grüße an dich,
      Ulli

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  1. Für mich ist hier das elegante Gleiten des Katamaran am fernen Horizont eine Art Erlösung, ein Ausatmen, eine Hoffnung, dem Dschungel der Worte und Meinungen zu entkommen und sich anzuvertrauen dem Strom des Lebens.

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  2. Im Zusammenhang mit dem „fallen“ war mein erster Gedanke, dass die die fallen, zusehen müssen, wie andere am Horizont sorglos gleiten.
    Wärst du eine begeisterte Seglerin, könnte ich mir Gerdas Interpretation vorstellen, allerdings ohne den Dschungel der Worte und Meinungen
    Für mich ist ein gleitendes Schiff am Horizont ein hauptsächlich ästhetisches Element. Elegante Bewegung des Lebens und der Zeit. Schön aber doch weit weg. Wobei diese Art von Schönheit für mich auch Ruhe ist und Gelassenheit.

    Gefällt 4 Personen

    • Gerda hat es genauso gesagt, wie ich es gemeint habe, auch in Bezug auf alles Vorhergehende.
      Deins ist deswegen ja nicht falsch, nur anders und doch auch treffend.
      Danke, Myriade, liebe Grüße ❤

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  3. Das ist spannend mit dem letzten Satz und seinem Zusammenhang, liebe Ulli. Ich sehe den Katamaran unbeteiligt wie die Zeit dahingleiten, fern, leuchtend, ungreifbar, Teil und doch nicht Teil, am Rand zum Nirgendwo …
    Liebe Grüße und danke
    Christiane 😁🌞👍

    Gefällt 4 Personen

    • ja – der katamaran!
      auf jeden fall finde ich es (jetzt mal so schreibhandwerklich betrachtet) sehr gut, dass du ihn in den text eingebaut hast: als ein von den vorhergehenden wortfeldern, die der text aufruft, zunächst losgelöst erscheinendes element, das, bevor der text die leserin entlässt, eine art von polarität unf spannung erzeugt, vielleicht nur einen sekundenbruchteil lang, vielleicht so kurz und dezent, dass die kleine irritation der leserin gar nicht richtig bewusst wird, bevor sie davon eilt. aber sie nimmt etwas mit, das ihr helfen kann, sich an den text zu erinnern: der katamaran ist ein starkes, poetisches bild.
      der katamaran macht den text reicher und tiefer, plastischer und sinnlicher. er „spricht“ nicht nur, sondern „tut“ oder „zeigt“ etwas (als bild, als metapher), gibt damit dem text einen hintergrund und boden, bindet das zuvor ausgesprochene auf eine größere ebene hin zusammen.
      wie dieses bild von jeder einzelnen leserin „übersetzt“ und ausgedeutet wird (bewegung der zeit und des lebens, erlösung, ruhe, hoffnung auf eine wahrheit jenseits der plappernden worte, überfahrt/tod …), und ob es so gedeutet wird, wie die autorin es sich erhofft, das ist, meine ich, zunächst mal gar nicht so wichtig.
      entscheidend finde ich, dass dieser katamaran den text auflädt und mich (als leserin) stutzen lässt, aufmerken lässt.
      lieben gruß,
      pega

      Gefällt 4 Personen

      • Vielen Dank, liebe Pega – ich schrieb gerade schon an Gerda, an Myriade und Christiane – auch deins trifft es gut, was der Katamaran für mich ist – Symbol hin zu etwas, das größer ist, jenseits der Worte – und ja, es hat Frieden im Gepäck und Freude –
        Herzensdank auch an dich ❤
        freudige Grüße
        Ulli

        Gefällt 3 Personen

    • Das ist auch eine Sicht, die mir gefällt – der Katamaran ist jenseits, losgelöst von all den Worten, dem Gehassel der Menschen, dem Fall und wieder aufstehen – er ist hier Symbol für das was ist, jenseits der Worte – du hast das sehr treffend ausgedrückt. Ich freue mich 🙂
      Herzensgrüße an dich ❤
      Ulli

      Gefällt 2 Personen

    • Liebe Priska, ich glaube, dass nichts schwieriger ist, als die Vergänglichkeit von allem, also nicht nur vom eigenen Leben, sondern auch von den schönen und glücklichen Momenten, den Liebsten etc, zu akzeptieren. Es braucht die tägliche Erinnerung daran und das Gehen damit, was sich schnell und leicht schreibt, aber eben doch auch eine tägliche Übung in unserer Haltung dem Leben und Vergehen gegenüber beinhaltet. Man weiss es und weiss es doch wieder ncht – auch ich vergesse dies immer wieder gerne während meiner Alletage.
      Liebe Grüße
      Ulli

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  4. Ein interessanter Text, der an einem vorüberzieht und tatsächlich am Ende der Katamaran, der einen eleganten Schlußpunkt setzt. Fern am Horizont, dort wo alle Emotionen und Worte unwichtig werden, dort
    gleitet elegant ein Katamaran …
    Ein wundervolles Ende, liebe Ulli, ein besseres hätte es nicht geben können.

    Liebe Grüße von Bruni an Dich

    Gefällt 1 Person

    • Dankeschön, liebe Bruni, allerdings finde ich nicht, dass am Anfang alles gleitet, das macht nur der Katamaran, er nimmt die Schwere des Vorangegangen hinüber in seine Leichtigkeit – mehr steht schon hier, aber ich habe ja gesehen, dass du es gelesen hast 😉
      Ganz liebe Grüße durch die Nacht an dich
      Ulli

      Gefällt 1 Person

  5. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 24.25.20 | Wortspende von books2cats | Irgendwas ist immer

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