GedankenFäden 002 2020

Installation – Nural Moser


Mich an den zufällig auftauchenden Quellen laben, kühle Erfrischungen im Einerlei der Beliebigkeiten. Die Freude darüber, dass sie noch sprudeln, dass noch lange nicht alles Wüste geworden ist. Leuchttürme hier und da im Dunkel dieses Zeitalters, ohne je von hellen gehört zu haben – es gab einst nur weniger Müll, kein Plastik und keine zehntausendjährigen Halbwertzeiten. Etwas, das erschreckender ist als die Leiden des Menschseins. Vergleiche halten selten stand. Zeiten, Menschen, Werke, Dinge stehen nebeneinander auf Augenhöhe oder sie sollten es. Ich denke nicht an Verachtenswertes, das steht allein im tiefschwarzen Raum. Unwissenheit rechtfertigt keine Untaten, soviel Verstand fordere ich ein, was unhaltbar und vermessen ist. Die älteren Freundinnen und Freunde gehen nach und nach, ich sorge mich um M, ich will sie noch nicht vermissen müssen und auch nicht betrauern. Das Wissen um ist getrennt von wenn und macht nichts leichter.



 

 

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43 Gedanken zu „GedankenFäden 002 2020

  1. Liebe Ulli,
    Schöne Worte hast du wieder gefunden. Für das, was tief in Dir schlummert. Ich sauge es auf und nehme es mit in den Tag. In die Woche…in diese seltsame Zeit. Zur Zeit gibt es viel zu verarbeiten. Im tatsächlichen und übertragenem Sinn. Da tut es gut, sich hin und wieder in Worte fallen zu lassen. Liebe Grüße Maria, Marie…. beides stimmt…

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    • Liebe Marie, so haben wir uns beide den Worten wieder einmal zugewendet, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise. Meine kann man ja nicht leichtgewichtig nennen, wie auch diese Zeit nicht. Mir fehlt Zurzeit die Leichtigkeit, die Ausgelassenheit.
      Liebe Grüße
      Ulli

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  2. Nein, das Wissen um macht nichts leichter, liebe Ulli. Die Unterwerfung würde es vielleicht, aber du bist nicht der Mensch dafür. Glaube ich. So wählen wir den schweren Weg und kassieren die Nackenschläge aufrecht.
    Deine Gedanken führen weit heute. Danke.

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      • Beispiel: Das Wissen um Ungerechtigkeit kann zu ihrer Bekämpfung führen oder zur Unterwerfung unter die Tatsache, dass es Ungerechtigkeit halt gibt. Zu weiteren anderen Verhaltensweisen auch noch. Also mehr gemeint als sich Arrangieren mit Gegebenheiten. Schicksal geht in die Richtung, klingt aber für meine Ohren hier etwas zu „groß“.

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        • Liebe Ule, liebe Myriade,
          ich bin auch über den Begriff „Unterwerfung“ gestolpert – da es mir in meinem Text um den Tod und die damit zusammenhängende Trauer ging – was vielleicht nicht deutlich heraus gekommen ist – gibt es für mich hier nichts zu kämpfen. Ich würde es allerdings eher Hingabe oder Akzeptanz nennen.
          Bei vielen anderen Umständen oder Zuständen kann ich mich für eine Besserung der Verhältnisse einsetzen. Das Wort Kampf und das Verb kämpfen streiche ich mehr und mehr aus meinem Vokabular. Kampf führt meist zu nichts, etwas annehmen und die Möglichkeit der Veränderungen in Betracht zu ziehen ist für mich etwas anderes. Kampf ist mir ausserdem zu nah am Krieg. Ich möchte keine Kriege mehr führen, weder gegen mich, noch gegen andere. Das nur am Rande.

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          • Das verstehe ich wohl, liebe Ulli. Akzeptanz ist als Haltung positiver und konstruktiver als ich die Unterwerfung meinte, das eine gewisse Trägheit, Bewusstseinsfaulheit, Gleichgültigkeit enthält. Im Falle des Todes bleibt uns nichts übrig als ihn zu akzeptieren. Anders bei der Trauer: es gibt über die Akzeptanz hinaus zahlreiche destruktive wie konstruktive Möglichkeiten, mit ihr umzugehen.

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  3. Mir fällt gerade auf, wie selten du doch zu deinem Jetzt schreibst und wie gut mir das gefällt, inhaltlich und sprachlich.
    „Das Wissen um ist getrennt von wenn und macht nichts leichter.“ Das ist genau einer meiner Gedanken, die mich dazu bringen werden wieder regelmäßig zu meditieren. Das kluge, analytische Herangehen an die conditio humana reicht nicht aus um die Schläge abzufedern, es braucht einen ganzheitlichen Zugang.

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    • Ich meditiere auch wieder mehr, das hilft mir tatsächlich klarer zu sehen und mich nicht in meinen Emotionen zu verstricken. Du hast das sehr passend ausgedrückt!
      Am Samstagmorgen und am Nachmittag hörte ich einen Vortrag von Vicky Tofts, sie gehört zu unserer Sangha, sie sprach über den Umgang mit der Angst. Die Angst ist auch aus meiner Sicht ein Motor für vieles anderes. Die grundlegendest Angst ist die vor dem Tod – hier hat der Buddhismus aus meiner Sicht mehr Antworten als alle anderen Ismen, die ich kenne. Nur greifen kann ich das Ganze immer noch nicht. Aber ich bin ja auch „nur“ eine Übende auf dem Weg 😉
      liebe Grüße
      Ulli

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      • Ich habe immer das Problem, dass ich das intellektuelle Begreifen nur sehr schwer auf die emotionale Ebene hinüberbringe und dabei hilft mir eben die Meditation …
        Auch für mich hat der Buddhismus sehr viele Antworten zu grundlegenden Fragen des Lebens und des Todes. Ich mag so viele Leute aus meinem Sangha, aber das Problem ist der aus meiner Sicht inakzeptable Linienhalter, daher laviere ich so hin und her und höre mir auch keine online-Vorträge an, weil ich in keiner Weise die herrschende „Autorität“ unterstützen möchte. Wenn im Zentrum wieder Präsenz erlaubt ist, muss ich mir einen Weg für mich einfallen lassen

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        • Darf ich dich fragen wer denn der Linienhalter bei euch ist?
          Ich begreife ja oft sehr intuitiv, habe dann auch oft erstmal keine Worte dafür. Erst wenn sich dieses Verstehen mit einer eigenen Erfahrung paart, wird es für mich Wissen und dann ist der Weg zu den eigenen Worten nicht mehr so weit.
          Ach ja, jetzt säße ich dir gerne gegenüber für einen Austausch. Gibt hier ja nicht so Viele, die diesem Pfad folgen. Was aber auch Vorteile hat 😊

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            • Oh no, er? Da verstehe ich dich gut. Aber lehrt er denn noch? Ich habe zwar von der Geschichte gehört und hier und da was gelesen, bin aber nicht auf dem neuesten Stand. Aber jetzt lese ich erstmal deinen Link.

              Soweit war ich informiert.
              Pema Choedroens Haltung ist wieder klar und konsequent. Das Ganze ist jetzt schon über ein Jahr her. Wie ist der Stand heute?

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              • Nicht einmal Pema Chödrön konnte die Verirrten überzeugen. Er wurde angeblich auf Knien gebeten wieder zu lehren und Abishekas zu erteilen und wie es aussieht beginnt er gerade damit.
                Es ist ein Trauerspiel: die Leute tun genau das Gegenteil von dem, was sie gelernt haben sollten: sie klammern sich an jemanden, den sie gewohnt sind, obwohl sie genau wissen (aber nicht wissen wollen) was für ein dekadentes, ausbeuterisches Leben er führt. Es tut einem richtig weh, wie ausgerechnet diejenigen, die kaum genug zum leben haben ständig spenden um diesem …… Menschen sein Luxusleben zu finanzieren

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                • Genau, Menschen, die jahrzehntelang buddhistische Praxis betrieben haben, sind nicht in der Lage einen einigermaßen frischen und realistischen Blick auf ihren Lehrer zu werfen 😦

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                • Mittlerweile wundert mich das nicht mehr. Es wird so Vieles missverstanden oder erst gar nicht verstanden. Ethik ist ein großes Thema, wir sind dieses Thema angegangen, auch wegen den Machtmissbraeuchen. Hier prallen leider auch Traditionen, falsch verdtandene Hingabe an die Lehrenden aufeinander. Aber für mich ist Unrecht Unrecht! Dafür brauche ich keinen Lehrer, keine Lehrerin.
                  Selbst denken ist eben nicht sehr verbreitet.

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                • Ich lese gerade ein tolles Buch „Noch eine Runde auf dem Karussell“ von Tiziano Terzani und las gerade das und musste dabei an unseren Dialog hier denken:“ Zu Beginn sei es zwar unumgänglich, dass der Guru seinen Schüler auf die Schultern nehmeund ihm die ersten Schritte zeige. Aber dann müsse er ihn gehen und seinen eigenen Weg finden lassen. Worauf es schließlich ankommt, ist die Methode, nicht der Guru.“
                  Und genau daran hapert es, dass die einen nicht alleine laufen lernen wollen oder können und der/die andere nicht loslässt.
                  Ich bin immer wieder dankbar für meinen Lehrer, der immer betont hat, dass er uns zwar Wege zeigen könnte, aber gehen müssten wir ihn schon alleine. Er hat sich 2017 zurück gezogen, seitdem zeigt sich sehr deutlich wer alleine gehen gelernt hat und wer nicht. Darüber hinaus zeigt sich wer seinen gewiesenen Weg überhaupt verstanden hat und wer nicht. Einerseits ist er zwar traditionell, hat aber immer den Weg des Herzens vertreten, der zum Weg des Maha Ati aus seiner Sicht gehört.

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                • Ja, die Lehrer, die man findet sind Glückssache. Eine sehr schöne Textstelle, die du da zitierst und eine sehr wahre Diagnose.
                  Abgesehen von spirituellen Aspekten darf man auch die materiellen nicht aus den Augen verlieren. Da kann auch einiges schief laufen, wie man bei Shambhala deutlich sehen kann, wenn man denn sehen will.

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                • Ja, die Habgier macht auch vor Lehrenden nicht Halt. Leider. Und so viele Scharlatane on the road. Terzani weiß auch darüber viel zu schreiben.

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                • Ja, auf vielen verschiedenen Ebenen. Ich war schon vor Jahren sehr angetan von seinem Buch, das dann mit Bruno Ganz in der Hauptrolle verfilmt wurde: Das Ende ist mein Anfang.
                  Terzani war Journalist, italienischer Abstammung und hat Jahrzehnte in Asien gelebt und über seine Erfahrungen im Spiegel geschrieben. Er war auch im Vietnamkrieg und, und. Ein wirklich kluger Mann! Dazu durchaus selbstkritisch und humorvoll.

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  4. Ich nehme aus deinen Texten immer sehr viel mit, liebe Ulli, kann das aber auch meist nicht sofort kommentieren, sondern muss sie sacken lassen.
    Ich hoffe, deinem Kopf geht es mittlerweile besser und grüße dich von Herzen!
    Anna-Lena

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    • Liebe Anna-Lena, deinen Kommentar empfinde ich als großes Kompliment. Dank von Herzen dafür.
      Ja, ich kenne es aber auch umgekehrt, das sind dann Texte, die auch bei mir erst einmal wirken müssen, bis ich Worte für sie habe.
      Liebe Grüße
      Ulli 🌺

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  5. Liebe Ulli, du drehst viele Steine um und denkst über Dinge nach. Das Hinschauen macht einem das Leben, die Entscheidungen nicht leichter. Aber du schaffst es immer wieder auch die positiven Quellen anzuzapfen und uns weiterzugeben.
    Sei herzlich gegrüßt. Priska

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