Prinzip Hoffnung

weisse Tara

Zitat aus dem Buch von Andreas Altmann „Triffst du Buddha, töte ihn! Ein Selbstversuch“

(ISBN 9 783832 1611507)

Wie wahr, wie schauerlich wahr: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Keine Droge blendet erfolgreicher und hinterlistiger. Max Frisch hat es in seinem Tagebuch notiert, hat schön radikal im Diesseits und Jenseits aufgeräumt: >Es genügte, wenn man den Mut hätte, jene Art von Hoffnung abzuwerfen, die nur Aufschub bedeutet, Ausrede gegenüber jeder Gegenwart, die verfängliche Hoffnung auf den Feierabend und das Wochenende, die lebenslängliche Hoffnung auf das nächste Mal, auf das Jenseits – es genügte, den hunderttausend versklavten Seelen, die jetzt an ihren Pültchen hocken, die Hoffnung auszublasen: groß wäre das Entsetzen, groß und wirklich die Verwandlung.<

Am radikalsten aber hat es Albert Camus formuliert: >Alles Unglück des Menschen kommt von der Hoffnung.< Wie erfreulich hoffnungslos da der Buddhismus klingt. Wie lässig er den Himmel übersieht, auch den Teufelsschlund, ja, sich nicht um Gott schert, somit dem Menschen seine Würde und Eigenverantwortung zurückgibt. Indem er ihn nicht vertröstet, auf gar nichts, nur ungerührt und kompromisslos auf die Gegenwart verweist, in der er sich bewähren muss. Schon schwer. Aber immerhin werden wir nicht infantilisiert, sind wir nicht angewiesen auf die Launen eines Allmächtigen, eines – so plappern die Glaubensbrüder und Betschwestern – >Allgütigen<.

Ja, Frisch gibt es zu: Die Religion verfügt über einen enormen Trumpf, die Illusion. Denn solange sie durchhält, solange werden sich die Halluzinationen vom Jenseits und der höllischen Feuersbrunst halten. Ohne Risse, ohne Bedenken. Viele sterben mit diesem Phantom, werden wohl nie erfahren, dass sie lebenslänglich per Hokuspokus anästhesiert wurden. Dass sie weder post mortem hemmungslos vögeln dürfen noch beim Teufel ankommen noch >auferstehen<. Und die Ahnungslosigkeit hat vielleicht ihre Vorteile. Denn die Reue über all die vertrauensseligen Narreteien wäre maßlos, über all die Schindluder, die man im Namen der einen oder der anderen Gottheit erdulden muss.



Bleibe ich noch ganz kurz beim Buch, an einigen Stellen habe ich geschmunzelt, an anderen genickt, insgesamt war es inspirierend wieder mehr Zeit in Stille auf meinem Kissen zu verbringen (was mir noch nie geschadet hat), aber ich muss auch gestehen, dass ich nicht alle Ansichten von Herrn Altmann unterschreiben kann. Muss ich ja auch nicht. So z.B. was er über den Buddhismus im Zusammenhang von Himmel und Hölle geschrieben hat: Der tibetische Buddhismus weiß in Gleichnissen einige schauerliche Geschichten über die Vajra-Höllen zu erzählen und malt im Kontrast dazu himmelselige Bilder. Schon lange denke und glaube ich, dass beide nicht irgendwo im Jenseits zu finden sind, sondern genau jetzt und hier. Manche gehen genau in diesem Augenblick durch eine der vielen Höllen hier auf Erden (Krieg, Hunger, Verfolgung …), andere schweben in himmlischen Sphären.

Auch wenn ich den Buddhismus mehr als Philosophie, denn als Religion begreife, hat er in seinen religiösen Ausrichtungen, genau wie alle anderen Religionen auch, Dogmen ausgebildet. Dogmen haben aus meiner Sicht immer nur einen Sinn und Zweck: den Menschen klein zu halten und mit Schuld und schlechtem Gewissen zu beladen, um Macht über sie auszuüben.


P.S. Buddha war auch nur ein Mensch.



Gerne wüsste ich von euch wie ihr zum Prinzip Hoffnung steht, wie zu den Frohlockungen des Himmels, wie zu den Drohungen der Hölle(n). Willkommen in meinem Kommentarstrang!

59 Gedanken zu „Prinzip Hoffnung

  1. Ach liebe Ulli, wie sprichst du mir wieder aus der Seele. Töte Buddha, wenn du ihn triffst. Dieser Satz hat sich schon lange tief in mir festgesetzt. Ja, im hier und jetzt geschieht das Leben. Tolstoi schrieb in einem Brief an Ghandi, Gottes Reich ist in uns. Es gibt nicht irgendwelche Himmel, die man uns in Aussicht stellt, oder der Quatsch mit Fegefeuer und Hölle, mit der man uns geängstigt und eingeschüchtert hat, Also meine Liebe, setzen wir uns aufs Kissen und kommen atmend bei uns an. Oder, wie sagt dich Carl Valentin so wahr: „Heute ist die gute alte Zeit von Morgen“. Ich wünsche dir eine lebendig Woche. Liebe Grüße, Marie

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    • 🙂 Herzensdank für den Valentin, liebe Marie, du siehts mich lächeln 🙂
      schön, wenn man sich einfach so einig sein kann!
      Herzensgrüsse an dich und Schönes, auch wenn es vielleicht bei euch auch pausenlos regnet (?!)
      Ulli

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  2. Ich kann als grundsätzlich vernunftbegabter Mensch, für den ich mich halte, weder an den Himmel noch die Hölle glauben, ein etwas kindlicher und abergläubischer Teil von mir mahnt mich von Zeit zu Zeit, die Sache nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Ohne das Prinzip Hoffnung könnte ich nicht leben, es ist ein untrennbarer Bestandteil meiner Lebenseinstellung.

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    • Es geht ja dabei auch nicht darum die Verantwortung für das eigene Handeln abzugeben, wenn man nicht an Himmel und Hölle glaubt, vor sich selbst am Ende gerade zu stehen braucht es aus meiner Sicht schon. Hoffnung hat für mich, je länger ich darüber nachdenke, etwas sehr Passives. Gehe ich in den Feldern ins Tun, wo es mir notwendig erscheint, kann ich stattdessen ins Vertrauen gehen, dass mein Wirken Früchte trägt.
      Ich danke dir für deinen Kommentar.
      Liebe Grüße
      Ulli

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  3. Mir widerstreben religiöse wie atheistische „Erkenntnis“-Schreiber gleichermassen, die nur ein Gedankengebäude gegen ein anderes austauschen, um es in Zukunft mit ihrem distanzierungsbedürftigen Ichgefühl zu behausen.

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  4. Ich versuche je älter ich werde, je mehr Dogmen auszuräumen. Mal kind-mit-bade-mäßig, mal sehr differenziert. Das eigene Gebäude bauen. Inspiration von außen, gern, aber nicht mehr Übernahme alter Bausteine. So irgendwie. Ich übe.

    (Danke fürs Zitat.)

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  5. Nun, der Herr Altmann legt sich ja ganz schön ins Zeug, um mit vielen heftigen Worten zu sagen, was der sonst so wortgewaltige Marx sehr kurz fasste: „Religion ist Opium fürs Volk“. Und das ist es oft genug – wenn man als Religion die Veranstaltungen der Kirchen und sonstigen dogmatischen Vereinigungen ansieht.
    Ds Prinzip Hoffnung hat damit allerdings weniger zu tun, sondern ist eine diesseitige Eschatologie, oder „konkrete Utopie“ (Ernst Bloch). Sein drei-bändiges Riesenwerk umfasst folgende Kapitel (zitiert nach Wiki):

    erster Band „Kleine Tagträume“ (Bericht), das philosophische Herzstück „Das Antizipierende Bewusstsein“ (Grundlegung) und „Wunschbilder im Spiegel“ (Übergang).
    zweiter Band „Grundrisse einer besseren Welt“ (Konstruktion).
    dritter Band „Wunschbilder des erfüllten Augenblicks“ (Identität).

    Ohne Hoffnung, so ungefähr erinnere ich mich, ist ein positiver Zukunftsentwurf nicht möglich, und ohne positiven Zukunftsntwurf kein zukunftsgerichtetes Handeln. Wenn ich denke, dass ich sowieso nichts ändern kann bzw sich sowieso nichts zum Besseren wenden wird, oder wenn ich glaube, dass die Welt eh zugrundgeht – wenn nicht heute, dann morgen – , gibt es keinen inneren Antrieb zum Besseren. Du als „mutige Träumerin“ nährst dich ja ausdrücklich vom „Prinzip Hoffnung“.
    Zu unterscheiden von diesem sind die läppischen Hoffnungen, die wir täglich so von uns geben: hoffen iwr, dass das Wetter uns keinen strich durch die Rechnung macht, hoffen wir, dass das Bankensystem nicht zusammenbricht, hoffen wir darauf, dass sich die Menschen ändern…. Es sind Leerformeln ohne die Kraft zukunftsträchtigen Handelns.
    Nach dem Ende des Traums vom ewigen Fortschreiten der menschlichen Vernunft, des Ersatzes der Sklaverei durch technische Errungenschaften, der kommunistischen Utopie menschlicher Glleichheit, der schlussendlichen Gerechtigkeit des Marktes etc pp gibt es keine Zukunftsentwürfe mehr,die die Massen begeistern könnten. Alle Bewegungen seither sind angstgetriebene Bewegungen, FfF ist so eine: die Angst geht um, nicht die Hoffnung. In diese Lücke dringen dann alle möglichen „neuen“, in Wirklichkeit aber uralten „Hoffnungen“ religiöser Art ein. Auch den Buddhismus rechne ich dazu, denn auch er strebt nach der „Erlösung“ von den Plagen des materiellen Seins, anstatt dieses zu verwandeln.

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    • Liebe Gerda, mutiges Träumen hat nichts mit hoffen zu tun, hier geht es um Visionen von einer anderen Welt, für die man sich einsetzt, also ins Tun geht, und nicht im passiven Hoffen verharrt. Natürlich hofft man, dass etwas davon Realität wird, mehr aber noch geht man ins Vertrauen und verbindet sich so mit der Vision, dem Traum, das er schon Realität ist. Es hat auch, wie schon des öfteren von mir geschrieben nichts mit Tagtraeumen zu tun. Soweit erst einmal.
      Herzlichst, Ulli

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      • Das „Prinzip Hoffnung“ (Bloch) hat erst recht nichts mit Tagträumen und Passivität zu tun. Es ist ein hoffnungsvolles Gerichtetsein des Wollens, Denkens, Tuns in die Zukunft. Wenn du das so akzeptierst, könnten wir uns schnell einigen.

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          • Ich muss jetzt doch noch einmal etwas intensiver auf deins eingehen, jetzt wieder Zuhause, nicht abgelenkt und schnellere Tasten unter den Fingern – ich fang mal hinten an, deine Sicht auf den Buddhismus stimmt aus meiner Erfahrung heraus nicht, im Gegenteil, erst einmal geht es ums Erkennen was ist, um es dann verwandeln zu können. Es gibt im Buddhismus keine Erlösung – bestenfalls Erleuchtung, die einen aber in keinster Weise davon befreit am Morgen sein Holz zu holen, den Ofen anzumachen, das Teewasser zu kochen etc. (du kennst vielleicht das Zitat dahinter) – hier lasse ich es mal stehen. Der Buddhismus ist die Lehre vom ewigen Wandel, auch das viel zitierte Nirwana ist kein Ort, wo man sich für immer aufhält, die Erleuchtung kann auch wieder eindunkeln, Götter steigen auf und fallen wieder runter, u.s.w.
            Ernst Blochs Eschatologie hat nichts mit dem Buch von Altmann zu tun, das hat weder er behauptet, noch ich – manchmal gibt es Überschriften, die sich nicht unabdingbar auf schon etwas Bestehendes beziehen, dieses vielleicht noch nicht einmal kennen. Trotzdem danke für deinen Hinweis auf dieses Werk.
            Angst als Motor für Bewegungen, ja, die sehe ich auch und sie sind nicht die Bewegungen, die ich mir wirklich wünsche und vorstelle!

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            • Zum Buddhismus möchte ich mich nicht weiter äußern,da ich mich nicht genug damit auskenne. Dein Zitat überzeugt mich allerdings nicht. denn selbstverständlich muss man weiterhin sein Feuerholz spalten und Wasser holen, solange man in dieser dreidimensionalen Welt lebt, ob man nun erleuchtet ist oder nicht. Denn man friert und man hat Durst. (Das gilt für uns „Normalmenschen“, nicht aber für die Reichen. Wenn man Bankier ist wie viele Jaina (strenge buddhistische Sekte Südindiens, der Chef der deutschen Bank war auch einer), dann achtet man zwar darauf, keine Ameisen zu zertreten, aber menschliche Schicksale zu ruinieren ist kein Problem….)

              Den Begriff „Prinzip Hoffnung“ kann man nicht ohne Bezug auf Bloch verwenden. Das ist so, als würde man den Marxismus ohne Marx verwenden wolllen (was ja leider oft genug passiert). Selbstverständlich kennt Altmann den durch Bloch geprägten Begriff, wenn er ihn verwendet.
              Mir ist aber etwas anderes wichtig: nämlich, dass ohne Hoffnung kein Zukunftsentwurf möglich ist. Hoffen ist auf die Zukunft gerichtetes Gefühl, dass sich etwas zum Guten wenden lässt. Ohne ein solches Gefühl wird niemand auch nur den geringsten Schritt unternehmen, sein Schicksal zu bessern. Viellleicht verstehst du nicht, was ich meine, weil du einen anderen Begriff von Hoffnung hast, nämlich passives Wünschen, Wünschen und Hoffen ist aber nicht dasselbe. Vielleicht hast du Lust, dass wir uns über diese beiden Begriffe unterhalten? Worin besteht der Unterschied zwischen wünschen und hoffen?

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              • Guten Morgen Gerda,
                zwei Dinge möchte ich gerade rücken, um nicht missverstanden zu werden. Die Überschrift stammt von mir und hat mit Altmann nichts zu tun und bis gestern kannte ich auch das Werk von Bloch nicht, nicht einmal vom Namen her, sonst hätte ich wohl eine andere Überschrift gewählt.
                Ich will hier keine Lanze für den Buddhismus brechen, nichts liegt mir ferner als zu missionieren! Ich selbst stehe vielem sehr kritisch gegenüber, unterscheide aber zwischen der reinen Lehre und dem was daraus gemacht wurde und wird. Tatsächlich gibt es hier eine Menge zu kritisieren, seien es reich ausgestattete Tempel, neben denen hungernde BettlerInnen sitzen, sei es die patriarchale und somit auch streng hierarchische Organisation innerhalb der einzelnen Ableger des Buddhismus und vieles mehr. Aber ich weiss eben auch zu schätzen, dass die Lehre an sich dazu auffordert kritisch zu sein und zu bleiben und den eigenen Weg zu gehen, zum Wohle aller Lebewesen. Allein dies impliziert verantwortliches und mitfühlendes Handeln. Darin kann ich nichts Falsches erkennen, in seiner Umsetzung sehr wohl. Aber eben … nicht nur Buddha war „nur“ ein Mensch und Menschen haben Fehler, der Weg ist weit!
                Dann möchte ich noch einmal klarstellen, dass sich alle Zitate hier und letztlich auch in dem Text von Altmann selbst auf die falschen Hoffnungen beziehen, die Kirche und Staat in den Menschen wecken. Nur darauf habe ich mich bezogen als ich schrieb, dass Hoffnung in dieser Form passiv ist und die Menschen nicht ermutigt jetzt und hier zu handeln, sondern im Gegenteil sie auf ein Jenseits vertröstet, wo ihnen dann eine reiche Belohnung für ihr zähes Aushalten und all das Leiden hier auf Erden versprochen wird, dem sie sich unterwerfen, ohne ihre Chance zu erkennen, dass jede und jeder einzelne die Möglichkeit hat etwas an diesem Jammertal zu verändern.
                Hoffen heisst: Vertrauen in die Zukunft, Zuversicht und Optimismus in Bezug auf das, was die Zukunft bringen wird und/oder positive Erwartungen in jemanden zu setzen – ich bin grosser Fan davon der Welt, der Menschheit und ihrer Entwicklung mit Vertrauen zu begegnen, auch wenn mich die täglichen Nachrichten immer wieder eines anderen zu belehren suchen, ohne dieses Vertrauen hätte ich wohl schon längst aufgegeben und wäre resigniert. So gesehen hoffe auch ich auf einen positiven Wandel und bemühe mich meine kleine Samen dafür auszusäen. Bei den Wünschen bin ich ebenfalls aktiv, so, wie ich es hier und in Bezug auf das „mutige Träumen“ vertrete, ist es ein sehr bewusster und aktiver Vorgang: ich visualisiere den Wandel so als wäre er schon vollzogen und verbinde mich damit, um hiermit andere Bilder und Haltungen in die Welt zu senden.
                Fazit: Hoffen und Wünsche können beide sehr aktiv betrieben werden, aber, falsch verstanden, passives Verhalten fördern. Die Frage an sich selbst in diesem Zusammenhang lautet: bin ich Opfer oder TäterIn?

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                • Liebe Ulli, danke für dein „Zurechtrücken“, durch das nun dein Anliegen auch mir gut verständlich wird. ich brauche klare Begriffe, und die vermisste ich. Tatsächlich zitiert Altmann den Exitentialisten Camus („Alles Unglück des Menschen kommt von der Hoffnung“. Quelle??), um damit seine Argumentation, die den Buddhismus gegen das Christentum ausspielt, zu unterfüttern. Ich finde das unredlich. Ferner: Du beschreibst, was dir „an der Lehre an sich“ des Buddhismus gefällt, dasselbe kann man natürlich auch für die christliche Lehre tun. Die „christliche Lehre an sich“ hat ja mit diesem ganzen Schmuh von Himmel, Hölle und Ablasshandel der katholischen Kirche nicht das geringste zu tun. Ich denke, wir sind uns auch da einig. Nochmal herzlichen Dank für diese kleine Diskussion um ein großes Thema.

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  6. Liebe Ulli, mit diesem Thema beschäftigt sich meine Familie schon seit 50 Jahren, auch beruflich. So war mein Vater überzeugt, dass Plantensystem errechnet zu haben, wo wir nach dem Tod hingehen werden, ohne zu wissen in welcher Form dies geschieht. Ich selber habe lange gelaubt, dass die Erde unsere Hölle ist und je nach letztem Leben geht es uns hier besser, oder auch nicht. Was ich definitiv selbst erfahren habe ist, dass die Hoffnung nicht zuletzt stirbt, sondern der Wille. Hoffnung und Sehnen ist ein Luxusgut der reichen Bevölkerungen unserer Erde, denn eine Milliarde Menschen haben keine Hoffnung je satt zu werden, nicht im Dreck zu leben, gesund zu sein oder ein Dach über dem Kopf zu haben, doch sie haben den Willen, zumindest den nächsten Tag zu erreichen, was immer dann auch geschieht. Die Kirche, welche auch immer, ist eine Farce. Die ersten Jahrhunderte mordete und unterdrückte die Kirche und nun ruht sich diese auf dem unrechtmäßigen Vermögen aus (das sind alleine in Deutschland rund 400 Milliarden). Wo ist denn da Nächstenliebe, Anteilnahme, Hilfe? Gäbe es einen Gott oder gar Jesus, sie würden mit jeder Faser ihres Seins die Kirche ablehnen.

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  7. Ich mag Camus Aussagen unterschreiben. Katholisch erzogen bin ich früh zur buddhistischen Philisophie abgewandert. Hoffen und träumen hat damit doch nichts zu tun. „Jene Art Hoffnung abzuwerfen, die nur Aufschub bedeutet“ war doch das Frisch Zitat. Das ist für mich korrekt.
    Was ich nicht missen mag, sind Rituale. Kerzen anzünden, Wunschpapiere verbrennen …Wenn ich in einer katholischen Kirche Kerzen für meine Eltern anzünde, so hilft es mir. Weitere Auswirkungen erwarte ich nicht. Überhaupt sind Rituale etwas Wundervolles, aber das ist ein anderes Thema …

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    • Ja, Ola, Rituale sind etwas Wundervolles!
      Und nochmals ja, es geht um JENE ART der Hoffnung abzuwerfen, die auf ein Jenseits gerichtet ist, statt im Diesseits zu handeln. So habe ich es verstanden und auch gemeint.
      Der Buddhismus, wie auch die Technik des „mutigen Träumens“ fordern zur Aktivität auf und richten sich meines Erachtens nach nicht an eine lammfromme Herde.
      Danke für deine Gedanken zum Thema,
      herzlichst,
      Ulli

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      • ja, liebe ulli, es scheint aber auch eine definitionssache zu sein… ich verstehe hoffnung so wie gerda, hoffnung ist für mich die notwendige motivation zum handeln, zum leben überhaupt.
        herzliche morgengrüße, diana

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          • Noch einmal ich, mit voller Zustimmung zu Diana:
            Ich glaube, das Missverständnis liegt im Wortgebrauch: Manche setzen Hoffnung gleich mit dem Glauben an nachtodliche Paradiese und Höllen (Zitat Ulli: „durch das immerkehrende Versprechen eines Himmels nach dem Tod.. die Menschen angehalten wurden ihr Leiden am Leben und an den geschaffenen Realitäten eben jener Kirchenoberer tapfer zu tragen“). Da könnten wir uns schnell einigen. Das ist eben das, was Marx mit „Religion ist Opium fürs Volk“ umschrieb.
            Und nun kommt der Fehlschluss: Wenn ich diesen kirchlich verkündeten Glauben nicht teile, sondern für schädlich halte, trage ich auch das „Prinzip Hoffnung“ zu Grabe, ohne das wir allerdings überhaupt nicht leben könnten. Denn Hoffnung ist Zukunfsgerichtetsein. Ohne sie kann ich nicht essen, kann ich nicht lachen. „Guter Hoffnung“ ist eine Schwangere.
            Was Hoffen ist, drückt sich vielleicht am besten in der Negation aus: hoffnungslos -. das ist der denkbar dunkelste Zustand im Hier und Jetzt, wo einen jede Kraft verlassen hat. Ganz anders das Wort wünschen: Wunschlos – das ist ein stilles Zufriedensein im Hier und Jetzt, weil man alles hat, was einem wichtig ist.
            Worin besteht der Unterschied? Hoffen beruht auf Offenheit, Zuversicht, Vertrauen in ein Morgen – ich selbst kann dazu nicht viel tun, ich kann nicht kontrollieren oder beeinflussen, was da auf mich zukommt. Insofern ist hoffen anscheinend „passiv“. Hoffen trägt in sich etwas von Demut und der erwachsenen Einsicht, dass wir im Unbekannten der Zukunft auf günstige Kräfte und Konstelllationen im Außen angewiesen sind, damit unser Wollen gelingt.
            Wünschen beruht auf Mangel: Ich möchte Dinge, die mir fehlen bzw die ich gerne hätte, zu mir heranziehen. Insofern ist wünschen anscheinend „aktiv“. Manche glauben, wenn sie nur tüchtig wünschen, dann kriegen sie es auch (Puzzleblumes „erwartungsheischendes Individuum“). Es ist ein Rest des kindlichen magischen Glaubens an die eigene Grandiosität. Sie denken, sie müssten nur sehr aktiv wünschen, vielleicht unterstützt duch Rituale, damit ihr Wollen geingt.
            Du siehst, liebe Ulli, das Thema beschäftigt mich. Ich bin stark im Hoffen und schwach im Wünschen. Danke für den Denk-Anstoß.

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            • Liebe Diana, liebe Gerda, ich freue mich, dass ihr euch so rege an dieser Diskussion beteiligt, nun habe ich gerade weiter oben, als Antwort an Gerdas gestrigen Nachtkommentar, noch einmal ausgeholt und kann euch hier nur zustimmen, denn im eingestellten Text von Altmann und meinen Zusätzen geht es alleinig um das „Opium des Volkes“ – mehr steht oben.

              Gefällt 2 Personen

  8. nun habe ich viel gelesen mitsamt allen Kommis, liebe Ulli, und ich fasse mich sehr kurz, denn ich habe auch meine Gefällt-mir Button in vollem Bewußtsein angeklickt und hier steht so vieles, was und wie ich es auch denke!
    Über eins bin ich ziemlich gefallen: Wie erfreulich ist hoffnungslos
    Wie schrecklich klingt das in meinen Ohren, denn auch für mich geht es nicht ohne Hoffnung, Hoffnung trägt uns, nicht im Jenseits, sondern hier im Dieseits und wir brauchen sie dringend, um einigermaßen gut durch unser Leben zu gehen.

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        • ich habe vorhin noch viel bei und über Camus gelesen, insbesondere über „Sisyphus“ und „die Pest“. Das Zitat von Altmann fand ich nirgends, keine Ahnung, woher er es hat. . Otto Friedrich Bollnow veröffentlichte 1948 eine große Besprechung über den damals gerade veröffentlichten Roman „Die Pest“ (https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&ved=2ahUKEwjugPi-5LDlAhUOJBoKHRkfDE0QFjAAegQIAhAC&url=http%3A%2F%2Fwernerloch.de%2Fdoc%2FCamusPest.pdf&usg=AOvVaw15VEDnuBN9d2gn1WvfXS7R) und schreibt u.a.: „Der durchgehende Grundzug (angesichts der andauernden Hoffnungslosigkeit) ist eine sich immer weiter ausbreitende Gleichgültigkeit. Niemand ist mehr großer Gefühle fähig, weil das Gefühl der Monotonie alles übertönt. Niemand ist insbesondre mehr der Liebe und der Freundschaft fähig, denn diese setzen wenigstens ein gewisses Mindestmaß an gemeinsamem Zukunftswillen voraus, für den in diesem reinen Gegenwartsdasein kein Raum mehr ist (S. 203). Die existentielle Zuspitzung setzt, auch wenn sie sie relativiert, die positiven Lebensgehalte schon immer voraus, sie ist nicht imstande von sich aus neue aufzubauen, und so endet dann dieser Zustand mit einer Nivellierung alles Gefühlslebens. Mit Befremden stellt Dr. Rieux bei sich das Schwinden aller seelischen Sensitivität fest, und der Tod seiner Frau scheint ihn am Schluss fast gleichgültig zu lassen. Das ganze Leben versinkt in einem hoffnunglosen Gleichmaß. „Sie schliefen in Wahrheit schon, und die ganze Zeit war nichts als ein langer Schlaf“ (S. 204), aus dem sie nur gelegentlich zu neuer Verzweiflung erwachten. „Diese Welt ohne Liebe ist wie eine tote Welt“ (.S. 286).

          Gefällt 4 Personen

          • „Eine Welt ohne Liebe ist wie eine tote Welt“, ja, das wäre sie.
            Danke Gerda, ich habe als sehr junge Frau Camus gelesen, erinnere mich aber an fast nichts mehr, nur, dass ich damals gerade „Die Pest“ als sehr düster empfunden habe und danach auch nie mehr Camus gelesen habe.
            Ich habe schon manches Mal gedacht, dass ich viel zu jung gewesen bin als ich Camus, Satre, Jaspers gelesen habe, all das müsste ich vielleicht mal mit meinem heutigen Wissen noch einmal lesen …

            Gefällt 1 Person

            • Danke, Ulli. Einiges wird sich schon abgelagert haben,selbst wenn du es nicht bewusst abrufen kannst. Kann ich auch nicht, und doch hatte ich eine ungefähre Vorstellung, was „die Pest“ bedeutet – eine Parabel, die er kurz nach dem Krieg veröffentlicht hat, Als ich diese Rezension las, kam vieles wieder an die Oberfläche. Nun hast du dem „PRINZIP HOFFNUNG“ durch deine feine Postkarten-Spenden-Aktion neues Futter gegeben. Danke!

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