Ein erster Schnitt

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Bald schon ist der 2. August, es ist der Tag der roten Schnitterin mit der goldenen Sichel, auch Lughnasadh oder Lammas genannt. Es ist der Tag an dem ich das erste Mal im Jahr innehalte, um ein kurzes Resümee zu ziehen. Da ich aber zu diesem Zeitpunkt immer in Lothringen bin, mache ich schon jetzt den ersten Schnitt.

Diesem Tag liegt der 2. Februar gegenüber, Lichtmess oder Imbolc genannt, es ist der Tag im Jahr, an dem ich meinen inneren Kessel öffne und die Aufgabe für die kommende Jahreskreisumkreisung aufsteigen lasse. In diesem Jahr hieß es vor allen Dingen: Mache dir keine (unnötigen) Sorgen mehr. Tatsächlich bestand das Jahr 2018 aus immens vielen Sorgen um meine Existenz, bzw. ihrer Absicherung. Das Alte war unwiderruflich vorbei und das Neue eben noch nicht in Sicht. Die vielen Sorgen und Ängste trübten die Frühlings-, Sommer- und Herbsttage. Im Nachhinein waren sie weder förderlich, noch notwendig.

Sinngemäß schrieb ich an Imbolc in mein Gedankenauffangbuch: „Weniger Sorgen, mehr Vertrauen und Hingabe – Vertrauen dahinein, dass sich noch immer alles gefügt hat. Krampfhaftes Tun und Kurbeln führt zu nichts …“

Es entstand dieser Scherenschnitt:

In diesem Jahr hätte es sehr viel mehr Grund für echte Sorgen gegeben, ich habe sie mir nicht mehr gemacht. Ich war plötzlich voller Vertrauen, dass das, was immer noch gut gegangen ist, auch jetzt gut gehen, dass sich eine Türe öffnen würde.

Das größte Erlebnis oder die größte Bestätigung war und ist, dass mein Liebster überlebt hat, dass ich ihn mit meiner Art von Humor und Fürsorge begleiten durfte, dass ich ihm Gutes tun konnte, dass dieses für uns wirklich eine neue Türe geöffnet hat. Wie könnte ich da nicht dankbar sein?!!!

Um meine eigene Gesundheit ist es zwar nicht besser gestellt als im letztem Jahr, aber ich habe begonnen die Krankheit anzunehmen. Ich leide an chronischer Borreliose, die mir manchmal allen Elan unter den Füßen wegzieht, die mir wandernde Gelenkschmerzen beschert und mich in so manches Dunkeltal reißt oder gerissen hat. Nun habe ich aber eine tibetische Kräutermedizin gefunden, die dem Ganzen die Spitze genommen hat, seitdem ist die Lebensqualität um einiges gestiegen. Dafür bin ich auch dankbar!

Zwar hat mich diese Krankheit meinen langjährigen Job als Köchin in einem Seminarhaus gekostet, auch mein Stelldichein in einem Kindergarten litt darunter und ich kündigte aus diesem und vielen anderen Gründen. Spätestens jetzt, wieder den Ämtern ausgeliefert, hätten die Sorgen riesengroß werden müssen, wurden sie aber nicht, mein Vertrauen war stärker. Wann immer sich all die kleinen Sorgenteufelchen in mir breit machen wollten, war die Gegenstimme lauter. Manchmal wusste ich nicht, woher ich dieses Vertrauen eigentlich nahm.

Und dann kam die erfreuliche Anzeige im hiesigem Wochenblatt, dass die Tageszeitung unseres Landkreises eine freie Mitarbeiterin suchte. Ich rief unter der angegebenen Nummer an und … ja, ich habe die Stelle!

Ich werde damit wahrscheinlich nicht mehr wohlhabend, aber ich habe wieder etwas mehr Geld zur Verfügung, kann mir ein kleines bisschen mehr leisten, aber was wirklich ein riesiges Geschenk ist, ist die Bestätigung, dass Vertrauen besser als Sorge ist und ich  e n d l i c h als Journalistin arbeiten darf, ein jahrezehntelang gehegter Wunsch ist in Erfüllung gegangen, wenn auch auf low level, aber die Grenzen nach oben sind offen.

Bitte glaubt jetzt nicht, dass ich gefühlsduselig und blauäugig durch dieses Leben gehe, es gibt weitere Aufgaben und Lernfelder, die ich aber für mich behalten möchte und es gibt Felder, die außerhalb von mir liegen, die mich, dich, uns als Menschheit bestimmen können, wenn sie wahr werden. Ich kann meinen kleinen und bescheidenen Beitrag für eine bessere Welt geben, aber ich bin ein Sandkorn im Geschehen, aber eins, das vielleicht das Getriebe stört …

Zur Frühlingstagundnachtgleiche habe ich für meinen Imbolcvorsatz noch eine Sonnenblume gesät, sie ist prächtig gediehen, wenn auch mit ein paar Kurven. Ein feines Symbol, das ich gerne im Garten besuche und anschaue.

Zur Erinnerung: dies ist nur ein Resümee, kein Fazit, das folgt zur Wintersonnenwende, wenn ich den Kessel erneut füllen und schließen werde. Ich gebe aber gerne zu, dass es so weitergehen darf.


weitere Beiträge zu Lughnasadh:

https://cafeweltenall.wordpress.com/2013/08/27/vom-ersten-schnitt-weichenstellungen-und-der-freiwilligkeit/

https://cafeweltenall.wordpress.com/2018/08/17/kraeutersegen/

61 Gedanken zu „Ein erster Schnitt

    • Für viele ist es vor allen Dingen ein „Lernprogramm“, weil eher Misstrauen und Pessismus verbreitet, und Ängste gestreut werden. Ich versuche schon den Kleinen und Jugendlichen Portionen davon mit auf ihre Wege zu geben.
      Liebe Grüße
      Ulli

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  1. Bleibe im Vertrauen, liebe Ulli, das hat mit Gefühlsduselei zu tun. Und blaue Augen sind ja schön ;o) . Denn ohne Vertrauen geht es gar nicht, und je größer das Vertrauen, umso größere Wunder geschehen! Ich umarme dich ganz, ganz herzlich! Silvia

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  2. Nachdem ich im Bekanntenkreis jemanden habe, der ebenfalls mit Borreliose lebt und dessen wechselhafte Tage schon miterlebt habe, kann ich mir eine vage Vorstellung davon machen, wie sehr sich das Leben unter einem solchen „Filter“ verändert und wie wertvoll ein sein muss, unter diesen Umständen nicht nur überhaupt etwas tun zu können, sondern auch noch die Gelegenheit zu einer Wunschtätigkeit zu bekommen. Es ist schön, dass dieser von dir beschriebene, zurückliegende Zeitraum letztendlich so gedeihlich verlaufen ist.

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    • Borreliose wird von vielen Menschen noch total unterschätzt, die Reaktionen der anderen auf meins war oft von UNverständnis geprägt, da ich ja gesund aussehe, aber dann, wenn der Schub kommt, eben kaum Energie habe, das ist für mich immer schlimm, da ich ja gerne eine „Gretel Dampf“ in allen Gassen bin. Es war ein langer Weg, bis ich hier angekommen ist und es ist auch das erste Mal, dass ich es hier im Blog thematisiere, jammern liegt mir nicht so.
      Ich danke dir für dein Mitfühlen,
      herzliche Grüße
      Ulli

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      • Man muss wohl in manchen Dingen über seinen Schatten springen, sei es in Zeiten von Sorge und Trauer oder auch bei körperlichen für die flüchtigen Blicke „unsichtbaren“ Problemen, so ist jedenfalls meine Erfahrung.

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  3. So viel Zuversicht teilt sich unmittelbar allen mit, die davon erfahren, liebe Ulli. Du schenkst davon großzügig, auf dass sie sich vermehre.
    Wunderbar, dein Resümee, das aus beklagenswerten Umständen so viel Starkes, Frohes und Zukunftweisendes wachsen sieht!
    Ich gratuliere dir zu den vielen Schritten in ein neues Leben und werde einen Teil deiner Sicht (Abschied vom Kurbeln) für mich fruchtbar werden lassen.

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    • Ich schrieb gerade schon an puzzleblume, dass mir jammern nicht so wirklich liegt und schon gar nicht öffentlich, von daher wundert es mich nicht, dass ich erst jetzt das Ganze benenne, weil ich das Gefühl habe, dass ich dem ganzen die Spitze genommen habe. Leider ist die Ärzteschaft mit der Borreliose nicht wirklich hilfreich, ich forsche da schon lange, die tibetische Medizin ist ein Segen!
      Ich freue mich, liebe Ule, dass du dir etwas von hier mitnehmen konntest,
      liebe Grüße
      Ulli

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  4. Liebe Ulli,
    ich freue mich, dass Dich Dein Vertrauen über Deine holprigen Wege getragen hat. Und sogar mit so positiven Aussichten! Glückwunsch Frau Journalistin!
    Für mich hat sich dieses innere wird-schon-irgendwie-Gefühl auch schon oft bewährt.
    Alles Liebe weiterhin
    Nicole

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    • Liebe Nicole, auch dir Herzensdank für deine Mitfreude, ich sage ja in solchen Momenten auch gerne, dass alle guten Geister mit mir gewesen sind 🙂
      Auch dir gute und erfolgreiche Wege,
      herzliche Grüße
      Ulli

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  5. O wie wunderbar, der neue Job, das Kräutlein gegen/zur Krankheit … herzlichen Glückwunsch, liebe Ulli! Ich mag die Kreise, die du (auch durchs Jahr) ziehst …
    Ganz liebe Grüße, ich freue mich mit dir! 🙂
    Christiane

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    • Danke, danke, liebe Christiane, ick froi miar 🙂
      Ja, diese Kreise … sie schenken mir eine tiefe Verbundenheit, seitdem ich mit ihnen bin. Schön, dass du sie auch magst,
      ganz liebe Grüße
      Ulli

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  6. Liebe Ulli, ich freue mich, dass sich für dich ein neuer Weg aufgetan hat. Ich habe vor 20 Jahren als Quereinsteiger mit dem Journalismus begonnen, weil ich den öden Job in meiner Behörde nicht mehr ertrug, und konnte recht bald ganz gut davon leben. Gute Freunde aus der schreibenden Zunft sind dafür wichtig, die einen den einen oder anderen Auftrag rüberschieben.
    Schreiben kannst du ja sehr gut. Ich wünsch dir Glück.
    Rolf

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    • Lieber Rolf, Herzensdank für deine ermutigende Zeilen, die kommen genau im richtigen Augenblick, da ich bei meinem ersten Artikel doch einige Schnitzer eingebaut hatte und nun sitzt Frau Zweifel mal wieder auf meiner Schulter – ich sag ihr aber gerade, dass es nur besser werden kann 🙂
      Liebe Grüsse
      Ulli

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  7. Und was Deine Krankheit anbelangt, unter der leidet Falks andere Oma auch. Sie macht ein Entgiftungsprogramm durch strikte Ernährungsumstellung.Ich erkundige mich gern,was sich bei ihr dahinter verbirgt. Bleibe zuversichtlich und voller Vertrauen Du kannst so wunderbar schenken. Lieber Gruss von mir an Dich, Karin

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    • Dankeschön, liebe Karin, das ist ein mich gut wärmendes Kompliment 🙂 – ja, wenn du magst, dann frage doch einmal nach, ich habe so etwas ab Anfang August auch vor, damit ich die Toxine ausleite, sprich glutenfrei und zuckerfrei essen, lactosefrei bin ich schon lange weitestgehend, dann hat man mir noch Chlorella (Algen) empfohlen, mehr erfahre ich in der nächsten Zeit, aber ich bin für jeden Tipp dankbar!
      Ganz liebe Grüsse an dich,
      Ulli

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    • Hallo, lieber Jürgen,
      ja, das stimmt, zwar kenne ich auch den Pessimismus und all die Nörglerinnen in mir gut, aber es scheint doch, dass in den letzten Jahren der Optimismus und die positiv denkenden Kräfte in mir gewachsen sind, schön, dass du das so siehst!!!
      Liebe Grüße
      Ulli

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  8. Alles Gute, Kraft und Vertrauen für die nächste Etappe, liebe Ulli! Ein bisschen geschockt war ich aber doch, erst Christiane mit dem Adventskalender, nun du mit dem Blick auf die Wintersonnenwende – das sind zeitliche Vorgriffe, die in meinem Alter sehr gemischte Gefühle auslösen. Aber nun, du bist jung und fühlst dich in größeren Zeithorizonten geborgen. Was ist dir da ein halbes Jahr…. 😉 🙂 🙂

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    • Liebe Gerda, auch mir zerrinnt das Jahr unter den Fingern, noch schaue ich auch nicht auf die Wintersonnenwende, jetzt ging es ja um den ersten Schnitt, um Lammas, es war nur Hinweis, dass es zu früh für ein Fazit wäre.
      Ja, der Adventskalender … da habe ich auch gestaunt, Christiane ist es gewohnt weit voraus zu planen, mir liegt das an sich nicht so, aber ich fühle mich im Jahreskreis gut aufgehoben 🙂
      hast du nun einmal iin deinen Spamordner geschaut, alle meine Kommentare bei dir verschwinden nämlich …
      liebe Grüße
      Ulli

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  9. Aus deinen Zeilen spricht so viel Zuversicht und auch Gelassenheit, dass es eine Freude ist. Wie ich mir vorstellen kann, beides nicht selbstverständlich und vielleicht auch hart erkämpft und erübt. Gelassenheit ist das falsche Wort. Da schwingen zu viele Baustellen noch in den Zeilen, aber doch eine schön zu lesende Ruhe, von der ich mir gerne etwas borgen will. Ich drücke die Daumen und wünsche (was ja oft tatsächlich hilft), dass es um deine und die Gesundheit deines Liebsten gut bestellt bleibt oder wird. Und zur Stelle ganz ganz herzlichen Grlückwunsch!

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    • Liebe Mitzi, manchmal bin ich auch gelassen, die Betonung liegt auf manchmal 😉 und doch stelle ich fest, dass es in den letzten Monaten häufiger gewesen ist als je zuvor und da bleibe ich gerne am Ball. Es stimmt, in die Wiege gelegt ist mir die Zuversicht, das Vertrauen etc. nicht, daran habe ich ackern müssen und ich freue mich immer sehr, wenn sich die vielen kleinen Schrittchen plötzlich als eine Art Sprung zeigen, aber ohne sie, wäre der Sprung nicht drin!
      Hab tausend Dank, auch für die Glückwünsche!
      Liebe Grüsse
      Ulli

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  10. Das freut mich sehr liebe Ulli, dass es bei dir sowohl privat als auch beruflich positive Entwicklungen gibt. Das liegt wohl doch ziemlich schwer in der Waagschale wenn auch auf der anderen Seite die Borreliose liegt. Es gibt ja zwar noch keine Heilung aber es wird geforscht. Seit Amerika u d Europa Angst vor Ansteckung hatten gibt es sogar schon eine Impfung gegen diese fürchterliche Krankheit. Vielleicht steht die Borreliose Therapie schon in den Startlöchrtn. Optimistische Grüße an dich

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    • Das mit der Impfung gegen Borreliose wäre dann aber ganz neu, bislang kann man sich nur gegen die FSME impfen lassen, ich habe mich noch vor 6-8 Wochen wieder einmal intensiv mit der Krankheit beschäftigt, dies waren meine Infos?!?
      Ich bin gerade eben einfach nur froh, dass ich mithilfe der tibetischen Kräuterkapseln, wieder Elan habe und mehr und fröhlicher wuppe als die Wochen und Monate davor. In mir schwingt ein Satz: man krank sein und trotzdem sich des Lebens freuen (stimmt natürlich nicht generell …)

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      • Nein, leider weiß ich nichts konkretes über eine Impfung, nur dass daran geforscht wird.
        Ich denke schon, dass man sich auch krank des Lebens freuen kann, es braucht nur etwas mehr Mut, Entschlossenheit und Vitalität als wenn man ganz gesund ist.

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  11. Das empfand ich offener als sonst! Meinen Glückwunsch dazu!
    Diese berufliche Perspektive, das klingt gut – auch dazu meinen Glückwunsch.

    Heute war ich bei der Diabetes-Kontrolle, wenn wir gerade über Zipperlein sprechen – die Werte sind voll o.k. Ein kleines Wunder, gab es da vor 4 Jahren doch einen kleinen Dämpfer.
    Bewegung heilt.

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    • Das stimmt, Bewegung heilt oder lindert sehr vieles und ich freue mich, dass es bei dir auch klappt.
      Danke auch für deine Mitfreude und die Glückwünsche. Der neue „Job“ macht sehr viel Spaß und ich habe auch schon einige lobende Worte der Redaktion geerntet, ich bin also zuversichtlich, was dies betrifft, auch, wenn es noch viel zu beachten und zu lernen gibt, aber das habe ich ja gerne!.
      Liebe Grüße
      Ulli

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    • Oooh Arno … wie schön das klingt, wie schön das Gefühl dahinter ist, das du mir sendest. ❤
      Stille, berührte Grüsse an dich,
      Ulli
      wenn ich jetzt die Augen schliesse ist alles da, dein Arm, die Wiese, die Bienen und Hummeln und ein zarter Sommerwind – Herzensdank, du Lieber –

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  12. Pingback: Alltag -10- |

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