Sonntagsbilder 24 2019

oder verlassene und nicht verlassene Orte

04 2019

und dann bearbeitet …

05 2019

klick = große Bilder – please click to enlarge

Auf meiner kurzen Reise nach Ligurien begegneten mir zum einen verlassene Orte, klar, das sind Reisebegleiter, gerade wenn man in die südlichen Länder reist, aber eben auch die Kombination von einem verlassenem mit einem noch belebtem/bewohntem Ort, wie eben hier, ein anderes Beispiel wird folgen.

Jürgen, aka Buchalov, hat sich Gedanken zu Orten gemacht, wenn du magst, dann lies doch einmal hier → https://juergenkuester.net/2019/07/03/er-kritzelt-auf-allem-moeglichen-herum/ Jeder Gedanke von ihm hierzu räsoniert in mir, diese beiden ganz besonders:

Orte sind Knotenpunkte im Netz.

und

Der Ort, mein Ort: das bin auch ich!


Ein weiteres Thema, dass mich seit letztem Jahr bewegt, stellte sich mir in den Weg, das zeige ich dann gerne am kommendem Sonntag, es geht wieder einmal um die Durchlässigkeit.


Ich wünsche euch allen einen wunderschönen Sommersonnentag.

29 Gedanken zu „Sonntagsbilder 24 2019

  1. Einen guten Sonntagmorgen dir, liebe Ulli!
    Du schenkst meinem Sonntag Gedanken, die in mir einen Riesengong schlagen mit ihrer Resonanz:
    bewohnte Orte neben verlassenen … sind das nicht wir mit unseren verschütteten Erinnerungen und blinden Flecken neben den starken Bildern und dem Alltagsgeplapper in unseren Köpfen? Dein Bild dazu regt solche Assoziationen in mir an, und ich finde immer wieder seltsam, dass ich etwas Vertrautes erst als Fremdes von jemand anderem gezeigt bekomme, ehe ich dessen Bedeutung erkenne.
    Wie häufig habe ich solche Phänomene als Zwischenschritt bei der Bildretusche gesehen. Hier machst du das zu einem Teil der Bildaussage und die ist stark, außerordentlich stark.
    Ich sehe nicht nur zwei Häuser in verschiedenen Stadien der Belebtheit, sondern auch die Drohung des Unbewohnten, auf das andere überzugreifen, Lebendiges auszulöschen. Wie in uns. Und das Ganze in diesen lebenssymbolischen Farben des Himmels und der Sonne. Die Durchlässigkeit steckt als Teilgedanke an Übergänge von einem Zustand in einen anderen auch hier, steht also gar nicht als etwas Anderes daneben, wie der dicke Trennstrich in deinem Text nahelegt.
    Du machst tolle Sachen, Ulli, die manchmal so harmlos daherkommen, bis man merkt, dass man in ihren Tiefgang längst eingebrochen ist und gar nicht so leicht wieder herauskommt.

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    • Liebe Ule, wenn meine Bilder solche tiefen Gedanken auslösen, dann macht mich das sehr froh und glücklich. Hab herzlichen Dank dafür. Mich sprechen deine Assoziationen total an und ja, auch wir haben in uns diese verlassenen Orte, du nennst sie die verschütteten Erinnerungen. Wie oft habe ich schon vor einem wirklich verlassenem Ort gestanden und mich nach dem „Zuvor“ gefragt … wie oft habe ich mich eben auch schon gefragt: wie war das damals und komme einfach nicht mehr dran. Und ich habe auch absichtlich innerliche verlassene Orte, die ich gerne mit anderen ersetzt habe.
      Danke auch für deinen Bogen zur Durchlässigkeit, die ja „eigentlich“ auf der Hand liegt, die ich aber nun nicht als Solche wahrgenommen habe. Hier zeigt es sich wieder einmal wie wichtig der Austausch ist, da öffnet eine der anderen die Augen 🙂
      Mir ging bei diesem Bild die „Luftigkeit“ allen Seins und der Zeit durch den Kopf, wie alles irgendwann einmal im Winde verweht, Lichtpunkte des Seins.
      Herzliche und verbundene Grüsse, Ulli

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      • O ja, es gibt auch diese absichtlich verschütteten inneren Orte, auf die wir schnell etwas Freundlicheres legen zur Tarnung – und die erfolglosen Ausgrabungsstätten, die uns mit Fragen nach der Wahrheit allein lassen … Ich glaube, du hast hier ein ziemlich großes Fass aufgemacht, Ulli, mit den „harmlosen“ Bildern.

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        • -m- ich weiß gerade nicht, ob ich diese absichtlich verschütteten Orte wirklich mit etwas „Freundlicherem“ belegt habe, es sind eher Orte, die ich nicht mehr besuchen möchte, die keine Macht mehr über mich, meine Reaktionen, mein Handeln haben sollen, was ja dann auch mit der Zeit wirklich funktioniert hat, wohlwissend, dass sie nicht weg sind, aber Raum für neue Orte schenken, wie auch immer noch sie aussehen, es kann auch ein Baum auf ihnen wachsen …
          Ich lächel über die „harmlosen“ Bilder und dir zu 🙂

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  2. Die Begrüssungs-Anrede „Altes Haus!“ ist ein bisschen aus der Mode gekommen, passt aber angesichts deiner geradezu seelenvollen Bilder zu dem erwähnten „Ich-Ort“, den man bewohnt, mit all seinen Winkeln und Veränderungen. Ein sehr anregender Beitrag!

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    • Diese Anrede habe auch ich schon sehr lange nicht mehr gehört und mag ich als Assoziation zu dem Bild sehr, danke.
      Ich freue mich sehr, dass auch du, wie schon Ule zuvor, den Bezug zum Ich-Ort aufgenommen hast.
      Herzensdank und -gruss,
      Ulli

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    • Sehr gerne, lieber Jürgen, deine Gedanken zu Orten passten so gut und kamen genau im richtigen Augenblick. Dir eine gute und inspirierende Unterwegszeit an solchen und anderen Orten.
      Herzliche Grüße
      Ulli

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  3. „Mein Ort, das bin auch ich.“ Ja, das denke ich mir öfter. Und dann frage ich mich, was er über mich aussagt. Anderen. Mir selbst. Was die sehen, was ich nicht sehe. Und was davon mir egal ist – oder eben nicht egal. Spannendes Thema.
    Danke dir!
    Liebe Grüße
    Christiane

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    • Sich in sich selbst verorten oder auch verwurzeln, das ging mir vor ein paar Jahren zum ersten Mal durch den Kopf, dann wurde ich mir Heimat.
      Was aber nun die anderen sehen und ich nicht, was ich zeige und was nicht, das steht noch einmal auf einem anderen Blatt.
      Auch dir ein großes DANKE und liebe Grüße
      Ulli vom endlich abgekühltem Berg, noch regennass 🙂

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  4. Nun resonnieren nicht nur meine, sondern auch die Assoziationen der anderen Leser und Guckerinnen wie auch Jürgens Bilderwelt in mir. Ules Anmerkungen möchte ich am liebsten abschreiben. Besonders ihr Satz „Ich sehe nicht nur zwei Häuser in verschiedenen Stadien der Belebtheit, sondern auch die Drohung des Unbewohnten, auf das andere überzugreifen, Lebendiges auszulöschen.“ Genauso ging es mir nämlich auch, als ich die beiden Bilder verglich: oben ist das rechte Haus zwar ärmlich, aber bewohnt und lebendig. In seinem Blau, mit den Spielsachen und einfachen Balkonmöbeln hält es, obgleich nur ein schmaler Streifen zu sehen ist, Stand: hier ist das Leben, hier ist Gegenwart. Gleich tritt jemand auf den Balkon, gleich ruft jemand ein Kind, gleich gibts ein Geschrei, ein Lachen, Wäsche wird aufgehängt, ein Staubtuch ausgeschüttelt.
    Dann aber fährt ein Licht über die Fassade des alten schön verfallenen Hauses, das ärmliche Haus daneben wird vom Schatten berührt. Ich fühle eine Drohung: Auch du wirst verfallen, weniger schön verfallen als das Alte, deine Fenster werden geschlossen bleiben. Und so frisst sich das Unbelebte, Nicht-mehr-Betretene in das Gegenwärtige hinein. Am Ende sind beide vergangen, versunken in den Tiefen von Zeit und Traum und Gedächtnis.

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    • Ah, du siehst das Ganze noch einmal etwas anders, liebe Gerda, und ja stimmt, das linke, noch belebte Haus erzählt die Geschichte von den Kindern, dem Balkon, der aufgehängten Wäsche … mir aber ging es um die Zweiteiligkeit des „ärmlichen“ Hauses an sich, hier frisch getüncht und das Dach noch okay, während an den zwei anderen Dritteln die Fassade abbröckelt und nicht klar ist, ob dort noch jemand lebt oder nicht und ob das Dach dort überhaupt noch dicht ist – aber eins ist beiden Sichtweisen gemein, am Ende wird alles ganz anders sein …
      Ja, Ules Kommentar und ihre Gedanken haben mir auch sehr gefallen, schön, dass wir dies miteinander teilen und dass du Jürgens Bilder und Gedanken miteinbeziehst.
      Herzliche Grüsse
      Ulli

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      • kleine Korrektur: „ärmlich“ nannte ich das RECHTE Haus mit den blauen Balkons. Dass das linke zweigeteilt ist, fiel mir gar nicht auf. Jetzt erst sehe ich, dass der linke Teil renoviert wurde, So gehts. Dabei hast du ihn ja mit dem Licht ins Zentrum der Aufmerksamkeit gesetzt. Aber ich war fixiert auf den Gegensatz zwischen dem alten verschlossenen Gebäude und dem neueren belebten Wohnhaus. Nun, jedenfalls ist der Bewohner des linken renovierten Teils abwesend, vielleicht in wohlhabender Städter, der sich in das alte Gebäude verliebt hat und den frisch erworbenen Teil für sich instand setzte. …

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          • Das linke?? wie kommt es, dass wir immer die Seiten vertauschen? Ich meine das an die rechte Seite des Bildes geklemmte mit den blauen Balkons. das ist für mich der Fokus, weil es lebt. und das ist das Haus, das durch die Lichter in den Schatten des Verfalls gerückt wird.
            Wie sehr sich das Sehen der Menschen doch unterscheidet, wenn ein Gedanke die Selektion des Wahrgenommenen leitet. Denn ohne diese Gedanken hätte ich wohl wie du mein Augenmerk auf den linken bestrahltn und renovierten Teil des alten Hauses gelenkt.

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            • Nee, klar, das rechte … sorry, ich hab so eine Macke mit dem „spiegelverkehrt“, also, wenn ich dir gegenüberstehe, dann ist das, was ich als rechten Arm sehe dein linker Arm … dieses „kreuzweise“ wurde mir mal sehr eingebläut und so kommt es bei mir bei Bildern immer wieder zu diesen Verwechslungen –
              aber ich denke auch an deine Links- und meine Rechtshändigkeit, vielleicht stellt sich da auch noch etwas quer, insgesamt habe ich dich aber richtig verstanden, denn ich meinte das rechte Haus, schrieb aber vom linkem …
              gut, dass du noch einmal nachhakst!!!
              Ich hake nun auch noch einmal nach, ob du in deinen Spamordner geschaut hast, alle meine Kommentare bei dir verschwinden nämlich seit gestern auf Nimmerwiedersehen. Dergl fischte heute auch einen meiner Kommis aus ihrem Spamordner – grmpf … irgendwas ist ja immer … da hat Christiane einfach Recht 😉

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  5. die Patina des Lebens finden viele im Urlaub spannend. Zu Hause wollen sie davon nichts mehr wissen das Haus muss immer sauber und akkurat sein, bloß keine Vergangenheit zeigen. Dafür kaufen sie sich Wappen, Geschmeide, Uhren, Autos, Pferde und bauen an den in die Vergangenheit reichenden Lebensläufen.

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    • Dabei gibt es auch hier genügend verlassene Orte, die ich ja auch schon zeigte bzw. in das Thema eingebaut habe.
      Urlaubsverhalten unterscheidet sich grundsätzlich vom Alltagsverhalten, was man „dort“ mag, will man hier nicht haben, darin stimmen wir überein.
      Herzliche Sonntagsgrüsse
      Ulli

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  6. Interessant, die Kommis, liebe Ulli. Also mal wieder ein sehr interessanter Post von Dir
    Meine Gedanken reichten noch nicht sooo weit, was mir leider oft passiert, und ich sehe nun auch erst den linken äußerlich renovierten Teil des Hauses mit den geschlossenen Läden. Unbewohnt wirkt das ganze, wenigstens für eine Zeitlang. Vielleicht ist es auch total verlassen und das Leben im Nachbarhaus ist nur noch ein Weilchen hier und demnächst ziehen alle Familien mit Kind und Kegel in die nächste Stadt, bis diese Häuser hier auf Deinem ganz und gar nicht harmlosen Bild von der Stadt wieder i. O. gebracht sind und alle frohgemut wieder einziehen können. Kann das sein?? Ich glaube, nein, leider … Aber ich male so gerne rosa …
    Auf jeden Fall hast Du dann eine äußerst eindrucksvolle Fotobearbeitung gemacht, liebe Ulli, die nächtliche Bedrohung suggeriert, vielleicht Abriß, statt wundervoller Restaurierung, weil es sich auf keinen Fall lohnt, wie der junge dynamische Architekt allen Verantwortlichen erfolgreich einredete… *seufz*

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    • Liebste Bruni, ich hätte ja die Welt auch gerne oft anders, gleichzeitig ist sie wie sie ist, ob ich das nun mag oder nicht, seitdem ich diese Haltung einnehmen konnte, was nun auch schon einige Jahre so ist, geht es mir besser, die Emotionen sind dabei aussen vor. Ja, Leben ist Veränderung, leider oft nicht hin zu mehr Harmonie, Schönheit, Miteinander, noch immer dreht sich die Schraube von weiter-höher-schneller ins menschliche System, dabei glaube ich, dass dies nicht wirklich dafür gemacht ist – uuuh, ein weites Feld und ich bin eigentlich zu müde, um nun noch ins Detail zu gehen, aber ich glaube und hoffe, dass wir uns auch so verstehen.
      Was es genau mit diesem „gedriteltem“ Haus auf sich hat, das wissen wir nicht, hier zählt die Wirkung und die ist noch viel tiefer als ich zunächst einmal dachte, wenigenstens nach euren heutigen Kommentaren. Manches davon habe ich auch ich gedacht und empfunden, anderes aber ist nur von euch zu meinem hin und es stellt meinen eigenen Blick weiter. Schön ist das, inspirierend, nachdenkfordernd …
      Ein grosses DANKE an dich für meins,
      liebe Grüsse
      Ulli

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  7. Pingback: Toskana 2019 – Wanderung rund um Villa Baldini – Susanne Haun | Susanne Haun

  8. Wow, bin auf deine Bilder gestoßen, weil ich mich selbst mit dem Thema verlassene Orte auseinandergesetzt habe. Wirklich tolle Bilder! Das ist noch einmal eine andere Herangehensweise. Ich denke auch, verlassene Orte müssen gar nicht „verlassen“ sein, sie können mitten in der Stadt sein. Falls es dich interessiert, kannst du ja mal reinlesen, falls nicht gucke ich mir nun trotzdem.deine restlichen Bilder an 😉 https://needtosay.home.blog/2019/07/07/verlassene-orte/

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    • Herzlich Willkommen in meinem Café! Ich freue mich, wenn dich meine Bilder ansprechen und dich dazu inspirieren in meinem Blog zu stöbern. Gerne komme ich dieser Tage auch einmal bei dir vorbei, danke für die Einladung!
      Herzliche Grüsse
      Ulli

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  9. Pingback: Verlassene Orte 05 2019 |

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