Etüde 011 2019

Miniatur 010 2019

An den Zähnen wirst du sie erkennen“, sagten sie und die Freundinnen damals, als eine der ersten Krankenkassenreformen eintrat. Sie war sich so sicher gewesen, dass sie nicht dazu gehören würde. In ihrem Mund hatte vorwitzig ein Goldzahn geblitzt. Lang ist’s her. Gleitend gingen die Jahre vorbei und sie hatte so vieles verloren. Ihren sicher geglaubten Job, ihre Gesundheit, ihren Goldzahn und nicht nur den. Heute lacht sie lieber mit der Hand vor dem Mund. Das Leben hatte sie torpediert, sie war getroffen worden und nun rang sie um ihre Würde. Ihr blieben die Pinsel und der Malkasten, manchmal verkaufte sie ein Bild, viel zu wenige, um sich davon mehr als ein Kassengebiss leisten zu können.

Weitergehen“, murmelte sie sich zu, ich will und es muss ja weitergehen, irgendwie …

132 Wörter



Heute also eher wieder eine Miniatur zu dem Etüdenprojekt, das Christiane nun schon so lange und so liebevoll begleitet. Die Wortspende stammt dieses Mal von dergl und ihrem Team.

Herzlichen Dank an euch beide.

36 Gedanken zu „Etüde 011 2019

  1. Ich gebe den Dank an die Herren weiter, ich habe mit der Spende nichts zu tun.

    Sehr realistische Etüde. Ließe sich fortführen: Brillen, Orthesen, Rollstühle und Rollatoren (ich kenne Leute, die mit vor 20 bis 25 Jahren angepassten rumgurken und keine neuen bekommen, weil sie „ja noch rein passen“ beziehungsweise einen Mann mit Tretraplegie, die eigentlich einen Spezialrolli erforderlich machen würde, den er nicht bekommt, weil er „sowieso nicht aus dem Haus geht“. Weißt du, in was der sitzt? 80er Jahre Orthopedia-Krankenhaus-Rolli, keine feste Sitzfläche und nichts. Er hat ja 24h-Assistenz, er braucht ja nicht raus… Laut Kasse.

    Gefällt 4 Personen

    • Ich bin jetzt zudem zweieinhalb Wochen in der Freiburger Uniklinik ein und aus gegangen, da schreit auch das eine und andere zum Himmel, an den Pflegekräften liegt es meistens nicht … es ist eine Strafe hier und jetzt alt oder behindert oder krank zu sein, da muss man schon gut für sich selbst schauen solange es noch geht.
      Liebe Grüße
      Ulli

      Gefällt 6 Personen

      • Meine Gastgeberin vom Winter arbeitet an der Freiburger Uniklinik (Krankenschwester), sie hat viel erzählt, aber auch, dass es woanders noch schlimmer ist. Damals lief auch so eine höhnische Plakatkampagne, die aussah wie für einen Actionfilm. Jedes Mal wenn wir eins dieser Plakate gesehen haben, ist sie stehen geblieben und hat sich aufgeregt.

        Gefällt 2 Personen

    • Einerseits gehen die Jahre wahrlich flugs vorbei, wie ich an diesem hier wieder sehe, aber wenn ich dann genau hinschaue, sind es auch immer wieder so reiche Jahre und ich persönlich bin sehr dankbar und aber auch vergesslich 😉
      Liebe Grüße und danke,
      Ulli

      Gefällt 1 Person

  2. Ja, du hast recht. Zähne. Augen. Hilfsmittel. Was dergl sagt, aber das Problem haben ja auch die Nicht-Behinderten. Alles, was ein bisschen mehr kostet. Schuhe. Jacken.
    Beklemmend, deine Etüde, und leider viel zu realistisch.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 3 Personen

  3. Eine treffende Etüde, liebe Ulli. Kurz und gut dargestellt.
    Hier kann man wirklich sagen, daß in der Kürze die Würze liegt.
    Ganz herzlich, Bruni, spät am Abend

    Gefällt 1 Person

  4. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 23.24.19 | Wortspende von Werner Kastens | Irgendwas ist immer

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