Käfige

Wenn Käfige fliegen lernen – when cages learn to fly

draufklich = großes Bild – please click to enlarge

Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris – Im Jardin des Plantes, Paris

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35 Gedanken zu „Käfige

  1. Ach liebe, liebe Ulli…..dieses Gedicht habe ich noch letzte Woche mit einer Freundin, deren Mann seit der seit letzten September nach einem Fahrradunfall nicht wieder aufwachen will, aufgesagt und unsere Augen waren nass dabei. Die schwebenden Käfige …. sehr berührend. Könnten wir doch alle Käfige dieser Welt öffnen. Die inneren und äußeren. Da fällt mir dich gleich das Gedicht von Jacques Prévert „Wie man einen Vogel malt“ ….tilge nacheinander alle Gitterstäbe aus… ganz liebe Grüße von Herzen, Marie

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    • Ja, liebe Marie, könnten wir doch alle inneren und äußeren Käfige frei lassen! Das sehe ich auch so.
      Das Gedicht von Prévert kenne ich nicht, ich schaue gleich mal. Danke und Herzensgrüße an dich, Ulli

      Gefällt 1 Person

  2. Ich sehe dich, Ulli. Und mich selbst. Und so viele andere.
    „Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
    der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
    ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
    in der betäubt ein großer Wille steht.“
    Nein, Käfige fliegen nicht.. Käfige muss man öffnen, um in die Freiheit zu gelangen. Flieg Vogel flieg.

    Gefällt 2 Personen

  3. Als ich 2003/04 in Moskau studierte, hatte ich als Studentin freien Eintritt in den Zoo. Ich ging also hin, doch war schockiert und traurig, weil im Gegensatz dazu die beiden Berliner Zoos meiner Erinnerung nach geradezu Paradiese der Freiheit waren. Dann kam ich zu einer kleinen Voliere, darinnen zwei Störche, die niemals würden fliegen können. Ich dachte an die vielen freien stolzen Störche, die ich im Sommer zuvor in Sachsen auf dem Land gesehen hatte und mir brach es schier das Herz.
    Dann fiel mir ein, eine gute Freundin meiner Eltern, Moskauerin, hatte mir Jahre zuvor mal gesagt: wenn Du eine Stadt kennenlernen willst, dann gehe dort in den Zoo. Ich verstand damals noch nicht so richtig und bin mir heute nicht sicher, dass sie es so meinte, wie ich es interpreterie, seit ich die beiden Moskauer Störche sah …

    Gefällt 1 Person

    • oh je, Störche im Käfig, was für ein trauriges Bild! Ich kannte als Kind nur Störche aus dem Bilderbuch, es gab in unseren Breiten (Rheinland) keine mehr, den ersten sah ich am Neusiedler See in Österreich als ich 14 Jahre alt gewesen bin – heute sehe ich sie hier, wo ich jetzt wohne, täglich und freue mich immer riesig.
      Den schlöimmsten Zoo, den ich je besucht habe, war der in Frankfurt von Gzimek und fiel wirklich vom Glauben ab, da ich ihn als Kind immer so verehrt hatte – mittlerweile hat sich viel getan, aber so wirklich mag ich Zoos bis heute nicht.
      Liebe Grüße
      Ulli

      Gefällt 1 Person

  4. Du hast ein wunderfeines Bild gestaltet, liebe Ulli, ein Traumbild.
    Mit zerbrochenen Stäben sollten sie fliegen, dann wäre der Traum, ein Traumwunder.
    Rilkes Panther, wie oft nur habe ich ihn gelesen, gehört und immer wieder sehe ich diese leere Pupille vor mir, leer vor Frustration, vor unendlicher Resignation und wie ein Automat geht er her und hin… Innere Unruhe treibt ihn, wenigstens das zu tun.
    Ich glaube, es ist sein bekanntestes und ich liebe es sehr, aber die Käfige mit den Stäben, die hasse ich wirklich.

    Endlich bin ich aus Regensburg wieder zurück, obwohl es wirklich interessant war, diese Stadt endlich mal selbst zu sehen.
    Liebe Grüße in die Nacht von Bruni an Dich

    Gefällt 2 Personen

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