Etüde 010 2015

Katrin fährt sinnierend die Landstraße entlang, im Rückspiegel sieht sie die Katzenaugen rot aufleuchten, wenn sie vor den Kurven kurz abbremst. Sie mag das und schaut dann gerne zurück. Ein bisschen kurios ist das schon, denkt sie. Sie, die lieber vorwärts als rückwärts blickt. Ja schon, sie liebt Rot, gerade in den letzten Wochen wieder. Rot schenkt ihr Kraft, stärkt ihren Willen und die Lebensfreude, aber das hier ist mehr. Die roten Katzenaugen im Spiegel sind auch die Versicherung, dass ihre Rücklichter funktionieren, dass wenigstens ein Minimum in ihrem Leben rundläuft.

Manchmal fühlt sie sich wie Hagazussa, die alte Zaunreiterin, die zwischen den Welten balanciert, ohne je die Bodenhaftung zu verlieren.

-Bodenhaftung?

-Ich?

-Nee, ich bin keine Hagazussa, ich bin eher ein Segelschiffchen im Wind, immer froh, wenn mal für einen Moment Flaute ist, dann kann ich durchatmen, ansonsten muss ich schauen nicht zu kentern.

Da ist sie wieder, diese hauchdünne Linie, die alles voneinander trennt, den Wahnsinn vom gesundem Geist, die reale Welt von der Anderswelt, das Leben vom Tod und alles greift ineinander und ist miteinander verbunden.

Manchmal ist ihr alles zu groß, zu viel, dann wünscht sie sich einen stillen See mit sanften Gestaden und Seerosen.

Tuuut, Katrin schreckt aus ihren Grübeleien auf. Herrjeh, das ist noch einmal gut gegangen! Ein Riesenelli rauscht an ihr vorbei. Ohne sein Gehupe …

223 Wörter



Wieder bin ich gerne der Einladung von Christiane gefolgt, habe die drei Wörter, die Katha gespendet hat, genommen, sie in den hohlen Händen geschüttelt und dann vor mir auf den Tisch purzeln lassen und schwupps fügte sich eins zum anderen. Manchmal staune ich selbst 😉

Herzensdank, Christiane, für die Einladung und die Einladungskarte, die ich sehr mag und auch an dich, Katha, für die drei inspirierenden Wörter!

22 Gedanken zu „Etüde 010 2015

  1. Sich zu verlieren kennt wohl (hoffentlich) jede*r, aber beim Fahren die Bodenhaftung zu verlieren, auch die geistige, kann sehr gefährlich sein. Gut, dass ihr nichts passiert ist!
    Magst du mir bitte einen Kommentar mit dem Link schreiben, der Ping ist wieder mal nicht da. 😭
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 3 Personen

    • Schon erledigt, liebe Christiane – es hörtnicht auf mit dieser Unbill, seufz …
      Ja, das ist gefährlich, wenn man ins Träumen und Sinnieren gerät, das denke ich auch. Vor vielen, vielen Jahren, ist mir einmal etwas ähnliches passiert, danach hatte ich dann weiche Knie und musste ersteinmal eine Pause machen.
      Liebe Grüße
      Ulli

      Gefällt 1 Person

    • Hallo Katharina,
      als Hagazussa reist man ja schon auch in die Anderswelt, aber selbst da, gilt es aufmerksam und achtsam zu sein und zu bleiben, so ist wenigstens meine Erfahrung und so wurde ich es auch gelehrt. Allerdings kann das von Außen ganz anders wirken 😉
      herzliche Grüße
      Ulli

      Gefällt 1 Person

  2. Tja, das Versinken in Gedanken, welcher Art auch immer, ist beim Fahren nicht ungefährlich. Mir geht es ja auch immer so und wie oft hat mich schon Hupen hochgeschreckt, weil ich nicht schnell genug weitergefahren bin. 🙂
    Wo ich in meinen Gedanken lande, das kann ich gar nicht sagen, aber in Zwischen- oder Anderswelten eher nicht. Die finde ich eher in meinen Büchern und kein Hupen erschreckt mich da. Aber es kommt auch sehr auf die Umgebung an, in der wir fahren, zu welcher Uhrzeit wir unterwegs sind und wie sich das Wetter gebärdet… Es gibt genügend verwunschene Zeiten oder eine spiegelnde nasse Straße und alles Wirkliche wird auf den Kopf gestellt.habe
    Eine fast schon mystische Stimmung beschwörst Du herauf, liebe Ulli, und ich bin Dir total gerne gefolgt.
    Ganz herzliche späte Nachmittagsgrüße von Bruni an Dich

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 21.22.19 | Wortspende von Team dergl | Irgendwas ist immer

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