Der Hase

Der Hase – eine lose Sammlung oder was mir der Hase ist

„Sinnbild der Wiedergeburt ist der Hase auch für Joseph Beuys, in dessen Werk der Hase immer wieder einen Platz findet. Im Kontext seiner Aktion „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ sagte er, dass der Hase direkt eine Beziehung zur Geburt hat (…).

„Für mich ist der Hase das Symbol für die Inkarnation. Denn der Hase macht das ganz real, was der Mensch nur in Gedanken machen kann. Er gräbt sich ein, er gräbt sich eine Mulde. Er inkarniert sich in der Erde, und das allein ist wichtig.“

Mensch und Hase – zärtliche Gesten

Oma, was macht der Hase eigentlich im Winter?

Mutter, Mutter, der Jäger, der Hase, der Brunnen …

Es war ein Fiebertraum; einen, den ich nie vergessen habe. Es ist eben kein Spaß, wenn ein Hase mit einem Schießgewehr auf mich zielt. Dieser Struwwelpeter …

Frieden

Joseph Beuys – Friedenshase © wize.life

Und ein Hasen-Haiku von Eulenschwinge → https://eulenschwinge.wordpress.com/2017/05/28/hasen-haiku/

Wenn ich an Hasen denke, dann ist das erste was mir einfällt „Zärtlichkeit“. Frag nicht, es ist einfach so. Das zweite ist Frieden, das dritte sein Zick-Zack-Lauf und erst dann kommt alles, was ich im Laufe des Lebens über ihn, sein Verhalten, sein Leben gelernt habe, nicht zuletzt auch wegen der Frage meines Enkelsohnes (s.o.).

Hasen sind für uns Menschen harmlos, sie greifen nicht an, sie flüchten und das aus gutem Grund, nicht nur der Mensch ist des Hasens Feind. Opfertier von Mensch und anderen Tieren, eine Jagdtrophäe war und ist er.

Hasen waren/sind auch ein Symbol für die Fruchtbarkeit (wobei Mäuse sich ja noch emsiger vermehren …).

Dass er ein Symbol für Ostern wurde, ist der Tatsache geschuldet, dass er im ausgehenden Winter, der Zeit des ersten Frühlingahnens wieder sichtbar wird, nachdem er im Winter, gut getarnt, in seinen Mulden = Sassen liegt, gerne auch unter umgefallenen Baumstämmen. Hungrig hoppelt er nun über Feld und Flur.

Mehr über seine Symbolik in der Kunst und überhaupt kannst du bei Interesse im oberen Link nachlesen.

Das wohl berühmteste Bildnis eines Hasens malte einst Albrecht Dürer.

Der Hase wurde zum „Markenzeichen“ vieler Fluxus-Künstler, (vielleicht) angeregt durch Joseph Beuys, was ich aber nicht so genau weiß und auch nicht recherchieren konnte.

Auch sonst fand der Hase seinen Weg durch alle Zeiten hindurch in die Kunst, wie u.a. bei Gerda Kazakou zu sehen ist (das zweite Bild in der Zärtlichkeits-Galerie).

Nun zeige ich euch noch zwei Hasenskulpturen, die mir seltsam fremd geblieben sind. Gerade fand ich im Netz etwas über ihre Hintergründe und schon sind sie mir etwas weniger fremd.

Fondation Beyeler – Thomas Schütte

Kunst kann man nicht machen. Man kann nur die Bedingungen herstellen, damit etwas Spezielles passiert. Sagte Thomas Schütte gestern bei der Pressekonferenz seiner Ausstellung in der Fondation Beyeler in Riehen.

Die monumentale Hasenfigur im Teich dokumentiert, wie etwas Spezielles entstehen kann. Der Hase wurde vor Jahren von seiner kleinen Tochter aus Tonresten gestaltet. Sie nannte ihre 20 Zentimeter hohe Figur einen Allzweckheiligen für alle Feste wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Als Allzweckheiliger stand die kleine Plastik auf dem Schreintisch von Schütte – bis er sie aus einer Laune heraus einer Sendung auf ein monumentales Mass vergrösserte und dann in Styropor schnitt.

Dieser Grosshase stand dann jahrelang in seinem Atelier bis ein Bekannter dringend Arbeit suchte. So bearbeiteten sie beide die Hasenskulptur; und was dann daraus entstand,  fügt sich jetzt  so organisch in das Ambiente des beyelerischen Teiches ein, als ob es gerade dafür geschaffen worden sei.

https://www.journal21.ch/thomas-schuette-in-der-fondadion-beyeler

„De Düvel sinneert över sien Karninken“ (Der Teufel sinniert über sein Kaninchen) von Markus Daams, zu sehen an der Teufelsbrücke in Hamburg

Eine Legende erzählt:

An der Furt, wo heute die Elbchaussee die Flottbek überquert, verunglückten immer wieder Fuhrwerke durch Radbruch. Man nahm an, dass es dort „mit dem Teufel zuginge“. Daraufhin wurde ein Zimmermann beauftragt, eine Brücke über den Bach zu bauen. Dieser nahm für den Bau der Brücke die Hilfe des Teufels in Anspruch und versprach ihm dafür die Seele des ersten Lebewesens, das über die Brücke gehen würde.
Nachdem der Pfarrer aus Nienstedten am Tag der Einweihung die Brücke gesegnet hatte und sie betreten wollte, wurde ein Hase von der Menge aufgescheucht und lief als erstes Lebewesen über die Brücke.

https://de.wikipedia.org/wiki/Teufelsbr%C3%BCck

An einem Zaun in Priesseck/Wendland entdeckt

Ein letztes Bild – eine Fotomontage von 2011

Das Motiv fand ich ebenfalls an einem Zaun, dieses Mal in Riehen/Schweiz. Inspiriert wurde es wohl von dem „Dreihasenfenster“ am Paderborner Dom oder von dem Dreihasenfenster im Kloster Muottatal in der Schweiz oder …

Das Dreihasenbild stellt drei springende Hasen dar, die in Kreisform angeordnet sind. Eine Beschreibung dieses Symbols findet sich auch in dem Vers: „Der Hasen und der Löffel drei, und doch hat jeder Hase zwei“. Dabei sind drei Hasen so angeordnet, dass zwar jeder Hase zwei Ohren hat, auf dem Motiv aber insgesamt nur drei Ohren dargestellt sind.

Das Dreihasenbild taucht an verschiedenen Orten und in den unterschiedlichsten Kulturen der Welt auf. Seine ursprüngliche Bedeutung ist nicht klar. Es wird häufig als ein Archetypus angesehen. Eine ähnliche Form der Figurvereinigung, allerdings mit drei menschlichen Köpfen, stellt der Tricephalus, Triceps oder Triphons dar. Allgemein spricht man bei derartigen dreigliedrig-symmetrischen Figuren von Triskelen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Dreihasenbild

Und … gestern Abend hoppelten drei Hasen über die Wiese, der Hasenwiese, wie ich sie nenne, als ich vom Tal Nachhause fuhr. Denn wenn Hasen, dann dort!

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53 Gedanken zu „Der Hase

  1. Waaaas für eine feine, kunstvoll ausgestattete Hasenode, liebe Ulli, und keine Wort vom Image des Angsthasen, den es heutzutage immer häufiger gibt und der sich oft dann immer mehr versteckt und der Depression anheimfällt, einer Volkskrankkeit, die sogar immer mehr Nichtangsthasen befällt …
    Wirklich ein toller Beitrag!
    Und übrigens gibt’s bei den Kinesen sogar alle paar Jahre ein Jahr des Hasen *lächel* und da drinnen haben sich Einstein und ich ängstlich verfangen *gg*
    Liebe Morgengrüße vom Lu

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  2. Liebe Ulli, das ist ja nicht nur ein „Hasenartikel“, das ist ja schon fast ein „Hasenwerk“. In meinem Archiv ist dieses flinke Tier sehr selten zu Haus – und zumindest nicht als richtiges Lebewesen, sondern als etwas, was der Mensch gestaltet hat.
    Aber etwas fand ich sehr bemerkenswert. Ich bezeichne mich ja immer als „traumlos“, da ich mich so gut wie nie an einen Traum erinnere. Du schreibst: „Es war ein Fiebertraum;…“ – Bei mir heute gegen 5.00 Uhr war es bestimmt kein Fiebertraum – aber er war so erschreckend, dass ich nicht wieder einschlafen konnte – er hatte etwas mit einer sehr aggressiven Katze zu tun – deswegen stand ich auch schon kurz nach 7.00 Uhr auf, was sonst nicht meine Gewohnheit ist.
    Hier sieht das Wetter zu 10 % nach Winter aus und zu 90 % nach Frühling – nur die Temperaturen schwächeln noch ein wenig mit 0.9° – da muss ich dem Winter doch mehr Prozente einräumen.
    Lieben Gruß von Clara

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    • Liebe Clara, Katzen und Hasen sollen ja sehr ähnlich schmecken, sagt man. In meiner Kindheit gab es manchmal Kaninchen am Sonntag, das der Onkel vorher geschlachtet hat. Ich mochte es immer gerne, lang ist es her! Nun wünsche ich dir einen entspannten und schönen Tag, nach dieser für dich anstrengenden Nacht.
      Herzliche Grüße
      Ulli

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  3. Oh, Hasen! Ich weiß nicht warum mein Herz so freudig klopft, wann immer ich einen Feldhasen sehe, und wenn sie dann im Frühling so tanzen, dass man ihr Feuer sehen kann, das sie sehr wohl haben, weil sie sich so freuen, den Winter überstanden zu haben und das Licht sie erfüllt … oje, was hast du da wieder in mir ausgelöst, liebe Ulli, bin gerade krank und fiebrig, und dann erfüllt mich die schiere Lebenslust eines Hasens … einen herzlichen Gruß, danke für die schönen Bilder und Gedanken … hilft wieder beim Genesen …

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    • Ja, sie unterscheiden sich und doch gehören beide zu der Familie der Hasenartigen, wie es so schön heißt. Bei uns hießen die Kaninchen „Stallhasen“ …
      Möge uns das Jahr des weiiblichen Erdschweinjahres Glück und dem Weltfrieden ein paar Schritte näher bringen.
      Herzliche Grüße
      Ulli

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  4. Die Skulptur mit Teufel und Hase hat es mir angetan! Beide sehen so ungemein lebendig und auch irgendwie liebenswert aus. Ich glaube ein nachdenklicher Teufel ist mir noch gar nie untergekommen und ist doch ein spannender Gedanke …

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  5. So ein schöner Beitrag, liebe Ulli! Ich mag Hasen sehr – nicht nur als eine, die in einem Jahr des Hasen geboren ist. Sanft und wild sind sie, die Langohrigen Hellhörigen, und ängstlich und mutig. Und so selten geworden, leider.
    Und danke auch für’s Haiku-Verlinken.

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  6. Ich finde dein Hasenwerk großartig und berührend liebe Ulli! Ich hoffe sehr auf einer Begegnung vor der Kamera mit den Hasen im Winter in Norfolk. Für mich sind das magische Tiere, wie die Eulen! 🙂
    Liebe Grüße zu dir aus dem wieder frühlingshaften Cley,
    Hanne

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    • Liebe Hanne,
      um Hasen fotografieren zu können sollte man wissen wo sie ungefähr wohnen, dann auf die Lauer legen und laaange warten … Ja, für ich sind sie auch magisch.
      Herzliebe Grüße an dich und deine drei Mitbewohner*innen,
      Ulli

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  7. Nach dem Studium Deines Hasen-Pings, aus dem ich viel gelernt habe, ergreife ich jetzt das Hasenpanier und werde diesen sinierenden Teufel mit in meinen Schlaf nehmen, die Skulptur hat es mir angetan. Ich mache jetzt Häschen in der Grube😴Gute Nacht, liebe Ulli

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    • Häschen in der Grube … wie oft ich das mit Kindern gespielt, gesungen, habe! Mir fällt immer mehr und mehr zu den Hasen ein. Aber so ist es ja immer, wenn ich ein Thema „öffne“ und ich mag es sooo, dass auch ihr immer noch eine Facette hinzufügt, an die ich noch gar nicht gedacht habe. Ich danke dir, liebe Karin, schlaf schön, in deiner Grube 🙂
      herzliche Grüße
      Ulli

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  8. Ist schon beeindruckend diese Vielfalt der Hasen in Malerei, Graphik, Literatur und Mystik, der Hase als Symbol, HeldenHasen, AngstHasen, Mümmelmänner, HanseHasen, bis hin zu denen, die dem Hasen an die Löffel wollen…
    „..er trug die Brille auf der Nas‘ – und wollte schießen todt den Haas‘ „, in diesem Fall hat der Haas den Jäger ja überlistet… Danke für diesen erbaulichen kurzen Ausflug in der LangOhren Welt, liebe Ulli! Liebe Grüße aus dem Pommerschen PlattLand…

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    • Hej Wolf, schön, dass du dir Zeit nehmen konntest. Hasen sind einfach liebenswert und ziemlich vielfältig in ihrer Symbolik. Ich habe das hier nur angerissen.
      Herzliche Grüße vom Berg ins weite Land, Ulli

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  9. Danke, liebe Ulli für die schöne Zusammenstellung. Vor ein paar Stunden zogen noch die Jäger unter meinem Fenster vorbei. Einen Hasen hatten sie zum Glück nicht erwischt. Meine Freude darüber wird jetzt am Abend durch die zahlreichen Facetten dieses symbolträchtigen Tiers auf wunderbare Weise untermauert. Herzliche Grüße, Joachim.

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