Nachdenkliches oder über degenerierte Zeiten

Patrul Rinpoche’s few personal belongings. Photo by Matthieu Ricard.

Patrul Rinpoche war ein Yogi, der von 1808 – 1887 lebte. Man spricht von ihm u.a. als Wandermönch, einige seiner Lehren kann man heute in Buchform nachlesen.

Auf dem diesjährigen Sommercamp hörte ich einen Vortrag über seinen Text: Heilsam am Anfang, in der Mitte und am Ende (Bücher s.u.).

In diesem Text spricht er über die degenerierten Zeiten, vielleicht nahm er damals schon Bezug auf seine aktuelle Zeit, vielleicht aber war es auch ein Blick in die Zukunft.

Degeneration wird mit einer vom ursprünglichen Zustand abweichenden negativen Entwicklung erklärt, man spricht von einem körperlichen oder geistigen Verfall, einem Abstieg, z. B. durch Zivilisationsschäden.

Ich spreche oft von dem kranken Zeitalter in dem wir leben, andere von einem dunklen Zeitalter, gleichzeitig stecken genau in diesen Zeiten unglaublich viele Möglichkeiten, die mir Licht schenken.

Wie auch immer noch wir diese Zeit benennen, die Alletage zeigen, dass viele Menschen aus ihrer Verbundenheit herausgefallen sind, da sie sich nicht mehr als Teil der Natur begreifen. Die Natur ist etwas, das man bekämpfen muss, die furchterregend ist, die man zähmen muss, die man ausbeutet, in die man seinen Müll schmeißt. Das gilt für die Wildnis, wie für die in jedem Menschen innewohnende Wildnatur. Macht, Geld und Haben sind für viele wichtiger als Mitmenschlichkeit, Bescheidenheit, Verbundenheit, Solidarität und Teilen.

Patrul Rinpoche sagte:

In Zeiten der Degeneration ist es selbst verwirklichten Meistern und Meisterinnen nicht möglich die Menschen zu erreichen, sie begreifen nicht.

Er fragt sich, ob man überhaupt anderen helfen kann und kommt für sich zu dem Schluss, dass die Menschen „dich“ und „deine“ gute Motivation missverstehen, dass es soweit gehen kann, dass sie „dich“ belächeln, „dich“ nieder machen.

Wenn du die Wahrheit sagst, werden die Menschen wütend, du wirst als Feind behandelt. Sie machen dich schlecht, halten dich für einen Betrüger. Die Allgemeinheit verachtet dich. Viele sind Schwindler und Lügner, trickreiche Gauner, sie benutzen süße Worte, dahinter aber steckt nur Eigennutz. In diesen Zeiten lohnt es nicht, sich über Politik zu unterhalten, weil du in diesen Zeiten nichts ändern kannst; lebe zurückgezogen, allein und sei frei.

Bei all dem, wo wir andere entlarven, geht es auch immer darum sich selbst, das eigene Handeln und die eigene Motivation zu überprüfen.

Patrul Rinpoche empfiehlt alleine in den Bergen zu leben, an der eigenen Entwicklung zu arbeiten, zum Wohle aller. Hierbei muss man allerdings seine Zeit bedenken, sowie, dass er eben in Tibet lebte, sich zurückzog, wanderte und lehrte. In Tibet gehörte es seit Jahrhunderten zur Tradition sich in einer Höhle in den Bergen zurückzuziehen, um zu meditieren und wenn es gut ging, durchaus auch die Erleuchtung zu erfahren.

Ich denke oft in diesen Wochen über diese Worte und Empfehlungen nach. Es ist für mich kein Zweifel, dass die Welt voll von Gaunern, Betrügerinnen und Betrügern ist, dass gelogen wird, sich selbst und den anderen gegenüber, dass Wahrhaftigkeit, liebende Güte und Mitgefühl fast so selten wie vierblättrige Kleeblätter sind.

Schon oft habe ich mich gefragt wen ich erreiche, wenn ich über politische Tagesthemen schreibe, wenn ich mich mit Themen ums Menschsein beschäftige und komme doch meist zu dem Ergebnis, dass mich nur die lesen, die wie ich auf dem Weg sind, die ähnlich bis gleich empfinden. Ich erlebe oft ein Gefühl der Vergeblichkeit, bin zornig oder traurig über das, was in dieser Zeit, auf dieser Welt geschieht, ob nun auf der menschlichen Ebene oder in Bezug auf die Natur. Daneben mache ich aber auch andere Erfahrungen, dass ich mit meinen Bildern und Gedanken inspirierend wirke, dass sich manches von dem, was ich vermittel, bei anderen Menschen fortsetzt, also auf fruchtbaren Boden fällt. Das ist wohl der Grund warum ich mich nach diesem Vortrag fragte, ob es für mich eine Lösung sein kann in die Wildnis zu ziehen, ob ich dort überhaupt alleine überleben könnte und wem dies schlussendlich dienen würde.

Davon einmal ganz abgesehen, dass wahre Wildnis immer rarer wird, ich kenne sie nur aus schwedisch Lappland (zur Erinnernung, ich gehöre nicht zu der Spezies der Weitgereisten) und auch dort wird sie immer begrenzter. Die Profitgier stoppt vor keinem Ort, solange dort etwas zu „ernten“ ist, dort heißt das Objekt der Begierde Erz und Wasser.

Doch zurück zu meiner Frage, hin zu meiner (vorläufigen) Antwort, nein, ich kann und will das nicht, nicht jetzt und nicht für immer. Jetzt will ich weiter Samen streuen, will an mir und meiner Entwicklung arbeiten und weiter von einem Jahr Auszeit in Lappland träumen, von Mittsommer zu Mittsommer, ohne Internet, ohne Handy (nur für Notfälle), ohne Freundinnen und Freunde, mit nur wenigen Büchern, aber vielen Leerbüchern und Stiften.

Die letzten Wochen haben mir eins gezeigt: ich möchte leiser werden, möchte wahrnehmen was ist, ohne übereilte, emotional durchtränkte Beiträge zu schreiben, denn damit ändere ich nun wirklich nichts! Und ich möchte viele Stunden vor der Türe verbringen, in Stille, in der Natur, auch wenn sie kaum noch wild zu nennen ist.



Ich möchte noch auf einen Beitrag auf hikeonart verweisen, den ich gestern las, Heike schreibt auf ihre Art und doch fand ich so viele Parallelen (gedanklich, gefühlsmäßig zu meinem heutigen Beitrag, den ich schon vor einigen Tagen vorbereitet habe →

https://hikeonart.wordpress.com/2018/09/18/beuys-du-fehlst/



Buchempfehlungen

Das Herzjuwel der Erleuchteten: Die Übung von Sicht, Meditation und Verhalten. Eine Abhandlung heilsam am Anfang, in der Mitte und am Ende – mit Texten von Dilgo Khyentse und Patrul Rinpoche – erschienen im Theseus Verlag

Die Worte meines vollendeten Lehrers von Patrul Rinpoche – erschienen im Arbor Verlag

143 Gedanken zu „Nachdenkliches oder über degenerierte Zeiten

  1. Mit der buddhistischen Leere habe ich meine Schwierigkeiten, gehe aber mit Dir und allen konform, die achtsamer mit ihrer Umwelt umgehen wollen. Wir leben nicht allein, können aber trotzdem im Kleinen für uns etwas ändern. Und zur Ruhe kommen, ist immer gut in dieser hektischen Zeit.

    Einen schönen Morgen wünsche ich dir.

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    • Liebe Petra, diese Lehre ist auch nicht immer einfach und es gibt vielMissverständliches, so man denn keine Lehrerin, keinen Lehrer hat, die, der Näheres erläutert. Ich breche das Ganze gerne runter, so wie mein Lehrer auch: zähme deinen Geist, tue Gutes – ich finde es allerdings auch immer wieder sehr erstaunlich wie weise diese Lehren sind und so vieles eins zu eins in unsere Zeit passt, dahinter steht ein sehr genaues Studium des Menschen an sich, der sich ja im Wesentlichen nicht so sehr verändert hat.
      Achtsamkeit ist mittlerweile in aller Munde, auch eine Technik des Buddhismus, allerdings findet man in vielen Religionen viele Entsprechungen und Geminsamkeiten, mehr als man uns glauben macht.
      Herzliche Grüße vom wieder sonnigem Berg, Ulli

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  2. Es stimmt, Ulli, die wahre Wildniss ist immer schwerer zu finden. In den Bergen sind es die Orte, die nicht mit einer Gondel etc. erreichbar sind. Mein Sohn war auf der Zugspitze, er ist hochgelaufen, auch diese Wege waren nicht leer. Aber oben auf der Spitze war es „die Hölle“. Durch die Bahn kann Greti und Pleti auf die Zugspitze, wenn sie nur bereit sind, 60 Euro für „rauf und runter“ zu bezahlen.
    Liebe Grüße von Susanne

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    • Liebe Susanne, der Tourismus macht vor nix Halt, ich ärgere mich immer wieder, wenn ich Beiträge im TV oder im Internet lese: die letzten Einöden, dort, wo Sie wirklich Ruhe und Einsamkeit finden können und dann weiß ich, dass es gerade eben vorbei ist! Ich schrieb es ja schon öfters, dass ich den Eindruck habe, dass die Welt eingeteilt ist in die Orte, wo man Ferien machen kann und die dort lebenden Menschen ihr Geld mit den Urlauberinnen und Urlaubern verdienen und den Ort, wo letztere ihr Geld in Stress und Hektik verdienen, umdann eben an diese Orte zu fahren.
      Herzliche Grüße an dich, Ulli

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      • Liebe Ulli,
        ja, leider sind die schönsten Orte der Erde überlaufen. Oft mache ich die Erfahrung, dass weder der Weg noch der Ort selber als Erlebnis oder als Erholung gilt, sondern einzig das Foto, was dann in Instagram oder auf Facebook eingestellt werden kann.
        Das härteste, was ich da erlebt habe war in Sienna im Dom. Es war in dem Monat, an dem einmalig im Jahr die Bodenmosaiken aufgedeckt sind. Eine asiatische Reisegruppe kam an der linken Tür hinein, der Reiseleiter mit einem iPad vorneweg den Dom filmend, ging strammen Schrittes nach vorne zur Kanzel, und dann aus der rechten Tür wieder raus. Er war draußen als der letzte seiner Gruppe an der linken Tür herein kam.
        Es wird immer schwieriger, schöne Orte zu finden 🙂
        Aber die Neugier treibt mich immer wieder auf Reisen, ich hoffe, ich bin dabei achtsam.
        Liebe Grüße von Susanne

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        • Liebe Susanne, ich hate vor vielen, vielen Jahren einmal das unglaubliche Glück in dem Tempel Ggantija auf der Insel Gozo (zu Malta gehörend) ganz allein zu sein. Der Tempel war frei begehbar, ich konnte in den einzelnen „Räumen“ herumwandeln, stehen, die Atmosphäre einatmen, zu versuchen den längst vergangenen Zeiten nachzuspüren, sah noch erhaltene Altäre, durfte rätseln ob es solche oder Opfertische gewesen sind … erst als ich fand, dass es nun gut sei und mich dem Ausgang näherte hielt ein Reisebus an, es strömten viele Japanerinnen und Japaner hinein, jagten durch die Räume, knipsten, wie es ihre Art war und ist und verschwanden binnen kürzester Zeit wieder im Bus und rauschten einer neuen Sehenswürdigkeit entgegen. Heute hat sich das Ganze durch die möglichen Internetauftritte und der Digitalfotografie noch potenziert – was nehmen diese Menschen überhaupt wahr, das frage ich mich immer wieder. Wie gut, wenn wir uns Zeit zum Verweilen nehmen!
          Und ich glaube schon, dass du achtsam bist 😉
          herzlichst, Ulli

          https://de.wikipedia.org/wiki/%C4%A0gantija

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          • Liebe Ulli, das frage ich mich auch immer. Im Truck, mit dem wir durch Südafrika gefahren sind, war auch ein Paar aus Südkorea. Sie haben auch viel fotografiert, besonders Selfies, aber nicht mehr oder weniger als der 65jährige Lehrer aus Süddeutschland. Auch wenn der Fokus von Micha und mir beim Fotografieren nicht unbedingt auf Selfies liegt, so haben wir doch 5.000 Fotos von der Reise durch Afrika mitgebracht. In den Bergen habe ich meinen Fotoapparat nach dem ersten Tag bewusst in der Ferienwohnung gelassen. Er war mir schlichtweg zu schwer.
            Die Digitalisierung wird die Gesellschaft immer mehr verändern. Wo wird das hingehen?
            Liebe Grüße von Susanne

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      • Ich denke, da hast du mich missverstanden, liebe Myriade. Es hat niemand mehr oder weniger Anrecht irgendwo zu sein.
        Ich wollte darauf aufmerksam machen, dass selbst die entlegensten Orte durch Technik für den Massentourismus erschlossen werden. Mit allen Konsequenzen: Menschenmengen, Müll, Lautstärke und auch Gefahren, die am Berg durch Unkenntnis zur Unfällen führen etc. Und selbst wenn du auf herkömmlicher Weise dir das Ziel mühsam durch den Weg erschließt, kannst du diesem Tourismus nicht entkommen.
        Viele Grüße von Susanne

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        • Wenn du das so gemeint hast, bin ich natürlich einverstanden. Mein Ansatz war, dass wir immer die anderen als lästige Touristen empfinden, obwohl wir doch selbst auch an dem jeweiligen Ort anwesend sind, vielleicht nicht lärmend oder müllend aber doch ein Teil der Masse. Herzliche Grüße zurück

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  3. Schöner Beitrag. Ich frage mich aber auch. Was sucht der Yogi alleine in der Berghöhle? Erleuchtung? Und wenn er die dann gefunden hat, ist das dann nicht sehr egoistisch? Was hat die Welt und die Menschheit davon? Oder muss ich das in auf einer metaphysischen Ebene betrachten? Sorry für die vielen Fragen liebe Uli und beste Grüße von Wolfgang

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    • Lieber Wolfgang,
      es gibt im Buddhismus zwei Arten der Erleuchtungssuche und Wege zu ihr hin, die eine ist nur für sich selbst, die mir nicht zusagt, wie du dir denken kannst, die andere ist die zum Wohle aller Lebewesen. Ich kenne viele Geschichten, wo Meister ihre Schülerinnen und Schüler wieder aus der Höhle herausgeholt haben, um sie in die Welt zu schicken, um zu lehren und ihre angesammelte Weisheit zu teilen, manche von ihnen wäre gerne für immer in ihrer Höhle geblieben 😉
      Aber Erleuchtung ist eh so ein Gebiet, das sich mir nicht wirklich erschließt, wohl weil ich weit entfernt von ihr bin – lach – ich übe mich lieber an den kleinen Dingen: meinen Geist zu zähmen und Gutes zu tun, mich nicht mehr von meinen Emotionen reiten zu lassen, was ja alles schon schwer genug ist und an dem ich auch immer wieder scheiter, um dann wie die Prinzessin aufzustehen, mein Krönchen zu richten und weiter zu gehen.
      Danke für deine Fragen, die mich jetzt mit meinem Humor verbunden haben, was ja auch nicht zu verachten ist.
      Herzliche Grüße, Ulli

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      • Liebe Ulli, freut mich, dass ich deinen Humor getroffen habe und für deine Erklärungen. Ich versuche immer mal wieder die Reize des Buddhismus zu begreifen und bin zwischen Faszination und blankem Unverstädnis hin und hergerissen. Die Buddhistische Philosophie finde ich ja tadellos beim Umgang zwischen den Lebewesen, nur diese völlige Gottlosigkeit und reinste Konzentration auf das ich, will mir nicht so ganz in den Verstand. Aber im Grunde halte ich es genau wie du mit der Ausnahme, dass ich mich ein bisschen mehr von meinen Emotionen leiten lassen möchte.😉

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        • Lieber Wolfgang,
          da haben wir uns missverstanden, ich meinte, dass ich mich WENIGER von meinen Emotionen leiten lassen will. Generell unterscheide ich zwischen Gefühlen und Emotionen, meine Gefühle dürfen bleiben 😉
          Ansonsten ist es nicht ganz einfach mit dem ICH, einerseits müssen wir uns um uns kümmern, jede und jeder für sich, andererseits den Egoismus überwinden, das gibt viel Gedanken- und Gefühlsspagat …

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  4. Liebe Ulli, ich lese immer mit Liebe und Achtsamkeit deine Einträge und beschaue deine Bilder. So auch diesmal.

    Vorgestern, als wir uns unter drei Freundinnen über Privatheit und Entfremdung in der Arbeit unterhielten, sagte Eleftheria („Freiheit“): Ich muss Geld verdienen, denn ich habe zwei Kinder, das war mein eigener Entschluss. Und ich bin dankbar, dass ich die Arbeit, die ich deshalb mache, gern tue, sie entspricht mir. Immer wollte ich nur in und mit der Natur arbeiten, Dass ich es jetzt auch jungen Menschen beibringen kann, freut mich. Dennoch: Sobald meine Söhne für sich selbst sorgen können, will ich für mich allein in die Berge ziehen. Denn das ist es, was ich vor allem anderen möchte.
    Ich schaute sie an und verstand, dass sie vollkommen überzeugt war. Da war kein Wenn und Aber.
    Ich bin da anders, Früher träumte ich wohl auch von einer einjährigen Auszeit auf „meiner“ Insel, der wilden Samothrake, oder ich wollte mich ansiedeln dort, wo die Elbe so breit ist, dass man sie vom Meer nicht mehr unterscheiden kann. Aber ich tat es nie, und ich will es auch nicht mehr. Ich liebe die Menschen, ich brauche sie, als meinen Spiegel, als mein Lernfeld und als meine Geselligkeit. Ich lebe ja tatsächlich sehr zurückgezogen, aber wie froh bin ich, dass ich jederzeit Menschen finden kann und dass andere zu mir finden, so dass wir uns sehen, miteinander sprechen, uns berühren, uns streiten und verletzen und versöhnen können und – vielleicht – gemeinsam ein Stück weiter kommen in unserer Suche.

    Nein, unsere Zeit ist nicht „degenerierter“ als jede andere auch. Sie ist schwierig, das ja, sehr schwierig. Viele Menschen tasten nach einer Wahrheit, einem Halt, sie bemühen sich, gut zu sein, besser zu werden. Sie verstehen viele Entwicklungen nicht – wer verstünde sie schon? – und fürchten sich. Viele haben ihre alten Gewissheiten verloren und keine neuen gefunden. Sie zweifeln am Wert ihres Lebens, werden krank von ihrer Glaubenslosigkeit. Das ja. Aber böse, und selbstsüchtig finde ich sie eigentlich nicht.
    Und ich freu mich, dass auch du nicht in die Einsamkeit gezogen bist, sondern deine Kraft, deine Einsichten und Fragen einbringst an dem Ort, wo du lebst, und hier in Bloghausen. Sei lieb gegrüßt! Gerda

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    • Liebe Gerda,
      so ein Jahr mit sich allein ist eine Erfahrung, die ich gerne einmal machen möchte, auch wenn es mir im Wesentlichen wie dir geht, ich lebe ja eben auch ziemlich zurückgezogen, liebe den Austausch mit anderen, lasse mich gerne inspirieren und doch bleibt diese Sehnsucht, mal schauen, ob es noch dazu kommt, so viele Jahre habe ich nicht mehr und noch muss ich arbeiten gehen (will es auch), gibt es die Enkelkinder etc.
      Du schreibst, dass du die Menschen nicht als böse und selbstsüchtig siehst, ich glaube da will ich unterscheiden. Bei vielen Menschen geht es mir wie dir, sehe ihre Verwirrtheit (meine sehe ich auch 😉 ), nehme ihre Suche wahr und glaube tatsächlich auch an das Gute in jedem Menschen, wenn ich dann aber in die Welt schaue, dann sehe ich eine Schere, eine Diskrepanz, sehe die Menschen, die neue und andere Wege gehen, und denen, die man gemeinhin die Masse nennt und dann natürlich die Reichen und Mächtigen – natürlich gebe auch ich nicht auf an das Gute zu glauben und mich mit den Menschen zu verbinden, die eben auch auf dem Weg sind und zu versuchen auch die zu erreichen, die noch nicht wissen wohin sie ihre Energie wenden sollen.
      In den letzten Wochen wurde auch deutlich,dass immer mehr Menschen aufstehen und wieder auf die Straße gehen, um STOPP zu sagen, bleibt zu hoffen, dass davon auch mal was bei den Politikerinnen und Politikern ankommt, aber das ist eben wieder ein anderes Thema!
      Anna-Lena schrieb: „Die Leisen sind da, nicht sichtbar in der vorderen Reihe und lautstark präsent“ – ich teile ihre Wahrnehmung!
      Zuletzt, ja, wahrscheinlich ist auch diese Zeit nicht degenrierter als andere, nur lauter?! Es lassen sich ja in den alten Lehrern, ob nun in den buddhistischen oder bei den griechischen Philosophen und anderen Philosophen längst vergangener Zeiten unglaublich viele Wahrheiten finden, diese beziehen sich immer wieder auf das Menschsein an sich und so komme ich zu dem Schluss, dass der Mensch an sich im Wesentlichennicht so stark verändert hat und es immer wieder um die Kultivierung der Liebe geht.
      Hier ließe sich jetzt noch sehr viel anfügen, aber für heute Morgen soll das mal reichen.
      Zugewandte und verbundene Grüße von Herzen an dich
      Ulli

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      • Nur so viel, Ulli: „Masse“ sind Menschen nur, wenn man sie nicht von Nah betrachtet. Deine Jugendlichen, die du in Workshops betreust, hören für dich auf, Masse zu sein, sie werden jeder und jede für sich erkennbar.
        Masse aber wären sie für dich, wenn du sie irgendwo anders sähest.
        Ob leise oder laut – Demonstrationen sind Masse-Erscheinungen, da kann ich über die Qualität des, der einzelnen überhaupt keine Aussage machen. Kenn ich seine Motive? Weiß ich, wie sie lebt?

        Die wahre Unterscheidung ist zwischen dem Fernblick und dem Nahblick auf die Menschen. Liebe Grüße dir!

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        • Da muss ich dir einfach zustimmen, liebe Gerda, da gilt es für mich genauer zu formulieren. Ich spreche ja auch schon lange nicht mehr von „Otto oder Liesel Müller“, was ja eine Zeitlang únd in gewissen Kreisen Mode gewesen ist, weil ich eben auch die Erfahrung gemacht habe, dass es bei näherer Betrachtung keine Liesel, keinen Otto Müller gibt!
          Ich danke dir für diesen Einwand!

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    • Ich sehe das ähnlich wie Du Gerda. Die Zeiten sind nicht schlechter, eher anders und anders schwierig.
      Und warum zurückziehen? Ich will unter Menschen sein und kann auch dort zu mir finden. Die Ruhe ist dort, wo ich sie mir schaffe.
      Und an meiner eigenen Vervollkommnung kann auch dort gearbeitet werden.
      Und ueber diese Sehnsucht nach der reinen Natur ließe sich auch noch einiges sagen.
      Und missionieren möchte ich schon garnicht. Die Lehre, welche auch immer, muss nicht in die Welt hinausgetragen werden. Sie sollte mit denen in meiner Umgebung, heute heißt das ja Blase, kommuniziert werden, das ja.
      Und an Dich Ulli: ich bin froh fuer diesen gedanklichen Anstupser, weil mich das hier vor Ort und meiner Strandidylle auch beschäftigt. Liebe Grüße
      Jürgen

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      • Lieber Jürgen, Ich stimme dir und auch Gerda zu, letztlich aber ist es eine Frage der eigenen Bedürfnisse und mein Bedürfnis nach einem einjährigen Rückzug trage ich schon lange in mir. Trotzdem bemühe ich mich während meiner Alletage auch immer Ruhe und Stille in mir zu finden, was mal gelingt, mal nicht.
        Was die Sehnsucht nach der Natur anbelangt, so sehe ich das keinesfalls verklärt, Natur ist bei näherer Betrachtung nicht romantisch, wie ich es schon oft erfahren habe, auch sie hat ihre Herausforderungen, wenn man sich alleine in ihr bewegt oder lebt.
        Was nun die Lehre anbelangt, da sehe ich kein missionieren, wenn ich meine Erfahrungen mit anderen teile, es besteht ja kein Rechthabenwollen oder eine Haltung von so-ist-es-und-nicht-anders, das verstehe ich unter missionieren, mir ist der Raum immer wichtig und auch die Meinung meines Gegenübers, nur so kann ich lernen.
        Um es einfach noch einmal zu sagen, auch wenn ich mich mit dem Buddhismus beschäftige und dort viel Wahres für mich und meinen Weg gefunden habe, so bleibt immer der eigene Weg, der gerade dort auch immer betont wird. Letztlich gibt es ja noch nicht einmal „DEN“ Buddhismus, da diese Philsosophie, als nichts anderes sehe ich ihn an, noch immer in jedem Land, wohin er kam ein anderes Gesicht bekam. Natürlich kann man ihn auch als Religion bezeichnen, es ist eine alte Streitfrage, für mich hat er damit nichts zu tun, weil es keine Göttinnen, keine Götter gibt, nur Meditationsobjekte, die im Westen fälschlicher Weise mit Göttinnen und Göttern übersetzt wurde und wird. Für mich gibt es auch viele Punkte, die ich kritisiere, die nicht zu meinem Weg gehören, aber das führt jetzt zu weit!
        Das andere ist, dass ich ja nun einmal mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen „arbeite“, da fließen natürlich schon auch meine Erfahrungen und Erkenntnisse mit ein, allerdings nie als Dogma, sondern als Gedankenanstupser.
        Herrjeh, das war jetzt viel. Danke für deins und gutes Sein am Strand,
        herzliche Grüße, Ulli

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      • Ich möchte mir da kein endgültiges Urteil erlauben, ich habe nicht in früheren Zeiten gelebt, das, was ich sehe ist eine Folge der Industrialisierung und des Turbokapitalismus: sehr viel mehr Depressionen und Burnouts, große Vereinsamung von den Menschen, die in den großen Städten wohnen, viel weniger Verständnis und Verbundenheit mit der eigenen Natur und der Natur an sich. Einst sagte eine Physiotherapeutin zu mir:“Die meisten Patientinnen und Patienten spüren sich nicht mehr“, ich glaube nicht, dass dies Themen von vor ein paar hundert Jahren gewesen sind … aber eben, ich weiß es auch nicht!
        Womit ich übereinstimme ist, dass jede Zeit ihre ganz eigenen Herausforderungen hat und die sind Zurzeit nicht gerade wenige!

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  5. Leise und anregend, das ist das Richtige an diesem spätsommerlichen Morgen, an dem die Natur sich so schön zeigt.
    Auch wenn es scheint, dass unser Planet immer mehr zerstört wird und die Moral der Menschen deutlich zu wünschen übrig lässt, gibt es die vielen, die die Zeichen der Zeit erkannt haben und leise und nachhaltig ihren Beitrag für Welt und Gesellschaft leisten. Und in diese Reihen lasst uns eintreten. Die Leisen sind da, nicht sichtbar in der vorderen Reihe und lautstark präsent.

    Danke für deinen tiefgehenden Beitrag, liebe Ulli.
    Mit leisem Gruß
    Anna-Lena

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    • Liebe Anna-Lena, es stimmt natürlich, dass es wirklich viele Menschen gibt, die neue und andere Wege gehen, es exitiert eine immer größer werdende Diskrepanz zwischen diesen Menschen und denen, die man gemeinhin die Masse nennt und dann natürlich die Reichen und Mächtigen – natürlich gebe auch ich nicht auf an das Gute zu glauben und mich mit den Menschen zu verbinden, die eben auch auf dem Weg sind. In den letzten Wochen wurde auch deutlich,dass immer mehr Menschen aufstehen und wieder auf die Straße gehen, um STOPP zu sagen, bleibt zu hoffen, dass davon auch mal was bei den Politikerinnen und Politkern ankommt, grmpf …
      Hab Dank für deins,
      herzlichst, Ulli

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    • ja,. auch ein Leiser kann sich äußern, wenn es Zeit dazu ist und nun ist es wohl an der Zeit, aber es muß dort geschehen, wo die Worte nicht im Trubel der Stimmen untergehen. Oder sie sind eine einzige Stimme mit Gleichgesinnten.

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      • Liebe Bruni, das muss jede und jeder für sich entscheiden, wann und ob sie, er die eigene Stimme erhebt. Manchmal ist Schweigen genau das Richtige, manchmal laut zu werden und manchmal die leisen Töne anzuschlagen.
        Generell habe ich Mühe mit dem Begriff „Gleichgesinnte“, denn da trügt dann auch oft der Schein, vielleicht will ich auch gerade deswegen Zurzeit leiser werden …
        danke für deins und liebe Grüße, Ulli

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        • oh ja, liewbe Ulli, das ist das Schlimme an der Geschichte, Gleichgesinnte, das Wort ist so schnell geschrieben, aber was verbirgt sich da alles. Ist es vielleicht nur die Oberfläche, oder geht das Gleichgesinnte tiefer?

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          • Mir fällt dazu jetzt das Pendel ein, der winzig kleine Moment der Mitte, bevor es wieder zum Äußersten schwingt, um sich dann wieder der Mitte zu nähern, sie zu berühren und dann auf die andere Seite zu schwingen – so verhält es sich vielleicht auch mit der Gleichgesinnung …

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              • Ich meine damit eher, dass sich in gewissen Haltungen, Standpunkten gegenüber dem Leben durchaus Gemeinsamkeiten finden lassen, das wäre dann im Bild des Pendels die Mitte, mit der Zeit taucht auch Trennendes auf, was dann die eine oder die andere Richtung ist, als Bild für die aufkommenden Emotionen und Gefühle, die auftauchen, wenn sich Trennendes einstellt.
                Warum nicht die Momente der Mitte und die des Wegschwingens und der Wiederkehr als Ganzes, als Einheit sehen? Gemeinsamkeiten und Trennendes bestehen, als ist, als ja, so ist es. Ab hier gilt nur noch das spezifische Gewicht.

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  6. Die „Masse“ besteht aber auch aus einzelnen Individuen, mit ihrem Leben, ihren Plänen und ihren Träumen. Ich finde, dass die Art wie eine Gruppierung andere heruntermacht bei der Gruppe der „auf dem Weg seienden“ genauso läuft wie bei allen anderen auch. Ja, ja ich ärgere mich auch, wenn in Gegenden, die ich gerne meditativ und leise genießen möchte auch andere Leute anwesend sind, aber mit welchem Recht?

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  7. Liebe Ulli,
    vielen Dank und gleich zuerst: ich habe alle Kommentare übersprungen, überspringen müssen. So bleib ich bei mir. Das tue ich nicht aus Desinteresse. Es würde mich aber zerstreuen, ablenken.
    Als ich deinen Text las, hatte ich unterschiedliche Einfälle. Ich dachte an „Die Wand“ von Marlen Haushofer.
    Kürzlich ging ich zum Naherholungsgebiet, genannt „Fischteiche“ darauf „Seerosen“. Manche sagen auch „Seerosenteiche“ oder, da man darauf mit Booten rudern kann, „Kahnteich“. Alle sind ausgetrocknet, der Boden gerissen, die Fische verstorben, viele Wasservögel stehen da so rum. Ich fand Nester von Teichrallen (?), einst vom Wasser umschlossen, Schutz, der nun keiner mehr ist. Beim ersten Mal dachte ich: schau mal, jetzt kannst du im Wort „Fischteiche“ ja alles durchstreichen. So weit sind wir schon! Und dann war ich beim Streichen im Wort „Seerosenteich“. Bleibt ja nur noch „rosen“ über. Wie schrecklich, dachte ich. Was sag ich denn in Zukunft? Schatz, bin mal eben um den „rosen“ oder bei den „….“ spazieren gehen. Meine Güte, dachte ich, da haben wir aber alles getan und jetzt müssen wir wohl in Zukunft (wenn sich nichts ändert) neue Wörter finden.
    Beim nächsten Spaziergang musste ich weggucken, habe im Vorbeigehen den Blick abgewandt. Man, dachte ich, warum guckst du weg? Eine Stimme in mir sagte: weil es mir in meiner Seele wehtut. Der Anblick schmerzt mich unendlich. Punkt!
    Ich will mich nicht im Wasser spiegeln, sondern in der Natur. Natur ist beseelt. Sie fragt nicht nach mir, ich bin ihr egal. Natur beweint auch nicht das Austrocknen. Sie macht einfach weiter. Es entstehen neue Lebensräume. Und was der Mensch braucht ist Seelennahrung (so kann er seinen Phantomschmerz heilen). Ist er im Ego, sieht er das nicht. Er hängt sich an die Dinge im Außen und sucht eine Repräsentationsfläche. Ich finde das gar nicht so schlimm, wenn man erkennt, dass ein Selfie nicht weiterhilft. So ein Ego verhält sich inflationär. HabenHaben, alles nutzen und ja, das Wasser ist nur dafür da, das eigene Spiegelbild zu reflektieren. Mehr nicht. Letztendlich sehe ich es so: der Schmerz, den ich spürte, ist einer der mich erkennen lässt. Vielleicht ein Geschenk der Natur? Denn alles, was um uns herum passiert, ist außerhalb eines Bewertungsschemas. Es passiert einfach. Wir Menschen haben die Möglichkeit einer Entscheidung. Bleibe ich im Ego und verteile Schuld? Schuld haben die Autofahrer, die USA, der böse Trump, die Chinesen, die Plastikfront, die Industrie,….am Klimawandel und wenn die das alles einsehen würden, ja! dann…Denn ich esse ja kein Fleisch und trenne den Müll und fahre mit dem Rad undundund (inflationär). Man müsste dies, man müsste das. Kann also nur bei den anderen liegen! Oder entscheide ich mich dafür, dass ich erkenne, dass die Natur etwas ist, was mir heilig ist, weil ich sie brauche für mein Seelenheil?
    Paul Watzlawick hat darüber eine sehr schöne Geschichte geschrieben. „Vom Schlechten des Guten oder Hekates Lösungen“ erschienen im Piper Verlag.
    Natürlich kommt dann der Einwurf: so ändert sich aber nichts. Was bin ich gegen die Masse? Guter Einwand. Aber muss der Mensch alle retten? Ist das seine Aufgabe?
    Ja, und dann wird man ganz ruhig, still. Frieden mit sich ist immer ganz leise. Man gibt die Dinge aus der Hand, lässt es geschehen (bei mir regt sich immer noch eine kleine Proteststimme 😉 ). Was Mensch dann gewinnt ist die Verantwortung für sein Selbst. Er legt die Waffen nieder und mischt sich nicht mehr in die Egokämpfe ein, denn er ahnt, dass jeder seine Erfahrung machen muss.
    Eins noch, was mir bewusst geworden ist. Im Ego ist man allein und deshalb immer an ein Außen gebunden. Das Selbst (weiß nicht ob ich die Worte jetzt richtig wähle) ist auch allein und einsam, braucht aber die anderen nicht mehr als Bestätigung und kann deshalb die Einsamkeit besser ertragen.
    Ich glaube, der Mensch braucht den Mensch. Er muss sich mischen, braucht die Herausforderung. Er muss solche kennen, Seelenmenschen, die ihn erkennen und solche, die ihn immer wieder prüfen. Meistens steckt beides in einem Menschen (oder immer?)
    Jetzt habe ich viel erzählt. Kürzer gings net. Vielleicht ist etwas für dich dabei? Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Nur du kannst das herausfinden und weißt, welcher Schritt als nächstes kommen kann. Meinen tun wir wahrscheinlich immer dasselbe, wir drücken uns nur unterschiedlich aus. Ich meine doch zu erkennen, dass du auch gerade dabei bist, den Schmerz mit einem Spiegelbild, dass zu dir passt und dir gut tut, zu heilen. Ich frage mich derzeit, warum ich eigentlich nicht der Stimme folge, die sagt: lass die blöden Nachrichten, diese ganze unrühmliche Gülleschlacht. Sie tun dir nicht gut! Ja, so ein Ego möchte halt nichts verpassen und dumm dastehen, wenn es mal nicht mitreden kann 🙂

    Von Herzen wünsche ich dir Frieden. Alles, alles Liebe für dich, Heike

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      • Wieso muss man das, Gerhard? Ich glaube eher, dass die meisten Menschen es wollen, um mitreden zu können, ich habe schon öfters Phasen ganz ohne Nachrichten gelebt und habe nicht das Gefühl deswegen dümmer geworden zu sein 😉

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        • Ich denke, man muß informiert sein.
          Bloß sein Ding machen und „daneben brennt die Hütte ab“, das kann es ja auch nicht sein.
          Ich war früher unpolitisch, habe aber gelernt, wach zu sein und mir meine Meinung zu bilden.

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          • Es geht aber auch um die Balance zwischen dem eigenen Weg und dem, was in der Welt geschieht. Wenn ich selbst nicht in meiner Kraft oder/und Balance bin, kann ich nicht hilfreich sein. Nur Informationen aufzunehmen, um mitreden zu können ist für mich keine Option, aber, um eine Haltung einzunehmen, brauche ich auch viele verschiedene Informationen.

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    • „Vom Schlechten des Guten ..da hatte ich auch ein Buch zuletzt in der Hand, in der es um Nachteiliges an Empathie geht. Man weiß von alledem schon lange, was es natürlich schwer macht, im Einzelfall zu werten.

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    • Liebe Heike, du hast jetzt so viel Tiefes ge- und beschrieben, dass ich mir mit einer „wirklichen“ Antwort Zeit lassen will. Da resoniert viel in mir zu dir hin, das will aber Worte finden und die habe ich jetzt gerade noch nicht.
      Einstweilen Danke für deins, bald mehr …
      herzliche und bewegte Grüße, Ulli

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      • Liebe Heike, nun melde ich mich noch einmal. Gerade eben habe ich deinen Kommentar ein zweites Mal gelesen und erst heute hat er sich mir richtig erschlossen, weil ich jetzt Ruhe und Stille um mich herum habe, niemand und nichts mich stört, es auch nicht mehr wird.
        Dein Bild, bzw. deine Geschichte über den Teich und deine daraus resultierenden Gefühle und Gedanken führen mich zu dem, was ich gerne wesentlich nenne. Natur ist für mich eine der größten Lehrmeisterinnen, sie spiegelt mich in dem Sinne, dass sie keine Schnörkel kennt, kein wenn und aber oder vielleicht, kein gut, kein schlecht, nur ein Ist. Stille, lauschen, Hingabe, mit allen Sinnen wahrnehmen, auch singen, vielleicht, resonieren, wie auch immer noch, teil-haben, Teil-sein, keine Spuren hinterlassen, etwas dalassen, wenn man etwas nimmt – was immer wir Menschen leben, denken und konstruieren, sie lebt sich mit und ohne Spezies Mensch weiter und weiter …
        Sie schert sich nicht um des Menschen Gehassel. Einerseits. Andererseits zeigt sie ihre Wunden, spiegelt das
        Leiden, das Gegeneinander von ihr und Mensch und hört nicht auf die Liebe und das Miteinander zu lehren.
        Ja … soweit erst einmal dazu und wie ich den Spiegel erfahren habe, der so ganz anders ist als die Eitelkeit des eigenen Spiegelbildes auf einer Wasseroberfläche.
        Bleibt noch mein Bedürfnis „bewahren“, etwas weitertragen zu wollen, wie vielleicht das Lied der Mutter Erde oder die Geschichten vom kleinen Volk oder die von der Gralssuche, den Drachenkämpfen oder die Geschichte von der springenden Maus
        https://cafeweltenall.wordpress.com/2016/03/01/die-geschichte-der-springenden-maus/
        https://cafeweltenall.wordpress.com/2016/03/03/die-geschichte-der-springen-maus-ende/
        Vielleicht ist das Zauberwort wirklich „HINGABE“ –
        Ich weiß jetzt nicht, ob und wie meins zu deinem hin verständlich ist, du wirst es mir sagen 🙂
        herzlichste Grüße zur guten Nacht
        Ulli

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    • Liebe Heike! Ich habe Deinen Kommentar zweimal mit mehr als großem Interesse gelesen, stimme vielem zu, habe einiges gar nicht verstanden und nehme einiges mit an den Strand, wenn ich dort dösend denke. Ich weiß einfach zu wenig und und und.
      Liebe Grüße Juergen

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      • Lieber Jürgen! Ach, was können wir schon wissen? Nach hinten verstehen und nach vorne leben, dösend am Strand 😊 Viel Vergnügen wünsche ich dir und liebe Grüße, Heike

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        • Liebe Heike, lieber Jürgen, resonieren schenkt dem Erlebten den Klang, die Farbe, den Geschmack, den Geruch und irgendwann auch Verstehen. Ich denke auch an den Zwischenraum von Einatmen und ausatmen, dösend am Strand 🙂
          herzliche Grüße an euch beide, Ulli, schöner Austausch, ich freue mich 🙂

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  8. Liebe Ulli,
    Du schreibst:
    …komme doch meist zu dem Ergebnis, dass mich nur die lesen, die wie ich auf dem Weg sind, die ähnlich bis gleich empfinden.

    Genauso ist es.
    Ich habe gute Freunde, sehr sensible Menschen, die mir Material zur politischen Lage schicken, das ich, nach Begutachtung, nicht lesen möchte.
    Gelegentlich trifft man auf Leute, die in den „eigenen Konsenskreis“ fallen und dann freut man sich!
    Das soweit.

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    • Lieber Gerhard, ich lasse mich schon auf andere Meinungen ein, wenn sie denn auftauchen, meistens ist aber genau das nicht der Fall. Gerne erzähle ich von einer Begebenheit in einem kleinen italienischen Bergdorf, mein Mann und ich tranken dort unseren Espresso, am Nebentisch saßen drei Männer, sie wussten nicht, dass wir sie verstehen konnten, es stellte sich heraus, dass der eine faschistische Ideologien verteidigte, der andere demokratische, der nächste sozialistische, sie diskutierten sehr angeregt miteinander und ich dachte später, dass ich es schade finde, dass ich dies kaum je erlebt habe …
      herzliche Grüße, Ulli

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  9. Wenn man sich in die Wildnis der Natur zurückzieht, wenn es sie überhaupt noch gibt, hilft man keinem Menschen. Mutter Teresa ist in die Slums von Kalkutta gegangen und kümmerte sich um Sterbende, Waisen, Obdachlose und Kranke. Natürlich können wir nicht alle solche Taten der Nächstenliebe vollbringen, aber in unserem kleinen Kreis der eigenen Familie, unserer Nachbarn und der Gemeinschaft, in der wir leben, haben wir täglich die Gelegenheit und Pflicht, hilfreich und liebend mit unseren Mitmenschen umzugehen. Vielen Dank, liebe Ulli, und liebe Grüße aus dem fernen Kanada!

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    • Lieber Peter, da kann ich dir nur zustimmen.
      Wenn ich von so einem Rückzug träume, dann ist dies zeitlich begrenzt, mich reizt die Erfahrung für ein Jahr mit mir alleine zu sein, was dann entsteht und wie ich mich dann, ganz ohne äußeren Einfluss, weiter entwickel und ob überhaupt. Natürlich verbinde ich das auch mit gewissen Meditationspraktiken, die oftmals während meiner Alletage zu kurz kommen. Das Ziel, wenn es denn überhaupt eins gibt, ist danach klarer zu sein und vielleicht noch besser hilfreich sein zu können?! Ein Rückzug auf Dauer halte ich auch nicht für erstrebenswert und dies taten auch die wenigsten Yogis …
      Mutter Teresa ist ein besonderes Beispiel, ich ziehe meinen Hut vor ihr und ihrem Engament, aber auch das wäre nicht mein Weg. Letztlich muss doch jede und jeder die Methode und den Weg für sich selbst finden, ob und wie sie und er hilfreich sein kann und will oder eben nicht.
      Danke für deine Gedanken,
      sonnige Grüße, Ulli

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  10. „Wenn du die Wahrheit sagst, werden die Menschen wütend, du wirst als Feind behandelt. Sie machen dich schlecht, halten dich für einen Betrüger. Die Allgemeinheit verachtet dich. (…)In diesen Zeiten lohnt es nicht, sich über Politik zu unterhalten, weil du in diesen Zeiten nichts ändern kannst; lebe zurückgezogen, allein und sei frei.“
    Das denke ich manchmal auch, weil man sich sonst aufreibt, vergeblich. Aber was es zum Wohle anderer beitragen soll, sich zurückzuziehen, will mir nicht einleuchten. Ja, wem soll das dienen?
    Ganz in der Einsamkeit würde ich auch nicht leben wollen. Aber mehr in der Natur vielleicht schon. Manchmal träume ich davon, mit Tieren zu arbeiten, zu leben, mit Ziegen oder Eseln, in der Natur, ohne dieses neoliberale System zu bedienen, ohne dazuzugehören, ohne zuviel nachdenken zu müssen über unwichtige Dinge. Klingt nach Ausstiegsfantasie, aber sie ist wohl nicht stark genug. Vor allem denke ich, mit so etwas müsste man in jüngeren Jahren anfangen, wenn man weiß, dass man noch viele Jahre Kraft hat und auch schwere körperliche Arbeit leisten kann.
    Danke für deine Gedanken.

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    • Liebe Ute,
      ja eben, wem soll das dienen, außer, dass man in solchen Rückzugszeiten Kraft und Erkenntnisse ansammelt, die dann (vielleicht) hilfreich sein können?! Das kann dann wohl doch wieder nur jede und jeder für sich selbst entscheiden. Und ich merke einmal wieder, wie gut es ist den eigenen Kopf einzuschalten und die „Lehren“, egal von wem, durch sich durch laufen zu lassen und dann die eigene Haltung dazu einzunehmen, auch wenn dabei „nur“ Fragen herauskommen. Es war Rilke, der schrieb: lebe deine Fragen oder lebe in deine Fragen hinein – so ganz klar erinnere ich mich gerade nicht an den genauen Wortlaut … aber sinngemäß ist es ja auch so klar –
      Was nun die Träume anbelangt, so sehe ich sie altersunabhängig. Ich habe eine gute Bekannte, die erst mit weit über 60 begann Vögel zu beobachten und dafür bezahlt wurde, es war ein uralter Traum von ihr!
      Herzliche Grüße, Ulli

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    • Ich hatte als junger Mensch tatsächlich den Traum, mich ganz in die Einsamkeit zurückzuziehen. Wie süß die Vorstellung war!
      Vermutlich scheute ich aber einfach die tägl. Auseinandersetzung mit der Welt und der Verantwortlichkeit.

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  11. Es gilt, denke ich, solche Weisheiten auf die eine oder andere Weise stimmig zu übersetzen. Wobei es hier nicht um eine sprachliche Problemstellung geht. Sondern es geht um die viel schwierigere Aufgabe, die Essenz der Lehre von Patrul Rinpoche in die uns gegebenen Rahmenbedingungen zu übersetzen. Möglicherweise gehört es zu den Herausforderungen unserer Zeit, dass wir den Rückzugsort, die „Höhle in den Bergen,“ nur noch in uns selbst finden können. Dergestalt, vielleicht, dass wir uns zeitweise bewusst aus dem großen Getriebe herausnehmen und mit unserer Seelenessenz ins EINE kommen. Schwierig, vielleicht, weil das Getriebe um uns herum weiter summt und brummt. Aber besondere Herausforderungen führen oft auch zu besonderen Resultaten. 🙂
    In einem Buch von Neale D. Walsch habe ich den bemerkenswerten Satz gelesen: «If you don’t go within, you go without.»
    Es besteht ohne Zweifel eine Resonanz zwischen den Einzelnen und dem großen Ganzen. Und das ist immer ein Spiel von Geben und Nehmen und Geben… Wenn wir in uns heilen, was wir vom Un-Heil in der Welt aufnehmen, können wir geheilte Energie an die Welt zurückgeben.

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    • Lieber Random, ich kann dir nur zustimmen. Was du gerade in deinen Worten sagst, war vorhin Thema in meiner allmonatlichen Trommelgruppe (schamanische Reisen), die ich leite und gleichzeitig Teil von ihr bin: das, was jede und jeder in selbst entwickelt, strahlt in die Welt hinaus.
      Liebe, Mitgefühl und liebende Güte in sich selbst zu entwickeln und zu nähren kann von daher nie verkehrt sein.
      Ich danke dir herzlich für deins,
      liebe und zugewandte Grüße, Ulli

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    • …“Rückzugsort, die “Höhle in den Bergen,” nur noch in uns selbst finden .“

      Es gibt Zentren, zu denen man sich zurückziehen kann, etwa ein Zendo.
      Ich war da in unserer Nähe (leider nur) einige Male da, aber das ist so ein Ort, wo man sich erden kann.

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      • Das stimmt natürlich. Es gibt solche Orte. Und das ist oft sehr Not-wendig. Es ist aber kaum für jemanden praktikabel, sich dort über längere Zeit aufzuhalten. Es ist eine gute Not-Lösung. Aber ich meine eben, dass unsere Herausforderung heute darin besteht, von physischen Rückzugsorten weitgehend unabhängig zu werden (auch, weil es für immer mehr Menschen immer weniger solcher Orte gibt). Denn dieses „ins EINE kommen“ wird auch umso wichtiger, da wir heute ja viel mehr vom Un-Heil in der Welt mitbekommen, als dies in früheren Zeiten der Fall war.

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  12. Nun habe ich so viele gute Gedanken in den Kommis gelesen, liebe Ulli, und natürlich Deinen hochinteressanten Artikel, da gibt es jetzt gar nicht mehr viel zu sagen. Ich denke auch, der Mensch braucht den Menschen, Heike schrieb es, und es gibt wenige Menschen, die mit Vergnügen Außenseiter sind, die sich absondern und keinerlei Kontakte mehr pflegen können oder auch wollen. Masse ist eine Menschenmenge, die man von ferne betrachtet. Doch der einzelne darin, ist immer noch ein Mensch mit eigenen Gedanken, Gefühlen und Ideen.
    Am Nachmittag ging mir mal im Kopf herum, wie wir klarkämen bei Krieg, Hungersnot und all den Dingen, die die Menschen in vergangenen Zeiten erleben und erdulden mußten und spontan dachte ich, ich würde es nicht durchhalten, ich wäre zu degeneriert. Und doch passt sich der Mensch den Gegebenheiten an, denn wäre es nicht immer so gewesen, gäbe es unsere Art schon lange nicht mehr. Wir sind stark, wenn es erforderlich ist und werden schwächer, wenn wir nicht gefordert werden…

    Liebe herzliche Abendgrüße von Bruni an Dich

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    • Danke, liebe Bruni, das sind Gedanken, die ich auch oft bewege! Ich kenne weder echten Hunger, noch echte Not, ich kenne allerdings sehr viele Herausforderungen, aber die sind nix gegen echten Hunger, Wassermangel oder Kriege und Verfolgungen. Ich weiß nicht wirklich wie es sich anfühlt, es gibt nur eine Idee … wie ich letztlich in solchen Situationen reagieren würde oder werde weiß ich nicht, ich kann nur hoffen, dass ich dann stark genug bin, aber letztlich bin ich ja ein Weichei 😉
      ich danke dir für deine Gedanken zu alldem, herzlichst, Ulli

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        • Liebe Bruni, ich habe in meinem Leben schon das eine und andere Extrem erlebt, wenn auch nicht vom benannten, die Erfahrung, die ich dann gemacht habe war, dass sich in der Not ein Schalter in mir umlegt, dann geht es ums reagieren und agieren, es ist kein Platz für gefühlsduselige Weicheierei, das große Zittern und Zähneklappern kam immer erst viel später und die Gedanken wie, wo, was, wenn und aber noch viel später. Gut, dass waren Momente, vielleicht Tage, aber nie Wochen, Monate und Jahre und dennoch sind die Erfahrungen es, die mir eine kleine Zuversicht schenken, dass ich mehr „aushalte“ und bewältige, als ich mir normalerweise vorstellen kann. Gedanken sind eins, Erlebnisse und Erfahrungen das andere. Wir können uns, egal wie viel wir über etwas lesen, nehmen wir z.B. die Geburt, deswegen niemals wissen wie es ist eine eigene Geburt zu erleben, von der dann auch noch keiner der anderen gleicht … wir können uns nur durch Berichte von anderen und durch gewisse Erfahrungen insoweit stärken und eine Haltung im Vorfeld entwickeln, wie es dann sein wird, wird man sehen …
          du weißt schon 😉

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          • Das sehe ich wie Du, liebe Ulli, mir ging es in zahlreichen Situationen ähnlich wie Dir und im Nachhinein war ich verblüfft über meine Reaktionen… Sie mußten sein, wie sie dann waren. Ich funktionierte und es war gut.
            Wir können wohl über uns hinauswachsen, wenn es sein muß.

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  13. Pingback: Krethi und Plethi – Klärung der Wortbedeutung (und ein bisschen Tucholsky) | GERDA KAZAKOU

  14. Liebe Ulli, ich habe mit großem Interesse alle Kommentare und Anmerkungen, vor Allem aber deine Zeilen, verfolgt. Ich kenne diese Sehnsucht nach Stille und Zurückgezogensein. Ich nenne es „meine Höhlengefühle“ Sie überkommen mich immer wieder. Als ich vor drei Jahren in den „Ruhestand“ ging, erfüllte ich mir den Wunsch, von hier aus (quasi durch die Gartenpforte hinter dem Haus) bis zu meinem Elternhaus im Hochsauerland, zu wandern. Es war eine wunderbare Erfahrung. Ich war zwar allein unterwegs, aber Freunde und ehemalige Kollegen begleiteten mich aus der Ferne. Sie besorgten mir telefonisch ein Zimmer, kamen am Abend zu meiner Herberge gefahren und waren immer im Hintergrund, wenn es mir einmal nicht gelingen sollte, die Strecke allein zu bewältigen. Das war eine wunderbare Erfahrung und ich zehre noch heute davon, es zeigte mir, dass ich zwar allein meinen Weg finden und gehen muss, aber ich doch getragen bin. Warum erzähle ich das? Hm. Du hast diesen Blog ja nicht einfach so geschrieben und die Resonanz zeigt, das das Thema viele bewegt. Ich finde es wichtig, Rückzugsorte zu finden und durchzuatmen, wenn es zuviel wird, was da auf einen einströmt. Am Sonntag war ich auf der Straße mit vielen Anderen gegen Rechts. Ich fragte mich zwischendurch, ist dies noch die Form, mit der du deinen Protest in die Welt tragen willst? Ich bin mir noch immer nicht sicher, aber das Gefühl, viele empören sich wie ich, gibt auch ein Gemeinschaftsgefühl. Wir sind nunmal keine Einzelwesen. Aber Rückzug ist wichtig, der Zeitraum ist egal, So…eigentlich wollte ich dich nur kurz drücken und sagen, wie sehr mich dein Bericht berührt hat und ich mich wieder mit dir verschwistert fühle. Das du hingefallen tut mir leid. Steh langsam wieder auf, sei dir gut und lass dir Zeit für alles. Ich schicke dir heilende Gedanken, Marie

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    • Liebe Marie, es geht mir wieder ganz gut, der Rücken muckert nicht mehr, nur die Knie sind empfindlich bei Berührung, es ist ein bisschen wie damals, wenn ich mit den Rollschuhen hingeflogen bin ;o) oder …
      Rückzüge finde ich unabdingbar, ob nun mal einen Tag oder drei Wochen oder eben wie mein Traum von Mittsommer zu Mittsommer im hohen Norden. Vor drei Wochen habe ich mir einen ganzen Tag genommen, um mich wandernder Weise mit meiner Visionssuche vor 10 Jahren zurück zu verbinden, es war ein rundum glückbringender Tag, der mir einmal wieder mehr gezeigt hat, was für mich „Wesentlich“ heißt und das ist nicht das Gehassel und Gerenne in der Welt, das aber natürlich auch sein muss, weil ja sonst kein Brot auf dem Tisch, du weißt schon …
      ich freue mich an deiner Erfahrung teilhaben zu dürfen und immer wieder für die Geschwisterlichkeit.
      Hab Dank, Herzensgrüße von mir an dich, Ulli

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  15. Liebe Ulli, was für ein fesselnder Beitrag und deine Gedankenanstöße! Viele der lebendigen Kommentare habe ich auch gelesen, weil das ja ein „heißes“ Thema ist. Alle habe ich nicht geschafft. An einen einzigen Weg für uns Menschen glaube ich nicht. Jeder geht ja von einer anderen Stelle los, hat andere Wahrnehmungen und macht andere Erfahrungen. Deswegen kann ich deine persönliche Entscheidung voll nachvollziehen und danke dir noch einmal für den Anstoß zu diesem Gedanken- und Erfahrungsaustausch hier! Gute Besserung für deine Verletzung! Take care! Liebe Grüße, Petra

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    • Liebe Petra, ich gehe mit dir, ich glaube auch nicht an den „einen“ Weg, es gibt nur Wegweiser, der Weg dahinter ist in ständiger Bewegung und zeigt sich jeder und jedem anders.
      Am Sonntag habe ich auf meinem Spaziergang über die vorübergehenden Phänomene= Illussionen nachgedacht, dem, was niemals fest sein kann, weil der Wald, den ich an diesem Tag durchschritten habe, sich nur an diesem Tag, in diesen Momenten mit genau diesem Gesicht gezeigt hat, schon ein paar Stunden später, geschweige denn nach Jahren, Jahrhunderten, ist er ein anderer, es bleibt, wenn es gut geht, die Wesenheit Wald.
      Ich freue mich sehr, wie rege dieser Kommentarstrang ist und bin selbst überrascht, dass mein Beitrag so vieles bewegt.
      Der Dank ist beidseitig.
      herzliche Abendgrüße, Ulli

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  16. Liebe Ulli,
    so vieles stößt Dein berührender Text in mir an … und auch auf die Gefahr hin, dass alle schon wie immer alles gesagt haben, wenn ich am Ende meiner Arbeitswoche dann endlich mal Zeit finde, hier was zu schreiben … sag ich jetzt trotzdem noch was:)
    Vermutlich treffen Deine Worte mich wie so viele andere ja auch, weil wir alle suchen. Eine jede und ein jeder nach ihrer/seiner Aufgabe, wie ich es manchmal nenne. Die Frage, wie die Wärme und Liebe und Güte, all das was wir selbst suchen und weiterteilen wollen – so wir uns dieses Wollens bewusst sind – eben zu leben sei. Auf welchem Weg wir uns am ehesten bei und in dem befinden, was „das Eigene“ zu nennen sei. Das, durch welches sich unser je eigenes Strahlen am ehesten verwirklicht.
    Dabei ist es wirklich – liest man so um sich und erfährt von den sogenannten „Nachrichten“ – manchmal nicht leicht, nicht zu resignieren. Und andererseits finde ich immer wieder ein Netz, welches trägt.
    Mit früheren Generationen vermag ich die unsere nicht zu vergleichen. Wie sich Leben wohl anfühlte, wenn man 14 Stunden am Tag arbeitete und jedes zweite Jahr ein Kind in der Familie starb? Mit meinen Kindheitszeiten in jenem anderen Land kann ich schon ein bisschen vergleichen: damals empfand ich es deutlich düsterer als heute. Deswegen kommt mir „degeneriert“ nicht als erste Beschreibung für unsere Zeit in den Sinn. Auch wenn ich verstehe, was Du meinst: Ich habe in meinem Leben schon weit mehr wahrhaftige, gütige, liebende Menschen gefunden als vierblättrige Kleeblätter … (Nun bin ich allerdings auch eine schlechte Kleeblattsucherin;-)) Ich höre einfach nicht auf, an das Schneeballprinzip des Guten zu glauben.
    Ob ich auf meinem Weg auch Rückzug brauche, um später wieder im gemeinsamen Netz meinen Platz einzunehmen, das weiß ich gar nicht genau. Im Moment und in den nächsten Jahren steht die Frage ja nicht. Wobei: das Radreisen hat ja unter anderem genau die Funktion eines Rückzugs für mich. Nicht in der Wildnis zwar, aber in der von mir selbst noch recht unterkannten Natur meines eigenen Körpers bin ich da unterwegs … na das weißt Du ja, wieviel mir das bedeutet. Und sollte ich es jemals in ein Sabbatjahr schaffen, dann ist das Fahrrad sein Ort, und eine jetzt schon feststehende Gegend auf der Welt … wo ich auch wieder mein Eigenes suchen werde.
    Um nach der Rückkehr weiter Samen streuen zu können, wie Du es so treffend nennst.
    Ach, liebe Ulli, ich danke Dir sehr für diesen Text und alles, was er weiter in mir arbeiten lässt – und schicke Dir nun einen sehr müden, aber sehr innigen Abendgruß
    Frau Rebis

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    • Du, liebe Frau Rebis, ich lächel dich jetzt einfach mal an 🙂
      deine Radreisen empfinde auch ich als deine persönliche Art des Rückzugs. Manche radeln, manche wandern/pilgern, andere hocken in Höhlen, die Reise ist außen und innen, immer, oder?!
      Mir gefällt dein Bild des Schneeballprinzips des Guten, danke dafür 🙂
      Und ja, auch ich habe schon mehr gute Menschen in meinem Leben getroffen als vierblättrige Kleeblätter gefunden – schmunzel – so ist das Metaphern –
      hab Dank für deins, verbundene Grüße, Ulli

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  17. Ich glaube nicht, diese Zeit seien schlechter als andere. Wir haben uns gerade dieses Jahr an den Beginn des 30jährigen Krieges in Europa erinnert. Einer der verheerendsten Kriege, die je auf unserem Boden geführt wurde. Da war nix besser. Heute gibt es nur mehr Menschen, d.h. wir hocken enger aufeinander und können uns noch mehr auf den Wecker gehen. Der Idee von einer zunehmenden Degeneration stehe ich daher skeptisch gegenüber. Eben auch weil sie zu dem Schluss führen kann, es lohne sich alles mögliche (und vor allem machbare) nicht mehr. – Einen schönen Rückzugsort zu haben, ist tatsächlich Gold wert. Warum nicht auch die eigene Wohnung so verstehen? Und wenn alle Stricke reißen: einfach Augen zu. Das hat mir schon in den heikelsten Situationen geholfen…

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    • Verzeih, dass ich heute erst antworte, zwar habe ich deinen Kommentar schon vor zwei Tagen gelesen, war aber zu müde, um zu reagieren und gerade eben fielst du mir wieder ein.
      Danke, dass du an den dreißigjährigen Krieg erinnerst, es stimmt, so gesehen war nichts besser. Ich gehöre auch nicht zu den Menschen, die vergangene Zeiten durch eine rosa Brille sieht, so sind mir all die in Mode gekommenen Mittelalterspektakel sehr suspekt, ich möchte nicht in dieser Zeit gelebt haben.
      Wie ich eingangs schrieb, ist mir selbst nicht klar auf welche Zeit sich Patrul Rinpoche bezog, als er diesen Text verfasste und was genau er somit mit den degenerierten Zeiten meinte. Ich kann nur vermuten und begreife es so, dass es darum geht, dass die Menschen den Kontakt zur Natur und damit auch zu dem Verständnis, dass sie selbst Teil der Natur sind, zunehmend verloren haben, ohne dass ich nun dabei die Natur verromantisiere (ein weites Feld!). In diesem Feld aber sehe ich durchaus eine Art der Degeneration, natürlich gilt das nicht für alle Menschen und ich sehe auch gleichzeitig die vielen Bemühungen und Bewegungen von Vielen die Welt wieder zu einem besseren Ort zu machen (Artenpflege, Bioanbau, Naturschutz etc.). Generell denke ich, dass ein totaler Rückzug von der Welt, bei dem man sich nur noch um die eigene Entwicklung kümmert, wohin auch immer noch, letztlich niemanden dient und der Welt schon gar nicht, das käme dann einer Resignation gleich.
      Ich stimme dir auch darin zu, dass durch die Zunahme der Menschen an sich Rückzugsorte umso wichtiger geworden sind. Und ja, das kann auch die eigene Wohnung sein.
      Skeptisch bin ich bei Augen zu und durch, das klappt und klappt nicht, das muss man wohl von Situation zu Situation entscheiden.
      Danke für deins, ein für mich wichtiger Gedankenstups.
      herzliche Grüße, Ulli

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