Momentaufnahme September 2018

Eine Kerze brennt, ich trinke ein Bier und proste dir zu. Dir, der du jetzt auf einem Weg bist, den ich irgendwann auch einmal gehen werde, der für mich noch im Dunkeln liegt und doch sehe ich dort ein Licht. Dahin wünsche ich mir dich, dahin möchte ich dir folgen. Irgendwann.

Am Abend entzünde ich ein Feuer. Freundinnen und Freunde finden sich ein, wir trinken noch ein Bier, rauchen, lachen, ich weiß, das hätte dir gefallen.

Nur ich kannte dich, die anderen hier haben dich nie gesehen. Nur ich bin es, die sich im Stillen an dich erinnert und an unsere gemeinsame Zeit. Ich muss wieder lachen, als ich mich an eine deiner Ideen erinnere. Du wolltest die Zugspitze kacheln, darauf sollte ein rosaroter Cadillac stehen, eine Primaballerina sich auf ihm drehen, wie diese kleinen Tänzerinnen im Tütü auf den alten Spieldosen. Damals haben wir darüber gemeinsam gelacht.

Viel Schönes haben deine Hände geschaffen. Arm bist du dennoch geblieben und warst dabei so reich!

Spät in der Nacht entzünde ich eine neue Kerze und trommel für dich und deinen Weg ins Licht.

Es ist selten, dass mir bei einer Todesnachricht spontan die Tränen über die Wangen rollen. Später bin ich selbst überrascht. Du warst ein Freund und wirst es immer sein. Wo immer du jetzt bist, meine Kerze wird für deinen Weg leuchten, neunundvierzig Tage und Nächte lang. Ich weiß, dass dir das gefallen hätte.

36 Gedanken zu „Momentaufnahme September 2018

    • In der tibetischen Tradition glaubt man daran, dass der Übergang neunundvierzig Tage dauert, diese Zeit wird Bardo genannt, ähnliches fand ich in schamanischen Traditionen, wobei ja auch Tibet erst schamanisch gewesen ist und dann erst buddhistisch, hier fließt Vieles zusammen und ich glaube eh nicht an Trennendes in diesen Bereichen – ja, es hilft mir, aber ich glaube eben auch den Seelen, die wandern …
      ich danke dir, lieber Gerhard, herzlichst, Ulli

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  1. Liebe Ulli, ich kenne weder dich noch deinen gestorbenen Freund – aber ich finde deine Erinnerungen so wunderschön. Kein „nacktes“ Trauern oder gar Hadern, nein, die positiven Gedanken stehen im Vordergrund.
    Außer Heiko, Lucie und Tina habe ich noch eine Freundin an den schrecklichen Krebs verlieren müssen. Für sie habe ich auch im Blog an sie gedacht. Falls du es lesen magst – es gibt darin viele schöne und lustige Fotos:
    https://chh150845.wordpress.com/2016/11/19/goodbye/
    Alles Liebe für dich – und bleibe bei deinen positiven Gedanken

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    • Liebe Clara, danke für deinen Link und den Abschiedsbrief – auch Gerhard (s.o.) schrieb einst einen Brief, ich gedenke still, habe nur sehr wenig hier geteilt, die Kerze brennt …
      herzliche Grüße, Ulli

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  2. Liebe Ulli, diese eine Nacht des Abschieds ist schon sehr wichtig – für seine und deine Seele. Wenn es ein für dich bedeutender Mensch war, ist es mit einer Nacht freilich nicht getan. Fühl dich unterstützt und umarmt. Gerda

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    • Liebe Gerda, nein, es ist nicht mit dieser einen Nacht getan, ich bin auch jetzt noch damit beschäftigt, aber diese erste Nacht war unglaublich wichtig, jetzt ist es ein stilles Gedenken und Wünschen und Erinnern …
      ich danke dir für die Unterstützung und die Umarmung von ❤ en
      Ulli

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  3. Liebe Ulli, deine Worte derTrauer um einen verlorenen Freund haben mich tief bewegt. Sie stellen für mich eine seelische Auferstehungsgeschichte dar, die in deinem Herzen statt gefunden hat. Ich glaube, dass es dir gut getan hat, sie mit uns zu teilen.

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    • Das stimmt, lieber Peter, irgendwo muss das Ganze hin, ja, ich rede mit meinem Sohn und mit meiner Tochter, aber auch hier gibt es für mich eine Art Familie, die mich gerade eben sehr berührt und auffängt!
      Ich danke dir für dein feines Mitspüren, ❤ liche Grüße, Ulli

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  4. Liebe Ulli, wie gut verstehe ich Dich und auch die spontanen Tränen. Der Schmerz kam überraschend.

    Deine Worte dazu und Deine Trauer um ihn, den Du gut kanntest, könnten nicht einfühlsamer sein. Es ist nicht einfach, einen guten Freund zu verlieren, denn er wir nun immer fehlen und nur die Erinnerung bleibt Dir.
    Aber sie wird Dich begleiten und immer da sein. Sie wird Hilfe sein, wenigstens kenne ich es so.
    Liebe Grüße von Bruni an Dich

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    • Das ist gut möglich, liebe Maren, manchmal ist es schon noch überraschend was der Tod von einem lieben Freund, der unerwartet kam, mit mir (mit einem) macht.
      Ich habe auch an dich gedacht, auch du hattest in diesem frühen Jahr einen Verlust zu verschmerzen, so verstehe ich gerade jetzt dein Mitfühlen,
      liebe Grüße, Ulli

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