Ich habe Bauchschmerzen

aus dem Netz gefischt

Ich schrieb es gerade auf fb, hier die Kopie:

Seit gestern habe ich Bauchschmerzen und das meine ich nicht bildlich, ich habe sie! Mir ist schlecht, wenn ich die Bilder aus Chemnitz sehe und Sätze lese, wie: Chemnitz ist unsere Stadt, wer ist „uns“. Wie kann eine Stadt überhaupt jemanden „gehören“? Gleichzeitig habe ich eine Entscheidung gefällt, ich werde keine Bilder mehr mit glatzköpfigen Menschen und ihren Hassparolen teilen, was mich nicht davon abhalten wird, meine Meinung zu ihnen und ihrem Verhalten zu teilen. Auch meine Angst will ich nicht verbergen. Hier ist Ungeheuerliches passiert! Es gilt die Wiederholung der Geschichte mit allen zur Verfügung stehenden Kräften zu unterbinden. Gewalt habe ich dabei nicht im Kopf!

Was gestern und vorgestern in Chemnitz passierte hat nichts mit aufrichtiger Trauer zu tun. Ja, es gab Menschen, die Blumen legten, die es ehrlich meinten, diese sind nun hinter dem braunen Mob und ihrer ausgeübten Gewalt unsichtbar geworden.

aus dem Netz gefischt

Die Wellen schlagen hoch in den sozialen Netzwerken und ich bin erschüttert was ich dort zu lesen bekomme, neben dem, was mich den Kopf nicht in den Sand stecken lässt – es gibt viele aufrichtige Menschen und es gibt sehr viele, die noch immer den friedlichen Weg gehen wollen und es tun, aber es gilt auch das auszusprechen, was nicht stimmt in unserem Land und über seine Grenzen hinaus. Die rechte Bewegung, Rassismus und menschenverachtendes Verhalten ist nicht nur eine deutsche Angelegenheit! Aber ich finde immer noch, dass wir Deutschen, aufgrund der unsäglichen Geschichte von 1933-45 eine besondere Verantwortung tragen, damit sich so etwas nicht wiederholt.

Ja, mir macht die Entwicklung in Deutschland, in Europa, in den USA Angst! (Diesen Dämon kann ich nicht füttern … )

https://www.huffingtonpost.de/entry/rechte-gewalt-in-chemnitz-das-marchen-der-besorgten-burger-ist-auserzahlt_de_5b84dcfae4b0162f471be3de?utm_campaign=Echobox&utm_medium=Social&utm_source=Facebook#Echobox=1535444909

aus dem Netz gefischt


sollte ich mit der Verbreitung der Bilder Urheberrechte verletzt haben, bitte ich mir dies mitzuteilen, ich werde sie dann sofort löschen, danke.

117 Gedanken zu „Ich habe Bauchschmerzen

    • Mir geht es nicht anders, zumal ich auch nicht glaube, dass es in Sachsen mehr Arbeitslosigkeit/Armut gibt, aber ich glaube auch nicht, dass der Mob nur Sachsen waren, es wurde ja breit mobilisiert. Der Rassismus und die Gewaltbereitschaft steckt in vielen Köpfen (viel zu vielen) –

      Gefällt 3 Personen

          • ich dachte, deine Worte über „wem gehört Chemnitz oder so ähnlich“ bezögen sich darauf.
            Ulli, ich kann alles in deinem Artikel nachvollziehen und bejahen. Nur ein Satz ist mir unklar:
            „… Gleichzeitig habe ich eine Entscheidung gefällt, ich werde keine Bilder mehr mit glatzköpfigen Menschen und ihren Hassparolen teilen,…“ – Hast du denn bisher solche Fotos oder Parolen geteilt? Gut, bei fb habe ich dich nicht „im Visier“, aber hier auf dem Blog war das nienichtniemals der Fall.
            Ich habe schon irgendwo geschrieben, dass ich Angst habe, dass sie 2033 die Zeiten von vor hundert Jahren wiederholen.
            Liebe Grüße von Clara

            Gefällt 3 Personen

            • Liebe Clara, stimmt, auf wp nicht, aber auf fb schon. Ich will das nicht mehr, weil ich ihnen keinerlei Plattform mehr geben will!
              Und was nun Chemnitz anbelangt, so las ich das heute von mehreren, darauf bezog ich mich, hatte nicht eine Person dabei im Visier, wenn sie auch die Erste gewesen ist bei der ich es las, ich hakte nach, keine Antwort, tja … aber vielleicht kommt sie ja noch.
              Mit dieser Angst stehst du nicht alleine da – bleiben wir also laut!
              Herzliche Grüße, Ulli

              Gefällt 2 Personen

              • Bei mir in der Umgebung, z.B. im Haus, da ist keiner offen rechtspopulistisch – aber ich möchte nicht wissen, wie viele von ihnen die AfD gewählt haben. Alle haben Angst um ihre Pfründe und wollen – um Gottes willen – ja nichts von ihrem kleinen oder großen Reichtum abgeben müssen. – Es ist wirklich schon sehr zum … reihern!

                Gefällt 2 Personen

                • Was ich mich nur frage: Wie dumm müssen die AfD-Anhänger sein, dass sie nicht sehen, dass diese Partei eben genau auch nichts für die Ärmeren tun will, sondern mindestens genauso neoliberal ist wie alle anderen (man beachte nur Herkunft und Status der „Oberen“)? Oder ihnen kommt es gar nicht darauf an, es geht ihnen gar nicht um soziale Gerechtigkeit, sondern nur um Ausländerhetze und das andere ist verlogenes Gefasel, um nicht auf den ersten Blick als Neonazis und Rassisten erkennbar zu sein? Ich vermute Letzeres.

                  Gefällt 4 Personen

                • Bei mir im Haus sind ja außer mir fast alles Eigentümer, und nicht ganz unvermögend. Das schlussfolgere ich daraus, wie oft Sie in den Urlaub fahren. Denen geht es nicht um soziale Gerechtigkeit, denen geht es nur darum, dass sie in Ruhe gelassen werden und keine Leute auf der Straße oder auf dem Sozialamt betteln und was abhaben wollen, was sie mit ihren Steuern bezahlen müssten. Nehme ich jedenfalls an.

                  Gefällt 1 Person

                • Das würde passen (aber trotzdem absurd, dass es in Sachsen ja nur verhältnismäßige Flüchtlinge gibt). Nur sind das sicher nicht die pöbelnden prügelnden Glatzen auf der Straße, das ist wohl wieder ein Fall für sich, vermute ich.

                  Gefällt 1 Person

                • Vielleicht hat es was damit zu tun, dass die Sachsen in Deutschland nicht sehr angesehen sind. Kaum einer markieren Dialekt. Und vielleicht wollen Sie deshalb jetzt gegen andere wettern, damit sie sich mal überlegen fühlen können. Das ist aber nur eine Theorie, die muss nichts mit den Tatsachen zu tun haben

                  Gefällt 1 Person

                • Hmmm, ich habe eigentlich den Eindruck, dass die Menschen im Freistaat Sachsen recht stolz sind, ähnlich wie die Bayern. Kann mir nicht vorstellen, dass sie gegen andere wettern, weil mancher ihren Dialekt nicht mag. Das Schwäbische ist ja auch nicht gerade beliebt.

                  Gefällt 1 Person

                • Noch eine Erklärung, für deren Richtigkeit ich aber auch nicht meine Hand verbrennen lasse. In der DDR waren die Sachsen nicht beliebt, weil überdurchschnittlich viele von ihnen in Berlin in der Regierung waren. Wie das zustande kam, weiß ich nicht, aber man hat ihnen politischen Übereifer unterstellt, der bei den meisten nicht gefragt war. – Vielleicht hat sich im Laufe der Jahre so viel Wut angesammelt, die jetzt explosionsartig rauskommt. Wenn ich die wutverzerrten Gesichter mancher Hasskommentar-Schreiender so auf dem Fernsehschirm sehe, wird mir Himmel, Angst und Bange.
                  Wenn es jetzt mit staatlicher = polizeilicher Gewalt niedergeschlagen wird, kommt es später noch viel stärker raus.
                  Und dann noch habe ich das Gefühl, dass die Demonstranten das machen, was der Bayernhorst im Grunde genommen auch machen möchte – nur ein kleines bisschen vornehmer.
                  Ich über Politik jetzt schon endlos viele Worte – dabei hasse ich Politik, weil mir die meisten Politiker zu unehrlich sind.

                  Liken

  1. Ulli du sprichst mir aus der Seele und das du in diesem Zusammenhang den von mir sehr geliebten Zenmeister Thich Nath Hanh zitiertst , gefällt mir erst recht. Deine Empörung teile ich. Begreifen kann ich diese Menschenverachtung des braunen Mob genausowenig wie du. Wir müssen weiter daran glauben, dass die Dummheit und der blinde Hass sich wandeln möge in Nächstenliebe und und Mitgefühl. Wir können es nur vorleben. Arbeiten wir daran. Herzliche Grüße, Marie

    Gefällt 9 Personen

  2. Ich frage mich gerade auch, in was für einem Land ich lebe… Die Nachrichten sind das eine und schon schlimm genug. Sieht man jedoch die Bilder von den tumben fahnenschwenkenden Glatzen mit ihren hasserfüllten oder auch höhnisch grinsenden Gesichtern (ein paar Frauen sind aber schon auch dabei), erkennt man, was da abgeht und es kann einem wirklich schlecht werden.
    In Chemnitz waren sicher nicht nur Sachsen unterwegs, es sollen auch viele angereist sein. Trotzdem bleibt der Osten und vor allem Sachsen das Epizentrum der Rassisten und Neonazis – und das, wie du auch schreibst, obwohl dort viel weniger Flüchtlinge (Ausländer überhaupt) leben als im Westen. Wie ich einmal las, ist Dresden schon vor und zu Zeiten Hitlers ein Zentrum der Rechten gewesen, das scheint sich nicht geändert zu haben. Dass der Ausländerhass insgesamt im Osten doch noch größer ist als im Westen, versuche ich mir damit zu erklären, dass die Menschen in der DDR kaum Ausländer gesehen haben außer ein paar Vietnamesen, Thais und Afrikanern, die aber nach der Arbeit streng unter sich gehalten wurden, und dass sie kaum reisen durften. Aber auch das ist es nicht allein, sondern die DDR hat die deutsche Nazivergangenheit nie aufgearbeitet, sondern einfach durch eine andere Diktatur ersetzt. Alles, was geschehen war, wurde noch viel mehr verschwiegen als im Westen. Aber – Erklärungsversuche hin und her – nichts davon entschuldigt das Verhalten des braunen Mobs, wirklich gar nichts. Können erwachsene Menschen nicht selber denken? Ok, dies Frage gilt auch für den Nationalsozialismus…
    Ich glaube aber auch, dass unsere Regierung mitschuldig ist und zwar zu einem nicht unerheblichen Teil, dass die Situation derart eskaliert. Sie tut nämlich nichts, rein gar nichts gegen das zunehmende Gefälle von Arm und Reich, die Kinder- und Altersarmut, die horrenden Mietsteigerungen etc. und sie hat die anfänglichen Ängste einer zum Teil verunsicherten Bevölkerung während des Zustroms der Migranten 2015 nicht ernstgenommen, sie hat einfach geschwiegen, nicht gesagt, dass auch die Ärmeren hierzulande nicht fürchten müssen, ohne Wohnung und Arbeit zu sein undsoweiter, Merkel sitzt nur aus, obwohl sie selbst aus dem Osten kommt. Aber was will man auch erwarten, da mittlerweilse alle Parteien neoliberalem Gedankengut folgen. Versagt hat auch die Opposition, hat selbst die Linke. Ich bin deshalb sehr gespannt, was die „Aufstehen“-Bewegung von Sahra Wagenknecht wirklich will und vielleicht bewirken könnte.
    Aber erstmal gruselt es mich. Ziemlich. Danke, dass du das Thema aufgegriffen hast.

    Gefällt 9 Personen

    • Liebe Ute, ich wusste gar nicht, dass Sachsen schon während des „Dritten Reiches“ ein Epizentrum gewesen ist, danke für die Info, das wäre zumnidest ein Erklärungsversuch, um zu verstehen wieso es gerade dort immer wieder zu solchen Eskalationen kommt. Mir tun ja immer die Menschen dort leid, die anders sind, wie halten sie das aus?
      Was du zur Politik schreibst, teile ich, hier regiert Versagen in ganz großem Stil. Die gerade neu entfachte Rentendiskussion zeigt es ja aufs Feinste wessen Geist dort herrscht. Mehr, mehr schreien die Reichen und Mächtigen und scheinen alles andere in Kauf zu nehmen. Gerichte tun ihre Arbeit nicht, Polizeistationen sind von faschistisch denkendem Menschen durchseucht und und und, das ist es, was allen Grund gibt Angst zu haben und die Wiederholung nicht mehr auszuschließen. Dabei gibt es so viele andersdenkende Menschen, so viele engagierte Bürgerinnen und Bürger, aber all das reicht nicht, was reicht?
      Ich danke dir,
      herzliche Grüße, Ulli

      Gefällt 4 Personen

      • Genau, liebe Ulli, Gerichte und Polizeit tun ihre Arbeit nicht, das kommt noch dazu. Und wenn ich an den NSU-Prozess denke und die Taten des angeblich allein aktiven Trios – das wird niemals ganz aufgeklärt werden, obwohl oder eben weil es offensichtlich ist, dass der Verfassungsschutz mit drinsteckte und die „Beamten“ nicht unter den Mitläufern, sondern bis in die höchsten Ebenen aktiv waren. Ja, manchmal muss man sich solchen Themen entziehen, sonst wird man wahnsinnig. Ich wünsche dir gutes Abschalten! Liebe Grüße, Ute

        Gefällt 2 Personen

    • Das ist wahr und weil es so ist, wäre ein Umdenken in den Schulen ebenfalls vonnöten, aber auch hier versagt die Politik! Bildung zuerst, statt Geld, wäre ein Ansatz, eine Möglichkeit …

      Gefällt 1 Person

  3. wahre worte, von dir, und wunderbare, so wichtige zitate!
    es ist erschreckend, was da in chemnitz passiert ist, dass es so überhaupt möglich war, dass es dazu kommen konnte. die frage ist nur die, wie kann man dem „rechten volk“ vzw. vor allem denen, die aus unwissenheit (hm, naja) und „angst“ (herrgott, wovor!!) mitlaufen, klar machen, dass sie auf einem gefährlichen dampfer sind.
    ja, die politik müsste viel mehr tun, aufklären, vor allem, und endlich mal richtig in die bildung unserer kinder, unserer zukunft investieren. aber erstmal bedarf es ja fast einer „erste-hilfe-maßnahme“…
    danke für den beitrag, liebe ulli.
    herzlichst,
    diana

    Gefällt 6 Personen

    • Danke Diana, für deinen Kommentar, es gibt eine Menge Artikel im Netz, die versuchen zu erklären, zu verstehen und auch mit dem Versagen der Politik und der Polizei nicht hinterm Berg halten. Ich frage mich nur auch immer wieder wer das liest und wer erreicht wird (damit schließe ich mich und diesen Artikel mit ein). Vorhin schrieben zwei Bekannte in meinem Kommentarstrang auf fb – erstes Zitat: wieviele stehen auf der anderen Seite? Ich habe hier viele „Freunde“ aber die wenigstens (kaum einer) teilt meine Beiträge in dieser Richtung. Haben sie Angst? Blasen sie in das andere Horn? Ich finde es befremdlich und unendlich traurig, was da gerade rundrum passiert….
      zweites Zitat: “ Die Frage stelle ich mir gelegentlich auch.
      Sind die nun alle „schweigende Mehrheit“ – oder wie? Und wenn nicht, was sind sie dann?“ Wie ich finde sind das sehr berechtigte Fragen! Wir können eben auch nicht immer nur nach der Politik und der Exekutive rufen, Demokratie heißt für mich auch, dass jede und jeder mitverantwortlich ist.
      Herzliche Grüße, Ulli

      Gefällt 2 Personen

      • ja, das ist eh so eine sache, wer liest das? diejenigen, die ohnehin so denken, zumeist.
        aber ja, das sehe ich auch so, jede(r) ist mitverantwortlich.
        hier heißt es auf jeden fall zumindest schon mal: reden, nicht schweigen.
        liebe grüße,
        diana

        Gefällt 2 Personen

        • Genau, ich will und kann nicht schweigen, egal wen ich erreiche – zumal ich ja heute sehe, dass so einige ebenfalls betroffen sind und sich ihre Gedanken machen, das tut gut! Mehr kann ich nicht erwarten und tue es auch nicht.
          herzlichst, Ulli

          Gefällt 2 Personen

    • Ich habe fast den Eindruck, die wollen sich nicht aufklären lassen. Vorhin habe ich Interviews mit rechten Demonstranten gesehen, die wiederholten wieder das, was alle sagen: Sie und ihre Frauen könnten sich nicht mehr auf die Straße trauen, sie hätten Angst. Ausgerechnet in Sachsen, wo sie kaum einem Flüchtling begegnen. Da fällt mir nix mehr ein, denn Angst muss man vor solchen doofen und prügelnden Nachplapperern haben. Wenn ich dann wieder die Politiker höre, wird mir auch schlecht: Sie rufen nur nach mehr Polizei, das ist alles, was ihnen dazu einfällt. Dabei hat die Politik auch versagt, weil sie die ersten Anzeichen „übersehen“ und nichts getan hat. Der größere Feind kam und komme immer noch von links.

      Gefällt 1 Person

      • Klar doch, das funktoniert nun ja auch schon seit Jahrzehnten, dass der „wirkliche“ Feind von links kommt – meiomei … ich weiß zwar, dass Menschen langsam lernen, dass es lange braucht, bis neue Ideen Fuß fassen, aber wer wirklich nachdenkt, der/die weiß, dass es nicht um Feinde von links geht – letztlich geht es ja noch nicht einmal um rechts und/oder links, sondern um Menschenrechte, um Demokratie in ihrem eigentlichen Wortsinn. Solange Menschen erwarten, dass die Politik es schon richten wird, dass sie sich nicht selbst schlau machen oder verantwortlich handeln, solange kann so manches Unkraut wachsen. Auch wenn ich das Wort „Unkraut“ nicht mag, so scheint es doch in Bezug auf fehlgeleitete Meinungen und Gedanken zu passen.

        Gefällt 1 Person

  4. Liebe Ulli, ich sehe das alles aus der Entfernung, da verlaufen die Umrisse der Ereignisse ein wenig anders, verlaufen auch, verschmelzen. Da sind die Neo-Faschos in Deutschland eben der Absud des Verteilungskampfes, der von reicheren Ländern gegen ärmere, von priviligiertrn Schichten gegen Menschen ohne Zukunft und Bildung, von den großen weltbeherrschenden Geld-Mächten gegen die Menschen im allgemeinen geführt werden. So viel geschieht tagtäglich, da scheint mir dies sächsische Ding fast eine Lappalie zu sein. ZB wie sich jetzt die deutsche Regierung an Rrdogan ranschmeißt aus Angst ihre Märkte zu verlieren und noch eine Million Flüchtlinge zu bekommen…Nur so zum Beispiel. „Aufstehen“ der Sarah gefällt mir.

    Gefällt 10 Personen

    • Liebe Gerda, ich kann dir mit all dem nur zustimmen und ich glaube auch, dass dies eine der Ursachen für den zunehmenden Rechtsradikalismus europaweit ist. Trotzdem sind die Ereignisse der letzten zwei Tage in Chemnitz unsäglich, was sich diese Herrschaften herausnehmen und welche Parolen sie auf Plakaten und verbal verbreiten lässt mich gruseln. Nein, es fand nicht zum ersten Mal statt, aber es wird immer gewalttätiger.
      Wer ist Sarah und „Aufstehen“ – magst du mir den Link schicken?

      Gefällt 4 Personen

    • Ich habe das als alles andere als eine Lappalie empfunden, als ich in Sachsen für ein gutes Jahr gelebt habe. Für mich nicht und schon gar nicht für die, die Zielscheibe dieses Rassismus sind. Es mag im Weltgeschehen eine Lappalie sein, aber es ist keine hier in Deutschland, es ist keine für die Menschen, die inzwischen wirklich Angst um ihr Leben haben müssen. Und das betrifft nicht nur Flüchtlinge, sondern auch all diejenigen, die sich dem zu widersetzen versuchen. Das sind leider viel zu wenige. Die schweigende Mehrheit ist leider viel zu groß, vor allem in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.

      Gefällt 3 Personen

      • Mittendrin zu sein ist ja noch einmal anders als hier vom Schreibtisch aus das Ganze zu verfolgen, was schon Bauchschmerzen genug macht!
        In Schwedt habe ich damals auch erlebt was es für die dort lebenden Jugendlichen hieß dagegen zu sein, sie fürchteten sich alleine durch die Stadt zu gehen. So zu leben ist ein Alptraum!

        Liken

        • Leipzig war ja noch verhältnismäßig harmlos, verglichen mit Dresden oder Bautzen. Mir hat es aber so schon gereicht. Jeden Montag diese Idioten auf der Straße, überall das rassistische Geschwätz. Legida hat irgendwann aufgegeben, weil wir immer mehr waren als die, was beweist, Widerstand und Protest sind nicht zwecklos. Aber in Sachsen ist es auch ein strukturelles Problem, das Biedenkopf selbst geschaffen hat und was die Weggucker und Verharmloser Tillich und Kretschmar weiter verfestigt haben

          Gefällt 1 Person

          • Widerstand und Protest sind nicht zwecklos, das sehe ich auch so, aber heißt es denn wirklich, dass sie aufgegeben haben, nur weil sie sich nicht mehr gezeigt haben? Vielleicht sind sie ja nur abgewandert, soll heißen, dass sie ihre Gesinnung weiterhin nähren und vielleicht auch in Chemnitz dabei gewesen sind. Die wenigsten von ihnen lassen sich „läutern“ …

            Liken

            • Natürlich ist die Gesinnung nicht weg, aber sie war nicht mehr so öffentlich. In Leipzig haben sie monatelang montags die Innenstadt lahm gelegt. Und ich finde es schon auch einen Erfolg, wenn sie ihre Parolen nicht mehr öffentlich plärren und wenn sich in anderen Städten auch mehr Protest regen würde, hätten sie keine Bühnen mehr. Das löst das Problem in den Köpfen nicht, aber es wäre ein Anfang.

              Gefällt 2 Personen

      • Falls mein Kommi gemeint sein sollte: ich habe nicht Lappalie gesagt und auch nicht gemeint. Nur bin ich halt weiter weg, in Griechenland, wo wir mit der „Goldenen Morgenröte“ einen anderen mörderischen Faschistenhaufen haben, dazu auch eine Regierung, die unfähig oder Unwillens ist, den Flüchtlingen zumutbare Bedingungen zu schaffen. Es kommt laufend zu schweren Zusammenstößen, auch die in den Lagern zusammengeworfenen Flüchtlinge sind zunehmend gewaltbereit, da sie keine Perspektive haben, und nun wurde mit der deutschen Regierung dennoch vereinbart, dass 1000 Flüchtlinge, die es nach Deutschland geschafft hatten, nach Griechenland zurückgeschickt werden, damit die aufgebrachten deutschen Bürger beruhigt werden, vermutlich. Na, usw.

        Gefällt 2 Personen

        • Liebe Gerda, wie Menschen von hier nach dort verschoben werden ist auch unsäglich. Es sind MENSCHEN! Im dritten Reich sprach man von „Menschenmaterial“, jetzt wird überlegt, ob die geflüchteten Menschen nicht doch auch ganz „praktisch“ sind oder wären, weil sie Joblücken füllen „könnten“, für die sich die meisten Deutschen mittlerweile zu schade sind.
          Aber, wem erzähle ich das, all das ist schlichtweg menschenverachtend –

          Gefällt 1 Person

          • Nein Ulli, es geht gar nicht um Hilfsarbeiten, man möchte gern den Rahm abschöpfen, also die gut ausgebildeten Syrer, insbesondere die dringend in Syrien benötigten Ingenieure undÄrzte sogar noch aus Jordanien, Libanon, Türkei holen. Nur zurück in ihr Land sollen sie möglichst nicht, um beim Aufbau zu helfen, denn das wird ja angeblich von einem Scheusal regiert.

            Gefällt 1 Person

                • Gerda, ich will dir gar nicht widersprechen, nur ist es ja auch so, dass viele Menschen hierher geflüchtet sind, weil sie unter den Zu- und Umständen in ihren Ländern unsäglich gelittet haben und lieber ihre Familien und Freunde verlassen haben, um sich hier eine neue Existenz aufzubauen.
                  Klar, hier wird dann nach „Brauchbar und Unbrauchba“r ausgewählt und dass ich das unsäglich finde kannst du dir vorstellen!

                  Gefällt 1 Person

            • So ähnlich haben wir es in der DDR empfunden, als hochqualifizierte Ärzte und andere Wissenschaftler mit offenen Armen vom Westen aufgenommen wurden. Gerade diese Leute hatten ein sehr gutes finanzielles Leben in der DDR und auch sonst wurde ihnen kaum am Zeuge geflickt. – Und genau das wiederholt sich jetzt mit ausländischen Fachkräften. Mir wird allein von der Erinnerung schlecht – aber von der Gegenwart noch viel mehr.

              Gefällt 3 Personen

    • Als Lappalie betrachte ich es zwar nicht, allerdings sehe ich es auch so, dass es nur ein kleiner Teil der sich weltweit vollziehenden negativen globalen Entwicklung ist. Merkels Verhalten Erdogan gegenüber empfinde ich auch als das allerletzte. Aber es geht eben um „höhere“ Interessen. Bislang gefällt mir „Aufstehen“ von Sahra auch, mal sehen, was draus wird. Sie scheint mir die Einzige zu sein, die mal die großen Zusammenhänge auf den Tisch bringt.

      Gefällt 3 Personen

  5. Liebe Ulli,
    auch mir ist Angst und Bange und zuweilen richtig schlecht wegen der Entwicklung hier und in Deutschland. Die hier in Amerika macht mir insofern mehr Sorgen, als ich einerseits naeher dran bin, und andererseits ich eine groessere Gefahr fuer die Demokratie hier sehe, weil die Verfassung so ausgelegt ist, dass sie durchaus dazu (aus)genutzt werden kann, ein autoritaer-diktatorisches Einparteien-Praesidialsystem zu etablieren. Da habe ich mehr Vertrauen in das Deutsche Grundgesetz. Ironie der Geschichte: dieses Grundgesetz ist – soweit ich weiss – unter stark amerikanischem Einfluss so gestaltet worden, wie es ist.
    In grosser Sorge, und dennoch mit (einem Funken) Hoffnung, sendet Dir herzlichste Gruesse,
    Pit

    Gefällt 3 Personen

    • Lieber Pit, der Link funktioniert so leider nicht. Ja, es ist eine Ironie der Geschichte, dieser Herr T., der jetzt sogar guggel verklagen will, weil es ihm nicht passt was er dort über sich selbst liest, wenn er sich selbst erguggelt, da sag ich nur gock-gock-gock- aber es ist letztlich zu gefährlich, um Späße zu machen, aber genau die will ich mir auch nicht nehmen lassen.
      Chemnitz ist eins, sowie einst Hoyerswerda und Rostock, was wirklich eine Gefahr ist (meiner Meinug nach), dass es kein Umdenken gibt, dass es nur um Profit auf Teufel komm raus geht und um Wachstum eigener Wirtschaften, auf Kosten von Millionen Menschen, dass es in der Politik schon lange nicht mehr um Menschlichkeit und Solidarität mit den „Schwächeren“ geht, sondern nur um Macht und Profit. Selbst geflüchtete Menschen werden nur unter diesem Aspekt betrachtet: bringen sie einen wirtschaftlichen Nutzen oder eben nicht und wenn nicht, dann eben ab dafür und genau das ist es, was ich nicht hinnehmen will oder kann.
      herzliche Grüße zu dir hin, Ulli

      Gefällt 1 Person

  6. Ach, Ulli, Du sprichst mir aus dem Herzen. Es tut weh, die Bilder, den Hass zu sehen. Ich unterrichte DaZ an Migranten/innen und lerne wunderbare Menschen kennen und wünschte mir, dass sich die Hassschreier mit den MENSCHEN auseinander setzten. Ob sie je mit einem Migranten/ Migrantin gesprochen haben? Es mag Probleme geben, aber mein Gott, die allermeisten sind unendlich dankbar, hier zu sein. Solange wir den Menschen ihr Gesicht verneinen, solange können wir sie als Gruppe abstempeln. Unser Fokus, Schweiz inklusive, fokussiert exklusiv auf das Negative. Und das macht mich frustriert. Im täglichen Leben mache ich ganz andere Erfahrungen. Doch auch hier, wird meine Meinung oft weggewischt. Gewisse wollen nicht hören.
    Priska

    Gefällt 4 Personen

    • Liebe Priska, du sagst etwas sehr Wesentiches, die geflüchteten Menschen haben in der Regel kein eigenes Gesicht, sondern sind eben „DIE Flüchtlinge“ – es sind Menschen, Punkt – ich schrieb gerade an Pit: Chemnitz ist eins, sowie einst Hoyerswerda und Rostock, was wirklich eine Gefahr ist (meiner Meinug nach), dass es kein Umdenken gibt, dass es nur um Profit auf Teufel komm raus geht und um Wachstum eigener Wirtschaften, auf Kosten von Millionen Menschen, dass es in der Politik schon lange nicht mehr um Menschlichkeit und Solidarität mit den „Schwächeren“ geht, sondern nur um Macht und Profit. Selbst geflüchtete Menschen werden nur unter diesem Aspekt betrachtet: bringen sie einen wirtschaftlichen Nutzen oder eben nicht und wenn nicht, dann eben ab dafür und genau das ist es, was ich nicht hinnehmen will oder kann.
      herzliche Grüße an dich, Ulli

      Gefällt 2 Personen

  7. Danke, liebe Ulli, dass du das Thema so klar ansprichst.

    Ich möchte allen raten, ihre Kommentare wieder auf Hand-Freischaltung umzustellen, denn das „braune“ Würstchen, dass sich vor einigen Jahren mit geklauten Avataren in manche Blogs eingeschummelt hat und braune Pampe hinterlassen hat, treibt sein Unwesen wieder, derzeit als „Gudrun“. Vorsicht also und schaut euch die Kommentare in euren Blogs genau an.

    Gefällt 4 Personen

    • Liebe Anna-Lena, danke für den Hinweis, bei mir kann allerdings nur jemand kommentieren, die/der schon einmal kommentiert hat, da werde ich jetzt sehr achtsam sein. „Der“ hat ja noch gerade gefehlt! Wobei ich nix vermisst habe!
      herzliche Grüße, Ulli

      Gefällt 1 Person

      • Viele haben ja seit damals die Freischaltung per Hand beibehalten, aber es gibt ja vielleicht auch BloggerInnen, die das Theater damals nicht mitbekamen.
        Und dass dieser Typ wieder sein Unwesen treiben will, passt ja haargenau zu den aktuellen Vorfällen in Chemnitz.
        Geben wir ihm hier jedenfalls keine Bühne!!!

        Liebe Grüße
        Anna-Lena

        Gefällt 1 Person

  8. Liebe Ulli,
    dieses Gedicht hatte ich mir ohne Kenntnis der Vorgänge in Chemnitz für den 27.08. ausgesucht und in meinen Entwürfen abgespeichert und ich war über die Aktualität selber erschrocken.
    Alle haben viel zu lange die Augen zugemacht, was sich da an Unfrieden zusammenbraut, die Linken waren der Erzfeind, auf die sich ja schon immer alle stürzten. Die Gewaltbereitschaft gehört heute zum Tagesgeschäft auf der ganzen Welt und es wird nichts, aber auch gar nichts aus der Geschichte gelernt und das ist so traurig.

    Wenn der Vogel singen will,
    Sucht er einen Ast,
    Nur die Lerche trägt beim Sang
    Eigne, leichte Last.

    Doch der Fink, die Nachtigall,
    Selbst der muntre Spatz
    Wählen, eh‘ die Kehle tönt,
    Für den Fuß den Platz.

    Gebt mir, wo ich stehen soll,
    Weist mir das Gebiet,
    Und ich will euch wohl erfreun
    Noch mit manchem Lied.

    Denn in Deutschland weht der Sturm –
    Sturm, man weiß, ist Wind – ,
    Wähnen, wenn der Ast sie schnellt,
    Daß sie flügge sind.

    Und hier Landes dunkelt’s tief,
    Nacht wie Pech und Harz,
    In den Zweigen nächst dem Stamm
    Nisten Dohlen schwarz.

    Kauz und Eule dämisch dumm
    Schaun zum Astloch raus,
    Nur der Starmatz schwatzt vom Platz,
    Kanzelt für das Haus.

    Tiefer unten aber steigt’s
    Auf vom Boden dumpf,
    Und die Frösche quaken laut
    Aus verjährtem Sumpf.

    Und so schweb ich ew’gen Flugs
    zwischen Erd‘ und Luft,
    Und kein Platz dem müden Fuß,
    Als dereinst die Gruft.

    Franz Grillparzer(~1839)

    Gefällt 4 Personen

    • Liebe Karin, danke für dieses sehr passende Gedicht von Grillparzer zur aktuellen Sitaution. Ich kann dein Erschrecken nur zu gut nachvollziehen, manchmal weiß die Seele etwas, bevor es sich Bahn bricht, das finde ich immer wieder auch etwas spooky. Aber es zeigt auch das, was manche „Feld“ nennen. Es ist alles in einem Feld, das Grauen und die Freude – heute war ein einerseits ein dunkler Tag, andererseits war es ein Tag mit blauem Himmel und Sonnenschein und ich bin nicht bereit mir den blauen Himmel nehmen zu lassen. Am späten Nachmittag und Abend saß ich mit den Nachbarn zusammen, wir debattierten viel, aber wir fanden auch zu unserem gemeinsamen Lachen zurück.
      herzliche Abendgrüße, Ulli

      Gefällt 3 Personen

  9. Es geht mir wie allen hier, ich bin entsetzt und Hassgesichter/Hassparolen sind mit die schlimmsten Dinge, die der Mensch verbreiten kann. Sie fallen immer auf fruchtbaren Boden und finden Gleichgesinnte, die sich gerne zu Massen formieren, um gemeinsam ihre gefährliche Dummheit in die Welt zu schreien. Und schon ist die Gewalt wieder geboren, die unter der Oberfläche schlummerte und sich nun heraustraut und Unheil anrichtet.
    Erich Kästner sah es damals früh kommen, das Unheil, und es richtete Völker zugrunde.
    So weit darf es nicht kommen und ich hoffe immer noch, daß es heute mehr informierte Menschen gibt, die dagegen halten und wissen, Fremdenhass gehört nicht mehr in unsere Welt. Es gibt keine Fremden, wir sind ALLE Menschen und jeder Mensch ist würdig zu leben, zu lieben und geachtet zu werden.

    Gefällt 4 Personen

    • Sehr schön sagst du das, Bruni! Und wer würde es nicht unterschreiben? Dennoch meine ich, dass auch die andere Seite nicht ins „Reich des Bösen“ verdammt werden sollte, denn auch die Wütenden sind Menschen, würdig zu leben und geachtet zu werden. Was sind ihre Argumente, warum sind sie so wütend? Soll ich sie beschimpfen und Wut mit Wut nähren? Nein, ich soll sie jedenfalls in dem rationalen Teil ihrer Argumente ernst nehmen und davon den emotionalen persönlich begründeten Hass-Anteil trennen..

      Und da sagen sie: gut, alle sollen leben, aber nicht alle hier in Deutschland. Es sind zu viele. Gut, alle sollen in Würde und angstfrei leben, aber wir fordern das auch für uns. Und wenn ihr meint, dass ihr zu viel Geld habt, dann gebt es ihnen – wir haben nicht zu viel, wir haben uns ein Leben lang krumm gemacht für unsere spärliche Rente, und ihr wollt uns noch krummer machen für die, die sich mit Wahnideen von Frauen, Villen, Fußballkarrieren auf den Weg machen, In aller Welt zeigt ihr eure Bilder eines prosperierenden Landes, in dem lächelnde TV-Damen und erfolgreiche Sportler jeglicher Couleur die Fantasie der Jugendlichen beflügeln, so dass sie aufbrechen, um hier das Paradies zu finden. Aber uns geht es schlecht in unserem grauen Alltag, und wir haben keinen Ort, von dem wir träumen können. Uns bleibt nur, das spärliche Leben zu verteidigen gegen jeden, der es weiter schmälern will.

      Alles ist eine Frage des Verteilungskampfes zwischen den Kontinenten und Ländern und zwischen den Bürgen eines Landes. Auf den Verteilungskampf, auf die Gewinner und Verlierer sollte sich das Augenmerk richten, nicht auf die, die böse sind, weil sie sich bedroht fühlen.
      Liebe Grüße dir!

      Gefällt 3 Personen

      • Liebe Gerda, ich könnte Dich umarmen für diesen Kommentar. Als ich fertig geschrieben hatte, dachte ich plötzlich, oh weh, ich hab ganz vergessen zu erwähnen, daß die sogenannte Böse Seite, all die verzerrten Gesichter, auch Menschem sind, nichts anderes als wir *Guten*, die meist gar nicht SO gut sind, wie sie tun, und daß Gründe dahinterstecken, warum sie so wurden, wie sie nun sind. Ich weiß es wohl und versuche immer zu verstehen und bin so oft nur genervt angesehen worden, wenn ich genau davon sprach, von den Gründen, die sie so werden ließen, wie sie sich jetzt zeigen.
        Es ist die Balance, die so empfindlich gestört ist und ich weiß nicht, ob es nicht schon lange zu spät ist, diese aufklärenden Gedanken in die Welt zu tragen, liebe Gerda, und ich habe keine Ahnung, wie es weitergeht.
        Ich hoffe, hoffe, hoffe und weiß nicht mal, wie ich mich in einer Masse wie dieser selbst verhalten würde. Aber auf KEINEN Fall würde ich gesten- und hassreich miteilen und Parolen schreien.
        Ich würde versuchen zu beschwichtigen wie ich es vor vielen Jahren tat und hatte nach einem empfindlichen Schlag ins Gesicht doch noch gute Gespräche, die scheinbar fruchteten. Es war damals eine kleine Gruppe von ca. zehn Personen, die Gewalt ausübten, egal gegen wen, sie wollten schlagen und die am Boden sehen, die *normal* unterwegs waren, denn sie hatten sich schon ausgegrenzt und doch war da einer, der Worten zugänglich war…
        Eine Riesenmenge ist etwas sehr anderes und ich würde sie meiden, aber meine eigenen Gedanken von Frieden und gleichen Chancen zwischen allen Menschen stets weitergeben

        Gefällt 2 Personen

      • Liebe Gerda,
        du führst hier die Argumente auf, die ich schon oft gelesen habe, wenn es um die sogenannten „besorgten“ Bürgerinnen und Bürger geht, auch „Wutbürger“ genannt. Ja, ich finde auch, dass man den Menschen zuhören soll, dass man für ihre Nöte und Ängste, für ihre Armut Lösung finden soll und muss, statt sie zu ignorieren und damit das Problem des Zorns zu potenzieren. Nur geht es mir gar nicht um diese Menschen, auch wenn sie Teil haben und Teil sind. Mir geht es um die, die Hass säen und zwar sehr bewusst, die sich dieser Menschen bedienen, sie manipulieren und instrumentalisieren …
        herzlichst, Ulli

        Gefällt 2 Personen

        • Die sind allerdings eine andere Kategorie. Ich habe eben einen BBC-Film gesehen über den Aufstieg Hitlers, leider werden solche Filme in Deutschland ja nicht gezeigt, da man angeblich fürchtet, dass die Menschen von neuem elektriziert werden könnten von diesem Menschen, diesen Massenszenen, diesem Jubel… Dabei wirkt er auf mich wie ein Hanswurst. Und ich greife mir verzweifelt an den Kopf und nenne das Ganze eine grauenhafte Kommödie. Jedenfalls konnte man in diesem Film zusehen, wie hier eine „Bewegung“, die bei den Wahlen 1929 nur 2.6 % der Stimmen erhielt, wegen der dann ausbrechenden Wirtschaftskrise es schaffte, in knapp vier Jahren zum unangefochtenen „Führer“ aufzusteigen. Und dass es die Angst der herrschenden Klasse (verkörpert durch van Papen) vor dem Kommunismus war, der ihn zum Kanzler machte. Und warum machte die Bevölkerung mit? Weil sie Sicherheit suchte und meinte, ein starker Mann würde sie ihnen geben.
          Ich denke viel über das Thema der Flüchtlinge nach, und wie es die Gesellschaft zwischen den beiden Polen zerreißt: (Minuspol) Ausländer raus, Deutschland den Deutschen —- (Pluspol) es gibt keine Ausländer, alle sind Menschen. Beide Positionen sind extrem. Es gibt so viele menschlich vertretbare Zwischenlösungen, die von der Mehrheit der Bevölkerung getragen würden. Ich weiß nicht, ob wir alle, die wir dem Pluspol zuneigen, nicht mitarbeiten müssten an einer Lösung, die für die Mehrheit der Menschen akzeptabel ist. und nicht drauf hoffen, dass die Mehrheit sich unseren Träumen anschließt.
          Sicher, auch ich meine, es gibt keine Ausländer, sondern nur Menschen. Aber es gibt verschiedene Kulturen, Lebensräume, Bedürfnisse, zum Beispiel das Bedürfnis nach Sicherheit, das durch den unkontrollierten Zuzug in eine weitgehend offene Gesellschaft nicht mehr bedient wird. Der natürliche Reflex ist: Zumachen.
          Vorhin am Strand diskutierten wir darüber, und wie es sich anfühlen würde, wenn die ersten Tschadors auftauchen würden oder junge Männer, die dem nackten Fleisch nachpfeifen. Und ich empfand, dass es mich nicht freuen würde.
          Das ist nun ein langer Kommentar geworden, der hoffentlich nicht missverstanden wird. Sei’s drum.

          Gefällt 3 Personen

          • Ich verstehe dich nur zu gut, liebe Gerda und danke dir auch für diesen Kommentar. Ich finde es noch immer und wieder unglaublich, dass es gewisse Filme und Nachrichten in D nicht zu sehen gibt, ich höre ja auch oft Schweizer Radio, da wird ganz anders berichtet und in NL, wo ich über einen langen Zeitraum regelmäßig gewesen bin auch. D ist lange nicht so frei und fortschrittlich wie es sich nach außen darstellt. In diesem Jahr nahm ja auch die Kritik von außen zu, gut so!
            Du sprichst einen Punkt an, den der unterschiedlichen Kulturen und Moralitäten, das ist tatsächlich ein großer Knackpunkt, über den man auch nicht einfach hinwegsehen kann und darf. Das Frauenbild ist sehr unterschiedlich und ich bin nicht bereit die Freiheit, die wir nun schon dazugewonnen haben wieder aufzugeben, zum Beispiel. Darüber wusste gestern mein Nachbar M. auch etwas zu erzählen und hat nur wieder deutlich gemacht, dass Zusammenleben auch immer den gegenseitigen Respekt braucht! Rassismus und Sexismus ist auch ein globales Thema. Puh ja, es gibt wahrlich viele, viele Gesichtspunkte, die es zu sehen und beachten gilt.
            Ich grübel schon lange und immer wieder darüber nach wie mein Anteil aussehen kann, bislang kann ich nur schreiben, mit andersdenkenden Nachbarn (also jetzt nicht die Hofnachbarn) diskutieren, mit den Kindern und Jugendlichen sprechen und Samen streuen usw., aber wie weit ist der Radius und was wäre noch möglich?

            Gefällt 4 Personen

            • Liebe Ulli,

              ich habe nicht alle Kommentare zu Deinem Beitrag hier gelesen, aber öfters gesehen, dass die Ursache des Radikalismus den Verteilungskämpfen zugeschrieben werden. Letztens las ich einen interessanten Artikel darüber in der FAZ „Reich und frustriert“. Da geht es darum, dass diese Art von „autoritärem Nationalradikalismus“ längst in der bürgerlichen Schicht angekommen ist. „Die Anhängerschaft umfasst Professoren genauso wie Ärzte oder Anwälte.“ Es gehe wahrscheinlich um „Statusängste“. Das macht mich nachdenklich. Denn anscheinend geht es nicht nur um Geld. Wenn das so wäre, wäre das Problem einfacher lösbar.

              Einen ganz lieben Gruß von Nadia

              Gefällt 2 Personen

              • Liebe Nadia,
                ich freue mich, dass du dies hinzufügst, denn auch ich begreife zunehemnd, dass es schon lange nicht mehr nur ein Problem der sogenannten „Abgehängten“ ist – ich glaube, dass hier vieles zusmmenkommt und ja, das gibt zu denken. Ich hoffe immer noch, dass die Demokratie stärker ist, sie darf sich allerdings verjüngen und zu einer echten Demokratie werden, die sie ja nun einmal nicht wirklich ist.
                Herzlichen Dank und herzliche Grüße an dich, Ulli

                Gefällt 1 Person

              • Hallo Nadja, da hast du einen wichtigen Punkt. Die Feindschaft gegen Ausländer (oder in den USA gegen die Schwarzen) beschränkt sich anfangs, wenn die „anderen“ vor allem im Niedriglohnsektor tätig sind, auf vergleichbare Schichten, die mit Ihnen um Arbeit, Wohnraum, Kindergartenplatz konkurrieren. Erst wenn die Neuen höhere Positionen einnehmen und erfolgreich in führenden Sektoren sind, werden auch die Besserverdienenden unruhig – und das Thema wird zum Politikum. Erst dann schreien sie, weil ihre Privilegien in Grfahr sind.

                Gefällt 1 Person

          • Aber es gibt viel Literatur über den Aufstieg Hitlers, liebe Gerda, und liest man nur einiges davon, wundert einem sein Aufstieg nicht mehr. Er nutzte die Zeit und gewann. Das Grauen kam langsam, gewissermaßen durch die Hintertür und bis es bei vielen durchsickerte, war es zu spät. Die Angst regierte schon und lähmte den Widerstand

            Gefällt 2 Personen

            • ich weiß, Bruni, ich kenne die Literatur ja. Und es ist doch ein Unterschied, die Zeitdokumente auch als Film zu sehen und die damals kursierenden Bücher im Original zu lesen. Nicht, dass ich deswegen verstehen würde. Das freilich nicht. ich KANN es nicht verstehen.

              Gefällt 2 Personen

              • Da hast Du auf jeden Fall recht.und verstehen tue ich es auch nicht. Es ist vermutlich auch nicht wirklich zu verstehen. Die Menschen in den kleinen Dörfern bekamen lange Zeit nichts mit. Sie hatten ihre Sorgen und kamen selten in eine größere Stadt. So war es wenigstens bei mir zuhause im Saarland., zwar in der Nähe Saarbrückens, aber wer kam dorthin. Bis auf den einen Onkel und er behielt es für sich und erzählte nur seiner Frau von dem, was er mit eingenen Augen gesehen hatte…Er hatte Todesangst.
                Hier an der Berstraße müßten viele bemerkt haben, was vor sich ging. Auf dem Uniplatz HD war eine große Bücherverbrennung, im Nachbardörfchen war eine Synagoge und ich falle hier über die Gedenksteine und bekomme Gänsehaut während ich davon schreibe

                Gefällt 2 Personen

              • -Gerda: Wenn man wie du und auch ich mit einem Verstand ausgerüstet wurde, der hinterfragt, der nicht einfach mitrennt, der prüft, dann ist das Ganze auch nicht wirklich zu verstehen. Du weiß ja, als ich das Großmutterprojekt auf die Beine stellte, dass ich mich noch einmal mit Vielem beschäftigt habe, ich las Bücher über diese Zeit von Sozialwissenschaftlerinnen etc., die sich ebenfalls zur Aufgabe gemacht hatten die Mechanismen zu verstehen, sie habenmir schon viel verdeutlicht und ichmuss begreifen, dass es eben auch immer die Menschen gibt, die keine Verantwortung übernehmen, die sich lenken und manipulieren lassen, wenn das nicht so wäre, dann wäre das dritte Reich nicht möglich gewesen, dann wäre kein Krieg möglich, usw. –
                -Bruni: kennst du das Buch von Oskar Maria Graf: Das Leben meiner Mutter? Ein Buch, das gut zeigt wie es um Menschen steht, die „einfach“ gestrickt sind, ich mag dieses Buch sehr!

                Gefällt 2 Personen

                • ich kenne nur sie Zusammenfassung und es wäre das Leben meiner Großmütter gewesen, hätten sie nicht in sehr anderen Lebensräumen gelebt, aber wenn ich überlege, wie unterschiedlich meine beiden Großmütter waren, deren Geschichten ich gut kenne, sehe ich zwar die großen Unterschiede, aber auch das gleiche Leid, das sie erfuhren .
                  Die eine bewunderte dieses Monster und drängte ihre Söhne zu den Waffen, die andere hielt sich still und sorgend zurück, hatte nochmal zwei kleine Kinder zu versorgen und kaum etwas, um die Mäuler zu stopfen. Dann nahm der Krieg jeder der Frauen einen Sohn, der einen den Älteten, der anderen den Jüngten, und beide litten lebenslang

                  Gefällt 2 Personen

            • Bei all dem darf man aber auch nicht vergessen, dass ein Mann alleine es so nicht schaffen würde, auch Hitler hätte es ohne seine Hinter- und Gefolgsleute nicht einfach so packen können. Und genau das macht das Ganze auch immer wieder so gefährlich, erst sind die Umstände, die dann die Menschen nach einem starken Mann schreien lassen, der es richten soll und dieser starke Mann hat dann seine „Gefährten“ und seine Truppen. Auch in unserer Zeit wird Angst geschürt und das nicht erst seit gestern!

              Gefällt 2 Personen

    • Liebe Bruni, ich danke dir! Gerade als ich deinen Kommentar las musste ich an Gerdas Beitrag zu Marina Abramovic denken und ihre Performance, als sie über achtzig Gegenstände auf einen Tisch legte, schöne, ungefährliche, nährende und gefährliche Gegenstände, sie setzte sich an den Tisch und überließ es dem Publikum sechs Stunden lang diese Gegenstände zu benutzen, es gab solche, die ihr Wasser zu trinken gaben und solche, die begannen sie mit der Rasierklinge zu schneiden, um jetzt zwei Extreme zu benennen (sechs Stunden sind lang), sie holte also aus den Menschen ihre freundlichsten und abgründigsten Seiten heraus, nur, indem sie die Gegenstände zur freien Nutzung angeboten hatte. Ich komme darauf, weil ich, wenn ich Bildern von gewaltbereiten Menschen zeige nicht damit rechnen kann, dass sie auf alle Betrachtenden so abstoßend wie auf mich selbst wirken. Das ist das eine, das andere ist, dass ich ihnen keinerlei Plattform mehr geben will. Und dir somit nur zustimmen kann, wenn du schreibst, dass ich damit vielleicht auch etwas hervorlocke, was vorher noch unter der Oberfläche geschlummert hat, vielleicht, aber auch das ist schon zu viel!
      Du schreibst weiterhin: „Fremdenhass gehört nicht mehr in unsere Welt. Es gibt keine Fremden, wir sind ALLE Menschen und jeder Mensch ist würdig zu leben, zu lieben und geachtet zu werden.“ JA!!! Danke ❤
      Herzensgrüße an dich, Ulli

      Gefällt 2 Personen

      • Die freundlichsten und abgründigsten Seiten des Menschen liegen so dicht beisammen, daß aus scheinbarer Freundlichkeit auch schnell Hass aufblitzen kann und daß sich aus Hassgedanken Mordgelüste entwickeln.
        Die unterschiedlichen Kulturen erschweren das AneiInandergewöhnen. Ich kenne es gut, aber mit viel Toleranz und Gelassenheit auf beiden Seiten kann es gelingen. Ich erlebe es in der Familie und es gelingt gut, weil alle es wollen.
        Aber wir kennen uns inzwischen alle gut und drum klappt es.
        Die, die den Hass schüren, die aufheizen und Stimmung machen, die sind gefährlich, weil sich sehr viele mitreißen lassen.
        Liebe Grüße in die Nacht von Bruni

        Gefällt 2 Personen

  10. Liebe Ulli, ich teile deine Angst um die Zukunft. In der Demokratie muss man wachsam sein. Demagogen gewinnen erst dann die Macht über uns, wenn wir aus Bequemlichkeit oder auch aus Furcht nicht den Mut aufbringen, uns gegen jede Form von Ungerechtigkeit zu wehren. Die Ereignisse in Chemnitz waren mir bis heute unbekannt. In der Zwischenzeit macht uns der amerikanische Präsident große Sorgen.

    Gefällt 2 Personen

    • Lieber Peter, der amerikanische Präsident macht mir und vielen Sorgen, berechtigter Weise, allerdings ist er Teil eines Systems, das mir insgesamt Sorgen macht und was zu vielen verschiedenen Auswüchsen führt, wie eben auch hier zu Chemnitz, Gerda hat ja viel hier über die ungerechte Verteilung geschrieben, ich nenne es Turbokapitalismus, das ist nixhts Gutes!
      Herzliche Grüße, Ulli

      Gefällt 2 Personen

      • Liebe Ulli, lieber Peter,
        mir macht die Situation hier in den USA viel mehr Sorgen als die in Deutschland. Ich bin immer noch – trotz der Ereignisse in Chemnitz und trotz der derzeitigen politischen Situation – der Meinung, dass die Demokratie in Deutschland stabiler ist als hierzulande. Die amerikanische Verfassung erleichtert Totengraebern der Demokratie ihr Handwerk. Das nur ganz kurz: in einem langen Diskurs moechte ich hier nicht eintreten. Hoffen wir nur, dass mein Pessimismus unbegruendet ist.
        Liebe Gruesse,
        Pit

        Gefällt 1 Person

  11. Ich finde es auch ausgesprochen erschreckend was da gerade passiert. Solche Bilder kenne ich aus dem Geschichtsunterricht und gerne hätten sie Teil der Geschichte bleiben dürfen.

    Gefällt 1 Person

  12. Pingback: Tucholsky und mehr |

Ich freue mich über Kommentare

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.