Dämonen

© Susanne Haun

In anderen Traditionen werden die Dämonen äußerlich verjagt, doch in meiner Tradition werden sie mitfühlend angenommen.

Machig Labdron

„Ich bin ein kleiner Stern, mit meinem Licht erhelle ich dein Dunkeltal.“

Ich kenne es schon gut, mein Dunkeltal, seine Felsvorsprünge, Höhlen, Bäume, Moose und steinigen Wege, jedoch nicht gut genug, ohne meinen kleinen Stern wäre ich verloren.

Er beleuchtet meine Wege, beleuchtet die Höhlen, Nischen und Stolperfallen, gemeinsam sind wir auf Dämonensuche.

Ich will sie umarmen, will sie nähren, will ihnen meine Liebe schenken; ohne sie wäre ich arm.

Im gleißenden Sommermittagslicht wirft mein Stern keine Schatten. Er scheint für mich im Dunkeltal und beleuchtet die Dämonen.

Hübsch sind sie nicht, auch nicht gemütlich, groß sind sie und furchterregend. Bei ihrem Anblick werde ich klein. Das freut sie. Das nährt sie.

Von Zeit zu Zeit steige ich in mein Dunkeltal, manchmal falle ich hinein, während gleißend heller Sommermittagszeiten, wenn mein Stern keine Schatten wirft. Es gilt die noch unbekannten Dämonen zu finden.

In manchen Jahren bin ich erfolgreich, in anderen nicht, in den letzten zwei Jahren sehr. Dies ließ meinen Stern heller leuchten. Furchterregende Gestalten begegneten uns auf unserem Weg.

Erst wurde ich klein, weil es sie nährte, dann umarmte ich sie, dann flüsterte ich ihnen meine Zuneigung ins Ohr, sie verwandelten ihre Gestalt.

Ich bin eine glückliche Frau!

Ich habe einen hell leuchtenden Stern. Ich habe ein Dunkeltal und eine Schar gewandelter Dämonen.

Folge deinem Stern


Die oberste Zeichnung ist von Susanne Haun (wenn du auf den Link klickst, erfährst du mehr). Die Zeichnung stammt aus dem Buch: Dämonen, das 2013 erschien. Susanne illustrierte ein Gedicht von Diarmund Johnson, übersetzt von Peter Busse –

Ich lebe unter Dämonen

Dort, wo die glatten* Leute nicht hinkommen,

Aber in jedem steckt ein Dämon

In einer der lichtlosen Ecke seines Herzens.

 

Die glatten Leute kommen nie zur Ruhe

Glatt fühlt er sein Gehen

Sie sitzen nicht am Rande der Klippe

Um den Abgrund des Meeres zu bewundern.

 

Sie folgen dem großen, glatten Weg

Wo das Licht des Fleißes ihr Herz erleuchtet

Ihre Dämonen bedrohen sie nicht tagsüber

Dämonen erwachen nur kurz in der tiefsten Nacht.

 

So ein glatter Mensch war auch ich

Normalerweise schlief ich wenig

Aber meine Beine ermüdeten auf dem langen Weg

Die Schlaflosigkeit hat meine Gedanken gelöscht.

 

Ich war damals einer der glatten Leute

Nun saß ich am Klippenrande, um in den Schlund des Meeres zu starren

Jetzt wohne ich am verborgenen Ort der Dämonen

Der Dämonen Atem entfacht in mir das Feuer des Denkens.

 

Auf blanken Brettern wie Dämonen schlafe ich jetzt

Ein Dämon werde ich, sobald ich erwache

Und mich wird die glatte Menge verfolgen

Die glatte Menge verfolgt jeden,

 

in dem ein Dämon steckt.

Diarmuid Johnson

* Die „normalen“, „nicht singenden“, „gesanglosen“ oder eben „glatten“ Leute …


Das obige Zitat stammt aus dem Buch von Pema Chödron – Gehe an die Orte, die du fürchtest ISBN 9 783936 855678 – Arbor Verlag


Pema Chödrön über Machig Labdron – sie lebte vom Ende des 11. Jahrhundert bis in den Anfang des 12. Jahrhunderts und hinterließ u.a. eine Meditationspraxis, die Chö genannt wird und bis heute praktiziert wird – sie gilt als eine der weisen Frauen Tibets

über Chö


Eine weitere Buchempfehlung – Tsültrim Allione – Den Dämonen Nahrung geben – arkana Verlag – ISBN 978-3-442-33830-6

32 Gedanken zu „Dämonen

    • Danke, liebe Susanne, ich hatte gehofft, dass du mit der Verlinkung und dem Zeigen der Zeichnung einverstanden bist, wollte dich nicht fragen, da ich weiß wieviel du gerade um die Ohren hast.
      herzliche Grüße und dir ein frohes Schaffen, Ulli

      Gefällt 2 Personen

    • würde ich sofort machen! Sie hat mich mit dem Buch vollkommen überzeugt. Ich habe diese Methode auch schon bei anderen angewendet und es war immer erfolgreich!
      liebe Grüße, Ulli

      Gefällt 1 Person

  1. Liebe Ulli, was für ein Blog. Ich habe ihn zunächst nur überflogen, aber damit werde ich ihm nicht gerecht. Das ist Lesestoff für die Zeit vor dem Schlafen. Wunderbare Zeilen und die Zeichnung von Susanne ist genial. Bin getroffen davon, Hab eine gute Woche und fühl dich umarmt, Marie

    Gefällt 3 Personen

  2. Eine wunderbare Bewegung beschreibst Du, Ulli. Zuerst das Kleinwerden, wenn wir uns den Dämonen zuwenden und dann das Aufstehen und Leuchten wenn wir mit unseren Dämonen gehen, die bei uns sind, auch wenn wir sie verneinen.
    Liebe Grüße. Priska

    Gefällt 5 Personen

    • Ja genau, liebe Priska, sie sind bei uns, auch wenn wir sie verneinen oder gegen sie kämpfen, so kann man nur verlieren, indem man sie aber annimmt, verlieren sie mit der Zeit ihre Macht. Klar, dauert das, es ist kein Hokuspokus und weg sind sie, man muss sich schon einlassen. Dazu kommt die Methode, die Tsültrim Allione in ihrem Buch vorstellt, sie hat mich auf den Weg gebracht und nicht nur mich …
      herzensgrüße an dich, Ulli

      Gefällt 4 Personen

  3. Danke von Herzen für diesen schönen Beitrag! Auch das Gedicht! Und – wir gehen wohl einen Weg, der von den gleichen Lehrern begleitet wird. Ich habe durch Tenzin Wangyal Rinpoche in den letzten Jahren auch so manchen meiner Dämonen gewandelt. Seine Art kann auch in online Lektionen zu Tränen bewegen. Manchmal sind es so kleine Sätze, so wie Du sie hier auch uns gibst.

    Gefällt 1 Person

    • Ich bin Tenzin Wagyal Rinpoche noch nie begegnet, sah und hörte ihn in dem Video das erste Mal, ich suchte einen Beitrag zur Chö-Praxis. Aber das spielt ja letztlich keine Rolle, weil letztlich alles ein Geschmack ist! 😉 🙂
      Ich muss noch etwas loswerden, im Prinzip habe ich nix gegen Verlinkungen, aber ich werde doch sehr gerne vorher gefragt, okay?!
      Herzliche Grüße, Ulli

      Gefällt 1 Person

  4. Pingback: Dämonen — – Sonnenspirit

  5. Es ist das einzige, was Gelassenheit bringen kann, mit seinen Dämonen zu leben und sie verstehen zu lernen.
    Ich denke, es ist mir einigermaßen gelungen, wenn es auch ein schwieriger Weg war, auf dem ich täglich noch gehe und die Steine beiseiteräume, an die ich immer wieder stoße und mir neue blaue Flecken hole, liebe Ulli
    Keiner ist ohne Dämonen, auch wenn sie so viele verschiedene Namen bekommen.
    Dunkeltal ist als Wort schon so wunderschön, daß ich das Helle darin sehe *lächel*
    Susannes Bild ist wunderbar, dem Link bin ich noch nicht gefolgt, doch ich werde es noch tun.
    Zur Zeit komme ich gar nicht so recht nach mit dem Lesen und Kommentieren… Da ist so viel andefres, was mich ruft…
    Danke fürs Zeigen und alle Deine Worte, liebe Ulli
    Liebe Grüße von Bruni

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Bruni, da sagst du was, ich komme gerade auch kaum noch nach, eigentlich wollte ich den heutigen Artikel zur Abstraktion auf morgen stellen, da der Artikel meiner Bauchschmerzen so viele Kommentare hatte, dass ich noch aufarbeite und nun auch noch das und mein Ansprcuh möglichst zeitnah zu antworten, herrjeh, lach 🙂 Mein PC hat seit gestern Abend gemuckert, sodass ich weder den vorbereiteten Artikel auf morgen legen konnte, noch auf eure Kommentare von gestern eingehen konnte.
      So, nun aber zu den Dämonen, nicht alle nennen die Schattenseiten des Selbst so, aber ich finde Dämonen schon sehr treffend. Es gibt eine Geschichte von einem tibetischen Yogi (Milarepa wurde/wird er genannt), der sich für eine sehr lange Zeit in einer Höhle zurückgezogen hatte. Einmal kam er von einem Gang zurück, als er in seine Höhle kam, erblickte er drei furchterregende, riesige Dämonen, erst erschrak er, dann gab er sich hin und breitete seine Arme aus und sagte: „Fresst mich!“ Und plopp waren sie verschwunden … Wahrscheinlich kennt auch Tsültrim Allione diese Geschichte, sie ist Psychotherapeutin und hat sich außerdem sehr lange mit dem tibetischen Buddhismus und seiner Philosophie, seinen Meditationstechniken beschäftigt und die Methode entwickelt: Den Dämonen Nahrung geben – diese Methode hat mich wirklich weitergebracht!
      Herzlichst, Ulli

      Gefällt 1 Person

      • ja, sich ihnen ergeben hilft, das stimmt *lächel*. Ich ließ mich auch nicht fressen und hatte aber Hilfe dabei, liebe Ulli.
        Ich dachte schon, nur ich hätte Probleme mit dem Nachlesen, aber nun bin ich beruhigt.
        Dachte schon, es läge am Alter 🙂
        Ganz herzelich, Bruni

        Gefällt 1 Person

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