Totenschiffe

die Bilder werden groß, wenn du sie anklickst

Gerda hat ein wunderbares ägyptisches Totenschiff, das ich abfotografierte und ein bisschen in Szene setzte.

Zwar werden sie offiziell so genannt, aber ich mag und benutze den Begriff „Ahnenschiff“ lieber. In der heutigen Zeit hat der Begriff „Totenschiff“ für mich einen unangenehmen Beigeschmack bekommen!

Ich erinnerte mich an meine früheren Arbeiten von 2011 und 2015 mit einem Ahnenschiff, das man als Höhlenmalerei entdeckt hat, leider weiß ich nicht mehr wo genau.

Nun sind neue Bilder bei Gerda entstanden. Inspiriert hierzu hat mich zum einen ihr ägyptisches Ahnenschiff, zum anderen eine Installation von der griechischen Keramik-Künstlerin Theodora Horafa https://gerdakazakou.com/2015/12/16/keramik-kunst-schwebende-boote/  in der Nähe von Gerdas Athener Wohnung (und nicht wie ursprünglich geschrieben von Gerdas Freundin Helen Escobedo).  Gerda hat mich soeben auf dieses Missverständnis hingewiesen, nun habe ich es berichtigt. Eine Installation von Helen Escobedo habe ich allerdings auch gesehen, allerdings auf einer Postkarte, die ich euch nun noch nach den schwebenden Boote zeige.

Bootsgerippe von Helen Escobedo – eine Postkarte

Nun aber zurück zu den Ahnenschiffen

Ich habe ein bisschen Anlauf nehmen müssen, bis ich zufrieden gewesen bin, et voilà –

Zusätzlich habe ich mit Jürgens Schnipseln zwei verschiedene Varianten gelegt –

Die Vorstellung, dass ein Schiff die Seelen ins Totenreich überführt, findet sich in vielen Kulturen, ich mag diese Vorstellung sehr, was immer dann wirklich sein wird…

Schiffe und Boote gelten als archetypische Symbole, zum einen stehen sie für die Reise = Lebensreise an sich, stehen aber auch für Übergänge, das Streben nach neuen Zielen und Neuanfängen. In vielen Mythen und Geschichten taucht das Schiff auf, auch in dem Sinne, wie ich es oben beschrieben habe. Im Netz lassen sich zahlreiche Hinweise dazu finden. Da ich aber von Gerdas ägyptischem Totenschiff ausging, möchte ich euch noch kurz diese Geschichte erzählen:

Der ägyptische Sonnengott Re stieg jeden Abend von seiner Sonnenbarke in die Nachtbarke um, fuhr durch die Unterwelt, um am nächsten Morgen wieder an seinem Ausgangspunkt anzukommen und in seine Sonnenbarke zu steigen.

Wie ich dies gerade schreibe, denke ich, dass dies auch eine wunderbare Inspiration ist, um weitere Bilder mit diesem Thema zu gestalten, zumal mich von jeher Schiffe, Barken und Boote faszinieren … eine Faszination, die ich auch mit Gerda und Jürgen teile und bestimmt noch mit vielen anderen…

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50 Gedanken zu „Totenschiffe

  1. Guten Morgen liebe Ulli, deine schwebenden Schiffe gefallen mir sehr und erinnern mich sofort an die Schriften von Homer. Interessant finde ich ebenfalls die Vorstellung was Archeologen über deine Kunst in ferner Zukunft denken und spekulieren könnten und was der Künstler damit ausdrücken wollte. Vielleicht ist so auch ein wenig die Kunst der Vergangenheit zu betrachten, wo vor zentausenden Jahren Höhlenmalereien entstanden sind und das wahrscheinlich einfach, um sich persönlich auszudrücken. Du siehst, ich bin inspiriert 😉

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  2. Ich bewundere deine Arbeiten, liebe Ulli, und bin speziell fasziniert von Gerdas ägyptischer Barke. Wer sind die Passagiere? Vorn steht ein Horus, aber wer sitzt in der Mitte, wer steht hinten? Weiß man etwas über das Original, von wann z. B. und wo es herstammt?
    Liebe Grüße
    Christiane mit Ägypten-Faible

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    • Liebe Christiane, erst einmal freue ich mich über deine Bewunderung, deine Fragen aber kann sicherlich Gerda besser beantworten als ich, warten wir mal ab, bis sie hier auftaucht und was sie zu sagen hat 🙂
      Ich selbst denke dabei an die Passagiere, die aufgenommen wurden, um in den Hades überführt zu werden, bzw. zu Osiris zu gelangen (schließlich sprechen wir ja von Ägypten…).
      So begreife ich auch die Darstellung auf der Höhlenmalerei und lehnte mich daran an. Aber für mich gibt es auch immer eine Fährfrau/einen Fährmann, wie ich es auf dem blauen Bild von 2015 versucht habe darzustellen, die aber dieses Mal keine wirkliche Gestalt bekommen hat.
      Ich sehe schon, es gilt das Thema noch zu vertiefen!
      Herzliche Grüße und dir einen schönen Tag,
      Ulli

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    • Liebe Christiane, ich kann dir nur folgendes sagen: ich habe das Schiff von einem Handwerker gekauft, wie es viele im Schatten der alten Gräber gibt. Es ist aus ägyptischem Alabaster. Der Hund (oder wohl besser Schakal), den Ulli auf der Platte vor dem Schiff fotografiert hat, gehört eigentlich auf vier Säulen – zwei vor der kleinen in der Mitte sitzenden weiblichen vogelköpfigen Figur (Ba, Seelenvogel), zwei dahinter (sie sind beim Transport im Koffer abgebrochen) – also er schwebt eigentlich über der sitzenden Figur.
      Ich weiß nicht, ob diese Darstellung kanonisch und aus welcher Zeit ist – womöglich handelt es sich einfach um eine Form, die für touristische Zwecke abgewandelt wurde.

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  3. Liebe Ulli, vermutlich verbindet sich der Begriff Totenschiff für Dich mit Schleppern und ertrunkenen Flüchtlingen. Aber unsere mitteleuropäische Kultur tabuisiert das Thema Tod ohnehin schon bedenklich. Die Menschen werden immer älter – Bestreben nach grenzenlosem Wachstum Richtung Unsterblichkeit. Das alles ist nicht gut. Da ist die griechische Mythologie, in der der Tod seinen Platz hat, schon besser.
    Dennoch lebensfrohe Grüße an Dich – das Eine schließt ja das Andere nicht aus
    Christa

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    • Ja genau, Christa, bei dem Begriff Totenschiff denke ich an alle die ertrunkenen geflüchteten Menschen. Es geht mir nicht ums Verschweigen, für mich ist der Tod kein Tabuthema und es gab immer einmal Artikel von mir dazu. Ansonsten stimme ich dir zu, ich finde es auch sehr bedenklich, wie der Prozess des Alterns, Sterbens und der Tod an sich in unserer Zeit einen Mantel des Schweigens und Wegguckens bekommen hat, aber auch das ändert sich ja, immer mehr Menschen sprechen und schreiben darüber. Zumal dies ja auch in unseren Breiten nicht immer so gewesen ist, es ist ein Zeichen dieser Zeit.
      In allen Mythologien und Religionen aber findet man dieses Thema, Vorstellungen und Bilder dazu. Das Schiff war und ist auch in der christlichen Religion ein Symbol für den Übergang ins sogenannte ewige Leben, wie man auf den einen und anderen Grabsteinen sehen kann.
      Für mich gilt die Einstellung, dass ich mein Leben erst dann richtig intensiv leben kann,wenn ich den Tod betrachte und akzeptiere.
      Herzliche Grüße, genieße diesen schönen Tag,
      Ulli

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    • Guten Morgen, liebe Diana, ich freue mich sehr!!! Ich war sehr gespannt, ob der Titel einladend oder ausladend sein würde, nun werde ich aber schon am frühen Morgen belehrt, dass er einladend zu sein scheint und wenn dann auch noch die Bilder gefallen, dann freue ich mich doppelt.
      Ich danke dir, hab einen schönen Tag, herzlichst, Ulli

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  4. Tolle Bilder und spannende Gedanken dazu.
    Zum Schiffding: Ich nehme Wasser ja irgendwie als „Lösungsmittel“* wahr. Das ließe sich durchaus metaphorisch anwenden.

    * Es wandelt (Dreck und Durst wird weggespült, Feuer wird gelöscht etc.)

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    • Ja und nein, liebe Soso, nicht allen Dreck kann Wasser wegspülen, manches sinkt zu Boden oder schwimmt auf der Oberfläche (Öl z.B.), auch im menschlichen Körper wirkt zwar viel Wasser trinken entgiftend und entschlackend, aber auch hier gibt es Gifte, die das Wasser nicht aufnehmen kann und somit auch nicht ausschwemmt, wie zum Beispiel Quecksilber… (im Alagam – in den Zahnplomben enthalten und durch Abrieb in den Körper gelangt)-
      Wasser empfinde ich als formgebend, weich und hart zugleich, sein Fließen ist für mich noch das stärkste Symbol, im Sinne davon, dass es förderlich ist im Fluss zu bleiben, statt sich gegen ihn zu stellen…
      Danke für deinen Input, der arbeitet jetzt noch ein bisschen nach,
      herzlichst, Ulli

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  5. Ein feiner Artikel.
    Was soll man davon ansprechen? Soviele einzeln interesssante Punkte.

    Das alte Bild…eine Wasseraufnahme als Himmel?!
    Das neue: Vorzüglich klar.

    Die fotografierten Schiffe: Gerade das erste sehr schön. Frug mich, ob ich so etwas in Ton fertigen sollte. Die Grenze läge bei knapp 80 cm. Wie wäre es zu gestalten, daß es wirken könnte?! Ich würde es asymmetrisch machen wollen.
    Muß darüber nachdenken.

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    • Hallo Gerhard, ich weiß gar nicht mehr genau was dieser Hintergrund ursprünglich einmal gewesen ist, ich schneide ja manchmal Kleinigkeiten aus Bildern aus und vergrößere diese dann, was manchmal herrliche Effekte macht!

      Ich mag die neue Arbeit auch sehr, eben wegen dieser Klarheit. Es gab eine Zeit da liebte ich das Ungefähre, gerade eben mag ich es gerne klar, aber das kann sich auch wieder ändern.

      Übermorgen zeige ich ein Keramikschiff, das ich in einem Schaufenster entdeckte, so mag ich dich ermutigen dich doch auch einmal darin zu versuchen. Ich habe schon lange einmal geplant ein Ahnenschiff aus Pappmaché zu machen, das wird auch noch“

      Gutes Schaffen und freudiges Sein wünsche ich dir, herzlichst, Ulli

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    • Oooh, gerade höre ich, dass es in Athen 21° hat bei Sonnenschein, ich freue mich für dich/ euch und bin ein gaaanz kleines bisschen neidisch – lach.
      Den Artikel habe ich nun berichtigt. Ich suchte nun das Foto von der Postkarte, aber konnte es bei mir nicht finden, hast du es fotografiert oder ich? Ein witziges Kuddelmuddel 🙂
      Ich freue mich auf mehr von dir zu meinem Heutigen, freue mich aber schon jetzt über deine Begeisterung und dein Staunen…

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      • Nun hast du es ja korrigiert und auch Helens Boote von der Postkarte mit reingegeben – darüber freue ich mich sehr. Diese Boote stehen für die ersten Siedler, die Nordamerika erreichten. Ich bin mir aber grad nicht sicher, ob es die vom Hudson River waren, denn der Titel des Bildes ist „Les Esprits du Saint Laurant (1995). Longueuil, Montreal Canada“ und verweist auf die erste Erkundung und Eroberung Kadadas durch Europäer, deren Boote sie hier abbildete (du kannst darüber nachlesen unter https://en.wikipedia.org/wiki/Jacques_Cartier).
        Sehr schön hast du mein ägyptische Totenschiff in Szene gesetzt.
        Von deinen früheren Arbeiten gefällt mir ästhetisch am besten die grüngrundige, eine Farbe, die du ja auch in deiner neuen, sehr schönen Collage wieder aufnimmst.
        Die Idee, eine Blogparade mit Booten und Schiffen zu machen, finde ich natürlich sehr attraktiv. Du kennst ja meine Faszination durch Boote. Weiße Segel -so sagte mir mein Lehrer in Kunsttherapie – stehen archetypisch für Totenschiffe. Das finde ich merkwürdig. Ich hätte eher auf schwarze Segel getippt.
        Heute sah ich ein Foto von einem Angelopoulos-Film (The weeping meadow, 2003). Ich erinnere mich an diese Szene mit den schwarzen Segeln, als hätte ich sie heute gesehen. Die Szenerie wurde eingerichtet von Yorgos Patsas, der heute beerdigt wurde. ich schicke dir das Foto per mail, vielleicht magst du es verwenden.

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        • Liebe Gerda, es gibt Kulturen in denen die Trauerfarbe schwarz ist und in anderen weiß, von daher kann ich nicht beurteilen was dein Lehrer meinte, als er sagte, dass weiße Segel für Totenschiffe stehen, vielleicht war dies ja in einer bestimmten Kultur so.
          Auf dein Foto bin ich gespannt.
          Was nun die Schiffe von deiner Freundin Helen angeht, korrigiere ich es noch einmal und lasse einfach den Ort weg, damit es für spätere LeserInnen keine Missverständnisse gibt.
          liebe Grüße, Ulli

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  6. Was für ein herrlicher Beitrag! Deine Bilder und Ausführungen sind sehr reizvoll. Schiffe sind das allein schon in ihrer Symbolik und Optik. Auch auf meiner Seite kannst du viele Schiffe finden, ob nun beim Flüchtlingsthema, Haben oder Sein, Hoffen und Bangen etc Liebe Grüße, Petra

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  7. Gerdas Totenschiff ist wunderschön und Deine Bearbeitung ist sehr gelungen, liebe Ulli, ebenso Deine älteren Bilder und das letzte davon finde ich am allerschönsten.
    Die Barke, ein schlichtes, schmales Boot für die letzte Fahrt, bei dessen Anblick mich nicht schaudert, sondern mich eine Art von Staunen ergreift. Eine Ergriffenheit, die wohl der Größe des Augenblicks geschuldet ist. (Wenn man es mit genügend Abstand sehen kann)
    2008 begann sich der Tod in meiner Nähe drastisch zu zeigen und ich schrieb mir wohl etwas von der Seele.
    Eben habe ich es wieder gefunden http://wortbehagen.de/index.php/gedichte/2008/november/boot_auf_dem_wasser
    Kennst Du Tinguelys Totentanz in Basel? Er setzte sich auch mit dem Tod auseinander und schuf ein ungeheuerliches Werk.
    An die feinen Boote aus Athen erinnere ich mich gut und was Du daraus gemacht hast, Deine Collage, als wäre der Nil der Untergrund, gefällt mir sehr

    Liebe Grüße von Bruni

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    • Liebe Bruni, an dein Gedicht erinnerte ich mich, ich habe gerade eben direkt bei dir kommentiert, ebenso erinnere ich mich an den Totentanz von Tinguely, ich war damals sehr ergriffen und sprachlos, als ich es entdeckte, aber es hat nun dann doch wenig mit meinen Ahnenbooten zu tun. Tinguely baute ja zum einen diese Installation nachdem er lange krank und bettlägerig gewesen ist und seine plötzlich erkannte Unfähigkeit mit dem Tod einen Umgang zu finden war der Motor, es kam der abgebrannte Hof in der Nähe von Fribourg hinzu, von wo er die Materialien hatte, plus der Tatsache, dass die Landmaschinen den Stempel von der Familie Mengele trug, mit der auch der Massenmörder Mengele verbandelt war, somit schuf er ein mehrfacettiges Werk, was mehr das Grauen, als den Schulterschluss mit dem Tod zeigt. Du sagst „ungeheuerlich“, das passt!
      Genug geschlaumeiert – lach … ich freue mich lieber an deinem Zuspruch zu meinen Werken 🙂
      herzliche Grüße, Ulli

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    • Jetzt stößt du etwas bei mir an … die Vorstellung des Ahnenbootes, das die Seelen überführt, nimmt mir tatsächlich die Schwere, die ansonsten um das Thema Tod herum ist.
      Aber ich schrieb es ja auch, dass ich natürlich nicht wissen kann, wie niemand es wissen kann, was dann wirklich sein wird, möge dieser Übergang wirklich ein leichter sein!
      herzlichst, Ulli

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  8. Pingback: Totenschiffe (The Weaping Meadow, Film von Angelos Angelopoulos) | GERDA KAZAKOU

  9. Dem Grün sehe ich das „Toten“schiff nicht mehr an – und nein, solche Zuschreibungen sind wohl nie ewig, jetzt metaphorisch gedacht. Mich forttragen lassen … an einen Ort, wo es nicht mehr einsam ist … Mein bodenhaftiges Leben hat wohl derzeit (oder überhaupt?) zu wenig Boot in sich.
    Ich grüße Dich, liebe Ulli, aus dem Alltagsgetriebe, welches mich gleich zermahlen haben wird:( (naja, gefühlt – so war es ja immer)
    Frau Rebis

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  10. Pingback: Mit dem ägyptischen Totenschiff (Natur- und Kultobjekte) | GERDA KAZAKOU

  11. Pingback: Boote und Schiffe 001 |

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