Weißzeit

weiß auf weiß

…ist nicht unbedingt reinweiß, farblos oder Bettwäsche.

Vor ein paar Jahren malte ich mit weißer Deckfarbe auf weißen Karton, sozusagen echtes weiß auf weiß. Um diese Bilder zeigen zu können bräuchte ich einen Scanner, habe ich aber leider nicht. Abfotografieren ist mir nicht möglich.

Bei der Bearbeitung von Weiß-auf-weiß-Fotografien bleiben Grau- und Beigetöne übrig, manche von ihnen scheinen das Bild zu bewegen. Wenn du magst, dann schau doch einmal selbst, ob es bei dir auch so wirkt.

Gerne nenne ich diese Zeit „Weißzeit“, auch wenn kein Schnee liegt, dann natürlich besonders. Ich empfinde den Februar oft als ein unbeschriebenes Blatt, worauf sich mit Zaubertinte das neue Jahr und die kommenden Ereignisse und Herausforderungen, Reisen und was auch immer noch geplant und ungeplant ist, zeichnen. Über das Jahr wird die Zauberschrift sichtbar, je nachdem wohin ein Tropfen Wasser fällt, werden die leeren Blätter beschrieben, das Jahr bekommt sein spezielles Gesicht, seine Gestalt, manchmal sogar einen Geruch oder ein Lied oder gar alles zusammen. Leise sind meine diesjährigen Visionen und Pläne, manche stehen schaukelnd im Wind, wissen noch nicht ganz wohin, wozu, andere beginnen zaghaft ihr Gesicht zu zeigen.

Kein Jahr ist wie das andere und doch haben manche Jahre die selbe Überschrift. Meine heißt noch immer U M B R U C H. Ich schenke mir Zeit und genaues Hinschauen und atmen … ein, aus und gehen … hin und her und weiter. In die diesjährige Weißzeit habe ich mir ein Nest gebaut, ich halte mich geborgen.

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62 Gedanken zu „Weißzeit

  1. Was für ein wunderschöner Start in den Tag! Vielen Dank dafür.
    Für mich wirkt es, wie … die Möglichkeit auf einer weißen Leinwand ein neues Bild zu malen. Zögerliche Anfänge, weiß auf weiß, bis die Farben des Lebens, des neuen Jahres, mit jedem Schritt weiter in dem persönlichen Umbruch, immer mehr und mehr an Farbe, Form, Gestalt und damit an Tiefe und Bedeutung gewinnt.

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  2. Das mit dem Februar empfinde ich ähnlich – so ganz genau weiß ich auch noch nicht wo es hin geht….. Macht aber nichts! So ist Platz für alles. Deine Bilder gefallen mir gut. Weissweisweiß auf weiß – es ist nicht nur die Farbe – auch das Wort weiss fiel mir in Deinem Gebrauch auf. Weiß soll ja ein Körper sein. Schneeweiße morgendliche Grüße Ruth

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  3. Wie hießen doch gleich diese Malbücher, in denen die Blätter weiß waren und, wenn man sie mit dem Bleistift schraffierte, ein Bild zum Vorschein kam? Gerne hielt ich sie mir – noch unberührt, fast waagerecht vor die Augen, um zu erkennen, was für ein Bild das sein würde – jetzt noch weiß in weiß. – Das war auch eine Winterbeschäftigung und das Rätseln der weitaus spannendere Teil.

    „sich geborgen halten“ – eine wirklich schöne Formulierung

    LG Christa

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    • Lieber Arno, stimmt, weiß auf weiß ist die Winterlandschaft, die uns inspiriert (zumindest mich), aber ich weiß auch noch zu gut, wie es gewesen ist, wenn dieses weiß auf weiß nicht enden wollte, wie gierig meine Augen das erste Grün aufgesogen haben, mir war dann immer, als könnten die Augen nun endlich ausruhen.
      herzliche Grüße, Ulli

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  4. Liebe Ulli, da hast du aber wieder einen Nerv getroffen. Dieser Februar, mit seinen beharrlichen Minustemperaturen lädt ein zum Träumen und unter dem Eis regt sich etwas. Ganz gewiss. Ein ganz besonders nachdenkenwerter und inspirierender Blog heute. Alles Liebe, Marie

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  5. Monochrome Bilder sind oft spannend!

    … das Jahr bekommt sein spezielles Gesicht, seine Gestalt,

    …Kein Jahr ist wie das andere und doch haben manche Jahre die selbe Überschrift.

    Achtsame Zeilen am Schluß, finde ich überraschend und stimmig.
    Für mich gilt zur Zeit eine seltsame Ruhe und ein Schleichen der Zeit. Empfinde ich als ein Geschenk. Von wem und warum – wenig Ahnung.

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    • Ich bin noch selbst überrascht wie es gerade geht, es scheint, als hätte sich in mir etwas eingenistet, das mich auch durch die wellenschlagenden Zeiten trägt 🙂
      Viel Freude wünsche ich dir auf der Alp, herzliche Grüße, Ulli

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  6. Kennst du „Oceano Mare“ von Alessandro Baricco? Wenn nicht, kann ich es aufs wärmste empfehlen. https://www.google.gr/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=3&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwii6qDGirTZAhXFShQKHZbQDzAQFgg1MAI&url=https%3A%2F%2Fwww.perlentaucher.de%2Fbuch%2Falessandro-baricco%2Foceano-mare.html&usg=AOvVaw0hFecjOIfhJHMSpiNUTOs
    Weniger innig, aber von wunderbarem Witz die Komödie „Kunst“ von Yazmin Reza? https://www.google.gr/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwik08aei7TZAhWIxxQKHZDKDYgQtwIIJjAA&url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DyvFZxvVrXew&usg=AOvVaw0aU6kNayAu7POJGV9zYTqo. Ich sah sie mal in Berlin, es war herrlich.
    Jetzt beschäftigt mich grad dein „Hin und Her und weiter“ und ich bin, wie du verstehen wirst, gespannt, wie dein Weiter aussehen wird. Herzliche Morgengrüße! Gerda

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      • Liebe Gerda, das Buch habe ich jetzt auf meine Liste gesetzt, es macht mich sehr neugierig! Und der Witz kam rüber, es hat mich an meinen letzten Theaterauftritt erinnert, bei dem ein leerer Bilderrahmen eine wichtige Rolle gespielt hat.
        Hin und her war gestern, jetzt wieder weiter 🙂
        herzliche Grüße, Ulli

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  7. Pingback: Sonntagsbild 46 2018 |

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