Raunächte

Diesen Text stellte ich schon einmal am 05.01.2016 ein. Zwei Jahre ist es her – dieses Mal habe ich die rauen Nächte nicht ganz so rituell gestaltet, aber die eine und andere Frage tauchte auch nun wieder auf, wenn auch in einem neuen Gewand, wir gehen in Spiralen…

(auch dieses Bild zeigte ich schon einmal, nun hier, weil es mir so passend erscheint, im Artikel vom 05.01.2016 waren es andere – wie immer: draufklick = großes Bild)

Und dann ist doch wieder alles so schnell vorbei. Die Magie, der Glanz, die Tiefe und der Klang der Zwischenzeit, der Zwischen-den-Jahren-Zeit, der Rauhnächte-Zeit.

Wieviele dieser Nächte man zählt, ist eine Geschichte für sich und was man mit dieser Zeit verbindet auch. Ich zähle ab Wintersonnenwende dreizehn Nächte und Tage und dann noch einmal 3 Nächte und Tage still. Vorgestern schon war meine dreizehnte Nacht. Ich lud sie ein, die Dreizehn, die Unbekannte, Ungewisse, Geheimnisvolle, die Herausforderung, Koyote und Närrin, Stolper- und Prüfstein.

Was ist Gabe, was Geschenk, was Talent, was Aufgabe, worin liegt die Verantwortung, was hat Priorität, was ist noch offen, was geht voran? Was braucht einen Schubs? Was darf frei gegeben werden und wohin geht es, wenn es frei ist? Was ist Kern, was ist Schale, was noch immer Angst?

Solcherlei Fragen stellte die Dreizehnte. Mit diesen sortiert es sich. Bei manchen Fragen lässt es sich leicht austatmen: gut … das weiss ich, bei anderen versuchen die Hände noch immer den Mond im See zu greifen. Da höre ich die Alte lachen und Koyote hockt in den Ostbergen und heult dazu. Ich steige aufs Rad, weiter gehts. Wie immer … vor und nach der Zwischenzeit, der Zwischen-den-Jahren-Zeit, der Rauhnächtezeit.

Heute Nacht schaue ich noch in den Sternenhimmel, hoch flog die Asche der verbrannten Zettel, weit fliegen die Wünsche, tief ist die Nacht. Die Alte ist fort, ihr Lachen verklungen, Koyote schweigt, lautlos fängt der Fuchs die Maus. Ich hab noch Zeit und immer wieder noch einmal Zwischenzeit …

30 Gedanken zu „Raunächte

  1. Liebe Ulli, ich mag das mit den Raunächten. Ich mag Deinen Text, obwohl ich nicht viel verstehe und das Vokabular, die Worte, die Bedeutung der Worte mir fremd sind und auch nach mehrmaligen Lesen bleiben. der Code ist mir unbekannt. Aber: Ich mag die Magie, die im Raum umhergeistert.
    Schönes Wochenende, Liebe Grüße Juergen

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    • Das freut mich für dich und so zählen ja viele … für mich ist aber tatsächlich der Tag, bzw die Nacht der Geburt die Nacht, die wir die längste nennen, an der die Sonne ihren tiefsten Punkt erreicht, um dann wieder aufzusteigen…
      Schön, wenn bei dir Klarheit als Grundlage wirkt, ich ringe noch um sie!
      Ich wünsche dir Gutes und Schönes, herzlichst, Ulli

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  2. Du hast wunderbar die innere Einkehr beschrieben liebe Ulli. Nur in diesen Tag scheint sich die Welt ein wenig langsamer zu drehen und die Zeit zieht ihre lachenden Schleifen um uns. Wie oft ich so etwas noch erlebe vermag ich nicht sagen, aber ich nutze immer den Moment.

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    • Lieber Arno, ich staune eigentlich noch, obwohl die Welt weiterhin nicht gerade gute Nachrichten, auch in dieser Zeit, verbreitet, bleibt auch für mich ein besonderer Glanz in diesen Tagen, die ja in diesem Jahr mit allerhand aufgewartet hat, zuletzt (am Mittwoch) hier der Orkan, dann der Dauerregen, nun das Hochwasser und hier, auf dem alten Berg, Wiesen als Teiche, weil die Schneeschmelze sich selbst überholt.
      Herzliche Grüße, Ulli

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  3. Wir leben in Spiralen, ja, in dem Spiralnebel der Milchstraße haben unsere Sonne, unsere Erde, unsere Planetengeschwister ihren Platz gefunden, und mit ihnen wir Menschen. Mag sein, dass wir als Einzelwesen es nicht so fühlen und uns unser Leben eher wie auf der Wippe vorkommt, aber das Universum bewegt uns mit und wir werden mitgeschleppt in der großen Spiralbewegung. Du übst dich, das kleine Leben dem großen einzufügen, so dass beide zusammenklingen in harmonischem Ton. Wie oben so unten.
    Deine wandernde Figur sieht bedroht und bedrückt aus, und sie wandert vom Zentrum der Spirale nach außen ins Nirgendwo. ich wollte, ich könnte ins Zentrum der Spirale wandern und die Kraft schauen, die dies alles bewegt..
    Dein Bild hat mir jetzt diese Gedanken eingegeben.

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    • Liebe Gerda, ich selbst nehme die Spiralbewegung seit vielen Jahren in mir und in meinem Leben wahr. Manchmal ist die Bewegung heftig und da kann man sich auch einmal ziemlich klein fühlen, wie dieser Clown auf meinem Bild…
      herzlichst, Ulli

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      • Ich würde mich gern mal mit dir über dies Thema unterhalten, zumal du in deinem Text ja eine innere Bewegung und nicht das Mitgenommenwerden durch die große Bewegung beschreibst, in die wir nolens volens gestellt sind. Im Jahreslauf haben wir es wiederum nicht mit Spiralen, sondern mit einer Kreisbewegung zu tun, denke ich. Wie fügt sich die persönliche Entwicklung in diese großen Bewegungen ein?

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  4. Ich habe auch keine Ahnung von den Riten der Nordvölker, aber die Natur gibt uns ja heute noch den Rhythmus vor, nur die Menschen haben eine ganz andere Beziehung zu ihr, es geht um Ausbeutung und nicht mehr um nachhaltigen Nutzen.
    Wohin uns das führen wird, ist ja schon deutlich erkennbar.
    Dieses Labirynt der Zerstörung und Machtlosigkeit, sehe ich in Deinem Werk.
    Ich finde es sehr gelungen!

    Liebe Grüße Babsi

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    • Dein Blickwinkel ist interessant, ich lasse ihn wirken, da er ganz anders ist, als mein eigener. Mir geht es um die Eigenbewegung und nicht die Bewegungen in der Welt, der Menschheit. Ich kenne viele Menschen, die dem Ganzen wieder und wieder versuchen etwas entgegenzusetzen, jede und jeder auf eigene Weise.
      Liebe Babsi, danke für deins, liebe Grüße, Ulli

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  5. The image suggests me a disoriented person, who looks upon the Universe as something strange and alien and she/he seems to be asking about her role in these apparent chaos or perhaps is trying to divine her/him future.

    All the best
    m

    Before I had studied Zen for thirty years, I saw mountains as mountains,
                and waters as waters.
    When I arrived at a more intimate knowledge, I came to the point
    where I saw that mountains are not mountains,
                and waters are not waters.
    But now that I have got its very substance I am at rest.
    For it’s just that I see mountains once again as mountains,
                and waters once again as waters.
                                     
                                   –     Ching-yuan

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  6. Liebe Ulli, Du zählst dreizehn Nächte? Für mich waren es immer zwölf. Welches Datum zählst Du noch dazu?
    Deine Spirale ist groß und gewaltig und so klein das Menschenwesen. Ich denke an Hesse und seine Ringe
    *Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
    die sich über die Dinge ziehn.
    Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
    aber versuchen will ich ihn

    Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
    und ich kreise jahrtausendelang;
    und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
    oder ein großer Gesang*
    In der Zeit, die wir zwischen den Jahren nennen, ist die Haut zwischen den Zeiten dünn, wir sind offen und für Neues bereit . Die Geister, die die Alten riefen, sehe ich nicht mehr und wenn ich die Holzmasken sehe, nehme ich sie als uralten Brauch, den ich achte und verstehe. Dieses Mal fiel ich irgendwie aus den Zeiten und ich versuche nun, mich wiederzufinden. Sie kann schwierig sein, diese Zeit, die wir zwischen den Jahren nennen, liebe Ulli

    Liebe abendliche Grüße von Bruni an Dich

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Bruni, das ist so schön, dass du zitierst, (aber pssst, es war nicht Hesse, es ist Rilke 🙂 ) – Zwischenzeiten haben eine sehr eigene Dynamik, das macht ihren Reiz, ihre Magie aus, aber was einfach ist oder nicht, das kann nur jede und jeder für sich sagen…
      ich war in diesem Zyklus wirklich „dazwischen“ und ein bisschen bin ich es noch immer, nun aber sehr auf Erdung bedacht –
      liebe Grüße, Ulli

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      • habe ich da tatsächlich Hesse geschrieben? Das ist ein schlimmer Fehler. Natürlich sind es Rilkes Zeilen (Verzeihung, lieber Herr Rilke) und auch H. Hesse wollte sich, soviel ich weiß, nie mit fremden Federn schmücken…
        Aber jetzt sag mir noch, wie Du die Anzahl der Nächte zählst? Welche zählst Du denn noch dazu?

        Liebe Sonntagabendgrüße von Bruni

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        • Ich zähle ab der Wintersonnenwende (mal am 21., mal am 22.12. zwölf Nächte, plus der dreizehn, die dreizehn ist, wie in so vielen Märchen, die Ungewisse, die Unberechenbare und dann höre ich auf, wenn ich schrieb noch drei dazu, dann nur, weil ich drei dazu zählte, weil ich erst dann mit all denen verbunden war, die am 06.01. aufören, aber auch erst ab 24./25. beginnen zu zählen … so viel zum Individualismus und all den verschiedenen Traditionen 😉

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          • *lach*, ach so, da hab ich es doch sehr einfach, liebe Ulli, ich zähle ab dem 25. Dez. – zum 6. Januar 🙂
            Verwirrend schön klingt Deine Erklärung, gefällt mir sehr, aber merken kann ich es mir nicht
            Liebe Grüße in die Nacht von Bruni

            Gefällt 1 Person

  7. Liebe Ulli,
    intensiv waren meine Raunächte diesmal, und still gleichermaßen. So wie immer irgendwie, und wie jedesmal neu. Es ist ein Wunder, dieses Spiralige. Ein Bild, welches trägt und weiterführt … ich danke Dir, für so vieles.
    Ein Herzensgruß zu Dir
    Frau Rebis

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