Wintereinbruch, Fragen und Musik

Kalt ist es auf dem Berg geworden. Das Morgenritual hat sich der Jahreszeit angepasst: Kaffeewasser aufsetzen, Ofen anmachen, Kaffee brühen und dann trinken und eine Stulle dazu. Die Wohnung wird schnell warm, ich schreibe, ich lese, ich sitze im Lesesessel und schaue dem Tanz der Flammen zu, je nachdem. Von innen und außen aufgewärmt ziehe ich den dicken Pullover über, die Schaffellweste darüber, die dicken Socken habe ich eh schon an den Füßen, dann schlupfe ich in die Gummistiefel, nehme den Holzkorb und gehe nach unten Holz holen, zwei-, dreimal. Danach ist mir richtig warm und die Frische der Luft liegt auf meinem Gesicht.

Am Sonntagmorgen war es, als wieder über Nacht eine feine Schneedecke meine Terrasse bedeckte. Auf der Terrasse, über die ich gehe, wenn ich nach unten in den Hof will oder überhaupt die Wohnung verlasse. Die Schneeschippe steht gleich neben der Haustüre und so habe ich also erst einmal noch Schnee geschippt. Meditativ und versonnen räumte ich das erste Mal den Holzkorb ein und dachte: das nenne ich ehrliches Leben. Und dabei bin ich geblieben, ohne es weiter zu hinterfragen, ich weiß ja, was und wie ich es meine.

Später lasse ich Revue passieren und denke an alle die Menschen in meinem Umfeld, die gerade steinige Wege gehen, über Hürden springen oder vor ihnen stehen, manche Sätze klingen in mir nach und ganz besonders ein Wort sticht heraus: Überforderung. Und ich denke an die Frage einer Freundin am Sonntagabend: „Du musst jeden Morgen den Ofen anmachen, damit du es warm hast?“ Ja, das muss ich und das will ich. In mir schwingt das Wort „Reduktion“, Leben um das Wesentliche herum, wohin ich mich wieder bewege, aber auch, trotz Ofen, noch immer ein Stück entfernt bin. Diese Art von Leben fordert auch meinen körperlichen Einsatz: Holz holen zum Beispiel oder Schnee schippen oder die Gartenerde beackern, damit sich z.B. die Brennnesseln nicht zu sehr ausbreiten. Ich glaube aber auch, dass all das jung und beweglich bleiben bedeutet. Das denkt und empfindet übrigens auch teggytiggs → https://meinexperimentlebenblog.wordpress.com/2017/11/20/wintervorbereitung-3/

Heute Morgen im Badezimmer kommt ein anderer Gedanke: die Menschen (damit schließe ich mich selbstredend mit ein) bauen sich ihre Gefängnisse selbst, die Stäbe sind u.a. die Worte:„Ich-muss“, „Ich-kann-nicht“ und „Ja-aber“.

Und dann noch einmal die Überforderung: ich überlege, ob jede kleine Müdigkeit, nach getaner Arbeit, gleich Überforderung ist? Wieso, frage ich mich weiter, habe ich meine Großeltern nie, auch selten meine Mutter das Wort Überforderung aussprechen hören oder das Wort Stress? Ich erinnere mich, dass sie einfach die Füße für ein halbes Stündchen hochlegten, ob nun nach dem Mittagessen oder wenn die Mutter am frühen Abend aus dem Kaufhaus kam, wo sie Stoffe verkauft hatte, und dann ging es eben weiter. -M-

Versteht mich bitte nicht falsch, natürlich gibt es gerade in der heutigen Zeit auch Überforderungen, und doch lohnt es sich vielleicht einmal genauer hinzuschauen.

Was hat das zum Beispiel mit der hochstilisierten Individualität zu tun, bei gleichzeitig zunehmender Vereinsamung?

Was, mit den modernen Medien, der Informationsflut und/oder dem viel zu schnellem Takt der modernen Turbogesellschaft, besonders in den großen Städten? Was, mit eigenen sehr hohen Ansprüchen, bei gleichzeitg „gepflegter“ Unzufriedenheit?

Wie frei ist der Mensch?

77 Gedanken zu „Wintereinbruch, Fragen und Musik

  1. Die Überforderung entsteht da, wo wir völlig an unseren wahren und wirklichen Bedürfnissen vorbeileben … ich bin da ganz bei dir, was das ehrliche Leben betrifft. Einen herzlichen Morgengruß aus Wien (zappenduster noch). Silvia

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    • Liebe Slivia, ich nehme aus deinem das Wort „völlig“ … völlig an unseren Bedürfnissen vorbeileben, denn das eine ist (für mich) die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und ihnen zu folgen, das andere, dass nicht immer alles geht, das gilt es ja auch zu akzeptieren, ohne in eine Depression zu verfallen!
      Herzlichen Dank und einen lieben Gruß an dich nach Wien von mir und dem frischem Sonnenberg,
      Ulli

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      • Genau so ist es. Es geht nicht immer alles nach Wunsch, das sind die Lektionen des Lebens. Und das ist auch gut so, finde ich :o) …. wie wüssten wir sonst, was unserere wirklichen Bedürfnisse wären? Und wie würden wir wachsen (ich meine jetzt seelisch-geistig-spirituell …. ).

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        • Ja genau, es geht auch um Reibung, um Fallen, um wieder aufstehen und dann um Wachstum, so hart und schwierig es in manchen Phasen ist oder erscheint, ich will nichts missen und bereue auch nichts 😉
          herzliche Spätabendgrüße an dich,
          Ulli

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  2. Liebe Ulli,
    Es ist ja so: ich brauche unbedingt einen Laubbläser! Zuerst muss man da aufwendig im Internet forschen. Es soll der Beste sein, er soll viel Power haben und preisgünstig muss er sein. Stundenlang liest man da und vergleicht. Prospekte werden besorgt, dann in die Läden. Mit dem Auto wird hin- und hergefahren, Verkäufer werden interviewt. Dann wird doch im Internet bestellt. Dafür noch schnell ein Konto einrichten. Was ist PayPal? Kann ich mich dort gefahrenlos anmelden? Freunde fragen, wieder im Internet recherchieren. Dann endlich kommt der Laubbläser. Da ich nicht da war, muss ich zum Paketzentrum fahren. Zuhause dann die Erkenntnis: es fehlt ein langes Kabel! Also das auch noch bestellen. Vielleicht muss auch noch einmal der Elektriker kommen, da im Betrieb immer die Sicherung rausfliegt. Und dann braucht man noch einen Gehörschutz, vielleicht auch eine gute Gartenhose? Nach einem Jahr ist das Megateil schon Schrott. Aktenlage sortieren, Rechnung scannen und Karton besorgen. E-Mails werden hin und her verschickt. Die Firma stellt sich an. Gleich schreibt man auch noch Rezensionen. Wieder mit dem Auto zum Paketzentrum, vorher noch Tanken. Dafür einmal durch den Feierabendverkehr.
    😉
    So oder so ähnlich. Probleme sind oft hausgemacht.
    Liebe Grüße, Heike

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  3. Liebe Ulli! „-ehrlich (leben)“, ist schön und gefällt mir. Es ist eine Ehr(e) das Wesentliche zu tun, das was Wesen bedürfen um Wesen zu sein. Danke für die Musik und den blogtipp, der mir sehr gut in seiner Einfachheit gefällt. Die zweite Musik werde ich heute Abend zum Ausklang genießen. Herzliche Grüße Ruth

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  4. Liebste Ulli, du sprichst mir wiedermal aus der Seele. Ach und wenn ich höre, das du morgens Holz holst, werde ich ganz wehmütig. Als Tochter eines Waldarbeiters bin ich den Umgang mit Holz und des Feuers so vertraut. Den Ofen mit allem was dazu gehört vermisse ich wirklich. Und ja, täglich versuche ich mehr zu reduzieren. Ganz gemäß dem Motto, weniger ist mehr. Ein großes Thema ist da auch der Müll. Dem tatsächlichen und dem Müll in uns. (Sprich, falsche Ernährung, sprich Datenflut, sprich Das Gehetze von einem Termin zum nächsten. ) Nicht umsonst ist H.D.Thoreau mein Lieblingsautor. Sein „Walden“ ist meine Bibel. Sein Leitsatz, „vereinfache, vereinfache, vereinfachen“. Oh, bin ich jetzt vom Thema abgekommen? Wollte nur sagen…. ich bin ganz bei dir und danke für deine Denkanstöße. Machs dir gemütlich. Ich gehe heute mit einer Freundin ins Museum, ganz ohne Hetze. Und jetzt klicke ich deine Links an. Hach, das kriege ich nicht hin. (Links einbauen) Liebe Grüße von Marie

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    • Liebe Marie, oh ja, „Walden“, auch wenn ich das Buch vor gut einem Jahr dann nicht zuende gelesen habe, aber Thoreau hat schon Ende 1800 so vieles gesagt, was wir 1:1 über unser Heute legen können. Nun kann wohl nicht Jede und Jeder in den Wald ziehen, sich eine Hütte bauen, jagen und fischen, aber es kann Jede und Jeder für sich abwägen was sie oder er wirklich braucht oder isst und wo man einkauft etc. Reduktion ist ein großes Thema, aber ich glaube an die vielen kleinen Schritte.
      Dir viel Freude heute im Museum, ich habe heute auch noch einiges Schönes vor mir,
      in diesem Sinne, sonnige Grüße,
      Ulli

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      • Liebe Ulli, da sprichst du mir mal wieder aus der Seele. Es geht nicht darum, dass nun alle aus der Stadt auf den Berg ziehen und Zentralheizung gegen Holzofen tauschen, sondern darum, bewusst und achtsam zu leben und dabei zu erfahren: weniger ist in den allermeisten Fällen mehr! Ich habe gerade eine mehrmonatige Auf- und Ausräumaktion hinter mir und erlebe das als unendlich wohltuende Befreiung, nicht nur in räumlicher, sondern auch und vor allem in seelischer Hinsicht. Einfachheit, die Klarheit schafft – und damit neue Freiheitsräume eröffnet.
        Liebe Grüße aus dem platten grauen Norden zum schneeverzierten Berg!
        Silke

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        • Liebe Silke, wir haben hier seit gestern Frühling, Schnee ist wieder futsch und wir haben gerade länger in der Mittagssonne gesessen, noch ist ein Hin und Her.
          Und ja, einfacher und weniger ist meistens mehr. Und man darf ja auch einmal etwas liegen lassen!
          Herzlichst
          Ulli

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  5. Überforderung/Stress: Sie haben es nicht so gespürt, denn es gab zwischendrin die Zeit zum Ausruhen, für das von dir erwähnte Füßehochlegen, für einen Pott Kaffee mit der Nachbarin oder geruhsames Zeitunglesen oder den Moment, einfach stillzustehen, in die Sonne zu blinzeln und zu verschnaufen.
    Wir schaden uns mit diesem ganzen Optimierungsmist selbst. Wir sind keine Maschinen, man kann die Pausen übergehen, aber man tut sich selbst damit nichts Gutes … und irgendwann will der Körper dann nur noch Pause.
    Grüße auf deinen Berg aus dem Hamburger Grau
    Christiane

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    • Ja, liebe Christiane, so sehe ich das auch. Okay, es gab in dieser Zeit weder Computer, noch Blogs, noch Streicheltelefone, nicht den Zwang zu jeder Zeit erreichbar sein zu wollen oder zu müssen, vielleicht gab es schlichtweg mehr des „ehrlichen“ Lebens?!
      Gönnen wir uns jeden Tag die kleinen Pausen, zum atmen, zum einfach mal Nichtstun und dann gehts eben wieder weiter.
      Sonnige Grüße aus dem Süden an dich,
      Ulli

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      • Ja – und nein. Ja, klar, es gab mehr von dem „ehrlichen Leben“, es gab weniger Ablenkungen, sicher hilft das. Aber ich finde es falsch, die Dinger für alles verantwortlich zu machen: Wenn man es weiß, kann man viel ändern.
        Und damit sind wir bei der Individualisierung (nicht dem Fake, den man uns verkauft), bei den Prioritäten, die man setzt, bei der Frage: Wie will ich leben und dem Mut, etwas zu ändern – oder eben auch nicht.
        Große Fragen, viele Antworten. Ich arbeite erst mal weiter. Es regnet.
        Liebe Grüße
        Christiane

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  6. Meine Reflektionen stimmen mit deinen überein. Holz holen, um Feuer zu machen kenne ich aus der Zeit des Biobauernhofs meiner Eltern, die damit die Küche heizten und das Schweinefutter kochten. Du führst ein Leben, wie es sich die meisten Menschen nicht vorstellen können, auch wenn es sich erst einmal romantisch anhören mag. Reduktion bedeutet mehr an Arbeit zu investieren und auf liebgewonnene Bequemlichkeiten zu verzichten. Bewegung überfordert selten jemanden, deshalb mache ich jeden Tag körperliche Arbeiten und die Müdiglgkeit danach empfinde ich als angenehm, denn unser Kürper ist dafür grundsätzlich ausgelegt, nur bei Vielen in der Zwischenzeit verweichlicht. Mein Stress beginnt beim Schritthalten mit der Egomanengesellschaft, die eigentlich keine ist oder sein will, der aber (wie du selber geschrieben hast) eingeredet wird damit Individualität zu erzeugen. Das gilt für das Haben und haben wollen/ müssen, sowie den optimalen Partner, der keinerlei Defizite aufweisen sollte, eben optimiert für das eigene individuelle Leben, doch nur die Natur ist perfekt, von der wir uns so krampfhaft lösen wollen, ohne es jemals schaffen zu können.Dieses höher, schneller, weiter habe ich nicht nur gelebt, ich habe es anderen aufgezwungen und ich war immer sehr gut darin, bis ich anfing auch meine Grenzen weiter auszubauen. Erst da habe ich begriffen, dass wir Menschen uns nicht wie Maschinen programmieren lassen, sondern uns mit dieser Art zu leben selbst versklaven. Innerhalb von nur 3 Monaten habe ich damit aufgehört, Telefone abgeschafft, meine Geschäfte alle geschlossen, meine Mailadressen geändert und nun? Nun laufe ich zu jedem Termin in der Stadt, verschwende nicht mehr meine Zeit am Lebenswettbewerb teilzunehmen, nicht als Autor, nicht als Fotograf und natürlich nicht in der Küche. Jetzt ist mein Leben so, wie ich es mir als Kind wirklich vorgestellt habe, eben reduziert aufs Wesentliche und mit Zeit für meine Menschen, wo immer die auch gerade sind oder wohnen und ich blogge, wozu ich früher nie Zeit gehabt oder mir genommen hätte. So begegnete ich Menschen wie dir und deshalb ist mein Leben jetzt ein Besseres. Allerbeste Grüße zu dir liebe Ulli!

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    • Lieber Arno, da hast du einen gewaltigen Schritt gemacht, der ebenso mutig war. Alles abzuschaffen und Nein zu sagen, heißt ja auch über gewisse Ängste zu gehen. Warum du dies konntest (andere auch) und warum so Viele nicht, liegt wohl genau hier: bei den Ängsten, die ja wunderbar geschürt werden.
      Als romantisch empfinde ich mein Leben nicht, auch nicht (mehr) die Natur, als ehrlich schon oder nenne ich es lieber wesentlich. Ja, es ist eine Entscheidung gewesen, auch bei mir, als ich richtig lange krank gewesen bin, der Prozess endete mit dem Satz: die alten Mühlen sind vorbei. Seitdem habe ich zwar weniger in der Geldbörse, bin aber gesünder und glücklicher, das war und ist es mir wert.
      Herzliche und verbundene Grüße,
      Ulli

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  7. Ein guter, besinnlicher Text.
    „Mühe“ ist per se ein gutes Wort für mich. Ohne Mühe gedeiht wenig. Ohne Mühe kommt man nicht zur Klarheit oder erzeugt ein sprechendes Kunstwerk. Ich merke oft an der „Mühe“, ob ich wirklich anwesend war, involviergt war, mich angestrengt hatte.
    Mühe gibt ja auch zurück, es gibt einen Gewinn daraus. Genugtuung, Freunde und Stolz.
    Der Körper mag es ja auch, wenn seine Muskeln gedehnt werden.

    Lieben Gruß

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  8. Ein sonniger Morgen und genug Holz vor der Tür, eine Schneeschippe zur Hand und ein hoffentlich gut isoliertes Zimmer zum Bewohnen, ein Ofen, der nicht qualmt, sondern gut zieht, ein paar Bücher, elektronisch erzeugte Musik, eine gute Kamera, um die Schönheiten der Terrasse einzufangen (übrigens ein ganz wunderbar gesehenes Bild!), fließend Wasser, Strom und ein Computer, um uns an all diesen schönen Dingen teilhaben zu lassen – das ist schon ein richtig gutes Wohlfühlpaket, liebe Ulli.
    Aber ganz ehrlich ist es nicht.
    All das, was wir haben, selbst wenn wir reduzieren, ist ja der reinste Luxus gegenüber dem, was die Mehrheit der Menschheit zur Verfügung hat. In einem von Waren überschwemmten Land tut ein bisschen „einfaches Leben“ natürlich gut.
    ich persönlich genieße die Zentralheizung – ich hatte bis zum 60. Jahr nur Öfen – , ich brauche keine Kohlen oder keine Ölkanister mehr aus dem Keller in den vierten Stock zu schleppen, wie andere alte Frauen damals in Berlin. Ich mache gern den Kamin an, wenn es gut zugeschnittenes Holz gibt, das ein jüngerer Mann, der dafür bezahlt wurde, zersägt hat, ich esse gern ein frisch gebackenes Brot, das der Bäcker mir verkauft, und tunke es ins Öl, dessen Ernte ich überwacht habe. Das Salz dazu habe ich auch nicht selbst auf den Felsen gesammelt, das tat jemand für mich.aber ein paar Krümelchen finde ich gelegentlich doch auch. Ich habe eine Rente, die mir diese Bequemlichkeiten gestattet, ich bin dankbar dafür und hoffe inständig, dass das auch so bleibt. Sicher bin ich da leider überhaupt nicht, und das macht mir ein bisschen Stress.

    So. Und nun hole ich mir eine Tasse heißen Kaffee aus der Küche und genieße den Tag. Der ist sonnig, blau, glänzend schön. Was kann ich mit ihm anfangen?.

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    • Liebe Gerda, ich begreife auch mein reduziertes Leben als Luxus, allein, weil ich es mir „leisten“ kann, nicht weil ich sooo viel Geld hätte, aber genug für das, was ich im Monat alleine brauche. Trotzdem habe ich neue Ideen, denn ein bisserl mehr dürfte es dann eben doch sein.
      Auch ich muss nicht in den Wald, um Holz zu machen, muss es nicht sägen, nicht hacken, auch das ist ein Luxus, der im Mietpreis inbegriffen ist. Alles andere was du beschreibst ist der ganz natürliche Austausch unter den Menschen, Brot vom Bäcker, Korn und Gemüse vom Bauern etc., hier ist wieder ein Teil meiner Dankbarkeit verortet, aber auch meines Respekts vor all den fleißigen Menschen, die leider oft nicht gut entlohnt werden, auch hier ist noch immer Handlungsbedarf!
      Auch hier ist ein herrlich blauer Tag, den ich schon kräftig vor der Türe ausgenutzt habe, nebst einem Treffen mit einer Freundin in der kleinen Stadt in einem Café, uns geht es gut, vielen leider nicht, das gilt es niemals zu vergessen! Aber wem sage ich das!
      Und dass du dich um deine Rente sorgst löst bei mir Stirnrunzeln aus, möge es so bleiben!
      Herzliche und sonnige Grüße,
      Ulli

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      • Nun bin ich zurück von einem langen schweißtreibenden Spaziergang in „meinem“ Wald. Diesmal war ich nicht allein, sondern mit einer Freundin, die ich lange nicht sah, und so hatten wir, gehend, einen interessanten Austausch. Das sind so Momente, die ich liebe. Ebenso sehe ich dich im Cafe mit einer Freundin sitzen, nach getaner Arbeit und bei Sonnenschein – was will Mensch mehr.
        Und ja, dass es etwas mehr und vielleicht auch leichter verdientes Geld für dich geben darf, finde ich schon richtig. Hoffentlich tragen dich deine Ideen zu diesem Ziel hin. Liebe Grüße dir!

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  9. Die Reduktion kenne ich: Anfang der 80er Jahre im Allgäu, im Winter (wo Winter noch Winter waren), fünf Schritte vom Haus zum Schuppen, einen Korb voll Brennholz geholt, den Küchenofen ‚gestocht‘ und wenn es warm war, war auch der Hirsebrei fertig für die Kleinst-WG….
    >>Menschen bauen sich ihre Gefängnisse selbst, die Stäbe sind u.a. die Worte:„Ich-muss“, „Ich-kann-nicht“ und „Ja-aber“.<<
    Befreiung des Geistes von der 'Denke' ist mittlerweile fast tägliche Praxis, und nicht immer lässt sich ein Erfolg erkennen, immer noch 'Baustelle' wie es in 'Neusprech' so heißt.
    Heute soll es wärmer werden….
    <3wärmende Grüße Tobias
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    Eleanor Rigby ein Meisterwerk, 1968, Computer war ein Fremdwort zu der Zeit, unter der Federführung von Heinz Edelmann entstanden, der ja über zehn Jahre lang das Erscheinungsbild der Zeitschrift 'twen' geprägt hat.
    Der Film:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Yellow_Submarine_%28Film%29
    Für die jüngere Generation 😉
    https://www.amazon.de/s/?ie=UTF8&keywords=yellow+submarine+lego&tag=hyddemsn-21&index=aps&hvadid=11953441542&hvqmt=b&hvbmt=bb&hvdev=c&ref=pd_sl_3buvud0fks_b

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    • Lieber Tobias, mmmh Hirsebrei! Könnte ich mir auch mal wieder am Morgen köcheln!
      Fertig sind wir Menschen nie, wir dürfen immer und immer lernen, gerade das macht mir persönlich Freude und ein Rückfall, ist ein Rückfall, ist ein Rückfall 😉 seien wir uns selbst gegenüber gnädig und selbstredend allen anderen gegenüber auch.
      Deinen Links folge ich gerne später, es gibt noch etwas auf der To-Do-Liste für heute, aber mit Freude verbunden!
      Herzliche Grüße und Dank,
      Ulli

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  10. Ich kann mich an diesem Austausch leider nicht beteiligen, weil ich nie auf dem Land gelebt habe. Mir kommt das Heizen mit Holz weniger romantisch als luftverschmutzend vor: ich weiß, wie schlecht die Luft in einem Wohnviertel mit vielen Kaminen ist 🙂

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    • Liebe Myriade, es geht ja weniger um das Leben auf dem Land oder die Diskussion Holzfeuer ja oder nein, als um die Überforderung und die möglichen Reduktionen.
      Und Vieles kann man nicht riechen, nicht sehen, nicht spüren und ist dennoch extrem giftig, leider!
      Herzlichst,
      Ulli

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      • Ich weiß, ich habe beim Durchlesen der Kommentare nur gefunden, dass Überforderung heftig unterschätzt wurde. Es gibt auch im reichen Europa so viele Menschen, die soviel arbeiten unter so großem Zeitdruck und so großem psychologischem Druck, dass sie keinerlei Freiräume haben um über Themen wie Reduktion nachzudenken. Und auch so viele, die gerade irgendwie über die Runden kommen und in deren Leben es einfach nichts zu reduzieren gibt.

        Was die unsichtbaren, und nicht zu riechenden Gifte betrifft, bin ich ganz deiner Meinung, liebe Ulli. Davon gibt es leider nur allzuviele …..

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        • Deswegen schrieb ich ja, dass es selbstredend wirkliche und echte Überforderungen in unserer heutigen Zeit gibt, dass ich dennoch denke und empfinde und auch frage, was ist selbstgestrickt und was nicht? Ich habe ja nun ein gewisses Alter erreicht, meine Kinder sind erwachsen, leben selbstverantwortlich und seit diesem Jahr habe ich die Umstände auf die ich sehr lange hin gearbeitet habe, aber ich glaube auch, dass nicht jede und jeder damit zufrieden wäre. Ich lebe tatsächlich auf einem „low-level“, aber das will ich eben auch und fühle mich dabei richtig reich. Und es war ein langer Weg und dieser ist noch lange nicht an seinem Ende angekommen, hoffe ich wenigstens 😉

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          • Na das hoffe ich doch auch ! 🙂 Ich weiß natürlich nicht welches diese Umstände sind auf die du hingearbeitet hast, aber wenn du damit glücklich bist, so ist das doch perfekt und muss gar nicht hinterfragt werden.

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  11. Deine Worte lassen mich gut einfühlen und malen ein schönes Stimmungsbild. Du beschreibst es wunderbar, wie du den Tag beginnst und ich finde, das ist ganz nah am Leben dran sein, mittendrin, ursprünglich.
    Das Denken an die, die gerade stolpern oder Steine tragen, hilft, vieles gerade zu rücken.
    Ich finde mit dir, dass oftmals viele „Ich muss“ selbstgeschaffen sind. Natürlich gibt es Schicksalsschläge von außen, da verlagert sich vieles und das Leben erhält eine andere Färbung. Doch viele Einschränkungen machen wir uns selbst.
    Wir sollten den Tag so gestalten, dass wir ihn mögen, denn es ist immer unser Tag.

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    • Genau darum ging es mir, dass wir es in der Regel selbst in der Hand haben wie ein Tag läuft, selbst dann, wenn wir täglich arbeiten gehen. Wichtig ist mir dabei sich selbst darüber im Klaren zu sein warum ich arbeiten gehe und wofür und in meinen Augen stimmt es nicht, dass der Mensch nicht mehr wählen könnte. Mit etwas Mut und Durchsetzungskraft geht viel, viel mehr, als man uns glauben macht. Aber okay, ich will auch keinen Stab über Diejenigen brechen, die meinen, dass sie keine Wahl hätten und letztlich gilt das hier für uns, in diesen Breiten. In anderen Ländern sieht es schon ganz anders aus, leider.
      liebe Grüße an dich,
      Ulli

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  12. Liebe Ulli, früher oder später kommt jeder an den Punkt, da fragt das Leben: wofür schlägt dein Herz? Manche haben vielleicht eine App dafür😉
    Wir gehen zum Ursprung des Inhalts des Holzkorbes und hören unsere Antworten. Immer wieder….und das Herz lacht und ist in dem Moment sehr frei.
    Danke für den wunderbaren Text. Liebe Grüsse Erika

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    • Liebe Erika, das hast du sehr schön ausgedrückt, vielen Dank uund vieles andere habe ich nun auch schon weiter oben geschrieben. Es ist ein Luxus, ja, und es ist gut sich dessen bewusst zu sein!
      Herzliche Grüße,
      Ulli

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  13. Noch etwas möchte ich dir erzählen, da du das feinw Wort Reduktion in deinem Beitrag eingeflochten hast.
    Ich mache diesen Monat ein Spiel, es heißt „Minimalismus Spiel“. Ich las davon und es sprach mich an. Es geht um Reduktion und Aussortieren. Die Regeln sind folgendermaßen: Am 1. Tag wird ein Teil aussortiert, weggeben, verschenkt oder weggebracht. Am 2. Tag zwei Sachen usw., am Ende des Monats dann 30 Dinge. Innerhalb von 24 Stunden sollen die Sachen weggegeben sein. Das sind am Ende des Monats 465 Teile.
    Auch wenn ich immer mal aussortiere und mich nie mit einer dichten Fülle an Gegenständen umgeben mag, ist trotzdem vieles in den Schränken, das ich nicht brauche.
    Ich glaube zwar, dass die nächsten Tage eine kleine Herausforderung sein werden, doch es tut gut und die Schränke bekommen mehr Luft. Weniger ist wie so oft mehr.

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    • Finde ich auch und manchmal bin ich, wie heute sehr überrascht, dass sich so viele Menschen angesprochen fühlen. Auch das ist Grund für eine tiefe Dankbarkeit.
      Klar, auch danke für deins 🙂

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  14. Ein wundervolles Bild, liebe Ulli, der Morgen kommt und Du feuerst den Ofen an.
    Ich bin damit aufgewachsen. Aber da waren es die Dauerbrenner, die mit Briketts geheizt wurden, das machten Mutter und Oma, Oma unten im Erdgeschoß und wir darüber.
    Es war aber immer nur ein einziger Raum, der geheizt wurde und seitdem hasse ich allzu heftige Kälte, denn Schlafzimmer und das großeTreppenhaus waren im Winter eisig. Dann trat ich am Morgen in die Küche und es war kuschelig warm. Die Kälte konnte ich nie vergessen. Wärme ist wundervoller Luxus und ich genieße ihn heute in meiner Wohnung sehr.

    Bei einer lieben Freundin ist es eigentlich genau wie bei Dir. Es ist ihr erstes Werk am Morgen, den Ofen mit Holz zu heizen und sie möchte es niemals anders haben.

    In einer Stadt zu wohnen, würde mich überfordern, liebe Ulli. Meine Gänge zum Bauern gehören zum meinem Alltag. Ich mag die kleinen Bauernläden. In der Stadt würde ich den Markt genießen, aber meist ist ist das Bauerlädchen preiswerter.

    Liebe Grüße von Bruni

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    • Liebe Bruni, oh ja, an diese kalten Flure und Schlafzimmer erinnere ich mich auch noch all zu gut. Nee, würde ich auch nicht mehr wollen. Aber ich habe hier einen phantastischen, großen Ofen und letztlich ist meine Wohnung ein riesengroßes Zimmer, plus Bad und einer großen Abstellkammer, die Wohnung ist wunderbar isoliert und dieser eine Ofen heizt auch das Bad und wenn ich will, auch die Kammer. Frieren geht für mich auch gar nicht!
      Danke für deins.
      Herzliche Grüße,
      Ulli

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    • Liebe Priska,
      genau das ist mein Punkt, dass es auch immer wieder Dinge im Leben gibt, die getan werden wollen oder müssen steht ja außer Frage, wir leben dann eben nicht bei „Wünsch-dir-was-und-alles-ist-gut“, aber immer einmal wieder innezuhalten und zu überdenken was hausgemacht ist, was man ja in der Regel ändern kann und was eben nicht zu ändern ist, weil wir eben jetzt und hier und heute leben, finde ich wichtig. Auch habe ich nicht umsonst die Frage am Ende gestellt: wie frei ist der Mensch? Letztlich aber glaube ich mittlerweile, dass vieles unsere eigene Haltung bestimmt, ob wir dies und das und jenes als Last, als Notwenidgkeit oder sogar als Freude empfinden können. Und natürlich ist auch das ein langer Weg.
      Liebe Spätabendgrüße an dich,
      Ulli

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  15. Wir haben uns am Sonntag ja bereits darüber unterhalten, wie unterschiedlich Überforderung sein kann. Eben unterhalte ich mich mit meinem Mann über die gestrige Arbeitsbesprechung und die Ideen, die unser Praxiscoach unseren Ärzten vorgeschlagen hat (ja, so einen hochdotierten Menschen bezahlen unsere Arbeitgeber. In guter Absicht, um den Arbeitsalltag zu erleichtern und die Kommunikation zu verbessern). Diese Ideen sind manchmal gut, meistens aber sehr realitätsfern. Und ich erzählte meinem Mann, wie ich mich vorgestern überfordert fühlte. Ein Privatpatient verbringt die nächsten vier Monate in südlichen Gefilden und hat mich gefragt, wie das mit den Rechnungen funktioniert. Ich habe ihm vorgeschlagen, dass ich die gleich schreibe und nicht an unsere Abrechnungsfirma weiterleite. Im Prinzip ist das eine einfache Angelegenheit. Nur leider funktionierte das an meinem Arbeitsplatz nicht. Die Rechnungen kamen immer im falschen Format aus dem Drucker. Irgendwann warf ich die Seiten fluchend im hohen Bogen durch die Gegend. Eine meiner Ärztinnen stand da gerade vor mir und sah mich überrascht an (Ungeduld ist sonst nicht typisch für mich). Ich erklärte ihr, dass wir zwar vier Arbeitsplätze an der Anmeldung haben, aber leider an jedem davon irgendwelche Dinge nicht funktionieren. Leider schafft es auch niemand, das zu ändern. Eine Zeitlang geht das gut, aber irgendwann häufen sich die Probleme und meine Kolleginnen und ich sind kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Das sind Momente, die mich total überfordern. Einfach aus dem Grund, weil ich etwas erledigen muss, was sich nicht erledigen lässt. Jedenfalls nicht ohne Klimmzüge. Und ich kann nichts daran ändern!
    Schneeschippen und Holz für den Ofen holen, liebe Ulli, ja, das ist ehrliche Arbeit. Mein Mann war ein Büromensch, jonglierte den ganzen Tag mit Zahlen. An den Wochenenden kochte er. Für ihn war das ehrliche Arbeit. Etwas sinnvolles mit den Händen tun. Einkaufen, Kochen, Essen.
    Heute scheint auch bei uns die Sonne und das macht gute Laune (ich muss nur darüber hinwegsehen, dass sie durch ziemlich dreckige Fensterscheiben scheint).
    Also schicke ich dir sonnige, gut gelaunte Grüße!
    Elvira

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    • Liebe Elvira, was du über deine Arbeitsbedingungen schreibst oder auch erzählst würde mich bestimmt auch an manchen Stellen überfordern und hat gerade die eine und andere Erinnerung hochgespült. Jetzt geht es mir auch noch so, wenn es in der Küche mit den helfenden Händen nicht läuft, ich aber für 30 und mehr Leute das Essen pünktlich auf dem Tisch haben muss. Da kann ich auch mal sehr ruppig werden, leider. Ich schrieb es ja auch im Artikel selbst, dass es Überforderungen gibt, dass es aber eben auch darum geht, wie wir mit dem einem und anderem umgehen, jenseits von dem, was wir nicht ändern können.
      Ich wünsche dir, dass du die Sonne genießen kannst, bei uns ist sie heute noch etwas diffus.
      Herzliche Grüße zu dir nach Berlin,
      Ulli

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  16. Dieser Art von Einfachheit und ehrlichem Leben kann ich auch viel abgewinnen. Dass wir uns alle Überforderungen quasi selbst schaffen, wie „diespringerin“ denke ich hingegen nicht, ich würde es jedenfalls nicht so krass sagen, dass wir selber schuld sind, wenn wir an unseren Bedürfnissen vorbeileben. Es gibt tatsächlich die sogenannten „äußeren Umstände“, die man nicht immer beeinflussen kann. Dein Tagesanfang klingt jedenfalls schön frisch und warm zugleich, liebe Ulli!

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    • Liebe Rotwelt, wir haben hier ja so einiges diskutiert und sind uns auch darin einig, dass es Dinge gibt, die wir erst einmal nicht ändern können, die Haltung aber dazu schon. Und ich denke, wie Viele hier eben auch, dass es durchaus Überforderungen gibt!
      Hab herzlichen Dank,
      liebe Grüße,
      Ulli

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