Miniatur – 19 – 2017

Aus einstmaligen Begehren wird aufregen. Er regt sie auf, sie ihn und im Bett wird es kalt. Messer sind zum schneiden da, Scheren auch, Papier, Fleisch und mehr. Was einem so alles beim Abwasch durch den Kopf geht und auch dass sich deswegen vielleicht so viele Paare trennen, weil sie das Siechtum nicht ertragen, nicht das eigene und auch nicht das des anderen und dass einer übrig bleibt, fast immer und wie traurig das ist. Und dass der Kalender November schreibt und nun alle ans Sterben denken, weil es vor der Türe ist, weil Blätter fallen und zerfallen, weil sie dann zu Humus werden, wenn der Laubbläser nicht dazwischenfunkt und sie auf der Halde landen, fertig für das große Feuer. Als ob es im Sommer kein Sterben gäbe oder im Frühling und als ob es nicht erlaubt sei im November beschwingt zu sein. Und dass es vielleicht auch um gar nichts anderes geht, als Leben, nichts als Leben, das Sterben kommt ganz von allein.

(inspiriert von Glumm)

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48 Gedanken zu „Miniatur – 19 – 2017

  1. „Und dass es vielleicht auch um gar nichts anderes geht, als Leben, nichts als Leben, …“ – Ja, liebe Ulli, ich lächle Dir zu, nehme die wunderbare Musik in mich auf, und freue mich weiter der Novemberfarben. Diese Mischung aus Warmgelb und Dunkelgrau, jetzt vor meinem Fenster, und überall ringsum, diese Mischung enthält so alles … ein Kreislauf als Standbild.
    Einen warmen guten-Morgen-Gruß sende ich Dir aus meinem Schulhaus in Dein Ofenstübchen hinein
    Frau Rebis

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    • Gestern war hier ein Nebeltag, wie ich ihn schon ewig nicht mehr erleben durfte und als ich dann am späteren Nachmittag Richtung Laternenfest zu den Kindern fuhr, leuchtete es um so mehr. So schön!
      Ich wünsche dir einen erfreulichen Schultag,
      herzliche Grüße von mir und dem Knistern in meinem Ofen,
      Ulli

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  2. Das sich annerven, das am anderen Herummäkeln…es schleicht sich ein, erschreckend folgerichtig fast.

    Schöner Text von Dir!

    Und die Minimal-Musik gefällt mir sehr, genau nach meinem Gusto. Und das meine ich auch so, schreibe es nicht nur….

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  3. im herbst – der verfall, das absterben: das ist ja nur die oberfläche.
    das rad dreht sich weiter, ganz langsam und unmerklich wachsen unter den absterbenden blättern doch schon die knospen für den nächsten zyklus heran, also – das leben selber ist unsterblich (oder?) …

    dieses duo, liebe ulli, diese musik, hab ich irgendwann entdeckt auf youtube und höre die drums seither immer wieder gern. 🙂 liebsten pegagruß!

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    • So sehe ich das auch mit dem ewigen Kreislauf, also gibt es für mich keinen Grund im November ins Jammertal zu wandern 😉
      Ich habe dieses Duo auch schon oft gehört, war vorhin richtig erstaunt, dass es doch für Viele hier noch neu ist.
      Hast du gesehen, dass ich den Text 1000 Tode einegstellt habe?
      herzliche Grüße
      Ulli

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  4. Leben kommt auch ganz allein, liebe Ulli, genau wie Sterben. Wobei, genau besehen, die Wörtchen „kommen“ und „allein“ unpassend sind. denn beides ist ja ein Prozess, zu tiefst ineinander verwoben. Das Leben nährt sich aus dem Sterben, das sterben aus dem Leben, aber das weißt du ja.
    Was anderes ist es, ob wir es auch so empfinden können. Wer von frischem Leben umgeben ist und in sich die jungen Kräfte spürt, dem ist das Sterben etwas Ferngerücktes, wenngleich er genauso dran teilhat wie der, der in sich und um sich nur noch Absterbendes sehen kann. Und diesem zuzurufen, dass es „um gar nichts anderes geht, als Leben, nichts als Leben“, wird ihm nicht helfen.

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    • Ich glaube ja, dass es immer wieder um die innere Haltung geht, liebe Gerda, so auch beim Sterben. Dazu gehört für mich, dass ich diesen Prozess auch schon vorher betrachte, ohne zu wissen, wie es dann wirklich sein wird. Ich will ihn nicht romantsich verbrämen, aber eins möchte ich, nämlich dann sagen können: ich habe gelebt! Und je mehr ich den Tod in mein Leben gelassen habe, umso lebendiger bin ich geworden. Auch hat es mich noch nie vor zeitweiser Erstarrung oder Dunkeltäler geschützt, nur dass ich dieses heute auch als „Leben“ bezeichne.
      Letztlich gebe ich dir auch Recht, Menschen, die nur Absterbendes sehen oder in einer tiefen Depression gefangen sind, wird ein solcher Satz erst einmal nicht helfen, aber so war und ist es ja auch gar nicht gemeint.

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      • Liebe Ulli, wenn du „Sterben“ sagst, dann meinst du wohl diesen endgültigen Abschied eines Individuums (in dem Falle du selbst) von der Form, in der es gelebt hat? Also was dann in „Tod“ (Schluss, Aus) endet?
        Ich meinte den ständigen Sterbeprozess, der mit dem Lebensprozess verquickt ist, der immer mit abläuft, zB ich esse und in mir erstirbt das, was in der Nahrung lebendig war – und nur dadurch lebe ich. Das greift dann auch über die Individuen hinaus. In der Pflanzenwelt ist es uns ja ständig gegenwärtig, in der Tierwelt haben wir es als „Fressen und Gefressenwerden“, aber auch in der Menschenwelt ist es unausweichlich: die Jungen brauchen Platz, den sie erhalten, indem die Alten ihren Platz räumen, sprich sterben.

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            • Liebe Gerda,
              ich kann dir heute nicht wirklich folgen, leider und weiß nicht wo der Haken liegt.
              Beginnt denn nicht jedes Leben, in dem Moment in dem es geboren wird, in diesem Moment auch zu sterben, neben allem Wachsen?
              Für mich haben die Fragen um Leben, sterben und Tod wenig mit jung oder alt zu tun, als ich jung gewesen bin haben mich diese Fragen schon beschäftigt – und ich begreife sterben und Tod widerum als einen weiteren Übergang im Leben.

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              • Mir ging und geht es genauso, liebe Ulli: auch mich haben die Fragen von Leben und Tod schon sehr früh beschäftigt. Im Leben ist das Sterben immer enthalten. Leben und Sterben sind die zwei Seiten desselben Prozesses. Sterbend leben wir und lebend sterben wir. Einen endgültigen Tod gibt es ebenso wenig wie einen fixen Moment, an dem das Leben beginnt. Alles ist Wandlung der Form.
                Aber nun lass man, ich finde es schwierig, dies hier so kurz und abstrakt zu schreiben, und es kommt ja auch nicht darauf an.

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  5. wundervolle Hangmusik von einem neuzeitlichen Instrument, bei dem ich immer ganz genau hinsehe, um zu ergründen, wo die einzelnen Töne sitzen *g*
    und ein Beitrag über das Sterben, das immer passieren kann und niemals auf dem November beschränkt ist.
    Wie sollte sich der Tod auch um unsere Zeiteinteilung kümmern…
    Durch die vielen Gedenktage wird das Sterben sehr in unser Blickfeld gerückt und die trüben Tage tun fleißig ihr übriges dazu. Aber es gibt auch soviel Licht an anderen Tagen, da sollten uns die trüben nicht zu sehr erschrecken.
    Wie schön sind die herbstlichen Spaziergänge doch und so anders als in Frühling und Sommer.
    Und wenn ich daran denke, liebe Ulli, wie Du am Feuer sitzt und die herbstlichen Abende mit Freunden genießt,
    dann weiß ich, daß es eine wundervolle Erfahrung auch für mich sein könnte.

    Liebe Novembergrüße von Bruni

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    • Es ist seltsam in diesem Jahr, liebe Bruni, das Radio schweigt schon seit 2 Woche, die Zeitung lieg ungelesen herum, die Gedenktage sind zwar present, aber in diesem Jahr beschäftigen sie mich nicht. Keine Ahnung wieso und warum, es ist gerade eben enfach so und es ist weder gut, noch schlecht, es ist!
      Ich freue mich über deins zu mir hin und danke dir dafür,
      herzliche Grüße
      Ulli

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  6. …wie fein die beiden miteinander musizieren und welche Freude es ihnen bereitet, ich mag sie sehr…würden Paare dazu bereit, vorbereitet, hätten sie es gelernt oder besser, wären sie in Umfelden solcher Zweisamkeit aufgewachsen, könnten sie diese auch besser leben…so sind wir hinausgeworfen und treiben oft wie welke Blätter im Wind, die dem Stamm und dem Leben auf seltsame Weise entrissen wurden…

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