Winter ist anders…

Ich habe am Abend ein Laubfeuer entzündet. Die große Linde entblättert sich, Tag für Tag – wie es knistert, wie es duftet, wie das Laub dann die Rindenstückchen, die dünnen Ästchen, später die Scheite entfacht! Das Gelächter, das ums Feuer kreist, ist so ehrlich, wie der Feuergeruch in meiner Jacke … Herbstlieder.

Ich schrieb es schon einmal: ich bin ein Übergangsmensch. Ich erblühe im Frühling, im Herbst beginne ich zu leuchten – in der Winterstille wohnt das ganze Jahr: vor und zurück – im Sommer sterben meine Worte, Jahr für Jahr, trotz aller Fülle oder gerade deswegen? Ich denke an das Sommermädchen, das ich einst gewesen bin…

Manches spricht und denkt sich aus Gewohnheit, der alternde Körper hat eine eigene Sicht. Kein Jammern, kein Zagen, gerade eben auch keine Angst, kein Tod, nur dieses unglaubliche Leuchten: so golden, so grün, so rot, so orange – das Leuchten des Alters, Winter ist anders.

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55 Gedanken zu „Winter ist anders…

  1. Ein schoen stimmungsvolles Bild, liebe Ulli. Laubfeuer entzuenden werde ich hier nicht. Vielleicht, wenn mich die Arbeitswut packen sollte, Laub und gemaehtes Grad zusammenfegen und auf den Kompost bringen. Apropos Blaetter: so enorm viel haben wir hier ja auch gar nicht. Einzig und allein ein Ahornbaum wirft schon maechtig ab, aber der ist – leider – auch sehr krank. An den anderer Baeumen werden manche Blaetter schon gelb und/oder welk [wie z. B. die Bois d‘ Arcs, die ich hier direkt vor meinem Buerofenster sehe], aber nicht so viele. Das koennte jetzt, mit den stark fallenden Temperaturen in den naechsten Naechten, aber bald kommen. Unsere vielen Eichen dagegen werden die Blaetter erst im Fruehjahr abwerfen, kurz before die neuen kommen. Auch als Laubbaeume sind sie fast immergruen. Was unsere Zedern – auch davon haben wir viele – ja sowieso sind.
    Sei herzlichst gegruesst,
    Pit

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    • Lieber Pit, ich schreibe ja neuerdings mit einer Cousine hin und her, die seit 30 Jahren in Kalifornien lebt und auch sie hat keinen „Indian summer“ – ich kann es mir gar ncht richtig vorstellen!
      Hier staune ich, wie rot der Herbst in diesem Jahr ist!
      Herzliche Grüße
      Ulli

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  2. Ja, der „Indian Summer“, liebe Ulli. Dafuer leben wir hier eben viel zu seit suedlich und haben die falsche Vegetation. Aber irgendwann werden Mary und ich es schon noch im Herbst bis rauf in die Neuengland-Staaten schaffen und uns dort am bunten Laub erfreuen. Oder unsere Cousine in Denver besuchen und von dort in die Rockies. Da gibt es bei den Espen auch wunderbares Faerbungen. Und hier bei uns verfolge ich die Webseite der Lost Maples Natural Area: das ist das einzige Vorkommen von wirklich vielen Ahornbaeumen an einem Fleck, und nicht weit [ 1 1/2 Std.]. Wenn die melden, dass die Baeume sich faerben, dann juckt es mich. dorthin zu fahren. Mal schauen.
    Leibe Gruesse,
    Pit
    P.S. Du hast eine Cousine in Kalifornien? Interessant! Hoffentlich war die nicht von diesen fuerchterlichen Waldbraenden betroffen.

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    • So dachte ich es mir, lieber Pit, aber wenn die Ahörner nur eineinhalb Stunden entfernt sind, dann würde ich einen Ausflug machen, auch hier sind es die Bergahörner, die so wunderbar leuchten, neben den Obstbäumen, besondern Birn- und Pflaumenbäume-
      meine Cousine wohnt ca. 30 km von LA entfernt, von Waldbränden schrieb sie bislang nichts…?
      herzlichst
      Ulli

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  3. Das ist das, was mir dieses Jahr hier besonders fehlt: Rot. Unsere Blätter werden gepflegt gelb oder schon vorher braun und fallen dann ab. Neee, wettermäßig gesehen war es kein gutes Jahr bis jetzt. Mal sehen, ob es so bleibt …
    Wie sehr ich deinen Gedanken mag: das Leuchten des Alters! Winter ist anders, ja, allerdings. Aber eigentlich mochte ich den Herbst schon immer, auch als ich noch jung war.
    Haben wir innere Jahreszeiten?
    Liebe Grüße
    Christiane

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    • Liebe Christiane, ich lese es immer wieder, dass ihr Nordlichter dieses Jahr wirklich die Regenkarte gezogen habt und das dauert mich auch immer wieder zu lesen und zu hören, allerdings fand Maren wunderbar rotes Gras im Moor, vor den Toren von HH und wir fanden beide, dass dieser Herbst viel Rotes im Gepäck hat, aber das kann innerhalb der Stadt natürlich ganz anders sein.
      Ich finde schon, dass auch der Mensch innere Jahreszeiten hat. Schon etwas länger denke ich, dass ich mich im Herbst des Menschseins befinde, anfänglich war Erntezeit und wenn jetzt alles gut geht leuchte ich noch eine Weile und hoffe, dass mein ganz persönlicher Winter nicht nur karg ist, sondern, dass darin alles enthalten sein wird: vor und zurück … weiteres schreibe ich jetzt noch als Antwort an Gerda, aber eben auch für dich!
      liebe Grüße
      Ulli

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      • Liebe Ulli, wir hatten einfach noch keinen Frost bzw. niedrige Temperaturen im richtigen Moment, daher lassen die Farben zu wünschen übrig, so erkläre ich mir das.
        Ich finde das, was du zu den inneren Zeiten sagst, gut und richtig und denke auf meinen eigenen herum: Als Kind habe ich alle Jahreszeiten exzessiv genossen, ich war immer draußen; aber bald hat sich bei mir so ein spezielles inneres Leuchten (danke für das Wort) eingestellt, wenn der Frühherbst in den Spätherbst umschwenkt: Alles strahlt in voller Pracht, aber der Verfall blickt schon um die Ecke, ist schon überall da … nur dass das in der Natur ein harmonischer Kreislauf ist, unendlich, und unendlich beruhigend und wohltuend.
        Ich glaube, ich geh jetzt noch mal deine Schilde lesen.
        Herzlichst zum Tag
        Christiane

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        • Guten Morgen, liebe Christiane, ich denke an dem harmonischen Kreisluaf herum, auch bei den Menschen ist es ein Kreislauf, warum wir ihn vielleicht nicht als harmonisch betrachten können, ist wohl, dass es Schmerzen und Ängste gibt?
          Ich wünsche dir Gutes und Schönes,
          herzlichst
          Ulli

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          • Ich glaube, dass wir immer Angst haben vor dem, was wir nicht kennen, und den Vergleich mit der Natur einfach nicht ziehen, dieses „Krone der Schöpfung“-Ding. Und natürlich ist es etwas anderes, es von außen quasi rational zu betrachten oder mitzuerleben, dass der eigene Körper anfängt zu „spinnen“ oder brüchig zu werden … Ach.
            Auch dir, Ulli, auch dir!
            Christiane

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            • Ich bemühe mich ja sehr in und mit den Analogien zu leben, allerdings schützt es mich in manchen Phasen nicht Ängste zu haben oder zu leiden, gerade eben spinnt der rechte Arm, nachdem ich mich vorgestern auf meiner Terrasse lang gelegt habe, ich glaub ich muss mal nachschauen lassen…
              Und dann denke ich aber auch wieder, dass es gut ist sich mit allen Themen zu beschäftigen, es ist so eine Art Wappnung für das was unweigerlich kommt, nur eins möchte ich nicht, dass mein Hirn schlapp macht, bevor ich gehe!
              Ausatmen, den Sonnenschein über den blauen Bergen hineinlassen und mich auf den heutigen Gang mit dem Sohn freuen.
              liebgrüß

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  4. Ich verstehe deine Gedanken liebe Ulli und empfinde die Jahreszeiten so wie du. Die Übergänge haben für mich Magie und Traurigkeit zugleich. Etwas Neues kommt und etwas Wunderbares geht. Der Sommer ist wirklich schön, aber Gleichförmigkeit inspiriert mich nicht. Dir einen fröhlichen Abend!

    Gefällt 4 Personen

    • Am Anfang des Sommers schrieb ich: dass der Sommer meine Sammelzeit ist und außerdem ist er die Zeit für den Badesee, aber eben auch die Zeit, in der ich saisonbedingt immer am meisten arbeite…
      Aber ich stimme mit dir überein, lieber Arno: Gleichförmigkeit inspiriert mich auch nicht wirklich! 😉
      herzliche Grüße
      Ulli

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  5. *Ich erblühe im Frühling, im Herbst beginne ich zu leuchten *
    Wie schön ist das, liebe Ulli. Leuchten zu können ist etwas wundervolles und an sonnigeren Herbsttagen leuchte ich auch, aber wenn nur trübe Regentage kommen, verblasst bei mir das Leuchten und ich beginne langsam, mit Kerzen nachzuhelfen *g*
    Liebe Grüße an Dich von Bruni

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    • Liebe Gerda,
      heute Morgen, als ich, wie jeden Morgen auf die Terrasse trat, um den Fernblick zu genießen, sah ich blaue Berge, sie waren von einem sehr feinem Nebel umhüllt, dahinter kamen die Alpen hervor, ich fand das so wunderbar (es gibt bald die Bilder zu sehen)- bei dir ist es noch einmal anders, du/ihr habt so lange auf den Regen gewartet, ich stelle es mir als eine Art Befreiung vor!
      Aber hej, ich dachte du pausierst heute 😉 umso schöner dich doch noch zur späten Stunde hier anzutreffen!
      Herzliches zur guten Nacht an dich,
      Ulli

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  6. Hi Ulli! Mir sind jetzt die Übergangszeiten auch die liebsten, wenn ich auch mit einem fulminanten Muskelkater – wie jedes Jahr – hier sitze. Vielleicht müssten wir öfter harken, hacken und und bücken. Nun fällt mir das Lachen schwer was am übelsten ist und ich hoffe die zwei, drei Tage der heftig irritierten Muskeln, besonders auf meiner rechten Körperseite, beruhigen sich. Ein längerer Spaziergang ist wohl heute angesagt, nach einem ausgeprägten Regentag gestern. Der Winter hat es jetzt bis Dalarna und Värmland geschafft -steht also vor der nördlichen Tür. Aber der Garten ist schnieke…., das Frühjahr kann kommen mit viel Laub auf den drei Rönnbärbäumen vorm Haus, die Grasmatte ist vertikutiert, gedüngt und das Gras hat eine gute Länge. Vor dem Frost möchten nur die Rosen noch etwas Schutz, es wird am Hauseingang wieder eine Lichterkette geben und ich habe von nun an viel Zeit für Textiles jeder Art. Ich bin zufrieden und freue mich. Jemand sagte neulich: „Zufriedenheit ist eine Lebensweise“. Wie wahr! Herzliche herbstliche Grüsse und einen weiteren rötlich schimmernden Tag Ruth

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    • Guten Morgen, liebe Ruth, Zufirdenheit st eine Lebensweise, das gefällt mir! Danke…
      Ja, bei euch kommt der Winter schneller, obwohl wir auch schon im Oktober Schnee hatten, aber diese Zeiten scheinen vorbei zu sein, ich bedauer das nicht! Du Fleißige, da wünsche ich dir, dass du bald wieder ohne Kater Lachen kannst:)
      herzlichst
      Ulli

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  7. Liebe Ulli, ich hänge deinen Sätzen nach. Und empfinde ganz ähnliches.
    Früher liebte ich den Sommer. Eine Bekannte nannte mich immer Sonnen-Bella. Doch es hat sich verschoben. Ich finde erst im Herbst zurück in meine Sprache … da formt sich plötzlich Poesie, die in den hellen Tagen und Nächten gänzlich fehlt. Und die schönsten Fotografien entstehen ebenfalls, wenn der Sommer vergangen ist.
    Rotgoldene Grüße zu dir.

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    • Guten Morgen Sonnen-Bella 😉 – vielleicht liegt es ja wirklich am Älterwerden, dass wir erst im Herbst wieder Worte finden. Spannend ist es auf alle Fälle, dass es dir auch so geht!
      Da wünsche ich dir eine feine Herbstpoesie, liebe Grüße
      Ulli

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  8. liebe ulli,
    nun lese ich gerade eben, was du hier geschrieben hast – bin ja immer verspätet 😉 – und ich möchte dir einfach mitteilen, wie gut es mir tut in diesem moment jetzt: ein trost ist mir das leuchten, das du hier aufrufst, beschwörst, und so viel schönheit und freiheit schimmert durch deine worte hindurch und berührt mich: ich versuche mir das laubfeuer vorzustellen … und denke daran, dass ich am letzten novemberwochenende zu einer schwitzhütte fahren werde. ich freue mich und danke dir sehr!
    sei umarmt!
    pega

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      • oh ja, leipzig war eine sehr schöne erfahrung! hab zu fuß etwas die stadt erschnuppert und traf dann alsbald die frau, die mich eingeladen hatte. die lesung war sehr fein vorbereitet, es kamen richtig viele (junge) menschen. die atmosphäre ganz lebhaft, unkompliziert, freundlich. nach der lesung blieben die meisten da zum feiern, es gab kürbissuppe, torten – und: cocktails wurden gemixt! da ich davon nix verstehe, hab ich mir einen überraschungscocktail gewünscht und bekam einen „white russian“. hochlecker! – ja, ich war, wie eigentlich immer, wenn ich lese und performe, sehr aufgeregt und sehr glücklich und habe die reise ganz und gar genossen!
        einen schönen abend wünsche ich dir jetzt und schick dir liebe grüße: pega 😉

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  9. Liebe Ulli,
    dieses Leuchten – aus den Bildern, aus Deinen Worten, ganz tief aus Dir – das erfasst jetzt auch mich hier. Ich bekomme einen Moment des Strahlens geschenkt … wie tröstlich, wie besänftigend, solches plötzlich zu erleben.
    Auch ich bin ein Übergangsmensch, und war es wohl schon immer – an ein Sommerkind in mir kann ich mich nicht erinnern. Im Winter war ich schon eher zu Hause als Kind, glaube ich, obwohl es kaum richtige Winter gab. Doch der Frühling weckte mich auf, immer schon, und der Herbst erst. Die Farben sind meine, und was danach kommt, diese trübnebligen Nieselregentage, dies ist eines meiner liebsten Spazierwetter. Wann ich dies zu lieben gelernt habe, weiß ich gar nicht mehr. Jedenfalls kommt bald wieder die Zeit, in der alle ringsum den Nebel beschimpfen, und nur ich gern hinausgehe …
    Vielleicht finde ich jetzt in der Woche im Norden schon ein wenig Nebel? Liebste Herbst- und Herz-Grüße zu Dir
    Frau Rebis

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    • Das teilen wir, manchmal bedauere ich, dass ich nur von oben auf die Nebelmeere schauen kann, obwohl das natürlich auch einen sehr zauberhaften Reiz hat!
      Du Liebe, hab eine gute Nordzeit,
      liebe Grüße
      Ulli

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