A = Anstand

In der jetzigen Ausgabe der „Zeit“ gibt es ein langes Essay von Axel Hacke über den Anstand. Wieder einmal dachte ich auch an das Alphabet des freien Denkens von Gerda und dem Alphabet der mutigen Träume von mir, die wir Ende letzten, Anfang diesen Jahres geschrieben haben; ich dachte erneut über ethische Werte nach.

Anstand ist ein Wort, ähnlich wie Demut, dem viele erst einmal ablehnend gegenüber stehen, vielleicht fielen in der Kindheit zu oft die ermahnende Sätze: „Benimm dich anständig“ oder „So etwas tut man nicht, das gehört sich nicht, etc.“

Axel Hacke schreibt:

Anstand ist eine Sache jedes Einzelnen und damit eine Sache von uns allen. Menschen können nur im Zusammenleben mit anderen existieren. Unsere Gesellschaft tendiert dazu, das zu vergessen. Wir ziehen uns in die Sicherheit der eigenen sozialen Schicht zurück. Verlieren uns in der Arbeit an der eigenen Performance. Wir basteln immerzu am Ego und viel zu selten am Wir …

Anständig zu sein bedeutet, so fand ich, Rücksicht auf andere zu nehmen, und zwar auch dann, wenn einem gerade nicht danach zumute ist, also: in der Trambahn für ältere Menschen aufzustehen, auch wenn man selber müde ist; einen kranken Freund zu besuchen, auch wenn man eigentlich keine Zeit hat; sich in einer Schlange nicht vorzudrängeln, auch wenn man es eilig hat …

Herr Hacke zitiert den Germanisten Gert Ueding:

Wenn die Regeln des Umgangs nicht nur Vorschriften einer konventionellen Höflichkeit oder gar einer gefährlichen Politik sein sollen, so müssen sie auf die Lehren von Pflichten gegründet sein, die wir allen Arten von Menschen schuldig sind. Das heißt: ein System, dessen Grundpfeiler Moral und Weltklugheit sind, muss dabei zum Grunde liegen.

Und genau bei dieser Art von Formulierung wird es für mich schwierig! Ich möchte gerne das Wort Moral durch Ethik ersetzen und ich weiß auch nicht ob irgendein Mensch jemand anderem etwas schuldig ist. Weiterhin kommt dazu, dass sich ethische Richtlinien (Moralvorstellungen) wandeln: war es noch in meiner Kindheit verpönt, dass sich Liebende in der Öffentlichkeit küssten oder gar knutschten, so ist dies heute in unserer Welt normal und niemand nimmt Anstoß. Warum nicht das Ganze vereinfachen, im Sinne von Kant (ebenfalls von Herrn Hacke zitiert):

Teilnehmen an dem Schicksal anderer Menschen.

Es ist ja keine Frage, ob oder dass wir in einer gespaltenen Welt leben, auf der einen Seite erleben wir eine zunehmende Verrohung, zu der auch der jetzige amerikanische Präsident gehört, der von Anstand gegenüber Frauen, Andersdenkenden und anderen Ethnien nichts mitbekommen zu haben scheint und derjenigen Menschen, die aufrichtig bemüht sind Gutes in die Welt zu säen und zu leben. Wieder einmal denke ich an den Satz: Wir wirken weniger in der Welt durch das, was wir tun, als dadurch wer wir sind; es ist die Haltung hinter unserem Handeln, die trägt; falsche Freundlichkeit wird schnell entlarvt, Gefühlsduselei lässt sich von echtem Mitgefühl unterscheiden.

Was ist nun Anstand? Spontan fielen mir folgende Begriffe dazu ein: Mitgefühl, Loyalität, Hilfsbereitschaft und Kompromissfähigkeit. (Ich freue mich, wenn ihr mir schreibt was für euch Anstand ist!)

Wir alle kennen die Rüpel*innen der Straße, wir kennen die Rücksichtlosen, die Egoist*innen, die Ignorant*innen, was aber wenn wir selbst ihnen freundlich begegnen? Das hat schon zu mancher Überraschung geführt und ich kann dazu nur ermutigen!

Hierzu möchte ich noch eine Geschichte von diesem Sommer mit euch teilen, die ich schon am Sonntag Marie im Kommentarstrang erzählte: … ich hatte im Sommer einen dreizehnjährigen Jungen in meiner Gruppe, der sehr aggressiv war, gleichzeitig war er derjenige, der sehr feine Zeichnungen machte, tolle Ideen einbrachte und sehr besondere Erfahrungen machte; ich erkannte seine Not hinter der Aggression – als ich dann am Ende (nach vier Tagen) die gute Fee gespielt habe und aus allem, was sie selbst erfahren und erkundet hatten, meine guten Wünsche für sie gewebt habe, saß er sehr verkrampft neben mir, bis er an der Reihe war, ich spürte seine Angst und dass die Aggressionen Thema werden könnten, aber ich war ja die gute Fee und wie bei allen anderen hatte ich seine Erfahrungen und Erlebnisse in die guten Wünsche gewebt, die Aggressionen ließ ich bewusst außen vor, zumal er das ja schon längst kennt; es war so berührend danach sein Ausatmen zu spüren und die Tränen in seinen Augen zu sehen! Diesem Junge wünsche ich noch viele solcher Erfahrungen in denen er in seinen Qualitäten wahrgenommen wird und dafür eine Anerkennung bekommt. Denn genau daran mangelt es ihm, so meine Wahrnehmung, wie sonst soll ich mir seine Tränen erklären. Er durfte dieses Jahr eine Erfahrung machen, dass er für das, was unter seiner Aggression liegt gewertschätzt wurde, möge ihn diese Erfahrung durch dieses Jahr tragen. Ich hoffe sehr, dass er auch im nächsten Jahr wieder in meinem Zelt sitzen wird!

Für mich gelten weiterhin folgende Begrifflichkeiten aus meinem Alphabet der mutigen Träume im Umgang mit anderen, die meines Erachtens zu einem rücksichtvollerem und friedlicherem Miteinander führen (die Liste ist nicht vollständig, wer mehr erfahren will, der kann die Suchmaschine bemühen) und für mich auch zum Anstand gehören:

D = Demut

G = Güte

H = Hilfe

K = Kommunikation

L = Liebe

M = Mitgefühl

P = Prudentia/Klugheit



Anmerkung

Die obige Fotomontage ist ebenfalls zu dem mutig erträumten Alphabet entstanden, E = Einigung, ich schrieb dazu:

„Die obige Fotomontage macht deutlich, dass jede Einigung zwischen zwei verschiedenen Parteien zu einer neuen Farbe/einem neuen Gedanken führt. Die Gräben, die Zwistigkeiten und Meinungsverschiedenheiten ausheben, können so wieder geschlossen werden. Einigung geht über den Kompromiss hinaus, Einsicht gehört für mich zur Einigung hinzu.“ Heute denke ich, dass der Kompromiss zum Wohle aller mit zum Anstand gehört, Kompromiss steht noch vor der Einsicht und dem Zulassen von neuen Gedanken.

56 Gedanken zu „A = Anstand

  1. Pingback: Gehen, Sehen …. (13) – diespringerin

  2. Ach, das ist hier oft Thema bei uns. Ich denke oft auch an Verantwortung. Viel zu oft beobachte ich, dass sich wie die Axt im Walde verhalten wird. Fragt man dann mal nach oder stellt zur Rede, so hat doch der andere Schuld am Desaster. Die eigene Verantwortlichkeit am Geschehen wird gar nicht in Betracht gezogen. Ein ganz großes Thema. im Werte-Index lese ich, Anstand kommt von „zum Stehen kommen“ und denke dann daran, dass das eine Fähigkeit ist, die in der heutigen Zeit sehr schwierig ist.
    Grüße, Heike

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    • Mir gefällt, dass du das Thema der Verantwortung miteinbringst, die gehört für mich auf alle Fälle auch dazu und ist doch selbstverständlich nicht! „Zum Stehen kommen“ verstehe ich einmal innezuhalten, anstatt direkt zu reagieren, wahrlich nicht immer einfach und schon gar nicht in der Hitze einer Diskussion!
      Danke, Heike,
      herzlichst
      Ulli

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      • Ich mag auch den Begriff der Verantwortung lieber als den des „etwas schuldig sein“ – obwohl der Herr Ueding es sicher gut meint . Dennoch sind Begrifflichkeiten wichtig, und wenn es z sehr nach aufgezwungener Pfluchterfüllung klingt, wird es nicht funktionieren. Mir gefällt das Bild vom Stehenbleiben sehr, vom Innehalten: aufmerksam, einfühlsam, zugewandt sein und in der bewussten Verantwortung für uns selbst, für unsere Mitmenschen, für alle Wesen, für unser aller Lebensraum zu handeln – das sollte unsere Maxime sein. Wer so lebt, dem wird es an Anstand nicht mangeln!

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  3. Guten Morgen liebe Ulli, ich habe sehr interessiert deinen Beitrag gelesen, weil ich mich lange mit diesem Thema beschäftigt hatte, bevor ich meine eigene Lösung fand. Anstand entseht aus Respekt. Den anderen gegenüber, aber zuerst für sich selbst, denn wenn wir uns respektieren, können wir uns und auch andere akzeptieren und lieben. In Zusammenhang mit Moral habe ich dieses Thema noch nicht gesetzt, werde es aber jetzt tun. Dir wünsche ich wunderbare Ausblicke aus dem Fenster!

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    • Lieber Arno, ja, der Respekt gehört unbedingt dazu und ist wohl der Motor hinter dem Anstand. Ob ich aber erst mich und dann die anderen respektieren muss/kann ist für mich eher eine Schiffschaukel, wenn ich respektvoll behandelt werde kann dies auslösen selbst respektvoller zu handeln. Das wären wir wieder beim positiven Vorleben …
      herzliche Grüße
      Ulli

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  4. Du hast viel in den Post gepackt, liebe Ulli, einiges gefällt mir, anderes nicht so. Ich möchte nur auf die Kernfrage eingehen: was ist „Anstand“ für mich?
    Anstand ist zunächst mal eine anerzogene Haltung. Die Älteren sagen zum Kind: das tut man nicht. das gehört sich nicht. Ich wollte, dieser einfache Anstand würde gelegentlich beherzigt. Wenn es tatsächlich passiert, macht es den Zuschauer oder Betroffenen froh, zB wenn ein Jugendlicher in der Tram aufsteht oder wenn sich zwei junge Menschen in der Tram mit der Knutscherei zurückhalten, weil es eben doch stört oder wenn jemand einem Behinderten an der Kasse den Vortritt lässt…
    Anstandsregeln können sich erweitern zum „Rücksicht nehmen“. Da geht es dann nicht mehr um vorgeschriebene Verhaltensweisen, sondern um ein feineres Empfinden für die Bedürfnisse der anderen. Dann bemerke ich, dass da am Tisch jemand sitzt, der auch gern mal ein Wörtchen mitreden möchte, oder dass mein Hund mit seinem nächtlichen Bellen dem Nachbarn den Schlaf raubt. Der nächste Schritt ist dann wohl Es handelt sich um Verinnerlichung des einfachen Anstands zu „Mitgefühl“. Dann „spricht das Herz mit“. Ich sehe zB jemanden, der mir einsam zu sein scheint, nehme an, dass er eine menschliche Nähe braucht, setze mich daher zu ihm und beginne vorsichtig ein Gespräch. Ich kann damit völlig falsch liegen. Es ist gut möglich, dass er mich lästig findet, denn in Wirklichkeit wartet er auf eine heimliche Geliebte (Slapstick-Motiv). Liebe Grüße dir! Gerda

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    • Liebe Gerda, aus all deinem lese ich die Rücksichtnahme (neben dem Mitgefühl und der Erziehung), so, wie du es ja auch selbst benennst und wie ich Kants Satz verstehe: „Teilnehmen an dem Schicksal anderer Menschen.“ Ob ich mich aber zu einem Menschen setzen würde, weil er mir einsam erscheint würde ich mir wahrscheinlich oft überlegen, dahinter steht meine Angst aufdringlich zu sein …
      herzliche Grüße
      Ulli

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  5. einfach wunderbar, dieser beitrag, liebe ulli!
    und wie sehr mich die episode mit dem jungen berührt.
    anstand – den ich ganz wichtig finde im zusammenleben! – hat für mich (neben allem, was du hier auch anführst) auch mit „über-den-eigenen-schatten-springen“ zu tun, eben dann, wenn einem jemand nicht mit anstand begegnet, sich nicht verleiten zu lassen sich ebenso zu verhalten, sondern seinen anstand, seine freundlichkeit zu bewahren. wie du schon sagst… das kann etwas bewirken, und selbst, wenn es das nicht tut, so kann ich mir selbst doch immer noch ins gesicht sehen. jeder mensch verdient es, mit anstand behandelt zu werden, wahr-genommen zu werden.
    ich grüße dich herzlich, mit sonne!
    diana
    ps – und das bild gefällt mir sehr!

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    • Liebe Diana, „über-den-eigenen-Schatten-springen“ ist wohl die schwierigste Übung, nicht zurückzupoltern, was ja oft die erste Reaktion ist, sondern gelassen und freundlich zu bleiben; immer wenn ich so handel, spüre ich auch eine Art Aufregung in mir, ein Herzklopfen, weil ich meine erste Reaktion, ärgerlich zu sein, runterschlucken muss. Aber gerne übe ich genau das weiter!
      liebe Grüße
      Ulli

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  6. Anstand kann man zerlegen in an/bei und stand/stehen. Anstand hat etwas mit beistehen zu tun, und da ist es für mich egal, ob anerzogener Anstand oder über-seinen-Schatten springen.
    Wenn ich den Menschen sehe – ob fremd oder bekannt – und ihm beistehen kann (z.B. den Platz anbieten, ihm Zeit fürs Zuhören schenken…), ist das eine Form von Anstand.
    Sicher ist Anstand auch anerzogen. Sind die anerzogenen Werte nicht oft die, die sich bewährt haben, die Tradition haben?

    Danke für diesen tollen Beitrag, liebe Ulli.
    Ich lasss ihn noch nachklingen…

    Herzliche Grüße,
    Anna-Lena

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    • Liebe Anna-Lena, beistehen gefällt mir sehr in diesem Zusammenhang, ich danke dir für diese Erweiterung. Die anerzogenen Werte müssen und werden überprüft, was ja meistens in der Pubertät einsetzt, wenn die jungen Menschen die Spreu vom Weizen trennen, wenn etwas als wahr empfunden werden kann werden diese Werte auch später von diesen Menschen verinnerlicht und weitergetragen, gerade darum ist es die Begleitung von Kindern und Jugendlichen so unglaublich verantwortungsvoll.
      liebe Grüße
      Ulli

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  7. Anstand ist vorausschauendes Denken. Es behält das Gemeinwohl im Blick und schadet nicht bewusst anderen um sich selbst zu dienen. Anstand ist nicht zu verwechseln mit Altruismus, sondern eine natürliche Autorität, die ihre Macht nicht ausspielt um sich selbst zu dienen, weil sie stark genug sein kann, das nicht zu brauchen. Wütende Kinder brauchen gute Feen wie Dich….
    Liebe Morgengrüße✨🦋

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    • Deine Erweiterung des Anstand-Begriffs gefällt mir, liebe Fee. Ursprünglich ist Anstand ja nur ein gelerntes normengerechtes Verhalten. Es wird, wenn verinnerlicht, vielleicht (im guten Fall) zu Mitgefühl und vorausschauendem Denken. Sonst bleibt es eben, was es ist: ein Verhalten, das das Miteinander von Menschen auf engem Raum regelt und erleichtert. LG Gerda

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    • Liebe Stefanie, danke für deine Erweiterung auf vorausschauendes Denken und die natürliche Autorität! Hier zeigt sich wieder we wichtig es ist bewusst zu handeln und schon im Vorfeld für sich selbst das eine und andere durchdacht zu haben! Ich selbst kann aber nun den Altruismus nicht ganz davon abtrennen, da ja auch er per Definition Uneigennützigkeit und Selbstlosigkeit im Gepäck hat und die Rücksicht auf andere auch.
      Herzensgrüße von Fee zu Fee 😉
      Ulli

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      • Liebe Ulli,
        Anstand ist ein weiter Begriff, schau wie viel Dir selbst dazu eingefallen ist…und ja, Altruismus an sich ist werteneutral. Ich formuliere mich also mal anders, besser, wie ich hoffe: Ein Altruismus, der die eigenen Bedürfnisse zurück stellt zum Wohl anderer und dabei darauf achtet, dass ihm selbst kein Mangel oder Schaden daraus entsteht, ist gesund., nichts zu tun hat, denn er wird freiwillig gegeben und gelebt. Kann man das so sagen? Du regst wieder schön an. Danke✨

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  8. Der Beitrag und ebenso die Kommentare sind eine echte Inspiration und beim Lesen horcht man in sich hinein – ja, was bedeutet Anstand für mich? Die kleine Liste von Ulli umfasst schon einen großen Teil. Auch Arnos „Respekt“ und Gerdas „Rücksichtnahme“ finde ich wichtig. Ich selbst würde noch „Empathie“ hinzufügen – Anstand gegenüber anderen verlangt auch immer, sich in die Lage der anderen versetzen zu können.

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      • Ja, Mitgefühl, Mitleid, Mitfreude sind auf jeden Fall Aspekte der emotionalen Empathie. Daneben gibt es aber auch die kognitive Empathie, bei der man versteht, was in dem anderen vorgeht.
        Ich denke, beide Formen der Empathie spielen eine Rolle.
        Nebenbei bemerkt… Ist es nicht merkwürdig, dass die Worte Mitgefühl und Mitleid sehr häufig verwendet werden, jedoch Mitfreude kaum zum allgemeinen Sprachgebrauch gehört?

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        • Stimmt, Mitfreude wird seltenst genannt, aber durchaus praktiziert – ich freue mich sehr gerne mit – Menschen, die das nicht können sind neidisch und das mag ich gar nicht, auch nicht an mir, wenn ich ihn spüre, für mich ist es dann ein Aufruf mich und mein Leben zu überprüfen und was der Neid mir eigentlich zu sagen hat, dann verflüchtigt er sich schnell und ich bin wieder in der Mitfreude!

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  9. Ich möchte noch einen Gesichtspunkt hinzusetzen. Neben dem etwas Autoritäts-belasteten Begriff „Anstand“ gibt es das viel menschlichere „anständig“ zwischen Kindern und Kumpels. „Das war anständig von dir“ (dass du mich nicht verpfiffen hast, dass du die Schuld auf dich genommen hast, damit ich keine Prügel beziehe, dass du mir was von deinem Taschengeld abgetreten hast, dass du mich hast abschreiben lassen) oder auch „das war nicht anständig von dir“ (dass du mich verpetzt, verraten, betrogen, beklaut hast). Anständig bedeutet dann solidarisch Beistand leisten GEGEN die Gesetzte und Normen der Autoritäten.

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  10. Ich möchte den ebenso einfachen wie genialen Satz „Behandle andere so wie du behandelt werden möchtest“ hinzufügen. Wenn man länger darüber nachdenkt, steckt da alles drinnen. Regeln wie in der Öffentlichkeit knutschen oder nicht haben nichts mit Ethik zu tun, das sind nur Verhaltensnormen einer Gesellschaft, die in einer anderen ganz anders sein können ohne dass eine der beiden Gesellschaften deswegen „unanständig“ wäre.
    Das Verwechseln von Verhaltensnormen und ethischen Grundsätzen ist ja ein Problem , das gerade sehr aktuell ist.

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  11. 🌸🌺🌹🌷🥀🌫🌻🌼💐🌾🍂da hast du ein paar Blümchen…..ansonsten scheint alles gesagt. Anstand….so ein Riesenthema. Gerade gestern erlebte ich, wie zwei Frauen in einem überfüllten Zug den Sitz neben sich mit Taschen und Beuteln zugepackt hatten und ganz vertieft in ihre Laptops und Aufzeichnungen waren. Sie schauten zwar auf, ignorierten aber die suchenden Blicke der Mitreisenden nach einem Sitzplatz. Ein solches Verhalten macht mich zum Beispiel fassungslos. Solche Beispiele kenne ich zuhauf und ich mach mir so meine Gedanken dazu. Liebe Grüße, Marie

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    • Danke für die Blumen, liebe Marie 🙂
      Was du beschreibst nenne ich Egoismus und Skrupellosigkeit und natürlich beobachte ich auch so einiges von solch ungebührlichem Verhalten, nicht schön! Umso wichtiger ist es, dass wir andere Zeichen setzen!
      Herzensgrüße sende ich dir
      Ulli

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      • das sind harte Worte, Ulli: Egoismus und Skrupellosigkeit. Mir scheint, es ist einfach das Fehlen von Wahrnehmung, was sonst noch so in der Welt geschieht, außer in dem ach so interessanten Innenraum des Ich. Sie sind abgedriftet. Wenn man solche Damen anspricht, räumen sie oft ganz erschrocken ihre Taschen von der Sitzbank, kann sogar sein, dass sie sich entschuldigen, wie Ertappte. Manchmal gucken sie auch mürrisch, aber das ist eher selten. LG Gerda

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        • Es kann auch so sein, wie du sagst, liebe Gerda, aber anchmal erlebt man auch große Ruppigkeiten, wenn man darauf anspricht und dann empfinde ich es eben als eogoistisch und skrupellos, sorry …

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  12. Ohne die Kommentare gelesen zu haben: ich liebe diese Geschichte von dem Jungen, die auch mir die Tränen in die Augen getrieben hat, etwas ähnliches habe ich kürzlich erlebt, es ist so berührend und erfüllend. Zum Anstand: ich glaube für mich ist Respekt das Zauberwort. Mich selbst respektieren und anderen mit Respekt begegnen. Das ist Anstand.

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  13. Zum A ist vieles gesagt. In der Jugend wollten wir gegen den verortneten A rebellieren. Jetzt hat sich das gewandelt.
    Zum Bild mit der Schnittmenge möchte ich noch etwas beitragen. Deutlich kann man erkennen das eine Schnittmenge nicht immer die beste Lösung ist: evtl. wäre eine Einigung auf eine Farbe besser für das Leben….

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    • Es war wichtig und notwendig gegen den verordneten Anstand zu rebellieren und einiges habe ich für immer begraben, anderes bekam dann doch noch einen Wert und das ist gut so!
      Zum anderen: nicht immer sind Einigungen möglich, Kompromisse schon eher …
      herzliche Grüße sende ich dir
      Ulli

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  14. Ein guter Artikel, der Gedanken aufwirft, Erkenntnissen Raum gibt und versucht, Licht ins Dunkel des Anstandes zu bringen *lächel*
    Ich dachte immer, es müßte doch einfach sein, daß Respekt und Anstand zwischen den Menschen herrschen könnten, weil es sonst nur komplikationsreiches Nebeineinanderherleben gibt…
    Aber genau das gibt es ja auch…
    Aber es gibt auch sehr einfache Beispiele für Anstand:
    Vor einigen Tagen stand ich in einer langen Schlange im Supermarkt u. plötzlich wurde eine zweite Kasse geöffnet. Ich kannte es bisher immer nur so, daß in diesem Moment die schnellsten zur 2. Kasse flitzten und die, die schon länger warteten und langsamer waren, das Nachsehen hatten. Diesmal wäre die Frau nach mir schneller als ich gewesen, weil ich ewig herumtrödele. Aber SIE lächelte und zeigte mir sehr nett an, daß ich vorgehen solle, weil ich an der Reihe war. Ich konnte es kaum glauben und bedankte mich sehr.

    *jede Einigung zwischen zwei verschiedenen Parteien führt zu einer neuen Farbe/einem neuen Gedanken*
    Ein wunderschöner Satz, der mir sehr gefällt, liebe Ulli

    Liebe Grüße von Bruni

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    • Ach ja, diese kleinen Alltagsgeschichten sind so wichtig, liebe Bruni! Sie verhelfen beiden, dem „Anständigen“ und dem, der davon profitiert, zu einem Wohlgefühl und einer kurzen glücklichen Verbundenheit. Ich merke das, wenn ich in unserem oft sehr rüden Straßenverkehr jemanden vorlasse oder jemandem winke, die Straße zu überqueren, wie wohl mir das tut – und dem anderen auch. Und wenn jemand mich freundlich aus einer engen Nebenstraße in die Hauptstraße einbiegen lässt, nachdem ich schon dachte, den halben Tag warten zu müssen…. Oder wenn jemand mir NICHT den Parkplatz wegschnappt, den ich blinkend und rückwärts fahrend einzunehmen gedachte. Das sind sonnige Momente in einer harten Konkurrenzwelt. 🙂

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      • Du sprichst genau das an, was mir auch sehr krass auffällt, liebe Gerda, alltägliche Auffälligkeiten, die uns aber sehr deutlich zeigen, wie es sich mit dem selbstverständlichen Anstand verhält … Er liegt im argen und doch gibt es immer wieder die, die uns hoffen und aufatmen lassen

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