Schön hier!

Am Samstag war es soweit, die Anthologie: Schön hier! Lieblingsplätze und Herzensorte in Westfalen, lag in meinem Postkasten.

Herausgeber sind Matthias Engels, Thomas Kade und Thorsten Trelenberg, denen ich an dieser Stelle noch einmal herzlich für ihr Engagement danken möchte.

Ich wurde durch einen Artikel bei Matthias auf das Projekt aufmerksam, schrieb eine Geschichte und sandte sie ihm zu. Ich habe mich sehr gefreut, dass sie einen Platz in dieser Anthologie gefunden hat.

Vielleicht fragt sich jetzt die Eine oder der Andere wie ich dazu komme eine westfälische Geschichte zu schreiben. Das ist einfach, am Rande des Ruhrgebiets geboren und aufgewachsen, hatte ich Verwandte im Pott, bei denen ich mich immer mehr Zuhause fühlte als in meiner Heimatstadt. Später zog die Familie an den Rand des Ruhrgebiets und somit an die Grenze von Pott und Westfalen und so heißt auch meine kleine Geschichte: Ickern// Kindertage zwischen Pott und Westfalen

Matthias schrieb am 19. Juni 2017 in seinem Blog:

…Von da an ging es fix…28 Autorinnen folgten unserem Aufruf und lieferten wunderbare Texte.

Wir hatten nach ganz persönlichen, völlig subjektiven Lieblingsorten in der Region gefragt und jeder der angesprochenen Autoren konnte nach einigem Überlegen letztlich einen oder sogar mehrere solcher Orte benennen. Die Gestaltung der Texte war -bis auf eine gewisse Längenvorgabe- völlig frei: so erhielten wir wunderbare Gedichte, tolle Geschichten und andere interessante Texte.
Genauso breit gefächert wie die Formen sind die regionale Lage und die Art dieser besonderen Orte: von der Bank am Kanal in Münster über den Ostmarkt in Bielefeld bis zum eigenen Bett in Lünen ist alles vertreten. Viele Autoren steuerten außerdem sehr charmante eigene Fotos der ausgewählten Orte bei.

Die offizielle Präsentation des ca. 200 Seiten starken Buches findet am 26.08. im Rahmen der Auftaktveranstaltung des Literaturfestivals hier! des Literaturlandes Westfalen statt.
Erhältlich wird es allerdings schon früher sein. Wir geben Bescheid!

Mit dabei sind und einen herzlichen Dank haben verdient:

Heide Bertram, Thorsten Trelenberg, Marion Gay, Hans- Ulrich Heuser, Patricia Malcher, Artur Nickel, Gottfried Schäfers, Jürgen Flenker, Ulrike Gau, Eva von der Dunk, Peter Gallus, Josef Krug, Antonia Kruse, Maike Frie, Andreas Laugesen, Thomas Kade, H.D. Gölzenleuchter, Matthias Engels, Torsten Reters, Hans Lüttmann, Hermann Borgerding, Annette Gonserowski, Viktor Sons, Sabine Lipan, Anne-Kathrin Koppetsch, Claudia Hummelsheim,
Angelika Ahlmann

Das Cover wie das Layout stammen von Manuela Dörr, der wir ebenfalls zu Dank verpflichtet sind.


Hier folgt nun der erste Teil meiner Geschichte:

Kindertage zwischen Pott und Westfalen

Sechs Kinderbeine mit herunter gerutschten Kniestrümpfen rannten aus der Siedlung hinaus den Bergen entgegen. Es rannten zwei Jungs und ein Mädchen. Abenteueralter. Sie waren Tom Sawyer und Huckleberry Finn, waren Goldmarie und Suleika.

Die Berge, wildzerklüftet, zwischen ihnen gähnten wassergefüllte Abgründe, Frösche quakten. Jungs fingen Frösche, sie sah sich um; Frösche werden nun einmal nicht zu Prinzen, wenn man sie aufbläst. Sie entfernte sich, erklomm die Höhen, schritt durch die Senken, nahm die letzten Felsen, sie schaute von oben auf den Rhein-Herne-Kanal hinab. Schiffe schleppten Frieden von Herne zum Rhein, von der Quelle zur Mündung. Schiffe schlugen Wellen für die Kinder, die in ihnen sprangen und schwammen.

Die Familie zog um. Die Zechen waren jetzt weiter weg, der Garten kleiner. Einen Innenhof gab es nicht mehr, auch keine zwei Schweine mehr im Stall, die an roten Kinderpantoffeln knabberten, keine Hasen, keine Hühner mehr, nur die Tauben waren geblieben und Wellensittich Peterlieb. Noch. Er sollte bald einen Ausflug machen, aber das wusste noch keiner. Keiner wusste, dass er für eine lange Weile aus dem Fenster hinaus, in die weite Welt hinein fliegen und mit dem knallgelben Kanari zurückkommen würde. Es war Peterliebs Geheimnis. Er sollte es auflösen, später…

Die Familie hieß Palewski, so, wie viele Familiennamen hier auf lewski, lawski, lowski endeten. Anfang der Neunzehnhunderterjahre waren sie von Polen in den wachsenden Pott gekommen, um das schwarze Gold aus der Erde zu puhlen. Das schwarze Gold, das dann seinen Wert verlor. Zechen schlossen, Kulturlandschaften wuchsen, Kohlepfennige wischten Augen. Die Law-Lew-Lowskis rauchten, husteten, fütterten gurrend ihre Tauben. Kinder schwammen in den Wellen der vorbeiziehenden Frachtschiffe, fuhren auf zu großen Fahrrädern und fielen sich schwarze Schlackesteinchen in die Knie…


Wer nun neugierig geworden ist und ein Exemplar erwerben möchte, kann sich über den Kommentarstrang gerne bei mir melden oder über meine Mailadresse, zu finden in euren Kommentarsträngen, ansonsten ist das Buch ebenfalls im Handel für 12,50€ erhältlich: ISBN 978-3-945238-17-2 , wir danken…

Advertisements

29 Gedanken zu „Schön hier!

  1. Ja, klasse beginnt deine Geschichte, ganz Ulli-Stil, konkret und doch voller geheimnisvoller Wendungen und Wunder. Nebenbei erfahre ich, dass du aus polnischem Pott-Adel stammst. Ich würde deine Erzählung gern zu Ende lesen, nicht aber das ganze Buch kaufen. Gratuliere und sei lieb gegrüßt!

    Gefällt 6 Personen

  2. Meinen Glückwunsch, liebe Ulli!
    In deiner Geschichte ging gleich mein Kopfkino an, denn ich bin ebenfalls im Pott geboren, hatte Urgroßeltern aus Polen, einen Onkel als Taubenkaspar … so lange ist das her und niemand von denen lebt mehr…

    Herzliche Grüße zu dir,
    Anna-Lena

    Gefällt 7 Personen

  3. ach, wie schön, liebe ulli! ich hatte auch bei matthias von dem projekt gelesen… du hast also auch wurzeln im pott?! ich hatte auch überlegt, etwas einzusenden, es dann aber irgendwie verpeilt. ich gratuliere ganz herzlich, und ja, deine geschichte liest sich wunderbar an … heimatvoll, vertraut (für mich)!
    mit lieben grüßen,
    diana

    Gefällt 3 Personen

    • Ich habe mich auch schon oft gefragt warum gerade die „Pöttler“ so fleißige Taubenhalter sind, die wenigsten sind ja Brieftauben … an die Phasen in meiner Kindheit, die ich bei meiner Lieblingsfamilie verbracht habe, denke ich immer wieder sehr gerne zurück, die Tante war mir mehr „Mama“ als die eigene und dort gab es meine Cousinen und Cousins, die mir wie Geschwister waren, die ich daheim vermisste… hier wohnt meine glückliche Kindheit, daheim war alles ganz anders, leider!
      Herzliche Grüße sende ich dir, lieber Arno
      Ulli

      Gefällt 2 Personen

  4. Ach, wie schön, liebe Ulli. Ich gratuliere Dir ganz herzlich und freue mich sehr mit Dir über die Veröffentlichung
    Ich dachte immer, Du wärst Schwarzwälderin von Haus aus … so kann frau sich irren. *g*
    Eine feine Geschichte, die ich neugierig gelesen habe.

    Herzlichst Bruni

    Gefällt 1 Person

  5. Oh ja, liebe Ull, iich mag das gern weiterlesen, ruft es in mir. (Und dann verweist die düstere Stimme in mir auf all die Bücher, die hier noch ungelesen stehen, und all die Dinge, die noch ungetan herumliegen. Und dann werde ich nur noch verzagt. So geht das ja nicht weiter …)
    Eine Liebgruß-Umarmung zu Dir
    Frau Rebis

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s