Miniatur #10 2017

Sowohl als auch dachte ich lange Zeit, statt entweder oder, nun las ich: mal mehr, mal weniger –

Ich fahre von dem neuen Berg zum alten, mal mehr, mal weniger Freuden und Vermissen. Mal mehr bunte Bergwiesen, braune Kühe im Familienverband, mal mehr toscanische Gefühle und die große Feuerstelle im Hof. Mal mehr du, mal weniger du, mal mehr ich, mal weniger ich, mal mehr wir, mal weniger wir. Zugewandtheit … der Mond nimmt zu.

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41 Gedanken zu „Miniatur #10 2017

  1. Dein Sehnen rührt mich an, du kannst es wunderbar in Worte fassen. So ist manchmal das Leben. Eben las ich in einem Zenbuch den Spruch von Meister Fukei, ich sende es dir zum Trost: „ich komme nirgendwoher und läute die Glocke. Ich gehe nirgendwohin und läute die Glocke“ Marie

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  2. ach, ist das wieder schön, so viel steckt wieder drin – und ja – das ist für mich das leben, am ehesten, alles ist immer da – nur eben mal mehr, mal weniger – da steckt auch diese wellenbewegung drin, des meeres und das ab- und zunehmen des mondes. mal mehr, mal weniger.
    mag ich sehr, deine miniatur, liebe ulli!!
    herzlichst,
    diana

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  3. Sowohl als auch mag ich lieber als Entweder oder Oder, denn das schlösse mir zu viel aus. Sowohl Sehnen nach wem als auch Fülle wenn er da sein kann ist besser als eine Entscheidung die Begegnungen verhindert, die wichtig sein können für das Weiterwachsen und Lebenlernen. In der veränderten Zukunft blüht die Vergangenheit, sie ist eine Bergblume. Diese zeichnen sich durch eine Zähigkeit aus, die immer für das Lebenwollen, den Daseinsgenuss spricht.

    …ich vor langer Zeit mal so ein Leberblümchen , das sich in ein Flachlandvorgartenbeet verirrt hatte und zwar mickerte, dennoch ein ganz klein bisschen blühte, warum zum Rummsbrummel es dieses bekloppte Leben im falschen Film denn nicht lieber aufgeben wolle? Es steht unter einem alten Vorgarten-Rhododendron, dem meiner Mutter nämlich, denn sie hatte das Blümsche ganz in halbachtsamer Goethe-Manier bei einer Wanderung mit Stumpf, Stiel und zwei Minipilzen ausgebuddelt und dahin verpflanzt, weil sie so dermaßen in die Leberblümchen ‚im Berch‘ verknallt ist. Die Blume kann nur auf bestimmtem Boden gedeihen, schwafelte damals obergewichtig ein Biologenfreund mit akademischem Grad und Betitelung. Die geht sowieso ein, wirste schon sehen, dozierte er in Richtung meiner Mutter. Sie indes liebte die Blume unverdrossen weiter und schaufelte kurzerhand einen Eimer Erde dran, die sie bei der nächsten Wanderung aus dem Wald karrte. Sah klasse aus: Gepflegte schwarze Blumenerde und dann dieser kiefernnadeldurchtränkte Dreck aus dem Wald wie ein fetter Fladen mit der Mickerblume mittendrin. Heute ist das Berggewächs ein prächtiger Leberblümchen-Busch und das schon über vierzig Jahre lang.Warum erzähl ich Dir das bloß?
    Egal. Irgendwas sagte mir: Schreib mal Ulli die verrückte Sache mit diesem Familien- Leberblümchen.
    Einen schönen Tag Dir,
    Stefanie✨

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    • Liebe Stefanie, geht doch, wenn man den richtigen Boden schafft. So lese ich deine Familiengeschichten vom Leberblümchen, die ich sehr mag, die wieder einmal zeigt, dass es mehr gibt als nur dieses oder jenes. Hab vielen Dank!
      liebe Grüße
      Ulli

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      • Ja…ich glaub das ist irgendwie so eine kleine Mutmachgeschichte. Es klappt nicht immer, Einheimische zu verpflanzen, damit sie fremdwo gut anwachsen und Wurzeln können. Sie brauchen manchmal ein Fleckchen Heimaterde um zu Hause sein zu können. Ich denk viel über Heimat und Wurzeln nach. Ist halt grad Pflanzzeit…
        Herzliche Grüße✨🌈

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  4. das mehr und weniger ist eine sehr schöne Bewegung, schlangengleich gleitet sie durchs taufrische Gras. Das Meer und Weniger wellt sich leise und stetig wie lebendiger Atem ohne sich zu überschlagen. Es ist wie die Schaukel des Kindes im Wind.

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  5. Zerrissenheit plagt Dich, doch wie natürlich ist sie doch, liebe Ulli
    Die Brücken sind da und Du gehst sie und manches Mal kommt einer zurück und Du gehst mit ihm wieder ein Stück…
    Wie Du die Kommentare auch drehst, meist sagen sie doch sowohl als auch und so ist doch alles gut, wie es ist, auch wenn es manchmal nicht so verdammt freudig ist …
    Liebe Grüße von mir

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Bruni, nein, mich plagt keine Zerrissenheit, ich lebe und gehe schon sehr lange mit sowohl als auch, mal mehr, mal weniger als Ergänzung, bzw. andere Formulierung gefällt mir dabei sehr. Es ist, wie ich schrieb: mal mehr hier, dann weniger dort, dann mehr dort und weniger hier und es ist gut so! Eher noch will ich mich an diese Schaukelbewegung gewöhnen. Mir gefällt das Bild der Schaukel, das Gerda und Soso nannten, sehr.
      Mühen macht es mir, wenn ich im „zu“ wenig festhänge, noch schlimmer ist „zu“ viel! Und genau das plagt mich gerade mehr… 😉
      herzlich grüße ich dich
      Ulli

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      • keine Zerrissenheit? Das klingt gut. Ich war mir auch unsicher, ob ich richtig liege.
        Ja, Gerdas Bild ist so gut, daß es mir seit dem Lesen im Kopf herumgeht, liebe Ulli
        Zu wenig ist nicht gut und bei zu viel kann man sich zu wenig besinnen …
        Du wirst es meistern. Da bin ich guten Mutes
        Herzlichst Bruni

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  6. Liebe Ulli,
    das klingt nach einem schönen Pendeln.Am Pendeln mag ich, dass der Weg vorgegeben ist und dennoch Schwung und Freiheit jeden Moment bestimmt.
    Ich denke am kommenden Wochenende an Dich beim Besuch der Offenen Gärten im Wendland.
    Liebe Grüsse – Uta

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  7. Liebe Ulli,
    wie Ebbe und Flut schwingen, wie der Mond und die Gestirne mal höher mal tiefer stehen, mal finsterer mal heller scheinen, wie der fliegende Auf-und-Ab-Tanz des kleinen Mädchens auf dem Trampolin mal Auf mal Ab geht, und mal juchzend mal angstlich – das Sein ist so voller mal-mehr-mal-weniger.
    (Nur selten ist es so vorhersehbar wie die Gezeiten. Das wäre ja zu leicht:))
    Ich lese Deine schwingende Lebensfülle … und sehe, wie Du in ihr mal tanzt mal tastend Deine Schritte setzt …
    Das Bild ist zum Versenken innig. Danke!
    Und dann fallen mir noch Rumis Worte ein: „Es gibt einen Ort jenseits von richtig und falsch, da treffen wir uns.“
    Einen herzlieben Gruß von meinem mal-mehr-mal-weniger-Sonne-Weg zu Dir
    Frau Rebis

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    • Guten Morgen, liebe Frau Rebis, hab Dank für deine Worte, jetzt hast du eine Sehnsuchtstüre geöffnet, hin zu dem Ort jenseits von richtig und falsch. Ich habe ihn schon betreten, aber gerade eben scheint er weit weg zu sein…
      Für heute wünsche ich dir Sonne pur und freundliche Begegnungen.
      liebe Grüße
      Ulli

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