Das Leben wartet nicht

Wenn das Leben nicht wartet (und das tut es definitiv nicht) und wenn es gleichzeitig Fahrt aufnimmt, dann gilt es Schirme aufzuspannen, solche, die Momente einfangen, für die Momente im Lesesessel, die kleinen Erinnerungen an die vergangenen Momente des Tages, für die Momente der Begegnungen genau so, wie für die Momente des Agierens, Rennens und Seins.

Vier Tage habe ich hier gewohnt als die Arbeit rief, am Ostermontagabend ließ ich mich mit der Vorstellung fallen, dass ich nun fast einen Monat frei haben würde, um hier weiter zu bauen, Kisten auszupacken, anzukommen, aber dann klingelte das Telefon, die Kollegin war krank und nun bin ich noch einmal gerannt und das im wahrsten Sinne des Wortes: große Gruppe, viele hungrige Mäuler, keine Schnibbelhilfe und das dann sechs Tage am Stück. Nein, ich will nicht jammern, es ist gut so, wie es ist, aber hier blieb (fast) alles liegen.

Heute hatte ich meinen ersten freien Tag, fast freien Tag, es gibt ja auch noch so einiges andere, das nicht vernachlässigt werden darf. Wieder war gen Mittag alles erledigt, ich ging auf mein Auto zu und entdeckte sofort den platten Reifen, seufz, na gut und als das dann auch geschafft war, wollte ich einfach nichts mehr.

Nichtstun, das heißt dann Holz holen, den Ofen anfeuern, in Ruhe einen Kaffee trinken, Zeitung lesen, die Hintergundstimmen ignorieren, die da sagen: denk hierdran und daran (jaaa) … nein, ich gehe jetzt spazieren:

da freut sich noch jemand über meine Entscheidung, denn er darf mit.

Auch die Kamera nahm ich mit. Nichtstun kann für mich heißen, dass ich herumstromere (gibt es etwas Schöneres?!), das neue Land weiter zu entdecken und das eine und andere festzuhalten, für die Momente im Lesesessel und auch für euch.

Ich lebe nicht mehr in der Höhe, wo der Schnee der letzten Tage liegen bleibt, aber ich darf ihn aus der Ferne sehen und mich freuen. Fotos für ein Reiseprospekt, dachte ich…

Ob es dieses Jahr hier Äpfel geben wird ist die Frage, denn auch hier gab es am Morgen etwas Schnee und in der Nacht leichten Frost, die Bienen fliegen gerade nicht mehr…

Intakt, darüber denke ich nach, was ist heute noch intakt zu nennen und was ist mehr Schein als Sein und was ist Idylle?

Als ich diesen Steinbruch entdeckte, dachte ich an die seltenen Erden und den Satz aus der aktuellen „Zeitausgabe“: „Daten sind kein Rohstoff. Daten brauchen Rohstoff“, wie zum Beispiel seltene Erden, Metall, Kunststoff, Mineralien und natürlich Strom. Wir „User“ scheiden Informationen aus, wie wichtig sie sind, wie informativ, inspirierend oder unterhaltend sei dahin gestellt, wer sie nutzt und was sie wirklich mit uns machen ist eine Frage, die mich schon lange beschäftigt. Ich starre auf das Loch in der Landschaft und weiß, dass ich Teil des Ganzen bin und wieder einmal spüre ich die innere Wiedersprüchlichkeit. Was ist korrektes Verhalten in diesen Zeiten? Müsste ich nicht alles abschaffen: den Blog, meinen fb-account, Einkäufe in Supermärkten, Kaufhäusern und im Netz? Und wenn, was würde es tatsächlich ändern? Nichts, weil ich viel zu klein bin und weil Boykotts heutzutage nicht mehr funktionieren (leider). Und weil das Leben weitergeht, mit und ohne mich, weil es nicht wartet, auch nicht auf mich.

So sinniere ich beim Stromern und dann das, was ist das, weißt du es?

Und was ist das?

So viele Fragen und so wenige klare Antworten, da gilt es für mich hinzuschauen, wieder und wieder…

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34 Gedanken zu „Das Leben wartet nicht

  1. Die Äpfel werden reifen, liebe Ulli! und dein netter schwarzer Begleiter wird noch oft mit dir durch die Felder stromern. Mach dir nicht zu viele sorgenvolle Gedanken, das zehrt Kräfte. Die Landschaft, die du uns zeigst, könnte schöner nicht sein. Denk bloß nicht daran, den PC wegzuschmeißen!!! Das fehlte ja noch.
    ich wünsch dir einen gemütlichen Abend! Gerda

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  2. Komm langsam zur Ruhe, liebe Ulli und lass dir Zeit.
    Die Gedanken, was richtig ist und was nicht, mache ich mir auch schon lange. Vieles kann man erreichen, indem man bewusst lebt, sorgsam mit Ressourcen umgeht, aber wenn man auf alles verzichtet, bestraft man sich selbst. Die Zeit der Martyrer ist vorbei.
    Ich hoffe du hast ein verlängertes Wochenende, frei und Zeit zum Rumstromern in der Sonne…

    Herzlich
    Anna-Lena

    Gefällt 6 Personen

    • Genau, liebe Anna-Lena, auf das Maß kommt es an, das sehe ich auch so, manchmal gibt es so Tage, wie heute, dann hinterfrage ich mal wieder, ich halte das ja letztlich auch für sehr gesund!
      Ich habe frei, nur muss ich noch „runterkommen“, so ein run, wie in den letzten Wochen hatte ich schon ewig nicht mehr und ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich es mag oder nicht 😉
      herzlichste Grüße an dich
      Ulli

      Gefällt 4 Personen

  3. Wunderschöne Landschaft, liebe Ulli und überhaupt tolle Bilder!. Gut, dass du dir diese Pausen nimmst und im Draußen bist. Gerade, wenn viel drum herum ist, ist das um so wichtiger.
    Deine Überlegungen verstehe ich, wie wäre es, all das „technische“ nicht mehr zu machen.
    Ich bin froh, dich zu lesen und grüße dich herzlich, Marion

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    • Liebe Marion, meine Antwort kommt spät (dieses Mal), aber sie kommt … wenn ich herumstromere, dann ist alles einfach was und wie es ist, das ist genau das, was mich entspannt, hier hinein kann ich mich fallen lassen und ja, es ist umso wichtiger, je mehr von aussen auf mich einstürmt.
      Ich freue mich über deins zu mir hin, hab Dank
      liebe Grüsse
      Ulli

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    • Liebe Priska, deins lese ich sehr gern, hab vielen Dank dafür- Innehalten und Ja sagen, das ist das, was mir immer wieder Kraft schenkt und Freude, besonders in solch bewegten Zeiten…
      Die herzliche Umarmung gebe ich sehr gerne zurück
      Ulli

      Gefällt 2 Personen

  4. Guten Morgen liebe Ulli, deine Art des „Nichtstun“ kommt mir sehr vertraut vor, denn ich sitze nur still, wenn ich schreibe und zeichne, ansonsten habe ich Hummeln im …, na du weißt schon 😉 Deine Bilder sind großartig und ich weiß was auf den beiden Bildern zu sehen ist, aber bei dem Oberen bekomme ich meine Gedächtnisschublade nicht auf und auf dem unteren Foto sieht man eine Tiertränke, welche mit der Nase ausgelöst wird und dann Wasser aus einer Quelle nach oben befördert 😉 Hab ein fabelhaftes Wochenende 🙂

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    • Ach schön, lieber Arno, dass du meine Vermutung bestätigst, dass es sich um eine Viehtränke handelt, vielleicht ist ja das obere Bild eine in modern?!
      Dass dir meine Bilder gefallen nehme ich als Lob und ist mir eine Freude, hab herzlichen Dank- und ja die Hummeln … wenn ich nun bald die Imkerei erlerne bin ich sehr gespannt, was sie mich alles lehren werden, denn Hummeln sind ja auch Bienen (wie ich gerade gelernt habe 😉 )
      Ich wünsche dir von Herzen Sonne und ein Wochenende voller Freude
      Ulli

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  5. Schirme zum Auffangen von Momenten, dieses wunderbare Bild, liebe Ulli, das bewahre ich mir nun. Ich brauche solche ja auch, und wie. Weißte ja. Wenn mein Viel auch an diesen „freien“ Tagen nicht ganz locker lassen wird, dann freue ich mich umso mehr, hier mit Dir „stromern“ gehen zu dürfen. Wie gern ich Deine Bilder sehe!
    Und hej, ich freue mich so für Dich mit, dass es nun bei Dir ein wenig ruhiger wird, weil solche angefüllten hastigen Zeiten – ob Du sie magst oder nicht, fragst Du? – doch unsere innigsten Sehnsüchte immer ein wenig in Durst hinterlassen. Für eine kleine Weile halten die das aus, unbeschadet. Gut, dass es dann wieder Nahrung gibt. Nahrung für unsere Sehnsüchte – ich spüre so viel davon in Deinen (Wort)Bildern.
    Sei umarmt, Du Liebe,
    Frau Rebis

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    • Die Schirme habe ich auch Dank dir aufgespannt, umso mehr freue ich mich, wenn sie zu dir segeln und du sie siehst, liebe Frau Rebis!
      Sehnsucht … ja auch und dann wieder es ist was es ist und wie es ist … Sehnsüchte kosten auch Energie, vor allen Dingen, wenn sie wie nicht erreichbar sind, da träume ich lieber- gell, du verstehst den Unterschied?!
      Ich grüsse dich sehr herzlich am späten Samstagabend, der etwas Zufriedenes mit sich trägt
      Ulli

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      • Guten Morgen, liebe Ulli,
        ja, den Unterschied „verstehe“ ich, aber manchmal habe ich es ja nicht in der Hand, wie es in mir aussieht.
        Und gerade wenn ich etwas in der Hand hätte und es dennoch nicht angehe – diese Sehnsüchte schmerzen umso mehr.
        Jedenfalls: es sehnsüchtelt zuweilen vor sich hin:)
        Von Deinem Zufriedensein lese ich gern. (Um meines ringe ich hier gerade noch…)
        Sei liebgegrüßt in den neuen Tag hinein,
        Frau Rebis

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        • Guten Morgen, liebe Frau Rebis, haben wir es denn wirklich nicht in der Hand? je älter ich geworden bin und je mehr Prozesse ich durchlaufen habe, umso mehr kam ich an einen inneren Ort von dem aus ich (mit-)bestimme wie ich reagiere, wie ich mich fühle, was ich tue … aaaber was ich tatsächlich nicht in der Hand habe ist mein Aussen und wenn das sich sehr stürmisch gebärdet, dann gerät auch so manches Mal mein innerer Kern in Aufruhr und die innere Chefin wird von all dem Tumult übertönt … übe ich eben weiter 😉
          Ich wünsche dir für heute sehr, sehr, sehr, dass du einen grossen Ruhepunkt findest-
          lieb grüss ich dich
          Ulli

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          • Ja, ich sehe es ja oft ebenso, spüre es sogar zuweilen, wie ich mich an einen anderen inneren Ort bewegen kann. Doch in solchen Zeiten wie jetzt, wo mich so vieles überrollt, da überfordert es mich, auch noch das von mir zu fordern: dass ich mich „nur“ ein wenig anders zu positionieren bräuchte …. Ich weiß, dass Du das so nicht meintest ganz gewiss nicht, dass da eher eine eigene hämmernde Stimme am Werk ist … Ich fühle mich dann zuweilen so klein, so unfähig.
            Nun habe ich den Grollkreis für den Moment aufgebrochen, gut das. Und heute ist Schularbeit dran, Schritt für Schritt, denn die Gesamthöhe des Stapels im Blick zu haben, das würde mich schon wieder überfordern.
            Morgenregenliebgrüße zu Dir von Frau Rebis

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            • Liebe Frau Rebis, das ist wohl wahr, dass auch ein Blickwinkelwechsel Kraft und Energie kostet und manchmal ist genau das zuviel und dann hilft wieder nur Ja zu dem zu sagen, was ist …
              schön, dass du den Grollkreis verlassen konntest, ich wünsche dir einen guten Fluss am heutigen 1. Mai, der Regen sorgt ein bisschen für Ruhe, wenigstens bei mir-
              herzlichst grüsse ich dich
              Ulli

              Gefällt 1 Person

  6. Fundstücke beim Stromern. So macht Herumstreunen, herumstreichen, wallen Sinn.
    Ich habe neuerdings meine Kamera auch meist dabei, wennauch ich meist den gleichen Weg zum Wald hoch gehe. Aber es findet sich immer etwas und wenn es nur Strukturen/Details sind, die man bisher nicht wahrgenommen hat.

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    • ja, das stimmt, es gibt immer wieder etwas zu entdecken und efstzuhalten- allein was das Licht schon verändert, hervortreten lässt oder versteckt hält…
      herzlich Willkommen in meinem Cafè und herzlichen Dank für deinen Kommentar
      Ulli

      Gefällt 1 Person

    • Normalerweise habe ich Schibbelhilfen, aber dieses mal war ein hoher Krankenstand und da ging nix, leider, aber ich werde es schon noch einmal thematisieren … du weisst schon: Teamsitzung die nächste … dieser schwarze Hund hat es mir auch sehr angetan und ich habe heute schon überlegt, ob er ncht vielleicht mal Vater werden könnte 😉
      Danke für den Leckball – das heisst der ist für Rehe und Kühe und allen, die Salz und dessen Mineralien brauchen?
      liebe Grüsse
      Ulli

      Gefällt 1 Person

    • P f e r d e b r e m s e n f a l l e ? ‚? ? ich staune und danke, auch für die guten Wünsche, ein bisschen mehr Ruhe wäre nun bald doch schön!
      lieb grüss ich dich
      Ulli

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  7. wunderschön ist die Landschaft, in der Du lebst. Beneidenswert wohnst Du hier, liebe Ulli.
    Leider kam nun noch während Deiner Eingewöhnungszeit ein überraschender Arbeitsauftrag auf Dich zu; er hätte noch ein bißchen warten sollen, aber er hatte es eilig und Du hast es gepackt! Nun kannst Du aufatmen, freie Tage stehen an, die Du von Herzen genießen kannst. Zeit zum Nachdenklichsein und die Seele baumeln zu lassen.
    Was kann noch schöner sein.
    Das erste Bild kann ich nicht entschlüsseln. Sieht aus wie eine kleine Lampe mitten in der Wiese *lächel*. Sagst du mir, was für ein Sinn mir hier verborgen bleibt?

    Liebe Grüße von Bruni an Dich

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    • Liebe Bruni, ich mag die Landschaft hier auch sehr, sie hat unglaublich viel Weite ud ist dabei um einiges lieblicher, als im „Hotzenwald“, tut mir gut! Ansonsten gilt es ja immer und immer wieder mit dem zu tanzen was ist, dabei geht es manchmal eben nicht darum was ich gerade will oder mir wünschen würde, sondern darum, was getan werden will und muss- ersetze ich das muss durch will ist alles nur halb so wild- ich habe manchmal in den letzten Tagen doch gestaunt, wieviel sich in meinem Umgang mit mir und der Welt verändert hat- zum Besseren, wie ich finde …

      was nun das Geheimnis betrifft, so changiert es gerade zwischen Lecksalzball (Kormoran) und Pferdebremsenfalle (Wildgans) – schauen wir mal, was noch so kommt , ich weiss es wirklich nicht!
      Herzliche Spätabendgrüsse sende ich dir
      Ulli

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  8. ja, diese beiden Erklärungen hab ich gelesen, aber noch glaube ich weder an das eine, noch an das andere, sondern eher an einen feinen Ulli-Scherz 🙂

    Liebe Sonntagsgrüße von mir

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  9. Pingback: Baumwandelweg #3 | gestreift - berührt - geteilt

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