Schreiben hilft #3

Fortsetzung

Ich nehme meine neuen Räume ein. Ganz. Das erste Mal: keine Mutter, kein Bruder, keine Frau Maria Brehm, keine Freundinnen und Freunde, keine Kinder, kein Mann. Ich werde den Platz mit mir und meinen Geschichten füllen; die Tür wird unabgeschlossen sein.

Es wird keine blinden Flecken geben, ich will mich an keiner Ecke stoßen, ich will wieder an meinem Schreibtisch unter dem Fenster sitzen und schreiben.

Die Kompassnadel in meiner Hand zittert, sie richtet sich neu aus. Die schwarzen Tücher habe ich verbrannt, die Bilder aus dem alten Haus zu anderen gelegt. Aufrichtung und Weitergehen werden erneut wichtig. Meinen Faden lasse ich nicht mehr los, es ist meiner geworden, der kein Du mehr an seinem anderen Ende braucht, um mich zu halten. Unabhängigkeit ist ein großes Wort und eine Illusion. Mit Selbständigkeit ist es anders, sie schenkt Halt. Wieso sollte ich mich jetzt verlieren, wo ich mich doch erst in den letzten Jahren gefunden habe; hier, in diesem alten Haus, wo ich dich verlor…

Was ist das für eine Geschichte, die sich fortschreibt, weg von dir und mir, hin zu … ja, wohin? Was, wenn der Faden mich einwickelt, sich verknotet, klebrig wird, wie von einer Spinne gezogen? Was aber kann überhaupt geschehen, wenn ich den Faden in der Hand halte, die Richtung bestimme, den Weg und auftauchende Hindernisse im Blick? Wie sollte ich noch in einen Brunnen stürzen?

Egal wie abstrakt noch immer vieles ist, die Zeit läuft ab, ich verlasse dieses alte Haus; schon bald.

Tomas Espedal schreibt

Es ist immer schwierig, ein neues Leben zu beginnen. (…) Manchmal denke ich, wir sollten an einem ganz anderen Ort wohnen, in einem anderen Haus, wir könnten ein ganz anderes Leben leben; doch sobald ich den Kiesweg hochgehe und die Tür aufschließe, bin ich unendlich froh, zu Hause zu sein. (S.191/192)

Hier endet das Buch, hier beginnt mein neues Leben in einem neuen alten Haus mit meinem alten Namen; hin- und herpendelnd zwischen Ulli und Ulrike, stetig bleibt mein Familienname, wie unstet auch die Familie war. Machen Mutter und Tochter schon eine Familie aus? Ich hätte darauf bestanden. Meine Mutter wechselte lieber ihre Familiennamen, bis sie wieder bei ihrem Geburtsnamen landete. Ich bleib in diesem Punkt stabil.

Ich teile nicht das Los der Töchter, die nie werden wollten wie ihre Mütter, um dann später mit ihren Zungen zu sprechen. Ich sehe die Erbanlagen, ich hörte auch schon hin und wieder Worte der Mutter aus meinem Mund, aber einmal hat immer gereicht, um mich zu besinnen. Ich habe eine Familie, ich habe Freundinnen und Freunde, ich habe Spaß; ach Mutter…

Ich stelle mir Fragen, du singst. In manchen Momenten bin ich lieber wütend als traurig.

Es wird nicht der letzte Umzug sein, aber es werden auch nicht mehr sehr viele folgen. Vielleicht nur noch einer und dann der letzte vom Leben in die ewige Stille, was auch immer noch dann sein wird. Kann überhaupt Jemand Ewigkeit denken oder Unendlichkeit? Ich nicht. Ich kann sie nur hinnehmen, weil ich sie angenommen habe.

Ich bin nicht bereit ohne einen Boden unter den Füßen von hier wegzugehen. Ich war nicht auf das letzte Wort gefasst, noch auf Endgültigkeit vorbereitet, obwohl dann ich es war, die beides in den Raum zwischen uns stellte. Nun stehe ich dazu. Es hat lange gedauert.

Zu lang, zu kurz gehört in die Schublade der Müßigkeit, wie alle Entscheidungen, die es hinzunehmen gilt, wenn man sie gefällt und somit angenommen hat. Zurückdrehen, zurückkehren sind keine Optionen, Aufrichtung und weitergehen schon. Dazwischen ist die Zwischenzeit, sind die Wunden, die ich sauber lecke, mich in mir auf meinem Bett eindrehe und der Schlaf ein freundlicher Bruder ist.

Wenn ich nicht mehr warte, wenn ich lieber schweige als rede, wenn ich froher mit mir selber bin…

Die Geschichte schreibt sich seit mehr als dreißig Jahren vor und zurück, jetzt schreibt sie sich ihrem Punkt entgegen. Punkt, Null, Nichts, der kurze Stillstand, die Welt hält den Atem an, wer es nicht weiß, wird nichts bemerken.

Die arme Poetin stellt ihr Bett in einen anderen Raum, Regenschirme darüber hat es nie gegeben. Die arme Poetin muss und wird weiterschreiben. Sie wird sichtbar sein.

Kreise müssen sich schließen, sonst ist es keine Geschichte, ob mit oder ohne offenem Ende.

Mich schmerzt, dass du mich nicht lesen gelernt hast. Bei keinem und nie zuvor war ich ein offeneres Buch. Hätte ich geheimnisvoller bleiben müssen? Hätte, hätte, Fahrradkette… Ich war, ich bin, ich werde sein, basta. So oder gar nicht! Gerade eben schaue ich der Vergeblichkeit in die Augen, selbständig, unabhängig, soweit Unabhängigkeit noch keine Illusion ist.

Weich besiegt hart, weich kann hart sein oder werden, hart, weich; geballte Weichheit ist Wucht. Weder steter Tropfen, noch ein Samtläppchen für den letzten Schliff will ich sein. Ich nehme das Stachelkleid nicht mit ins neue/alte Haus. Dort ist Platz, ich kann dort tanzen! Es gibt keine Ecken an denen ich mich stoßen kann, die Tür bleibt unverschlossen.

(Fortsetzung folgt)


Anmerkung

Tomas Espedal – Wider die Kunst – ISBN 978-3-518-46752-7 – Suhrkamp Verlag – erste Auflage 2017

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50 Gedanken zu „Schreiben hilft #3

  1. Es ist ein Unterschied, ob ich Texte lese von Menschen, die ich kenne oder nicht. Wenn ich die Schreiberin kenne, berühren mich ihre Worte, Deine Worte, auf eine Art, die jede einzelne Faser meines Seins erreichen. Ich fühle die Aufbruchstimmung, das Sehnen, die Hoffnung und auch die Traurigkeit. Ich fühle das Blut in meinen Adern fließen, mal schnell, dann fiebrig, und schließlich ruhig. Und manchmal scheint es sich irgendwo im Körper zu sammeln, nur nicht im Kopf, der phasenweise blutleer zu sein scheint, wie kurz vor einer Ohnmacht. Bis es wieder rauscht und alle Gefäße erneut füllt. Mit frischem Sauerstoff, der wieder klar denken lässt. Ich fühle die Beine, die sich im neuen Takt bewegen. Ich sehe sie vorsichtig tänzeln durch das neue Haus, das neue Leben, noch in dem Takt alter, bekannter Schritte. Die bleierne Schwere haben sie abgelegt. Aus dem Tänzeln wird ein Tanz.. Die Füße finden den Rhythmus. Und dann sehe ich den Schreibtisch. Und Dich. Ich bin die Feder und spüre, wie die Worte über das Papier fliegen und jedes einzelne davon Dich freier macht.
    Sei umarmt,
    Elvira

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    • Liebe Elvira, du hast so eine reiche Bilder- und Empfindungswelt, das berührt mich immer, immer wieder, wie du meins zu dir nimmst und mir dann zurückspiegelst. Herzlichen Dank, ich fühle mich gesehen und gespürt!
      liebe Grüße
      Ulli

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    • Ein sehr sehr schöner Text, wieder. Doch wenn es ein Text der Selbstfindung ist, dann bedenke:
      „es wird keine blinden Flecken geben“. Das ist unmöglich. Jede neue Begegnung ist eine Begegnung mit einem blinden Fleck. Solange du in dich eingerollt in dich selbst auf deinem Bett befindest, solange du als arme Poetin allein an deinem Schreibtisch sitzt, bemerkst du ihn nicht. – Der andere ist der blinde Fleck, liebe Ulli. Jeder andere. Und warum? Weil er uns zeigt, was wir nicht sehen wollen. Die Menschheit ist eine Einheit, ist Eins, sie ist in uns.

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      • Liebe Gerda, ich stimme dir zu und du wirst übermorgen hier eine „blaue Stunde“ lesen, in der es heisst: „Ist ein Meer nicht alle Meere, ist ein Fluss nicht alle Flüsse und bin ich nicht alle Menschen?“ – ja klar wird es blinde Flecken in Bezug auf DU, aber auch auf ICH geben, aber nicht in meinen Räumen, worauf sich dieser blinde Fleck im Text bezog.
        Und doch hadere ich auch immer wieder mit diesem Spiegel, es gilt ihn nicht 1:1 zu übernehmen, wenigstens soweit ich mit meinen Erfahrungen gekommen bin. Aber nun warte ich einmal ab, was dir dann zu der blauen Stunde einfallen wird, mehr möchte ich noch nicht dazu schreiben.
        Mein herzlicher Dank an dich und ein ebensolcher Gruss vom Schneeberg, ja, Schneeberg, heute Nacht hat es wieder gestürmt und der Sturm hat erneut Schnee gebracht, wenn auch sehr nassen- ich tröste mich damit, dass wir ja erst immer noch Februar schreiben, gestern war es so warm und sonnig … die Wintergeister mögen sich noch nicht so recht verabschieden…
        Ulli

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        • Liebe Ulli, ich freue mich, dass ich oben auf den Bergen noch Schnee sehen kann – es ist wunderbar beruhigend, diese Gipfel im Schnee zu sehen, meist in Wolkenschleiern, manchmal auch ganz klar und herrlich hingelagert und aufgetürmt gegen den Himmel. Es ist hier an manchen Tagen allzu warm, das ist gar nicht gut für die Vegetation. Der Rosmarin blüht wie verrückt, die Bienen und Hummeln umsumsen ihn, die Blüten der Mandelbäume sind überreif und bestreuen die Wege, der Aprikosenbaum hält sich noch zurück, zum Glück. Wenn es zu warm ist, geht die Blüte vorbei, bevor die Insekten bestäuben können, und es gibt kaum Fruchtansatz. – So bin ich froh, dass es wieder ein wenig kühler geworden ist und sich Feuchtigkeit in den Wiesen unter den Olivenbäumen hält. Mit viel herrlichem Geblühe!
          Bald ziehst du vom Schneeberg hinunter. Sei lieb gegrüßt! Gerda

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  2. Deine Worte kreieren Bilder und Stimmungen die fesseln, mitreißen und einem nicht loslassen. Ich folge Deinem Schmerz hautnah, ich fühle Deine Trauer/ Fassungslosigkeit und spüre den Mut auf einen Neubeginn.
    Ich glaube, Du wirst Dein neues Zuhause zum Strahlen bringen.
    Sei ganz lieb gegrüßt. Priska

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    • Guten Morgen, liebe Priska, morgen fahre ich in die neue Wohnung, nehme Schleifpapier und Farben mit und werde für den ersten eigenen Glanz sorgen 😉
      ich danke dir für dein Mitmirgehen, das ist eine große Freude
      liebe Grüße
      Ulli

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  3. Liebe Ulli, als Romantiker fällt es mir nicht schwer dich als arme Poetin am Schreibtisch zu sehen, fast so wie in dem Gemälde von Spitzweg und ich kenne die Vergleiche mit der eigenen Erbmasse, die man akzeptiert, aber nicht zulassen muss. Nichts steht geschrieben und niemand muss sich so verhalten wie es einem beigebracht wurde oder was sich innerlich so leicht anfühlt. Als erster Nachkomme habe ich mich früh gegen alles gestemmt was dem Familiencredo so wichtig war. Damit bin ich das schwärzeste Schaf in unserer langen Familiengeschichte, bis auf den spielenden Edelmann, welcher sein Vermögen in den Casinos des 18. Jahrhunderts verzockt hat. Doch im Winter des Lebens ist schwarz sein ein kuscheliger Mantel, in den ich mich gerne einhülle und nur deshalb treffe ich charakterfeste, bildschöne und talentierte Menschen wie dich, die wirklich etwas zu schreiben und zu sagen haben – danke!

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    • Heijei, lieber Arno, du (ihr) macht mich manchmal ganz verlegen, aber auch glücklich- verlegen wegen dem Lob und der Anerkennung, die du mir zollst und glücklich, weil ich durch meins auch immer etwas von euch erfahren darf- vielleicht trifft sich hier eine große Herde schwarzer Schafe?! Ich war zumnidest auch eins, der Bruder war das Goldkind (der Arme – war nämlich auch nicht immer einfach für ihn)
      und du hast Recht, niemand muss die alten Muster wiederholen, wenn man sich derer bewusst ist, man kann sie wandeln-
      ich sende dir bunte Herzensgrüße durch das Grau dieses Useltags
      Ulli

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      • ich war nur eines, da war sonst keines und heute glaube ich, nur weil ich ein Mädchen war, konnte ich kein Goldkind sein…, sondern nur etwas Unwichtigeres…, das auch noch Gedanken entwickelte…

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        • Das klingt traurig, liebe Bruni, gerade halte ich die Kleine Bruni im Arm und flüstere ihr zu, auch du hast einen Platz in dieser Welt, ohne dich wäre diese Welt nicht diese Welt…
          liebe Grüsse
          Ulli

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          • *schmunzel*, ich war anfangs ein ordentliches Bröckelchen, liebe Ulli, und all diese Verletzungen wurden mir erst im Laufe von Jahren bewußt.
            In meinem Elternhaus wohne ich schon sehr lange nicht mehr. Es ähnelt auch kaum noch dem gemütlichen alten Haus meiner Kindheit.

            Sei herzlich bedankt fürs Wiegen, Du weißt ja selbst, wie gut das manchmal tut.

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  4. Ich habe gestern anderthalb Stunden mit meiner Mutter telefoniert. Ich könnte Dir viel erzählen über Mütter und Töchter, den engen dunklen mit Moralismen beschlagenen Verschlag der Verwandtschaft und über Lostreten bis die Bretter nach allen Seiten fliegen. Die Stille, das Schweigen, das Weitermachen. In meiner Familie wird darüber gelacht, dass ich versuche Kunst zu machen. Das ist mir so egal…
    Inzwischen.
    Ich hab Freunde gefunden, die mich bestärken: Mach weiter!
    Heute verliere ich ihnen gegenüber wenig darüber was ich mache.
    Ich brauche keine Bestätigung, doch oft brauche ich das Bett und das Einrollen, denn ich weiß, dass mir in meinen Tod niemand folgen kann, auch, wenn ich ihn noch so liebe. Ich würde gern noch ein paar mal umziehen. Auch raus aus Deutschland, möchte gern noch etwas erleben bevor ich die Welt verlasse. Am liebsten auswandern, in den Süden. Deswegen lerne ich zwar langsam, doch immer besser Spanisch. Irgend eines Tages will ich diese Sprache mit anderen Spaniern unter einer wärmeren Sonne als hierzulande sprechen…
    Halt Dich gut.
    Du hast berührend geschrieben.
    Sonst hätte ich nicht so offen kommentieren können.
    Liebe Grüße von Stefanie

    Gefällt 7 Personen

    • Liebe Stefanie, in meiner Familie versteht mich auch niemand, außer meinem Bruder, aber auf seine Weise, die mir nicht immer angenehm ist …
      ich freue mich, dass ich mit meiner Schreibe eine Tür öffne, die dich und andere hier zum eigenen Erzählen trägt, so lerne ich die eine und den anderen immer noch ein kleines Stück besser kennen und das empfinde ich als Geschenk!
      So, nach Spanien willst du also, da bin ich ja gespannt! Ich will nicht mehr auswandern, aber ich will noch gaaaanz viiiel reisen, ich habe noch so vieles nicht gesehen, ganz im gegensatz zu den meisten anderen in meiner Generation, aber wenn ich erhlich bin, könnte ich auch jetzt sterben und es wäre gut so, wie es war und ist- aber das habe ich natürlich gar nicht vor, dazu bin ich viel zu lebenslustig- Lebenslust schließt alles mit ein, auch die Traurigkeit!
      herzliche Grüße und Dank
      Ulli

      Gefällt 7 Personen

      • Der letzte Satz ist der Kernsatz. So wichtig. Auch Traurigkeit will durchlebt sein und ich erwarte nicht, dass einer meiner Sippe mich versteht, nicht mehr und so wenig wie ich sie verstehe. Zu dem was ich mache, findet nicht jeder Zugang und das ist ein Trost und auch, dass es welche gibt, die genau das an mir mögen. Selbst in den Zeiten, in denen niemand da war, fand ich immer einen kleinen Trost in den Worten. Spanien ist ein Lebenstraum. Einer der letzten ganz ganz Großen…
        Deutschland ist mir zu kalt geworden. Sein Klima und auch alles andere…
        Herzlich,
        -Stefanie

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    • Lieber Jürgen, ich danke dir jetzt einfach für dein Mitspüren. Dieser Abschied ist ja auch traurig, bei aller Freude auf mein Neu, die sich nun auch langsam Raum nimmt, aber ich bin noch nicht am Ende von allem angekommen, das wird Zeit brauchen, die ich mir nehme.
      Die Kreise schließen sich langsam-
      liebe Grüße
      Ulli

      Gefällt 1 Person

  5. Auch ich spüre ganz viel Aufbruch in dir, gleich dem Frühling, der sich langsam in unsere Gefilde traut. Was hat deine tiefe Trauer ausgelöst (ich kenne dich noch nicht so lange), aus der du dich so langsam befreist?

    Ich wünsche dir Kraft, deine neuen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.
    Ich wünsche dir Mut, auch in dunklen Stunden nicht aufzugeben.
    Ich wünsche dir Hoffnung, dass eine neue Zeit für dich in Erfüllung geht.

    Bleib konsequent, scharf- und weitsichtig und zielstrebig.

    Herzlich
    Anna-Lena

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  6. „weg von dir und mir, hin zu … ja, wohin?“
    hin zu… dir, liebe ulli! du schreibst dich mit jedem wort weiter zu dir hin.
    bewegend, reich und tiefschöpfend und immer mehr ein stückchen zum aufbruch bereit, so lese ich deine wunderbaren zeilen.
    alles liebe zu dir hin,
    diana

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  7. ich möchte gern noch was zu „hin“ und „weg“ sagen. Manchmal, insbesondere, wenn ein Dilemma sehr blockierend wirkt, mache ich eine Tetralemma-Aufstellung. Da hat man nicht zwei, sondern vier Positionen, alle im gleichen Abstand vom Zentrum (gegenwärtiger Zustand) auf zwei sich rechtwinklig kreuzenden Achsen. Man geht sehr langsam auf Position A zu (zB „mit XY oder in XY Bleiben“) und fühlt in sich, was es bedeutet, sich mit dieser Position A zu verbinden. Dann geht man sehr langsam wieder ins Zentrum, nachfühlend, wie es ist, sich von A zu entfernen. Als nächstes geht man, ebenso langsam und sorgfältig, auf das B zu (die Gegenposition, zB zu B, nach B ziehen) und spürt nach, wie es sich anfühlt, sich mit B zu verbinden. Und wieder geht man in die Ausgangsposition zurück, langsam, und nachforschend, wie sich das anfühlt. Als nächstes geht man zu der im rechten Winkel dazu befindlichen Position AB (sowohl A als auch B), nun aber Schlangenlinie, um zu fühlen, was man von A und was von B behalten und brauchen kann. Man fühlt auf AB jeder nur denkbaren Kombination nach (gleichzeitig, zeitverschoben, teils-teils usw, es gibt 12 solche Kombinationen). Und geht wieder ins Zentrum. dann zur Gegenposition, die heißt „weder A-noch B“. Da fühlt man sich rein, wie es ist, weder über A noch über B zu verfügen …und geht zurück ins Zentrum. – Im wirklichen Leben muss man meist alle Positionen auskosten, und die Übung hilft zu sehen, wo man sich befindet. Wer sich mit Null verbindet, weil sich diese Position für ihn am besten anfühlt , der durchschreitet ein Tor und findet sich auf einer Spirale wieder, die auf die nächst-höhere Ebene führt. Auch da werden sich wieder Dilemmata auftun…. ,
    Du schreibst in deinem Text auch über den Tod. Das ist auch so ein Tor, nicht wahr? Wo weder A noch B mehr zählen. Aber bis dahin gelten die Gesetze des Lebens.

    Gefällt 2 Personen

    • Poh, liebe Gerda, da danke ich dir für deine ausführliche „Anweisung“- die Übung spricht mich sehr an, ich werde sie machen- gleichzeitig dachte ich (mal wieder) ans Medzinrad, du hast mich durch deins daran erinnert, dass ich ja meine Fragen und mein Ist auch einmal durchs Rad tragen kann- auch das werde ich tun. Es geht ja auch um Positionierung, in mir, in meinem Neu.
      Vorgestern Abend hatte ich schon so ein Erlebnis, das Gutes im Gepäck hatte- wie reich wir werden dürfen, wenn wir im Laufe des Lebens die Hürden angenommen und genommen haben; wenn wir die Schätze auf dem Weg aufsammeln durften und es auch taten, wenn wir Überflüssiges aus dem Rucksack packten und verbrannten, wenn wir Werkzeuge und helfende Hände gereicht bekamen und sie dnkbar annahmen!
      Deins heute ist auch so ein wunderbares Geschenk, herzlichen Dank
      Ulli

      Gefällt 1 Person

      • Ich freu mich, wenn dir das Tetralimma gefällt. Es kommt übrigens aus der indischen Philosophie und Rchtsprechung. Die Vorstellung, es gäbe nur A oder B, richtig oder falsch, schwarz oder weiß, schuldig oder unschuldig ist westliches Denken. Das Sowohl-als auch und das Weder-noch geben sehr wichtige Impulse, helfen bei der Überwindung von Blockaden.

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        • auch hierin stimme ich dir zu, es war ein wichtiger Moment in meinem Leben, als ich das Sowhl-als-auch in mir fand!
          Ich hatte gestern ganz vergessen zu schreiben, dass ich das mit den Toren auch so sehe- also volle Zustimmung von mir zu dir und Herzensgrüsse an dich am Morgen vom Schneeberg
          Ulli

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  8. An die Spinnen wirst Du nicht mehr denken, liebe Ulli.
    Traurigkeit um das, was verging wird bleiben, anders kann es nicht sein. Du nimmst sie mit und Du brauchst sie auch, so wie wir alle sie brauchen, weil es ohne sie unecht und unwirklich wäre.
    Nicht an jedem Tag wirst Du an Honig lecken, aber der Geschmack vom Honig wird länger an Deinen Lippen haften.
    *Es gibt keine Ecken an denen ich mich stoßen kann, die Tür bleibt unverschlossen.*
    So wird es sein und anderes hätte nicht zu Dir gepasst, liebe Ulli

    Alles andere wurde schon besagt und es war gut und hochinteressant.

    Herzlichst Bruni zu Dir

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      • Du meinst, daß es so immer mal sein kann?
        *Was, wenn der Faden mich einwickelt, sich verknotet, klebrig wird, wie von einer Spinne gezogen? *

        *seufz*, die Situationen gibt es, immer mal wieder, ich weiß, aber da gibt es die Wege, die hinausführen aus dem klebrigen Netz, liebe Ulli. Und einen guten davon gehst Du nun, glaube ich.

        Liebe Grüße aus einem kalten unfreundlichen Morgen vonn Bruni

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        • Liebe Bruni, nun ja, eigentlich, so merke ich gerade, sind das zwei verschiedene Paar Schuh, sorry, da war ich etwas missverständlich. Das eine ist die Spinne, die mir eine treue Begleiterin geworden ist, das andere ist der Faden und meine Angst davor er könnte sich verknoten oder klebrig werden, so, als hätte ihn eine Spinne gerade frisch gezogen… und genau ja, nichts ist unbequemer als ein klebriges Netz! Dann aber stelle ich ja die Fragen, die die Angst hören und doch beschwichtigen: was soll passieren, wenn ich den Faden in den Händen halte, etc.
          Letztlich geht es doch nur immer wieder darum, lassen wir uns einwickeln und gefangen nehmen oder eben nicht.
          Ich sende dir einen Herzensgruss am frühen Abend in deine Stube hinein
          Ulli

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  9. Liebe Ulli,
    die Kompassnadel zittert zunächst, das liegt in ihrem Wesen. Manchmal haben sich ihr mächtige Gesteinsberge irritierend in den Weg geschoben, ist unter der Oberfläche alles anders als geahnt. Und doch wird sie finden.
    Wie der Faden, an dem entlang man sich aus dem Labyrinth hangeln kann.
    Die Wege liegen ja offen, sie finden uns. — Ich lese in Deinem Text so viel Zuversicht – und freue mich mit Dir mit über das sich auftuende Neu.
    Nun nehme ich mir das Wunderbarbild „geballte Weichheit ist Wucht“ in das Meine mit, es wird mir guttun.
    Sei spätnächtlich lieb gegrüßt,
    Frau Rebis

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