Schreiben hilft #1

Wohin mit den zigtausend Worten in Dateien und auf Papier? Wohin soll ich sie wenden? Sie bleiben ungelesen und ich unbekannt, wenn ich mich nicht zeige, wenn ich den Spiegel mit schwarzen Tüchern verhänge. Erst kürzlich fiel eine Spiegelkachel aus dem Gefüge, nichts passierte. Seitdem gähnt ein blinder Fleck im Raum.

Eingelullt in alte Lieder und Rauch ist Schlaf dein liebster Bruder. Ich habe keine Schwester. Weißes Papier und kleine Huhus, grüne Tinte auf tauendem Schnee. Es zerrt schon wieder hinaus. Zurück ist der Drang. Winde wehen, Regen fehlt seit vielen Wochen. Wie oft fängt man von vorne an, wenn vorne nur einen Anfang kennt?

Das, was ich bis vor kurzem noch wusste, ist in den Brunnen gefallen, der austrocknen müsste, damit ich es wiederfinden kann. Ich wünsche mir Regen. Die ewige Sonne trocknet die umliegenden Stauseen, Bäche und Brunnen aus. Zu schnell ist der Herzschlag des herannahenden Frühlings für meine neue Langsamkeit. Ich will Winterstille und wenig Licht, will keinen Fuß über die Schwelle setzen. Ich will meine Wunden lecken, in mich eingedreht auf meiner Bettstatt, bis es vorbei ist.

(Fortsetzung folgt)

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49 Gedanken zu „Schreiben hilft #1

    • Der ist angekommen, liebe Marie, gerade habe ich kurz in ihm gesessen- ich merke, dass es mir schon wieder besser geht, diesen Text schrieb ich vor ca. 2 Wochen, wie die nachfolgenden auch!
      Ich danke dir und grüße dich herzlich
      Ulli

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  1. Gesund schlafen. Es gibt Zeiten, da geht das nicht mit dem schlafen. Dann gibt es Zeiten, da geht das gut und ist erholsam. Und dann gibt es müde Zeiten. Da hilft Schlaf zu heilen. Und dann verzieht sich der Rauch und die Sonne kommt und die Kraft kommt zurück. Und Wörter müssen in die Welt hinaus. Ungesagtes verstopft das Sein. Und wenn es nur in den Wind gesagt ist, egal, Hauptsache es ist raus aus dem Kopf. Grüße Kat.🌸

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      • Ach liebe Ulli, ich hab mich gerade durch den Text und alle lieb gemeinten Kommentare gelesen.. bis mir klar wurde, dass du etwas Vergangenes geschrieben hast. 2 Wochen her sei das… das ist gut für dich.. und gut das es dir schon etwas besser ist.. S.

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        • Liebe S., sage ich es so, ich habe die Zeilen erst jetzt hier eingestellt und mal geht es besser und mal wieder nicht, aber was mir wirklich Auftrieb gibt ist die neue Wohnung und der Platz, wo sie ist, darauf freue ich mich und irgendwie habe ich das Gefühl, dass es besser nicht hätte kommen können- das gibt Aufwind!
          herzliche Sonntagmorgengrüsse an dich
          Ulli

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  2. Wünsch mir Regen für Deine Natur. Tanz einen Regentanz mit Patti. In Dein Herz Sonne, damit der Brunnen austrocknet. Soll eine schöne Wüste sein mit zähen Wüstennaturen, Karawanen, Reisenden und Kamelen, Wadis, Wasserlöchern und Oasen. Fasziniert von der klaren heißen Geometrie der Dünen …
    Draußen jedoch wächst der reine Regentränenwald der tröstet das Durstherz. (Tränen sind der reine Tau der Seele in der Gosse vergangener Liebe…)Jeder Tropfen, der neben Deinen Brunnen fällt, ist ein Gedanke, eine Idee, ist Du. Das zusammengerollte Gefühl unter der Bettdecke. Es will Regen wo Wüste ist und Trockenheit im warmen Dunkel mit anderen. Darum ist es etwas, das tief innen seinen Ursprung hat…in der Ungewissheit manifestieren sich Krieg und Frieden gleichermaßen. Der Hader kann ein Kompagnon der Angst oder ein Bruder der Aufklärung sein. Er ist temporär erträglich, doch dann braucht es die anderen: seine schöne Schwester, die Zuversicht, Bruder Mut und die Schenkenkel Geduld und Freude…Es ist eine gefühlsduselige Familie, so unsterblich wie Menschen sterblich sind und so verlässlich wie manchmal das Wetter…
    Herzliche Grüße zu Dir ✨

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  3. tja, wohin mit den Gedanken und Worten, mit den Geschichten und Liedern.
    Wo bleibt die Langsamkeit, wenn eine innere Stimme Dich weiter treibt?
    Wunden lecken bedeutet Heilen und Verweilen in einem Schutzraum, liebe Ulli

    Genieße das Langsame der Jahreszeit, sie weiß, was Not tut.
    Geh mit den ersten Strahlen, aber langsam, bedächtig,
    nicht alles auf einmal entdecken, denn Wunden brauchen ihre heilsame Zeit

    liebe Samstagsgrüße von Bruni

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  4. wieder ein sehr schöner Text. „in mich eingedreht auf meiner Bettstatt“, „Zu schnell ist der Herzschlag des herannahenden Frühlings für meine neue Langsamkeit“ – das sind Sätze, um die herum ganze Romane wachsen können. Liebe Grüße

    Gefällt 6 Personen

    • Liebe Gerda, tatsächlich schreiben sich die Texte weiter und weiter und sammeln sich in einem neuen Ordner auf meinem PC, und schon füge ich noch dies und das aus anderen Zeiten ein, ich glaube dies wird ein neues Buch!
      Herzliche Grüße und Dank an dich, aus der Mittagspause mit Sonnenschein und Gesang im Herzen
      Ulli

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    • Manchmal tut es einfach nur gut sich hinzugeben und auch einmal langsam zu sein, jetzt ists schon wieder anders, die Wehmut ist leiser geworden!
      Ja sagen zu allem was da ist und gelebt werden will, das finde ich so wichtig!
      Ich danke dir, liebe Grüße
      Ulli

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  5. Oh Ulli, dieser Dein Text ist voller Traurigkeit und trotzdem ist da die Hoffnung und Zuversicht, die mit dem Frühling kommt! Alles kommt zur richtigen Zeit nämlich dann, wenn es auch wirklich positiv für Dich ist! Manchmal ist eine Niederlage ein Erfolg, ein Rückschritt oft ein Schritt, der einen Vorwerts bringt! Ja, eben ein erzwungener Schritt, um die richtige Spur zu finden!

    Sei ganz ❤ gegrüßt Babsi

    Gefällt 3 Personen

  6. Oje, gerade noch klangst du so frühlingshaft, liebe Ulli… Zu schade, dass wir nicht einfach tauschen können: Regen und Grauhimmel hatten und haben wir hier oben so viel(e), da können wir eure Stauseen, Bäche und Brunnen locker mitbefüllen. 😉

    Gefällt 1 Person

  7. Ja, liebe Ulli, Schreiben hilft. Diese zwei Worte treffen so sehr zu. Ersticken am Nichtgesagten, Ertrinken in Hinuntergeschlucktem, Erstarren in der Trauer des Schweigens – sind ja keine Alternativen.
    (Ich fühle mich sanft angestupst, Wege zu suchen aus der Wortlosigkeit heraus. Es ist Zeit.)
    Sei behütet, Du Liebe.

    Gefällt 3 Personen

  8. Liebe Ulli, ich gebe dir meine Hand.

    Wieder ein Ermutigungstext zu schreiben, nicht das erste Mal, daß du mich animierst. Doch was ist mit der Angreifbarkeit, der man sich durch offenes Schreiben aussetzt und die eh schon wunde Seele neuer Gefahr aussetzt? Dieser Zwiespalt steht auch in deinen Worten; im ersten Teil die Offensive, weil die Worte sonst ungelesen bleiben „und ich unbekannt, wenn ich mich nicht zeige, wenn ich den Spiegel mit schwarzen Tüchern verhänge“, und dann der Wunsch, sich zu schützen, sich auf der Bettstadt einzudrehen, bis der Schmerz verebbt. Sich zeigen oder einrollen, ich weiß es nicht.

    Liebe Grüße

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    • Liebe Madame Filigran, ich gehe mit dem Sowohl-als-auch
      und doch … vieles schreibe ich ja durch die Blume, man muss schon zwischen den Zeilen lesen können, selten schreibe ich es genauso, wie es ist, aber ich glaube, dass ich mittlerweile Wege gefunden habe sowohl meine Schattenseiten, wie auch die traurigen zu zeigen ohne mich dabei ganz auszuziehen-
      Und dann kommt der Moment, da möchte ich wieder nur für mich sein, mich einrollen und mir lauschen, mich halten und trösten…
      herzlichste Grüsse
      Ulli

      Gefällt 2 Personen

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