Miniatur #7-2017

Nichts, nichts weiter #3

425-03-12-12-schneeeule-wachtdraufklick = großes Bild

Noch immer ist aus Nichts Etwas geworden. Ich denke an die helle, wattige Nebelwelt, fern jedes bekannten Sterns in dem mich real umgebendem Universum, von dem ich Sonne, Mond und Venus am besten kenne. Merkur, Mars, Jupiter, Saturn habe ich zu manchen Zeiten gesehen. Ich kenne einige wenige Sternbilder, erinnere mich an grandiose Neumondnächte mit Milchstraße und unzähligen namenlosen Sternen und Galaxien.

Unzählbar und namenlos, ich mag das, wie das Nichts, die Leere, weil sie sind, was sie sind: nichts, leer, namenlos- erst einmal. Erst danach wird etwas sichtbar, erspürbar, erahnbar, erfahrbar. Wie sich noch immer etwas gezeigt hat, gegen das Herzklopfen und eine unbestimmte Aufgeregtheit. Orte ohne Fragen nach dem Woher, Wohin, Warum. Orte, die sind, die mich Willkommen heißen, die mir wohl tun in ihrer Vertrautheit ohne Zweifel und Angst. Hier treffe ich Bewohnerinnen, die keine Eile kennen, Bewohner voll weisem Rat. Ein Ort der plätschernden Brunnen und offenen Tempel durch die ein lauer Wind weht, Schneeeule wacht. Mein Olymp ohne Göttinnenzank, ein Pantheon mit einer runden Öffnung zum weiten Raum, den ich Leere nenne, leer, unbenannt, gleich Nichts. Ein Raum, der erst durch mein Betreten Farben und Formen bekommt. Punkt Null, Leere, Nichts, kein Stillstand, nie, viele kurze Momente, die Glasperlenkette eines Lebens.

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23 Gedanken zu „Miniatur #7-2017

  1. Hier kommentiert sonst immer die halbe Welt, heute Schweigen? Warum? Vielleicht, weil du einen magischen Kreis gezogen hast um dein Ich, als zu schriebst: „Ein Raum, der erst durch mein Betreten Farben und Formen bekommt“. Wer traut sich, da einfach hineinzuspazieren und laut zu tönen: Hihi, Huhu, Ulli-Ullu, ich bin der schuh- der Schuh-Uhu.
    Ein unsichtbarer Wind treibt die Krähen dem Mond zu. Glavka ist die Eule der Athene, Ein Steinkauz.
    Ich mag deinen Text und deine Collage.

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    • Oder es macht die Stille dieser speziellen Räume … I don`t know, meine LeserInnen überraschen mich auch immer wieder- so freue ich mich jetzt an deinem!
      Diese Fotomontage machte ich schon vor ein paar Jahren und sie ist mir bis heute eine der Liebsten, da freue ich mich, dass sie auch zu dir spricht, ich hatte es heimlich gehofft!
      Hab einen schönen Tag, Gerda,
      liebe Grüße
      Ulli

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  2. Beim Lesen des Textes… am Anfang der Nebel…, kam ersteinmal so ein Gefühl des „besser-still-seins“ auf, um sich leise durch den Nebel dem Textinhalt zu nähern und alles langsam bunt und lebedig im Kopf auszumalen.
    Gefällt mir!
    Liebe Grüße…

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  3. Dazu fällt mir das Herz-Sutra ein
    „Form ist nicht verschie­den von Leere, Leere ist nicht verschie­den von Form. Daher ist Körper Leere und Leere ist Körper. Ebenso verhält es sich mit Gefühl, Vorstel­lung, Wille und Wahr­nehmung.“

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    • Liebe Myriade, ich habe keine Ahnung von Sutras, schaute daher mal nach.. Im internet fand ich den Hinweis, dass es sich beim Herz-Sutra um die Zusammenfassung eines x-bändigen Werkes handelt … Also mir ist das fremd. ich kann mit dem Satz, dass Form und Leere ein und dasselbe seien, nichts anfangen. Dazu muss ich wohl eine höhere Stufe der Weisheit erreichen….;) Tröstlich war mir zu lesen, dass „der japanische Zen-Meister Taisen Deshimaru Rōshi .. darlegt, dass die Übersetzung von kū (skt. śunyata) als Leere zu kurz greift. Ihm zufolge richtet sich Avalokiteshvara als Sinnbild des Mitgefühls an Shariputra, der als Sinnbild der Vernunft gilt, indem er ihm die Unbeständigkeit aller Dinge vor Augen führt, wobei die Haltung, stets beide Aspekte einer Erscheinung zu bedenken, Mitgefühl bezeugt…..“. Aha. Unbeständigkeit der Dinge, drum hafte nicht an, sagt das Mitgefühl der Vernunft.. Und ja: alles fließt, nichts bleibt wie es ist. Capito. Liebe Grüße dir, und Dank für den kleinen Ausflug in das Reich der aufgehenden Sonne! Gerda

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      • Ich verstehe Leere=Form auch nicht, ebensowenig wie die zahlreichen Buddhisten , die ich kenne. Die Sache mit der Leere gehört zu den schwierigsten Inhalten des Buddhismus. Wobei das Verständnis solcher Themen auch nur über ein Zusammenwirken von analytischem Verständnis und Erleben möglich ist.
        Das „Herzsutra“ heißt so, weil es angeblich bei einer große Gruppe von weisen Männern zu Herzinfarkten geführt haben soll, weil sie diese vom Buddha vorgetragenen Inhalte auch nicht verstanden haben …. Diese Geschichte stammt aber aus dem indischen bzw tibetischen Buddhismus, ob es sie in Japan auch gibt, weiß ich nicht. herzliche Grüße

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        • Liebe Myriade, also das mit den Herzinfakten ist eine Mär, es heißt Herzsutra, weil diese Sutren das Herz von Buddhas Lehren sind, also das Wesentliche sagen- leider hocke ich gerade nicht daheim, Karmapa hat eine sehr simple Erklärung für die Leerheit abgegeben, die letztlich Punkt Null ist, sprich ein momentaniger Zustand von dem aus alles Erdenkliche möglich ist, denke an ein Koordinatensystem aus der Mathematik, dort gibt es auch Punkt Null, wohin es geht, ob nach oben oder unten, nach links oder rechts, sprich also auch ins Positive oder Negative = 1 bzw. -1 hängt von der jeweiligen Situation und Fragestellung ab. Wenn ich wieder daheim bin, füge ich die kurze Definition gerne hinzu- irgendwo hier im Blog schrieb ich schon mal drüber, aber ich weiß nicht, ob ich es jetzt finde-

          Was aber auf alle Fälle bei der tibetischen Philosophie und somit auch im tibetischen Buddhismus Tatsache ist, ist, dass es einerseits die Lehren und das Wissen gibt, dass sie aber beide leer bleiben, wenn die dazu gehörige Erfahrung fehlt und das heißt üben, üben, üben …
          herzliche Grüße
          Ulli

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            • Liebe Myriade, hier ist der Artikel, in dem ich Karmapa zitiere und es um die Leerheit geht:
              https://cafeweltenall.wordpress.com/2015/04/27/punkt-null-oder-alles-ist-moglich/

              wenn es nun heisst, dass die Leere nicht verschieden von der Form ist, so sehe ich einen Klumpen Ton vor mir oder eine leere Leinwand oder ein Stück unbearbeitetes Holz etc., was wir zunächst sehen ist nichts = Punkt Null und von hier aus geben wir die Form oder die Gestalt- und spinne ich den Faden weiter, dann verstehe ich es so, dass auch eine Form, wie starr sie uns auch erst einmal begegnet auch wieder nur eine vorübergehende Erscheinung ist, ich z.B. habe meine Form schon etliche Male in meinem Leben verändert, ich bin nicht mehr das kleine Mädchen, nicht mehr die junge, schlanke Frau und auch das, was ich jetzt im Spiegel sehe ist nur jetzt so, ist ebenfalls vorübergehend, wie alles andere auch. Selbst die höchsten Berge tragen sich ab, Bäume verändern ihre Form und und und- von daher ist auch eine Form nur leer, weil sie nur im Augenblick als fest erscheint, was letztendlich wieder nur eine Illussion ist!
              Danke für dein Nachhaken
              herzliche Grüsse
              Ulli

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              • P.S. das ganze Herzsutra zu erklären geht hier nicht, dazu habe ich es auch erst einmal gelesen und ist es nicht mehr wirklich present- es ist höchste Philsosophie. Es war/ist Buddhas Philosophie, die für mich ebenfalls nicht fest ist, manches kann ich zu mir nehmen, manches verstehe ich nicht, manches stimmt für mich nicht, nicht aufs Jetzt und Heute und Hier bezogen- Lehren sind Lehren und dürfen modelliert werden- manches ist vielleicht eine immerwährende, allgemeingültige Wahrheit, aber bevor ich es nicht erfahren habe, bleibt es ein Stück Philosophie und Theorie, mache ich in diese Richtung eine Erfahrung kann ich zustimmen oder verneinen, je nachdem … es gibt für mich wenige immerwährende Wahrheiten …
                nochmals herzliche Grüsse, ich bin auf deins gespannt!!!
                Ulli

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  4. Es ist gut, daß aus dem Nichts noch immer etwas geworden ist, liebe Ulli.
    Es tröstet so gut, zeigt das, was lebt, was sein möchte und auch ist.
    Nein, ich kam noch nicht, weil mich der Satz, daß der Raum erst Farbe und Form durch den Eintritt einer Person bekommt, irritiert hat, sondern weil ich meist so lange brauche, um an meinen vielfältigen Zielen anzukommen *schmunzel*. (Ja, liebe Gerda, ich lese immer Deine Kommentare, denn ich mag sie. Sie bringen frische Luft in meine Gedanken.)
    So kann es sein, daß man das Gefühl hat, man betritt einen Raum und alles formt und bewegt, belebt sich in dem Moment, in dem man den Raum betritt. Die Farbenpracht ist extra für uns gemacht und das Leben ist gut, obwohl es uns im nächsten Moment schon wieder zum Weinen bringt. Alles kann sein. Es ist wie es ist.

    Dein allerletzter Satz, liebe Ulli, ist für mich der schönste und beste, auch weil er mich an ein berühmtes Buch erinnert, das ich nie vergessen werde.

    Liebe Grüße in die Nacht von Bruni

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