S = Spiel

Alphabet der mutigen Träume

01-10-15-ende

Wie ihr seht ist auch der erste Entwurf meines mutig erträumten Alphabets nicht starr. Statt Sichtweise, wie zuerst gedacht, habe ich mich nun für das Spiel entschieden.

Spiel gehört zu meinem inneren Mädchen, das sich freut, wenn ich mit Worten, Farben und Formen spiele, wenn ich mich spielerisch und leichtfüßig in der Welt bewege und in dieser Haltung lerne und meine Herausforderungen annehme.

Kinder lernen spielerisch, sie lernen freiwillig, weil sie lernen wollen- jedes Kind auf ihre und seine ganz eigene Weise. Spielerisches Lernen geht über die Erfahrung mit allen Sinnen, anstelle von Pult, Tafel, Tisch und Bank, anstelle von Zwang und der Doktrin: „Das musst du jetzt lernen und können!“

24-spiel

(Hier könnt ihr noch einmal schauen, wie aus einem grauen Denkmal eines Narrens eine Närrin wurde, das meine ich eben auch, wenn ich von Spiel spreche → https://cafeweltenall.wordpress.com/2013/01/05/wanderschaft/)

Spiel, Humor und Leichtigkeit gehören für mich zusammen. Hier ist auch die Närrin daheim, sie forscht zwanglos in den Feldern, weil sie es will und nicht weil sie muss. Ihr Fokus liegt auf dem Weg und nicht auf dem Ziel.

Der Weg kann in Eile, mit Schweißtropfen auf der Stirn und Atemlosigkeit gegangen werden oder tänzelnd, hüpfend, ausprobierend, schlendernd, schreitend oder im eigenen Tempo gegangen werden.

Das Spiel kennt GewinnerInnen und VerliererInnen, aber auch das Wissen, dass sich das Blatt immerzu wendet.

Es sind die Formen und Methoden in den Elternhäusern, Kindergärten, Schulen und Universitäten, die prägen und oftmals die Freude am Lernen zerstören, in denen oft kein Raum für das Spiel bleibt. Ich habe in den 1970er Jahren nach einer vierjährigen sozialpädagogischen Grundausbildung das Handtuch geworfen. Ob ich nun in einem Kindergarten arbeitete oder in einem Kinderheim oder in einem Heim für geistig behinderte Menschen, der O-Ton war immer der Gleiche: von oben herab, autoritär und somit in meinen Augen zerstörerisch. Als Praktikantin in diesen Häusern stieß ich immer wieder auf Unsägliches. Man versuchte auch mich dahingehend zu „erziehen“, dass es eben nicht anders gehen würde. Daran glaubte ich aber nicht und ich wollte nicht so werden wie diese ErzieherInnen, sah aber damals auch keine Möglichkeit für neue Felder, obwohl es sie schon gab, sie sich mir aber noch nicht gezeigt hatten.

Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie sich am einzelnen Kind orientieren, an dessen Fähigkeiten und Qualitäten und diese fördern. Spielerische Herangehensweisen finden sich besonders in den Freien Schulen und bei den Einrichtungen nach den Lernkonzepten von Maria Montessori.

Einst las ich eine Schrift des griechischen Homöopathen George Vithoulkas zum Lernen. Vithoulkas hat das homöopathische System nach Hahnemann weiter entwickelt hat und gilt als Koryphäe auf diesem Gebiet. Er schlüsselte sehr genau die einzelnen Stadien des Menschens auf und richtete darauf sein pädagogisches System. Am Anfang stand das Spiel, über ausprobieren, Versuch und Irrtum zu lernen, sowie Bewegung und Sprachen. Die naturwissenschaftlichen Fächer fanden ihren Platz bei schon älteren Kinder, ferner behauptete er, dass Fächer für die logisches Denken eine Voraussetzung sind, erst ab der Pubertät gelehrt werden sollten, weil es braucht, bis sich das logische Denken ausbildet. Ich fand das damals alles sehr schlüssig. Leider fand ich diese Schrift nicht im www und mein Exemplar kann ich leider auch nicht finden.

Ich behaupte, dass Kindern, die bei ihren Fähigkeiten und Qualitäten abgeholt und dahingehend begleitet und gefördert werden, die Freude am Lernen nicht vergeht.

Spielerisch können wir verschiedene Blickwinkel einnehmen, etwas, das ich gerne beim Fotografieren mache und später dann bei den Collagen und Fotomontagen, wenn ich mit verschiedenen Hintergründen und den jeweiligen einzusetzenden Sujets spiele. So öffnen sich mir neue Sichtweisen. Und so haben die Sichtweisen doch noch einen Platz gefunden.

Advertisements

72 Gedanken zu „S = Spiel

  1. In einem gewissen Alter fällt es schwer zu spielen. Hab ich in meinem Kurs gemerkt. Mit Mitte 20 fanden sie das albern. Die älteren waren eher locker und liessen es zu. Dann aber machten alle mit. Ach ja… Und mein “ Schwiegersohn“ ist dabei, solch eine freie Schule hier in A. aufzubauen. Ich hoffe, sie schaffen es. Liebe Grüße Kat.

    Gefällt 7 Personen

    • Vielleicht gehört es zum Erwachsenwerden dazu, dass sich viele erst einmal dem Ernst des Lebens zuwenden, um dann später wieder das Spiel zuzulassen?
      Ich wünsche deinem Schwiegersohn viel Kraft und Glück.
      Herzlichst
      Ulli

      Gefällt 5 Personen

  2. Montessori… ich habe mal über einem Montessori Kindergarten gewohnt .. ich habe keinen wirkliche Ahnung vom Ansatz der Montessori.. aber befremdlich fand ich, dass schon die Kleinsten Aufgaben hatten und das sie da alles was so einen Erwachsenenhaushalt ausmacht in Miniatur hatten..ich habe die auch an anderen Orten immer als sehr streng erlebt..
    Waldörfler hingegen geben auch Kindern eine Chance die sonst am Rande stehen würden. Ein guter Freund von mir hat als Kind sehr gestottert und war ängstlich. Er ist heute ein selbstbewusster Erwachsener, der sich für sich und seine Mitwelt einsetzt… und stottert maximal 1 Mal im Jahr an Weihnachten zu Hause. 🙂
    S.

    Gefällt 2 Personen

    • Diese Erfahrung fehlt mir, ich kenne den Ansatz der Maria Montessori nur von meiner Mutter, die sehr spät darin eine Weiterbildung machte und das Erlernte bei „ihren“ Männern, die alle geistig behindert waren, einsetzte- sie hatte wunderbare Erfolge. Vielleicht ist es mit Montessori so ähnlich wie mit Waldorf, manche versteinern, andere übersetzen spielerisch ins Heute?!
      Vielen Dank, liebe S., herzliche Grüsse an dich
      Ulli

      Gefällt 1 Person

  3. Das innere Kind lieben und hegen, spielerische Leichtigkeit bewahren im Lebenlernen … der beste (wenn auch oft verworrene, verwirrende) Weg zum Glücklichleben. Ich lerne da viel von meinem Enkel, der sich und die Welt in Freiheit und liebevoll begleitet erkunden darf und im Spiel die erstaunlichsten Dinge lernt – und an die staunenden Erwachsenen weitergibt. Danke für den wieder einmal lesenswerten Text, und liebe Grüße für einen guten Tag!

    Gefällt 5 Personen

    • Von den Kindern lernen, ja das mache ich auch immer wieder, damals mit und von den eigenen, heute dann wieder mit und von den Enkelkindern, aber auch von und mit anderer Kinder, die mir begegnen, die ich hier und da beobachte, hier und da begleite. Ja, das macht Freude!
      Ich wünsche dir ein wunderbares Wochenende, hier scheint die Sonne auf den Schnee von einem wolkenlosem Himmel, nachher gehe ich stromern, es muss noch ein kleines bisschen wärmer werden! Noch ist es -8°, aber ohne Wind und das ist fein!
      herzlichst
      Ulli

      Gefällt 2 Personen

  4. Kinder sind neugierig und lernen wirklich sehr gerne, nur die meisten Grundschulen wollen der Sache mit übereifrigem Ernst zu Leibe rücken und so verliert sich dann schon oft der Spaß daran. Rechnen lernen ist blöd, aber lernen seine Figuren zu Hause zu zählen oder wie viele Kekse einem gehören ist wichtig, doch ich kenne Schule fast nur als Instrument der stupiden Lernerei und die hat sehr wenig mit dem Alltag zu tun oder interessiert es wirklich jemanden, wann sich zwei Züge mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten wo treffen, wenn sind dann und dann abfahren? Eben 😀 Doch auch Eltern und der Rest der Familie ist gefragt, wenn es ums Lernen geht, denn da werden die Grundsteine für den Spaß an der Sache gelegt und man kann die Verantwortung nicht einfach an Institutionen abtreten und hoffen, dass alles gut wird. Ein schönes Wochenende für dich liebe Ulli 🙂

    Gefällt 4 Personen

    • Nein, lieber Arno, man kann die Verantwortung nicht an Institutionen abgeben und doch machen es so Viele- Babies kommen mit 3 Monaten in eine Krippe, damit Mutter wieder arbeiten kann und und und-
      wie heißt es immer so schön: es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen, diese Dörfer werden weniger und weniger, sie wurden von den Institutionen abgelöst- mir scheint das nicht richtig!
      Noch eins fällt mir ein, der Schlusssatz von Hagen Rethers Programm „Liebe“ – seid lieb zu euren Kindern- als ich ihn das erste Mal sah und dann nach vier Stunden diesen Satz hörte, rollten mir die Tränen.
      Auch dir ein schönes Wochenende
      Ulli

      Gefällt 1 Person

  5. Danke sehr, Ulli. Nun hast du meinen Pädagogik-Artikel wunderbar ergänzt; und ich kann mir die Arbeit ersparen. Na, vielleicht fassen wir deins und meins und noch was irgendwann in einem Artikel zusammen, denn Erziehung ist wohl eines der Scharniere zwischen mutigem Träumen und freiem Denken. Wenn wir das gut ineinanderfügen, können wir den Türflügel spielen lassen und nach Belieben auf- und zumachen, nach dem Motto: Dies darf rein, jenes muss leider draußen bleiben. Teggytiggs schrieb in ihrem Meinexperimentlebenblog vor einiger Zeit über eine selbst gebaute Tür mit Rahmen und über die Freude, als das Scharnier endlich passte. Daran musste ich eben denken. Leider konnte ich den Beitrag in ihrem Blog nicht finden. Teggytiggs, falls du dies hier liest, magst du dein link hier eingeben?
    Richtig und wichtig scheint mir das, was in mehreren Kommentaren betont wurde: Wat dem eenen sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall. Auf Hochdeutsch: Nicht jede Erziehungsmethode passt auf jede und jeden. Ich kenne Menschen, denen zB die Waldorfschule sehr gut getan hat, und andere, die sie als Kind hassten. Für die antiautoritäre Erziehung oder die Regelschule oder den Montessori-Kindergarten gilt dasselbe. Und natürlich kommt es nicht nur auf die Persönlichkeit des Kindes, sondern auch auf die des Lehrers an, ob eine Pädagogik Früchte trägt. Allgemeine Richtlinien ersetzen nicht die menschliche „Chemie“ zwischen Lehrer und Schüler, Kind und Erwachsenem..
    Momentan kommt bei mir das Spielen zu kurz. Dabei lacht der Himmel und der Hund will raus. Tschüß! Gerda

    Gefällt 5 Personen

    • Liebe Gerda, eine schöne Idee unsere beiden Artikel zur Pädagogik zusammenzuführen, auch das Bild der offenen Türe gefällt mir, die hin und herschwingt, ich hab da gerade eine vor Augen… Überhaupt kann es noch sehr spannend werden, wenn wir wirklich die beiden Alpabete bündeln- ich schrieb dazu etwas unter Z, was ja noch erst kommt…
      Und klar: Nicht jede Erziehungsmethode passt auf jede und jeden. Da sind die Eltern gefragt, sie sollten das für ihr Kind passende Modell finden und wenn es sich dann doch nicht bewährt, sich nicht vor einem Wechsel scheuen!
      Ich habe in den letzten Tagen wieder viel gespielt, ja, am PC, mit meinen Bildern, leider weniger mit meinen Enkelkindern, da ich sie nicht anstecken will und in Karantäne gegangen bin.
      Jetzt aber werde ich mich gut warm einpacken, meine Kamera nehmen und mit den Sichtweisen spielen 😉
      Dir einen schönen Gang mit deinem Vierbeinerfreund.
      Herzliche Grüße
      Ulli

      Gefällt 2 Personen

  6. Hier schreibt einer der verspieltesten Menschen meiner Bekanntschaft, nämlich ich ! Spiel, Leichtigkeit, Humor, Kreativität, ja, das macht viel an Lebensqualität aus. Ich denke oft, dass ich mindestens so verspielt bin wie meine Schüler, die ja im erwürdigen Alter von 14 bis 20 nicht so kindisch sein wollen 🙂
    Ich erinnere mich, dass ich einmal die Verspieltheit eines Fotos in einem Blogbeitrag lobte und der Autor fast beleidigt war. Ich muss gestehen, dass ich mir gedacht habe: In D gibt es schon überdurchschnittlich viele Leute, die einen Stock verschluckt haben und auch noch Wert darauf legen, dass das so ist.
    Ein angenehmes Wochenende wünsche ich dir, liebe Ulli. Auf weiteres Spielen 🙂

    Gefällt 5 Personen

  7. Wie schön und erheiternd die vielen Kommentare sind, sehr anregend, liebe Ulli.
    Kinderlos wie ich bin habe ich große Freude an unsere Buchfeen Siri und Selma die fest in unseren Alltag verankert sind. Sie bringen eine spielerische Leichtigkeit mit sich die wir nicht mehr missen wollen.
    Ein schönes Wochenende zu Euch auf dem Berg! ❤

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Hanne, ja, es ist wirklich schön, dass die Feen bei euch leben, sie haben mich ja auch schon so einige zum Lächeln gebracht!
      Und genauso schön ist dieser rege Austausch hier, ich geniesse ihn sehr!
      Auch dir/euch ein wunderbares Wochenende
      herzliche Grüsse
      Ulli

      Gefällt mir

  8. Pingback: Spiele II. | Gezeitenwechsel

  9. Spielerisch leicht ging mir eben mein Kommi von der Hand und ebenso verabschiedete er sich ins Nichts, als ich auf eine falsche Taste kam, grummel, grummel

    Spielerisch lernen, ohne Zwang und ohne Druck ist selbstverständlich die beste Form allen Lernens.
    Gegen frühere Zeiten hat sich wenigstens die Grundschule schon sehr verändert. Ich sehe es beim Enkelchen, aber er ist auch erst in der zweiten Klasse. Wie es danach aussieht, weiß ich noch nicht…

    *Kinder, die bei ihren Fähigkeiten und Qualitäten abgeholt und dahingehend begleitet und gefördert werden,*
    haben es gut, liebe Ulli. So würde ich es mir für alle wünschen, doch sieht es leider sehr oft nicht so aus.
    Es liegt auch so sehr an den einzelnen Lehrern, nicht nur an der Form unserer Schulen.
    Ein Lehrer, der seine Schüler mag, mit ihnen respektvoll umgeht, ist immer besser, als ein Kollege oder eine Kollegin, die ihren Unterricht als eine lästige Pflicht empfindet und den eigenen Frust mit in den Unterricht nimmt.

    Liebe Grüße in die Nacht von Bruni

    Gefällt 3 Personen

    • Liebe Bruni, das tut mir leid, dass dein Kommentar futsch ist!
      Es gibt in der Weite von Bloghausen eine grossartige Lehrerin: Frau Rebis – siehe mein Blogroll- sie hat es gut getroffen mit ihrem Kollegium, der Schulleitung und ihre Haltung zu ihren SchülerInnen hin ist vorbildlich, finde ich. Es war im letzten Herbst als wir uns über Lehren und Lernen austauschten.
      Ich stimme dir zu, das beste Konzept nutzt nix, wenn die LehrerInnenschaft nicht mitspielt, aber dem kann man ja auch Grenzen setzen!
      Gerade heute las ich wieder von Einem, der unser Schulsystem aufs Korn genommen hat, herrjeh, wie hiess der (zu viele Infos heute, und schon zu spät)- auch hörte ich letztens eine Sendung im Radio in der sich die Professoren darüber mockierten, dass die neuen Studienregelungen nicht mehr dazu führten selbständig denkende Menschen zu fördern. Wenn nun also schon LehrerInnen und ProfessorInnen beginnen aufzumucken macht mir das ganz grosse Hoffnung. Sie habene s ja letztlich in der Hand oder sollten es zumindestens haben. Und es ist ja auch nicht ohne Grund, dass sich immer mehr Freie Schulen gründen, es immer mehr Waldorf-Schulen gibt, etc.
      herzliche Nachtgrüsse
      Ulli

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s