Die Ballade vom Wasserrad – Bertold Brecht

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Christiane ruft zu einer Blogparade der Balladen auf, eine schöne Idee finde ich, denn wer kümmert sich  schon noch um Balladen? Ich habe überlegt welche Ballade mir am nächsten ist und kam auf Bertold Brecht und seiner Ballade der menschlichen Unzulänglichkeit, da ich diese aber hier schon eingestellt, und auch erst vor kurzem wieder einmal auf sie hingeweisen habe, entschied ich mich auf die Suche nach anderen Balladen von Brecht zu gehen und fand diese, die auch zu meinem Alphabet der mutigen Träume passt, spricht sie doch davon, dass, wenn wir aufhören „Die da oben“ zu füttern, sich das Rad drehen kann.

Die Ballade vom Wasserrad

1

Von den Großen dieser Erde
melden uns die Heldenlieder:
Steigend auf so wie Gestirne
gehn sie wie Gestirne nieder.
Das klingt tröstlich, und man muss es wissen.
Nur: für uns, die sie ernähren müssen
ist das leider immer ziemlich gleich gewesen.
Aufstieg oder Fall: Wer trägt die Spesen?

Freilich dreht das Rad sich immer weiter
dass, was oben ist, nicht oben bleibt.
Aber für das Wasser unten heißt das leider
nur: Dass es das Rad halt ewig treibt.

2
Ach, wir hatten viele Herren
hatten Tiger und Hyänen
hatten Adler, hatten Schweine
doch wir nährten den und jenen.
Ob sie besser waren oder schlimmer:
Ach, der Stiefel glich dem Stiefel immer
und uns trat er. Ihr versteht: Ich meine
dass wir keine andern Herren brauchen, sondern keine!

Freilich dreht das Rad sich immer weiter
dass, was oben ist, nicht oben bleibt.
Aber für das Wasser unten heißt das leider
nur: Dass es das Rad halt ewig treibt.

3
Und sie schlagen sich die Köpfe
blutig, raufend um die Beute
nennen andre gierige Tröpfe
und sich selber gute Leute.
Unaufhörlich sehn wir sie einander grollen
und bekämpfen. Einzig und alleinig
wenn wir sie nicht mehr ernähren wollen
sind sie sich auf einmal völlig einig.

Denn dann dreht das Rad sich nicht mehr weiter
und das heitre Spiel, es unterbleibt
wenn das Wasser endlich mit befreiter
Stärke seine eigne Sach betreibt.

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53 Gedanken zu „Die Ballade vom Wasserrad – Bertold Brecht

    • Guten Morgen, Uli, in einem modernen Märchen von Folke Tegethoff hiess es einmal am Ende: „Das war früher schon so und ist heute nicht anders“, daran denke ich oft- wär doch noch schön, wenn sich das Rad endlich einmal andersrum drehen würde-
      herzliche Grüsse aus dem schwarzen Wald an dich
      Ulli

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      • Hallo und Gute Morgen, Ulli, ja, das denkt man oft und scheint manchmal auch wirklich erstrebenswert. Allein, ist das wirklich so …. ?
        Liebe Grüße aus dem Rheinland zurück in den wunderschönen Schwarzen Wald. Uli. 😊

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        • Ich wünsche mir auf alle Fälle einen Richtungswechsel und eine Gesellschaft, in der es um humane Werte geht, statt um Finanzen und Konsum- in der es um Miteinander statt um Gegeneinander geht, eine Form, die nichts ausschliesst, auch nicht die anderen Lebewesen- ja, dafür stehe ich, auch wenn es oftmals einem Kampf gegen Windmühlen gleicht-
          herzliche Grüsse vom Berg hin zum heimatlichen Fluss
          Ulli

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          • Absolut Deiner Meinung, Ulli. Dafür stehe und kämpfe ich auch. Eine solche Gesellschaft ist sinnvoll und erstrebenswert. Deswegen lohnt es auch, dafür zu kämpfen.
            Besten Dank auch für die Grüße, die ich auf die Reise zurück zu Dir sende.
            Uli
            😊🙋

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    • Liebe Christiane, nein, morgen leider keine, morgen ist das Sonntagsbild dran… aber gerne lese ich dann bei euch weitere Balladen- eine feine Aktion ist das! Danke dir und herzliche Grüsse
      Ulli

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  1. Schöne Idee von Christiane, hab ich noch gar nicht mitgekriegt. Obwohl großer Brecht-Fan kannte ich diese Ballade noch nicht. Wie immer ist sein Bild einfach und leicht verständlich, und jeder schreit. ja, so ist es.

    Doch was meinst du mit der Hoffnung, dass sich das Rad auch mal andersrum drehen wird?

    Und auch Brecht möchte ich eigentlich fragen, ob er ein stillstehendes oder gar zerfallendes Mühlrad, über das die Wasser hinströmen und kein Korn mehr mahlen, wünschenswert fände?

    Marx hat ja viel Hoffnung auf die technologische Entwicklung gesetzt, dass durch sie die Menschen frei würden: Als 28Jähriger träumte er mutig von der „klassenlosen Gesellschaft“ , in der der Mensch nicht mehr notwendige, sondern nur noch freie Tätigkeit ausüben wird : „heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe:::“.
    Seit seinen Tagen hat sich viel geändert, die alten Mühlen mahlen schon lange kein Korn mehr: Jagen und Fischen sind eher umweltfeindliche Tätigkeiten: Die mühselige Menschen- und Tierarbeit wurde durch Maschinen ersetzt. Das Kapital ist heute in wenigen Händen konzentriert, und man könnte meinen, die Voraussetzungen für die Befreiung des Menschen seien ideal. doch die Klassengesellschaft und die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen sitzen fester im Sattel als eh und je. und die Kriege verwüsten die Erde. Was fehlt?

    Können Freies Denken und mutiges Träumen heute Antworten darauf finden?

    Gefällt 4 Personen

    • Liebe Gerda,
      ich selbst möchte Brechts Bild so verstehen, dass oben nicht immer oben ist und unten nicht immer unten, aber letztlich sagt er das nun nicht. Von daher sehe ich auch eher ein Mühlrad des Stillstands und kann mich nun daran reiben-
      Es gibt Momente in denen ich denke, dass freies Denken und mutiges Träumen Antworten geben, zumindest in der Hinsicht, dass diese zwei Systeme auf der einen Seite auf Alternativen hinweisen, und dass sie Tugenden benennen, die es gilt oben zu halten in einer Welt der sogenannten Verrohung und der Werteverluste-
      Und vielleicht ist es auch wie mit vielen alten Gedichten und Balladen, dass diese Gedanken zeitlos sind und von dem Wunsch nach gerechteren Systemen gespeist werden. Ich bin mir bewusst, dass mein Alphabet nichts grundsätzlich Neues im Gepäck hat und es wäre wohl grössenwahnsinnig zu glauben damit die Welt zu einer Umkehr zu bewegen, immer noch und immer wieder kann ich nichts anderes tun, als Samen zu streuen-
      herzliche Grüsse
      Ulli

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  2. Diese Ballade kannte ich nicht, liebe Ulii. Klausbernd ja, er hat sich sehr viel mit Brecht beschäftigt und wir waren oft unterwegs auf Brecht’s Spuren in Augsburg, Berlin, Bukow und mehr.
    Wir beneiden euch um den Schnee, die weisse Pracht macht die Landschaft so still und ruhig.
    Liebe Regengrüße aus Norfolk,
    Hanne x

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    • Liebe Hanne, mir war bis gestern diese Ballade auch neu. Ich erinnere mich gut daran was Klausbernd schon alles zu Brecht schrieb, ich schrieb ja meine Abiarbeit im Leistungskurs: Mutter Courage von Brect im Vergleich zu der Courasche des Siplicissismusschreiber (habe gerade den Namen vergessen 😦 )
      ja, der Schnee ist herrlich, vor allen Dingen weil ich nicht schüppen muss, erst ab übermorgen, wenn der Liebste mal wieder für 3 Wochen weg ist-
      herzliche Grüsse
      Ulli

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  3. Danke für diese schöne bescheidene Antwort. „Es gibt Momente in denen ich denke, dass freies Denken und mutiges Träumen Antworten geben, zumindest in der Hinsicht, dass diese zwei Systeme … auf Alternativen hinweisen, und dass sie Tugenden benennen, die es gilt oben zu halten…“

    Ich möchte dem noch hinzufügen: Man muss sich stets überlegen, auf welchen gesellschaftlichen Voraussetzungen und Produktionsverhältnissen das beruht, was man bereits genießt und sich darüber hinaus erträumt.
    Marx fand sich nicht größenwahnsinnig. Tatsächlich haben viele vieles in Bewegung gesetzt auf der Grundlage seiner Analysen und Träume. Seine Träume von Gerechtigkeit und freier Selbstbestimmung des Menschen ohne Ausbeutung sind, wie du ja auch sagst, zeitlos. Seine Analysen sind weitgehend in Vergessenheit geraten.

    Träume lassen sich nicht widerlegen, Analysen aber werden von den Entwicklungen falsifiziert. Also braucht man neue. Wo sind sie? Wo ist das ORAMA – die Vision, die Mittel und Wege angibt zu ihrer Realisierung – ,die an die Stelle der Marxschen getreten wäre?

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    • Arbeiten wir denn nicht genau an diesem ORAMA?
      ich habe ja Marx nie gelesen, ich gebs zu, mein Wissen um seins ist nur sehr, sehr rudimentär, aber vielleicht ist es auch nicht nötig, um ein Bild von einer besseren Welt zu malen?
      Lieberlebenblog schenkte mir gerade ein neues Wort: Leitstern- mein und dein Alphabet so zu begreifen, gefällt mir sehr-

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      • ….und ich dachte grad, wir brauchen ein drittes Alphabet. das des wirtschaftlichen Handelns. Du schreibst oben von einer „Gesellschaft, in der es um humane Werte geht, statt um Finanzen und Konsum- in der es um Miteinander statt um Gegeneinander geht“ DEM STIMME ICH ZU, es war sogar der Ausgangspunkt unserer Alphabete. Aber nun wird mir das Fehlen eines Alphabets zum richtigen Wirtschaften immer bewusster. Sicher, es ist teilweise mit enthalten in unseren Alphabeten. Doch reicht es mir nicht mehr. „Finanzen und Konsum „, und vor allem die Warenproduktion sind so grundlegend für unseren Lebenserhalt, dass wir da nicht einfach mit einem Nebensatz drüber hinweggehen können.
        Also das will ich im Kopf behalten, mal sehen …

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          • uff, ich hatte einen ganzen Sermon geschrieben, jetzt ist er weg. Es lief darauf hinaus zu überlegen, die die Wirtschaft beschaffen sein muss, damit die FREIHEIT DES DENKENS möglichst wenig behindert bzw möglichst gefördert wird. Manche meinen ja, dass sehr viel von der Erziehung abhängt, aber wovon hängt die ihrerseits ab? etc Na, ich denke weiter drüber nach.

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            • wie schade, dass der Sermon verschwunden ist-
              ich habe heute mal ein bisschen was von den wirtschaftlichen Gedanken unter R = Richtungswechsel aufgenommen – aber wie geschrieben, ich bin keine Expertin und doch bin ich nicht ideenlos, immerhin 😉
              bist du schon gut in der Stadt angekommen? Wie geht es deinem PC?
              Herzensgrüsse von der Schnupfundschnaufnase Ulli

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        • Da bin ich ganz deiner Meinung. Zwischen einem Utopia und einer verwirklichbaren besseren Welt liegen lange Durststrecken, die an Kenntnissen von Wirtschaft im allgemeinen und Volkswirtschaft im besonderen vorbeiführen und an Erkenntnissen zu politischem Handeln und menschlichen Verhaltensweisen…..

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  4. Danke für den Brecht liebe Ulli, bin auf der Rückreise von der Insel und bin noch völlig entschleunigt. Bei Brecht fällt mir immer sofort die Ballade von der Hanna Cash ein. Die habe ich so lange nicht mehr gesungen. Werde morgen mal wieder die Gitarre stimmen. Liebe Grüße von Marie

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  5. Das ist eines der Probleme: eigentlich hat niemand Marx gelesen, daher gibt es haufenweise Interpretationen seiner Schriften, die auf purer Fantasie oder Wunschdenken auf der einen Seite und Hass auf der anderen Seite beruhen … Ich würde es interessant finden, sich damit zu beschäftigen, woran der Kommunismus gescheitert ist. An den Menschen, ja, aber woran genau ……

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    • So ist es, Myriade. Wer kennt schon Marx! aber alle wissen, dass er der Vater des Kommunismus ist … und dann gehts los: welchen Kommunismus meinst du? den real existierenden oder den utopischen, den in Russland zwangsläufig gescheiterten oder den in der Zukunft mit seinem Paradies auf uns wartenden Kommunismus…? .Ich gehöre zur Generation der Marx-Leser, konnte aber nur mit seinen Frühwerken warm werden – hatte sie sogar als Prüfungsthema in Philosophie. Die Frühwerke fehlten wiederum in seinem in der DDR verlegten Gesamtwerk, sie zu lesen, war nicht opportun. Immer noch werben politische Parteien mit seinem Erbe und scharen Menschen um sich, die sich eine gerechtere Welt via Marx bzw Kommunismus erhoffen, und immer noch gibt es die, die nicht müde werden, ihn zu verteufeln. Andererseits, wissen die, die den Kapitalismus für die beste Wirtschaftsform halten, wie er theoretisch begründet wird? Vermutlich nicht.

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    • Ich sehe es so, dass es bislang noch keinen wirklichen Kommunsimus gegeben hat, nicht im Sinne der Erfinder, vielleicht noch am ehesten in Kuba?
      Der Kommunsimus in der ehemaligen UdSSR ist ein anderer als der in China- beiden gemein ist die Unterdrückung des Volkes, Straflager für die Gehirnwäsche, die nicht grausamer sein könnten, sowie der Versuch die Menschen gleichzuschalten … um jetzt nur weniges zu nennen, warum er gescheitert ist- ich weiss auch nicht wie ich Chinas Staatsform nennen soll-
      ein weiterer Grund sind die kapitalistischen Staaten und Mächte, die alles dafür tun, dass nicht sein darf, was sein soll- Wirtschaftsembargos und Isolation innerhalb der Weltengemeinschaft waren Mittel zum Zweck-
      letztendlich aber stimme ich dir zu, sich damit tiefer zu beschäftigen wäre sehr interessant.
      Ich selbst verfolge aber gar keine kommunstischen Ideen, eher humanideologische und soziale, auch ist der demokratische Gedanke noch immer nicht für mich gestorben, denn eine wirkliche Demokratie, so, wie ich sie verstehe, hat es auch noch nicht gegeben, oder? Ich lasse mich gerne belehren-
      herzlichst
      Ulli

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      • Ja, ja, mir fällt auch keine Staats- oder Gesellschaftsform ein, bei der es nicht einen beträchtlichen Unterschied zwischen Theorie und Praxis gibt.
        Auch die alte griechische Demokratie: mitbestimmen durften die männlichen Mitglieder bestimmter Gesellschaftsklassen …

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      • am ehesten kommunistisch im Sinne seines Erfinders Marx war der „kurze Sommer der Anarchie“ in Spanien. Er wurde von der offiziellen KP liquidiert. So wie die Katharer, die am ehesten eine christliche Gemeinschaft im Sinne des „Stifters“ Jesus waren, von der Inquisition vernichtet wurden.
        Gestern sah ich die berühmte Szene aus den Brüdern Karamasov von Dostojewski – russische Verfilmung -, wo Iwan seinem frommen Bruder Aljoscha eine selbst geschriebene Geschichte erzählt: Der Großinquisitor zwingt den wieder erschienenen Jesus, ein für alle mal zu verschwinden. Die Menschen vertrügen Freiheit nicht, sie sei zu schwer für sie. – Großartige zynische Geschichte!! Das Nachlesen lohnt sich.

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  6. guter Brecht! Kluger Brecht!
    Aber ist´s denn eine Ballade? Es ist zu wirklich, zu real, Spannung ist da, klar. Dramatik auch…
    Neuzeitliche *Ballade*, deren Worte Wahrheit tragen

    Schnee? Haben wir hier keinen 😦 ,das ist schade

    Liebe Abendgrüße von Bruni

    Gefällt 2 Personen

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