Rückblick # 4 – August

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August, das heißt Hochsommer. Letztens schrieb tikerscherk: „Als wäre es immer nur Sommer gewesen in jenen Jahren. Und so war es auch.“

Ich habe dem hinterher sinniert und finde es von Jahr zu Jahr mit der Leichtigkeit des Sommers schwerer. Er ist von so Vielem überschattet, das die Leichtigkeit beschwert. Sicherlich, noch immer blühen die Sommerblumen, locken die Badeseen, wenn das Wetter mitspielt, und sicherlich genieße ich die lauen Sommerabende mit und ohne Feuer, in diesem Jahr war es nicht anders. Aber, aber … Ich erinnere mich gut an den Aufruhr in mir, die Erstarkung der AfD, des Populismus, des Rückwärtsganges in den Köpfen. Das nimmt mir Schwung, Röcke werden enger, statt im Sommerwind zu wehen. Eins der Worte des Jahres ist Spaltung, ich schrieb davon. Auch hier gilt es sich zu positionieren, sich an die Ideale zu erinnern, die, die realistisch sind. Und es gilt zu träumen, mutig zu träumen und Gutes zu tun, sich dafür belächeln zu lassen und auch beschimpfen: Du Gutmensch, du … ich lasse sie schimpfen, sie können nicht anders. Und ich weigere mich, die Angst zu füttern, auch wenn sie hier und dort aufflackert. Aber ratlos war und bin ich immer noch, weniger für mich und mein eigenes, kleines Leben, als dem Großen und Ganzen gegenüber und wenn ich an die Zukunft für die jetzt noch kleinen Menschen denke.

Auch in diesem August gab es kleine und größere Ausflüge, die wunderbare Ausstellung in Mannheim mit Hannah Höchs Werken. Es gab Lachen und Weite, Tanz und Freude, das will ich nicht vergessen. Es ist nur insgesamt schwerer geworden und “ das Glück lockt nicht mehr in jedem Augenblick und an jeder Ecke.“ (noch einmal tikerscherk sinngemäß, ihre Antwort auf meins in ihrem Kommentarstrang).

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27 Gedanken zu „Rückblick # 4 – August

  1. Keine Jahreszeit ist mehr leicht und unbeschwert…

    Die Globalisierung und das Internetz sorgen dafür, dass dein Kopf mit allen Sorgen der Welt täglich vollgestopft wird, liebe Ulli,
    da hilft, sich erinnern sehr…

    Eine feine Rückbesinnungsreihe von dir, ich mag sie sehr!

    Hab einen schönen Tag!
    Herzliche Morgengrüße vom Lu

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  2. „Keine Jahreszeit ist mehr leicht und unbeschwert…“ So sehe ich das auch und es liegt an uns, die Welt da draußen auch mal bewusst „auszusperren“ und uns nur auf das Schöne zu konzentrieren, als einen reinen Selbstschutz.

    Liebe Grüße!

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  3. Leichter ertragbar macht das Leben, ein bewusstes Ausblenden verschiedener Medien. Die weniger Reizflutung sorgt für Platz im Kopf und hilft sich den lösbaren Problemen direkter zuwenden zu können. Der August ist mir ein guter Monat, bringt er oft weiten Himmel, um sich darunter zu legen.

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    • Guten Morgen, liebe Arabella, da stimme ich dir zu- ich lebe ohne TV, bin in Bloghausen unterwegs und ab und an bei fb, ich höre Radio und lese immer wieder mal zeitung, das war es aber auch schon, auch ohne dem Zuvielem an Infos und ganz generell fällt es mir schwer das eine und andere in der Welt auszublenden, ich weiss auch nicht wirklich, ob ich das will-
      liebe Grüsse an dich
      Ulli

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  4. ach, ich mag deine Rückblicke sehr, Ulli! Es ist diese Mischung aus feiner Ästhetik und warmem menschlichem Wort.
    Was den August anbetrifft: das Leben scheint leichter unter dem „weiten Himmel, um sich drunter zu legen“ (Arabella), das Meer lockt, die Menschen sind vergnügt. Und doch: am 28. August 1914 begann das große Schlachten, am 1.September 1939 setzte es erneut ein. Dass so viel Blutiges sich vorbereitet in den schönsten Sommermonaten, an den friedlichsten Orten, im Moment der angenehmsten Entspannung, ist das doppelt Schockierende. Es ist, als sagte man uns: Nie sollst du ruhen, nie dich einfach nur wohlfühlen.
    Dagegen setzt du dein mutiges Täumen. Das tut mir so wohl. Danke, Ulli.

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    • Guten Morgen, liebe Gerda, manchmal dachte ich schon, dass die PolitikerInnen gerade die Sommermonate nutzen, um ihr Unsägliches in die Welt zu bringen, du nennst Beispiele und ich denke an die vorletzte oder letzte Fussball-WM, als D beschloss noch mehr Waffen zu liefern … alle waren abgelenkt und wann könnten Menschen am besten abgelenkt sein, als im Sommer oder während der WM, der Olympiade etc.? Wie ich gerade schon an Arabella schrieb, ich bin nun echt kein Medienjunkie, aber ich habe das Bedürfnis zu wissen was in der Welt vorgeht, dass ich nicht so gut im ausblenden bin ist allerdings mein Problem, deswegen achte ich auf kleine Portionen, gerade eben auch wieder.
      Ach … und ich freue mich über deinen Zuspruch und dein Mögen von meinem ….
      liebe Grüsse unter Blauhimmelzelt
      Ulli

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  5. Ja, das ist mir das Wichtigste: das ich mag, was du tust, und wie du es tust. Das ist mein Kriterium bei allen Menschen, und natürlich auch bei den Bloggerfreunden.
    Was das andere Thema betrifft: Niemals wollte und will ich das Weltgeschehen ausblenden. Ich bin, was die Griechen ein Zoon politikon nannten – ein „Lebewesen der Polis, der Gemeinschaft“ – das Gegenteil nannten sie Idiot – Privatmensch. Ich habe es zwar gerne, meine private Sphäre im Leben zu haben, eine Tür, die ich hinter mir zumachen kann und durch die nur eintreten darf, wen ich dazu einlade. Insofern mag ich es auch nicht, wenn mir die Politiker und Kommentatoren mit am Mittagstisch sitzen (was ich leider nicht ausschließen kann, denn mein Mann mag es sehr). Aber geistig will ich im Weltgeschehen drin sein, will verstehen und Stellung beziehen (du nennst es „dich positionieren“). Ich war immer so, solange ich denken kann. Anders zu sein, ist mir undenkbar.
    Heute ist noch Erntetag, ein wenig trüb, aber milde. Morgen früh können wir die Säcke zur Ölmühle abholen lassen. Am Nachmittag dann haben wir wieder warmes goldgrünes duftendes Öl.

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    • Wie schön, liebe Gerda, ihr habt eigenes Olivenöl! Wahrscheinlich auch kalt gepresst?
      Nun, was die Ausblendereien anbelangt, mir gelingt es auch nur selten, auch ohne TV, dazu bin ich auch viel zu neugierig, ich will, ja muss wissen, was in der Welt geschieht, nur manchmal, dann, wenn alles über mir zusammenschwappt, dann mache ich eine Pause. Soso, Idiot heisst also übersetzt Privatmensch? Da staune ich …
      Habs noch gut heute und morgen erscheint hier das Alphabet …
      von Herzen
      Ulli

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  6. klar, Extravergin kaltgepresst. das ist heutzutage so gut wie alles Olivenöl. Die Warmpresserei gibt es kaum noch, nur als zweite oder dritte Pressung für minderwertiges Öl. Die Pressanlage ist aus Italien, hoch modern, in einer alten Ölmühle von 1889. Ich mache mal einen Beitrag darüber.
    Unsere Oliven werden nicht bewässert (das Öl ist weniger, aber kräftiger als bei bewässerten) und ohne chemische Pfanzenschutzmittel. In diesem Jahr gabs einen Befall von Dakos (der gefährlichste Schädling, er bohrt sich in den Kern ein), außerdem von Milben und Bakterien, Daher ist die Ernte nicht so gut. Viele Früchte fielen vorher ab oder blieben winzig. Für biologischen Anbau muss man halt immer konsequent und auf dem Kivif sein – und das sind wir nicht. Aber wir haben trotzdem genug Öl von unseren 38 Bäumen.

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    • Unter 38 Olivenbäumen könnt ihr wandeln? Ach … so eine schöne Vorstellung, ich liiiebe olivenbäume, ihren Wuchs, ihr Holz, ihre Früchte und meine Lieblingsoliven? Ha, die Kalamataoliven, am liebsten bio- nee, ehrlich!

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  7. Ich habe mir aus all dem Richtigen, von was Du schreibst, dies hier herausgepickt, weil es so wichtig ist, um weiterhin klar sehen und denken zu können:
    *Und ich weigere mich, die Angst zu füttern, auch wenn sie hier und dort aufflackert. *
    Ganz ohne Angst sind wir alle nicht mehr und mit den verfliegenden Jahren werden diese Ängste nicht kleiner.
    Es sind die dunklen Flecken, mit denen die Leichtigkeit suggerierenden Jahreszeiten bedeckt sind
    und wir wischen sie nicht mehr im Handumdrehen weg, sie bleiben uns erhalten, kleben an uns fest…
    Es ist gut, Deine Erinnerungen zu lesen unbd über alles nachzusinnen, Gleiches oder Ähnliches zu entdecken und wenn ich an Hannah Hösch denke, dann finde ich eine große Freude, die ich auch empfinden durfte, wenn auch zu einer anderen Zeit als Du, leider

    Herzlichst am Abend
    Bruni zu Dir

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    • Trotzdem teilen wir ja unsere Eindrücke von dieser wunderbaren Ausstellung, liebe Bruni, die wir dann leider doch nicht zur selben zeit besuchen konnten, aber es gehört zu einer geteilten Erinnerung von diesem Jahr und hat uns näher gebracht, wie schön das ist!
      Die Angst ist ja nicht unbedingt etwas Schlechtes, sie hält uns wach, wir bleiben achtsam und aufmerksam, eigentlich ist sie nur dann schlecht, wenn sie lähmend wirkt, es ist wohl das wogegen ich mich wehre. Diese Gedanken kamen mir gerade eben jetzt durch deins, danke dir und liebe Grüsse durch die sternenklare Nacht mit Halbmond an dich
      Ulli

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  8. so ist es, Angst in normalem Maß ist richtig und gut. Schlägt sie uns aber mit ihrer Klaue mitten ins Gesicht und verdrängt alles andere, dann ist sie nicht mehr gut für uns, sie lähmt, wie Du schon sagst. und gelähmt zu sein, bedeutet bewegungslos und bewegungslos bedeutet, nicht mehr handlungsfähig zu sein…

    Liebste Grüße an Dich

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