Miniatur # Frauenbilder

 

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Mama hat es nie gegeben, nur eine Mutti, das sagt alles. Milupafläschchen und die ersten Fertigknödel, die moderne Frau der mitteneunzehnhundertfünfziger Jahre behielt ihre Milch für sich, Etuikleider und Pfennigabsätze- Marilyn ist tot. Unwissend trugen wir Kinder ihre Schmerzen, rissen Pflaster von verklebten Lippen, die aussprachen, was sie lieber verschwiegen, die verbannten, was sie hochhielten, die Amerika verdammten und mit ihm den Stolz der Eroberungen. Dass ihr euch nicht schämt! Sie sagten nein zu „Negermusik“, ja zu Nylonstrümpfen, Hollywood gegen Bullerbü. Elvis und James, ich hatte andere Idole, trieb auf Neger Jims Floß meiner Zeit entgegen, mein Laut noch zu leise, Trillerpfeifen gegen das Verlorengehen und immer mehr Frauen- so viele, so schöne. Altbackene Männer panzerten ihre Seelen mit Boshaftigkeit und Recht, Schwänze schrumpften, das Licht blieb an. Was einmal in der Welt erscheint geht nie mehr verloren, bereit für den zigfachen Wandel.

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11 Gedanken zu „Miniatur # Frauenbilder

    • Mich freut es, dass du meine Miniatur als Gedicht begreifst, Marie, denn ich denke seit Tagen auch, dass sie das sind (andere eben auch)- danke für deine Begeisterung, die steckt an! Herzliche Grüsse
      Ulli

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    • Ich durfte nur Mutti sagen, Mama war verpönt … ich kenne viele Menschen, gerade aus dem Osten, die Mutti sagen, mich gruselt es dann immer … Mutti ist für mich ein „Trigger“-
      ich danke dir und grüsse dich herzlich vom Nebelberg
      Ulli

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  1. Meine Mutter war so ganz und gar anders, liebe Ulli, die Stillende, Hütende, Pflegende, die, die mir zu meinen Geburtstagen den besten Frankfurter Kranz der Welt backte, viele Jahre.
    Da mein Vater aus Schlesien war, brachte er die Anrede Mutti und Vati mit in die Familie. Die Saarländerin nahm dies gerne an. Später mochte ich es nicht mehr und ich vermied die Anrede zu beiden…
    Ich denke, es passte alles in diese Zeit, auch die Nylonstrümpfe, die sie trug, in denen die laufenden Maschen noch repariert wurden *g*
    Negermusik mochten sie auch nicht *lach*, na ja. Aber erst kurz vor der Pubertät hatte ich echte Probleme mit ihnen. Aber die Oma war immer da, die mich auffing, wenn sie mich gar nicht verstanden und ich hatte schon früh meine Bücher, aus denen ich selten auftauchte…

    Ich verstehe Dich so gut und Deine Worte sind mit Kraft gefüllt, aber in Bitternis hadern kann ich heute nur noch in selten und weit geöffneten Momenten wegen des Vaters.

    Herzlichst Bruni

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    • Bitternis ist mir mittlerweile auc fern, meine Mutter hat so viel eigenes zu tragen, ich habe ihr ja verziehn…aber das Möcdchen in mir braucht eben auch ihre Stimme, das ist ein Geschenk, dass sie endlich redet!
      liebe Bruni, ich grüsse dich herzlich
      Ulli

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      • Ach… ja , so kann das auch sein… meine Mutter hat zu ihrer auch Mutti gesagt.. meine Oma war auf einer sog. Höheren Töchter Schule gewesen… konnte singen , tanzen usw. als Vorbereitung auf eine „reiche“ Verheiratung , die es dann nie gab.. aber sie hatte immer etwas „Feines“ an sich…
        S.

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