Mutig träumen # 2

270-12-09-11

Fortsetzung …

Warum also nicht mutig träumen, haben wir denn wirklich etwas zu verlieren?

 

  • Woher kommt die Angst, die Altbewährtes negiert?
  • Woher kommen die vielen Belächelungen, Überheblichkeiten und Abwertungen schamanistischer Traditionen und ihrem Wirken gegenüber?
  • Wie können Menschen ernsthaft jahrhunderte-, jahrtausendealte funktionierende Heilmethoden mit Hokuspokus abtun?
  • Wer oder was hat sie ermächtigt uralte Heilpflanzen auszurotten oder sie als gefährlich einzustufen?

Gier ist eine der Antworten. Bedürfnis nach Sicherheit eine andere.

Ich sehe Nebel der Unwissenheit, die sich von Jahrzehnt zu Jahrzehnt verdichten.

Ich sehe Babys in Wippen liegen, auf kleine über ihnen hängende Bildschirme starren, über die „babygerechte“ Bildchen flimmern. Ich sehe behelmte Kinderköpfe im Wald und ein weinendes Mädchen, untröstlich über die fiese, dreckige Erde auf ihrem rosa Kleidchen. Ich sehe Tausende auf kleine Kästen starren, nervös zucken ihre Augen im minimalen Blickkontakt zurück auf ihre Displays; steinerne Minen. Seelenausverkauf, im Dutzend billiger.

Stopp!

Zur Erinnerung, es sagen Schamanen des nordamerikanischen Doppelkontinents heute: „Dadurch, dass wir die Welt betrachten, träumen wir sie ins Dasein.“

Alberto Villoldo fügt hinzu:

„Die Wissenschaftler glauben, dass wir dazu nur in der winzigen subatomaren Welt in der Lage sind. Die Schamanen dagegen wissen, dass wir auch die Welt ins Dasein träumen, die wir mit unseren Sinnen erfahren. (…)

Die australischen Aborigines leben in einer Welt, in der die Traumzeit noch nicht in den Bereich des Schlafes abgedrängt wurde. (…)

Die Traumzeit durchdringt Materie und Energie. Sie verbindet alle Wesen, jeden Stein, jeden Stern, jeden Lichtstrahl und jedes kosmische Staubkörnchen. Die Macht zu träumen entspricht somit der Macht, sich am Schöpfungsprozess zu beteiligen …“

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Die Menschen sind um einiges größer und mächtiger, als sie gemeinhin glauben und denken. Es scheint, dass viele nichts mehr fürchten als die eigene innere Größe, wie es auch schon andere vor mir schrieben. Es scheint, dass die Angst vor dem Wandel größer ist, als das Leiden selbst.

Alberto Villoldo:

„Obwohl sich der Verstand dagegen wehrt, ist es eine Tatsache, dass auch du die Wahl zwischen dem von dir ersehnten Leben und den vermeintlichen Gründen hast, weshalb du es nicht haben kannst. Du kannst in Frieden und Freude schwelgen oder unter der Last des großen schwarzen Bündels all der beklagenswerten Ereignisse und Schicksalsschläge leiden, die du in deiner Kindheit oder in deiner letzten Beziehung erlebt hast. (…)

Ohne Mut müssen wir uns mit dem zufriedengeben, was uns Kultur oder Gene zubilligen. Wir glauben, wir müssten uns mit dem Albtraum abfinden. Wenn wir mutig träumen wollen, müssen wir es mit dem Herzen tun. Andernfalls werden unsere Träume nie über die Ebene des übermäßigen Denkens, Planens und Sorgens hinausgehen. Unser Traum verkommt dann zu einem Albtraum oder einer bloßen Phantasievorstellung. Er hält uns gefangen oder entschwindet, während wir uns fragen, was eigentlich passiert ist. (…)

Apathie äußert sich in Form von Depression und >erlernter Hilflosigkeit<, dem Glauben, alle bisherigen Erfahrungen seien der Beweis dafür, dass man das eigene Leben nicht beeinflussen könne. Wer unter erlernter Hilflosigkeit leidet, glaubt, keine Kontrolle über seine Situation zu haben. Deshalb wird ein solcher Mensch auch, wenn er sehr leidet, nicht das Geringste tun, um etwas zu ändern. Schließlich glaubt er: Was soll das schon bringen? Apathie ist das Gegenteil von Mut.“


Eine klare Ausrichtung, getragen von der Liebe zu sich selbst, zur Welt und allen anderen lebenden Wesen, verbunden mit dem Wunsch nach Harmonie und Frieden für alle, verwoben mit klaren Bildern, Symbolen und Vorstellungen ist eine Drehung des Selbsts und der Welt in eine zufriedenere und freudigere Richtung.

Um erfolgreich zu träumen, das eigene Leben zu verwandeln und damit auch Einfluss auf das Große und Ganze zu nehmen, braucht es Disziplin, Hingabe und Vertrauen. Mutig träumen heißt beobachten und mit allen Sinnen wahrnehmen was ist, ist Kontemplation, Meditation, ist verantwortliches Handeln.

  •  Moliere: „Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.“
  •  Antoine de Saint-Exupéry: „Mensch sein heißt verantwortlich sein.‘‘
  •  Dante: „Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag, an dem du die hundertprozentige Verantwortung für dein Tun übernimmst.‘‘

Ich spüre die Verantwortung und den Wunsch in mir brennen, dass die Erde auch noch für die nächsten sieben Generationen und darüber hinaus ein Ort der Schönheit und der Wunder ist, in der sich Liebe, Mitgefühl und Frieden ausbreiten darf-

Mutig träumen ist ein Weg auf dem Weg.

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Letztlich kann ich hier nur einen Geschmack von dem geben, was genau mit alldem gemeint ist. Wer jetzt neugierig geworden ist, der/dem kann ich das Buch (s.u.) von Alberto Villoldo ans Herz legen, hier finden sich auch Übungen für den Mut und den Weg,

So, wie auch in Sandra Ingermanns Buch – Heilung für Mutter Erde – Wie wir uns und unsere Umwelt verwandeln können –.


 Anmerkungen

  • Das Bild – eine Höhlenzeichnung der Aborigines, gefunden auf www.in-australien.com
  • Alberto Villoldo – Mutiges Träumen – Wie Schamanen Realitäten erträumen ISBN 978 – 442 – 2185 – 8 WG 24 75
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29 Gedanken zu „Mutig träumen # 2

  1. Ich lese deinen zweiten Text und komme zum zweiten Mal aus dem Nicken nicht heraus. Ich erkenne so oft etwas bei mir, was mich nicht froh macht, und ich nehme Abstand von idealistischen Absichtserklärungen, so schön sie auch sind, wenn ich sie nicht halten kann.
    „Um erfolgreich zu träumen, das eigene Leben zu verwandeln und damit auch Einfluss auf das Große und Ganze zu nehmen, braucht es Disziplin, Hingabe und Vertrauen. Mutig träumen heißt beobachten und mit allen Sinnen wahrnehmen was ist, ist Kontemplation, Meditation, ist verantwortliches Handeln.“
    So ist es. Es ist ein hoher Anspruch, und er ist wieder bitter nötig. Auch ich stehe hinter diesen Worten und gebe ihnen Leben, mit all meinen Fehlern.
    Liebe Grüße
    Christiane, nachdenklich

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    • Wenn man losgeht, ist der Weg lang und die Aufgaben sind reichlich, das Gefühl schleicht sich schnell ein: das schaffe ich doch nie, aber es gibt auch „Beppo Strassenfeger“ (aus Momo), der den Weg der kleinen Schritte zeigt, wie die lange Strasse am Ende doch gefegt ist, weil man Schritt, Besenstrich, Schritt, Besenstrich vorangeht.
      Niemand ist fehlerfrei, niemand kann alles und Rückfälle gehören dazu, je weiter ich gehe, umso leichter wurde es und ist doch noch immer oft auch schwer, wie subtil doch vieles ist!
      Ich denke auch an die Bequemlichkeit, des Menschen Falle …
      Ja, liebe Christiane, es ist ein grosses Feld, ich fang mal hier rechts unten in der Ecke an die Steine aufzulesen, nimmst du die linke oben 😉
      herzlichen Dank fürs ehrliche kommentieren, ich wünsche dir einen guten Tag
      liebe Grüsse
      Ulli

      Gefällt 3 Personen

  2. (M)Eine Freundin sagt in Gesprächen immer wieder „es gibt keine Sicherheit“. Ja und Nein. Weil gerade in Verbindung zu ihr immer wieder klar wird, dass – vereinfacht formuliert – im Bauch Urvertrauen und der Fluss des Lebens liegen, im Kopf Chaos und Blockaden. Oder anders formuliert, würden wir Menschen wesentlich mehr auf den Bauch hören, gäbe es – gewissermaßen – die Sicherheit sehr wohl, dass alles seinen Sinn hat. Und es wäre weniger Leid auf dieser (vermenschlichten, rationalisierten) Welt.

    Gefällt 1 Person

    • Ich stimme deiner Freundin zu, Sicherheit sehe ich auch nicht und den Sinn muss jede_r für sich dem Leben geben. Was du als Bauch bezeichnest, bezeichne ich lieber als „Herz“, von ihm auszugehen und zu handeln erscheint mir sinnvoll … schön, dass du hier warst, Tristan
      herzlichst
      Ulli

      Gefällt 1 Person

    • Danke für dieses wunderbare Zitat, da kann ich nur zustimmen. Ich muss über den brüllenden Mut schmunzeln und habe Jungs im Teenageralter vor mir, was dann eher waghalsig, als wirklich mutig ist …
      liebe Grüsse
      Ulli

      Gefällt 1 Person

    • Ich danke dir für diesen Link, ich habe den Artikel voller Spannung gelesen und kann nur nicken. Was ich im 1. Artikel von „Mutig träumen“ schrieb: „die hinnehmen, still und voller Angst, die alleine stehen, die ersticken und ersaufen in ihrer Individualität, die nichts mehr spüren, nicht sich und nichts anderes“, bekommt dort Tiefe.
      Niemand von uns kann alle Probleme dieser Welt verwandeln, es braucht eine Ausrichtung und die Überlegung: was kann ich dazu beitragen, welche Qualität bringe ich mit, um der Welt einen Schubs in die menschlichere und lebendigere Richtung zu geben, fern von Konsumzwang und Zeitgeist …
      Vieles mehr noch steckt in diesem Artikel worüber es sich lohnt nachzudenken, danke Soso und ja, ich glaube auch an die vielen Neuanfänge, an schreiben und an die Gemeinsamkeit …
      herzliche Grüsse Ulli

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  3. Liebe Uli, wieder hat mich dein Blog tief beeindruckt, du sprichst mir aus der Seele und die Buchtipps habe ich vorgemerkt. Mutig träumen….. ja das machen wir. Den Text von Beppo habe ich immer in der Arbeitsgruppe mit chronisch psychisch Kranken als Mutmachtext verwendet. Ich erinnere mich gerne an diese Gruppen. Da ging es so ehrlich und ungeschminkt zu. Liebe Grüße Marie

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  4. Dein Beitrag spricht mir aus der Seele. Belächelt werde ich mit meinen Kräutern, dem Spinnen als ruhige Beschäftigung, und meinen Märchen oft auch.
    Heute bin ich leider viel zu müde, um etwas dazu zu sagen und zu sagen hätte ich viel. Ich hole das bestimmt mal nach. Ich bin den ganzen Tag mit einer Freundin durch Leipzig geseppelt. So etwas hinterlässt bei mir jetzt Spuren.

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  5. Träumen, visualisieren und entsprechendes Handeln zum rechten Moment…und das Leben beginnt zu fliessen. Wer einmal diesen Flow erlebt hat, hat seine Schöpferkraft angezapft. Ich liebe diese Momente, Erfahrungen. Und ja, für die grossen Träume braucht es grossen Mut, denn unsere eigene Grossartigkeit kann einen umhauen und mit einem glücklichen Herzen aufstehen lassen mit den Worten: das alles bist du auch!
    Danke für deinen wundervollen Text und das Gefühl der Gemeinsamkeit.

    Gefällt 2 Personen

  6. Pingback: sichtgewandelt | gestreift - berührt - geteilt

  7. * Wenn wir mutig träumen wollen, müssen wir es mit dem Herzen tun* oh ja, anders geht es nicht.

    Wenn wir uns in die Welt träumen und sichtbar machen können, was im Verborgenen lag, die lange vergessenen Kenntnissse, das alte Wissen und heilende Kräuter erkennen und mit den Träumen eine Welt erzeugen, die weiter und offener ist, als unsere heutige, dann haben wir schon Großes geschafft.
    Es sind ja wirklich die kleinen stetigen Schritte, die uns weiterführen und in unseren Schritten nehmen wir unsere Träume auf eine gute Reise mit.
    Wir machen Zwischenmenschliches wieder sichtbar und scheuen uns nicht, das zu umarmen, was wir lieben und was uns am Herzen liegt.
    Lächeln in Gesichter zu zaubern ist eine wundervolle Sache

    Herzliche Grüße an Dich, liebe Ulli

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  8. Meine Erfahrung, die ich mit jungen Menschen mache, ist, dass die so viel offener und aufgeschlossener manchem begegnen, was ich mir erst mühsam wieder zurücksammeln muss. Meine Tochter und ihre Freundinnen z.B. gehen ganz offen mit diesen Themen um. Für sie ist das nicht spinnert oder unheimlich. Insofern bin ich guten Mutes (und glaube auch, ich habe einen guten Job getan. Wir lernen ja auch immer von unseren Kindern – und sie wachsen in etwas hinein, das wir kreieren und vorleben.)
    Danke für deinen wunderbaren Text, liebe Ulli.
    Ich sehe es wie Buber: Der Mensch wird zum Ich am DU.
    Es geht nur gemeinsam.

    Gefällt 1 Person

    • Was du über das gegenseitige Lernen von Eltern und Kindern schreibst ist eine wunderbare Haltung, die ich auch eingenommen habe, sowohl den eigenen Kindern gegenüber, wie denen mit denen ich ab und an „arbeite“
      danke für deinen nährenden Kommentar und herzliche Grüsse
      Ulli

      Gefällt 1 Person

  9. Pingback: ¸ … etwas lachenden Mut … „ |

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