Wildnatur

(Ich zier mich ein bisschen mit diesem Artikel, aber meine Freundin U. hat vor einigen Monaten zu mir gesagt, ich soll damit mal aufhören.

Liebe U., hiermit höre ich damit auf …)

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Letztes Jahr fand ich im Netz folgende Ausschreibung:

Mein wilder Trieb gegen die Unlust!

Das alltägliche Leben macht allen genug Kopfschmerzen: Karriere, Existenzangst, Miete, Kinder, die Schaufenster der Läden, Verträge, Versicherungen – sicher und satt ist man nie, man braucht mehr und mehr…
Zwischen diesen Netzen, in denen nie genug Fische zappeln, quillt der wilde Trieb auf.
Die Weingläser habe ich mit deiner Unterhose poliert die Vitrine duftet nun nach dir.

Die Sucht und Sehnsucht nach einer feurigen Haut… Wer es versucht zu bändigen, kann auch sofort einen Totengräber bestellen. Dieser tief verwurzelte, tierische Hunger begleitet den Menschen seit eh und je… Die Genüsse der Obszönität können sich in jedem Moment entfalten.

„Der Mensch befreit sich nicht durch die Güte, sondern durch die Sünde.“ Sandor Marai

Das Ausleben kann Schwierigkeiten verursachen. Der Mensch ist nicht (nicht) frei. Es gibt Mauern, Käfige und scharfe Gitterkanten… Viele der erwünschten Akte bleiben nur in Gedichten verborgen. Und oft ermöglicht das Gedicht, uns in unseren nackten Trieben auszutoben!

Die 3. Anthologie vom elifverlag heißt alle Lyriker, die über den wilden Trieb was zu sagen haben, willkommen!

Manchmal bin ich spontan, ich fasste eine Erinnerung aus jungen Jahren in ein Gedicht, versah die Zeilen mit einer Überschrift und sendete das Ganze am nächsten Tag zum elifverlag (eine Nacht musste ich dann doch darüber schlafen, bei aller Spontanität …). Während der Monate geriet es in Vergessenheit. Vor ein paar Wochen bekam ich eine Mail vom Verlag, sie baten mich um meine Postadresse, um mir, als eine der AutorInnen, ein Belegexemplar der Lyrikanthologie zusenden zu können. Wow! Und voilà, letzten Mittwoch überreichte es mir der Postbote, als ich auf den Stufen vor dem Haus in der Septembersonne getrocknetes Bohnenkraut zupfte.

Ich las jetzt schon einiges in der Anthologie, manches mochte ich, manches sprach zu mir, anderes musste ich entschnörkeln. Was ich immer wieder bei zeitgemäßer Lyrik spüre, ist eine gewisse Anstrengung hinter den Worten originell/außergewöhnlich zu sein, was dadurch das Ganze verschnörkelt (meine Wahrnehmung … ).

Ich mag schnörkellos und dann wieder zart und ungefähr …

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Kein Höschen

Ein Hauch von Seide

übergeworfen,

ein Sommerrock,

nackte Beine, nackte Füße, roter Lack.

Ein warmer Sommerwind,

ungebremst

bis hoch in ihren Schritt.

Zunge streichelt Lippen,

Arme umfangen

ein Flüstern:

Ich hab kein Höschen an …

© Ulli Gau

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58 Gedanken zu „Wildnatur

  1. Sehr schön….und der Veröffentlichung mehr als wert.
    Meine erotischen Gedichte aus vorangegangenen Jahren sammeln sich in Schubladen, Kladden oder verstecken sich züchtig zwischen anderen Dateien auf externen Festplatten. Ab und zu finde ich beim virtuellen Aufräumen eins, dann freue ich mich jedes Mal, dass ich es nicht mittlerweile vor Schreck gelöscht habe. Manche Leser verstehen ein erotisches Gedicht gern als Aufforderung verbaler Übergriffigkeiten. Darum habe ich meine erotischen Gedichte im Blog mittlerweile privatisiert.
    Darum ist es schön, auch einmal so etwas Prickelndes zu lesen wie jetzt bei Dir.

    Schönen Dienstagsgruß von Stefanie

    Gefällt 3 Personen

    • Verbale Übergriffigkeiten … puh, das würde ich mir sofort verbieten und denjenigen aus meinem Blog werfen, liebe Stefanie, das geht für mich gar nicht! Und wie schade auch, denn so kommen wir nicht in den Genuss deiner erotischen Zeilen 😦 – aber ich weiss ja auch warum ich mich mit solcherlei gerne zurückhalte – gerade schmunzel ich, hier haben bisher nämlich nur die Frauen kommentiert – lach …
      ich grüsse dich sehr herzlich
      Ulli

      Gefällt 1 Person

      • Deins liest sich sehr schön. Die Erotik wird gern in die schlüpfrige Ecke gestellt. Dabei zählt die erotische Kunst zum Schönsten was ich kenne.
        Ich schreibe schon länger nichts Erotisches mehr und mit dem Freyja- Projekt beabsichtige ich auch, mich von dem Thema Liebe zu entfernen.
        Ich habe so viel Liebeslyrik geschrieben. Jetzt gibt es noch einmal einen ordentlichen Rundumschlag und dann lass ich dieses Thema erst einmal los, außer in Geschichten bei meinen Prots. Worauf ich mich neu einschießen werde, weiß ich noch nicht ganz genau. Politik ist ein Themenkreis. Mythologische und spirituelle Verdichtung in zeitgenössischer Weise auch gern immer. Sport, Natur, Kunst und Kinder oder so.
        Von mir werden Deine schönen erotischen Werke stets gern und freudig gewürdigt und kommentiert werden.
        Honi soit qui mal y pense: beschämt sei, der schlecht darüber denkt.😉

        Gefällt 3 Personen

  2. Gratuliere liebe Ulli,
    in Bereich Lyrik fällt mir nur Giaconda Belli ein, ich glaube, dass Frauen die schönere erotische Literatur hervorbringen,(warum? – weil sie ‚innen‘ erleben) das ist aber auch nur ein Vorurteil. Genauso wie das Vorurteil Männern ginge es immer nur um vordergründige Geilheit. (um Leistung, um Superlative etc.) Als literarische Gattung, halte ich das für (heute) unproblematisch, und der ‚Qualitätslyrik‘ hinzuzurechnen.
    Weiter so …
    LG Tobias

    Gefällt 3 Personen

    • Danke, lieber Tobias, dabei sind in dieser Anthologie ziemlich auffällig viele Männer vertreten, deren Sprache mir nur hier und da gefällt, aber nicht wegen der vordergründigen Geilheit, nein, das sind sie eher auch recht echt, mehr aber wegen der „Verkopfung“ = Schnörkel …
      Jetzt aber freue ich mich einfach über deine Gratulation
      liebe Grüsse
      Ulli

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  3. Liebe Ulli,
    zieren wäre komplett falsch und Deiner nicht würdig *schmunzel*.
    Deine erotischen Zeilen sind wunderschön. Sie gefallen mir sehr und sie haben es verdient,
    veröffentlicht zu werden.

    Ich schreibe höchst selten erotische Zeilen. Wenn doch, dann sind sie so hintergründig und dezent, daß sie unter Erotik kaum mehr ihren Platz finden *lach*

    Schlüpfrig ist Erotik nicht, sie ist frei von Schlüpfrigem. Sie ist die körperliche Anziehungskraft, die den einen magisch zum anderen zieht. Eine Anziehungskraft, die schon in den Fingerspitzen zu fühlen ist…

    Herzlichst Bruni, spät wir meist

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Bruni, ich danke dir für deins, es ist ein Seiltanz mit der erotischen Dichtung, ob in der Prosa oder in der Lyrik, umso mehr freue ich mich, dass meine Zeilen von so vielen angenommen werden!
      So, nun aber zu Salomo …
      herzliche Grüsse zur guten Nacht
      Ulli

      Gefällt 3 Personen

  4. Hallo Ulli,
    ja, mach‘ Dich an die Winterarbeit und veröffentliche Deine Gedichte.
    Mary hat früher mal auch eine ganze Menge Gedichte geschrieben, aber bisher habe ich sie nicht überreden können, diese einmal zu publizieren. Ich habe eine großen Teil davon allerdings einmal selber ausgedruckt, das Ganze binden lassen und ihr zu Weihnachten geschenkt. So existiert wenigstens ein Unikat.
    Hab’s fein,
    Pit

    Gefällt 1 Person

    • Nun habe ich mich heute erstmal bei einem Verlag mit meiner kleinen blauen Frau vorgestellt und mit meinen Miniaturen/kurzen Texten, du darfst die Daumen drücken und ja, vielleicht dann noch die Gedichte, noch ist es ja Herbst …
      danke für deinen Zuspruch! Ich hab mich über deins zu Mary hin gefreut, das schmeckt nach Liebe und Anerkennung!
      herzliche Grüsse
      Ulli

      Gefällt 2 Personen

    • Hallo Michael,
      Männer schreiben anders, ja, und doch gibt es sie, die erotisch/schöne Gedichte/Geschichten schreiben, aber selten … oder ich kenne zu wenige?!
      Eine andere Geschichte ist die mit der Traute, meinst du wieviel Herzklopfen ich hatte, sowohl als ich es vor fast einem Jahr abschickte und jetzt hier im Blog … und jetzt freue ich mich über all die feinen Kommentare, auch über deinen. Danke und herzlich Willkommen in meinem Café,
      Ulli

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      • Ich werde mich in den nächsten Tagen weiter in Deinen Blog reinlesen.
        … und ja – es ist gut, dass Du`s gmacht hast.
        Kennst Du Francesco Petrarca – er schrieb wunderschöne, verliebte Sonette?.
        … nicht ganz so erotisch – aber herrlich schön.
        Alles Liebe,
        Michael

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  5. Inzwischen hast noch einen du so viele Tipps zum Lesen bekommen, dass ich dir auch noch einen zum Hören verpassen möchte. Erotokritos (du findest dazu auch einen Wiki-Eintrag) ist die in Griechenland bis heute sehr beliebte Liebesdichtung eines Kreter aus dem 16. Jahrhundert. Ich fand eben eine YouTube Einspielung, wo nacheinander 77 griechische Sänger den Erotokritos singen, an den verschiedendsten Orten Griechenlands. Gefällt mir sehr.

    Gefällt 2 Personen

      • vielleicht sollte ich dir noch Slogan übersetzen, unter dem diese Musik aufgenommen wurde: „wir leben (zoume) wir spielen (paizoume) ökologisch, wir leben logisch, wir handeln gemeinsam“. Die Schauplätze sind alle in Attika, viele in sogenannten unterbewerteten Gegenden. Das letzte Bild zeigt das verbrannte Pendelikon und Kinder, die ein Bäumchen pflanzen. Gute Nacht, erhol dich gut!

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        • Wie nah sich im Griechischem leben und spielen sind! Danke, du Liebe, jetzt aber mach iche ich mich erst einmal auf den Weg zu zwei Frauen, mit denen ich ein wenig ratschen werde … freue mich drauf! Geniesse diesen wunderbaren, neuen Tag!

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      • im paizoume steckt das Wort pai von paidi, Kind. Man könnte also sagen: paizoume (lass uns spielen) bedeutet: lasst uns leben wie Kinder.
        Das ist etymoloisch wohl nicht korrekt, aber was kümmert es mich!
        Wünsche witziges Ratschen und Tratschen und überhaupt einen herrlichen Tag! dieser hier ist mal wieder „unvergleichlich“. LG

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        • ja genau „unvergleichlich“ ist dieses Wetter und das Licht, ich könnte darin baden, nur der Wind ist immer noch sehr heftig und hat mich gerade sehr müde gemacht, als ich am Rhein spazieren war- das Geratsche war herrlich, ach nee, damlich – lach, wie spinnen an neuen Ideen, dazu gerne ein anderes Mal mehr!
          herzlichste Grüsse an dich

          Gefällt 1 Person

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