Die Freiheit des Schreibens

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Wenn ich ich schreibe, geht es nicht unweigerlich um mich. Wenn ich du schreibe, meine ich nicht unbedingt dich. Wenn ich eine Geschichte schreibe, habe ich sie vielleicht gar nicht erlebt. Die Freiheit des Schreibens liegt für mich darin, dass es offen bleibt, was ich selbst erlebt habe, was mir jemand erzählt hat, was ich irgendwo gelesen habe und weiterspinne, was ich beobachtet oder wahrgenommen habe.

Ich mag offene Räume.

Mit diesem Vorwort eröffne ich die neue Kategorie „Miniatur“, nur noch einmal schlafen…

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36 Gedanken zu „Die Freiheit des Schreibens

  1. ja, so möchte ich das (literarische, künstlerische) Schreiben auch für mich in Anspruch nehmen. Ich merke allerdings, dass das viele Leser in Schwierigkeiten bringt, da sie gern Aussage und Sprechenden eins-zu-eins setzen. Ein paar „literarische Freiheiten“ werden einem natürlich zugestanden, aber wie schon die Pluralform zeigt, ist damit keineswegs die große atmende Freiheit gemeint. Selbst beim Malen geschieht es immer wieder, dass dem Maler das Gemalte als höchstpersönliches Anliegen unterstellt wird. Dabei wird vergessen, dass jeder an einem großen Unbewussten teilhat, dem der Künstler in der Kunst Ausdruck verleiht. Insofern ist das, was er schreibt oder malt, nicht willkürlich, sondern eingebunden in das, was die Menschheit bewegt.

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    • Ja Gerda, genau so! Da ich gerade ein paar texte geschrieben habe, die, neutral gesehen, harter Tobak sein können, musste ich das einfach voran stellen. Das selbe gilt auch, wenn ich „sie“, statt ich schreibe, als wäre ich immer und überall der Nabel der Welt! Als gäbe es kein Aussen, dass mir erzählt. Ich bin ja echt mal gespannt!

      Liebe Grüsse an dich vom Hitzeberg in das Hitzeland, mögen Lösungen gefunden werden, keine grossen Brände mehr ausbrechen, die Erde nicht beben und deine Rente fliessen!
      Ulli

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      • ich glaube, dasses letztlich allen Schreibenden (KünstlerInnen) so geht, selbst Karl Ove Kanusgard, der ja nun ein riesiges atobiographisches Epos geschaffen hat, hat betont, dass die Grenzen zweischen Autobiographie und Fiktion fliessend sind!
        ich grüsse dich herzlich, liebe Pega
        Ulli

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  2. na, da bin ich aber mal gespannt, liebe Ulli, auf den harten Tobak 🙂

    Genau so ist es, manchmal betrifft etwas uns selbst und ein anderes Mal ist es ein fixtiver Text.
    Es gab eine Zeit, da wurden die Dichter Lügner genannt, aber das hat sich gottlob geändert *g*

    Bei manchen Menschen klingen Ich-Geschichten so, als ob es sein könnte, daß genau das dem Schreiber selbst passiert sei und dann ist man schon mal geneigt zu glauben, der Schreiber meint sich selbst *lächel*.;an/frau fällt auf eine gute Schreibe rein…

    LG von mir

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    • Ich habe vorhin hier die Miniaturen eingepflegt und ob es wirklich so ein harter Tobak ist? Ich weiss es gar nicht mehr wirklich. Na, ihr werdet es lesen und entscheiden, ich bin ja „nur“ die Schreiberline. Schön, wie du es zusammenfasst, das gefällt mir.
      liebe Grüsse an dich
      Ulli

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  3. Grüß Dich, liebe Ulli, stell dir vor Graugans ist etwas überhitzt und zerzaust wieder hier eingeflogen und möcht nur schnell mal sagen: Jajaja, offene Räume lieb ich sehr! So jetzt schnell ein kühles Bad, die Flugfedern glühen, sag mal, irgendwo in dunklen Wäldern muß eine wohnen, die läßt manchmal so alte Gänse bei sich wohnen und kümmert sich so liebevoll, daß allen die Augen nur so glänzen vor Freude…naja…und Übernächtigsein…und bisschen Bierchen…ach ja, schönes Häuschen, liebes Mädchen…vielen Dank und viele tausend Grüsse an Dich und ein wenig Geschnatter…

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    • Und Eine sitzt im Häuschen so ganz allein und denkt an den rosigen Berg und den kleinen Hof und die Wildgänsige, die einige Federn zwischen den Balken gelassen hat, mir zur grossen Freude!
      Ja … müde geht sie gleich zur Ruh. So eine schöne, satte Müdigkeit voller Freude über die gesunde Landung.
      Trommel- und Flügelschlag für dich
      Ulli
      und was dann doch alles noch gar nicht berührt wurde- ich sag nur Wochen, Monate, Jahre … schön ist das!

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      • Selbst unter Lyrikern ist es offensichtlich nicht selbstverständlich, dass das lyrische Ich zum Einsatz kommt – für mich völlig unverständlich. Wenn ich jedes Gedicht, jeden Text vollumfänglich selbst erlebt und gefühlt hätte, wäre ich wohl schon in der Geschlossenen. 😉
        Wie Du auch schreibst: Eigene Anteile sind zumeist vorhanden, werden auf-gefü(h)l (l)t. Nur so kann eine Authentizität entstehen.
        Ehrlich mal, Ulli, rufen wir denn nach einer traurigen Rolle einen Schauspieler an und fragen ihn, ob es ihm heute besser geht? Der steckt auch viel von sich in seine Rolle …. 😂

        Ganz herzliche Grüße

        Sylvia

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        • Das ist ein klasse Vergleich mit den Schauspieler*innen- mir war es wichtig das mal auszusprechen, gerade weil ich mich Zurzeit noch einmal mit dem Thema Frauen und Männer beschäftige und wenn ich das alles wirklich am eigenen Leib erlebt hätte, wäre ich wohl schon in die Wupper gegangen 😉
          ich grüsse dich sehr herzlich, liebe Sylvia

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  4. Pingback: Miniaturen #5 – für die abc.etüden |

  5. Deine Gedanken zu diesem Thema sind gut und sprechen mir aus meinem eigenen Schreiben. Anderst kann ich es gar nicht sehen. Der Autor pflückt seine Geschichten aus der Vielfalt des Geistes und dem Leben.

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    • genau so! Es war mir in dem Zusammenhang heute besonders wichtig, sonst muss ich wieder so viele unnütze Fragen beantworten… jede und jeder darf lesen wie sie/er es eben liest, selbst das muss sich ja nicht unweigerlich mit meinem treffen.

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  6. Liebe Ulli,

    Ich mag es wie Du das Instrument der Sprache spielst und die Melodeien, die Du ihm entlockst.
    Je tiefer Dein Gefühl umso intensiver die Worte….

    Du bist mehr als Worte und nur was Du bestimmst, zeigst Du anderen von Dir. Und wenn das viel ist und wenn das frei ist oder mutig, sind es dennoch nur Worte und dahinter steht noch viel anderes mehr. Wenn mich wer nur an meinen Worten festtackern will, was ich schon erlebte, erlebt der unter Umständen sein blaues Wunder, denn in der Fee schlägt ein richtiges Menschenherz. Wer hätte das gedacht? ;o)

    Liebe Abendgrüße von der Fee✨

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    • Liebe Stefanie, ich dake dir für deinen poetischen Kommentar, der mich lächeln lässt, der mich wärmt. So ist es, wenn ich mich verstanden/gesehen/gehört/gelesen fühle!
      Diana hat ja heute gefragt, ob man sich in ein Gedicht verlieben könne, ohne den Menscen dahinter, ich habe es bejaht, denn ein Dichter, Autor, Schreiberling ist eben auch nur eine Facette und im Vordergrund steht erst einmal immer das Werk, egal in welchem Genre oder soll ich jetzt Picassobilder doof finden, nur weil ich im Nachhinein den einen und anderen Tratsch über ihn las? no way, nicht mit mir!
      Ich mag es ja, wenn sie hier sagen: es menschelt- genau, lass uns menscheln 🙂
      herzliche Abendgrüsse
      Ulli

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      • Ja, man kann sich in alles verlieben…. Wenn Texte hormonelle Funktionsstörungen, Schnappatmung, konvulsisch zuckende Wortstauungen und Gänsehäute schauern, sind sie genau richtig…
        Ich lese gerade viel François Villon.
        Das war vielleicht ein Gauner und Filou und Schwerenöter!
        Als ich über seinen Lebenswandel las, dachte ich wieder:
        Das ist doch mal wieder typisch Mensch…
        Sehr sympathisch.
        Ein Nachbild hinterlassend, das vor Lokalkolorit und Zeitgeist nur so sprüht.
        Ihm war so wichtig, dass man sich an ihn später erinnert, dass er einen glühenden Nachruf an sich selbst balladierte.
        Ich las das und dachte: wenn du wüsstest, Villon, kämst du aus dem Lachen überhaupt nicht mehr heraus.
        Und erst Rimbaud…
        Moral macht Oh…

        Und Picasso.
        Wie könnte ich ohne ihn, seine Bilder, nur weil er die reihenweise und soso…
        Nö. Dieses Urteil steht mir über niemanden zu. Ich kann mit dem Menschen differieren und von seiner Kunst dennoch ergriffen sein.
        Herzlich am Abend, Stefanie

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