Kurze Zeilen -18 –

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Wenn ich wirklich erblinden würde, wüchsen im Innen bunte Blumenwiesen und ein fruchtbarer Garten unter wechselnden Himmeln.

Als die Augen müde geworden waren, erschien eine bunte Welt hinter den Lidern. Ich sah Wicken und Cosmeen, Sonnenblumen und Goldmelisse, rot blühenden Inkarnatklee, Ysop und Bohnenkraut, Nachtkerzen und Johanniskraut, Schafgarbe und Stiefmütterchen, Gänseblümchen und Rosen in rot und gelb, sah russischen Beinwell und violette Astern, Märzenbecher und wilde Osterglöckchen, Narzissen und wilden Krokus gleich neben Herbstzeitlosen. Ich sah Kornblumen neben Klatschmohn und Kamille, Stockrosen und Calendula, Wald- und Gartenerdbeeren, schwarze und rote Johannisbeeren, Joster- und Heidelbeeren, Schnittmangold, Kartoffeln, Zwiebeln und Möhren und manch Schmetterling schwebte über dem Ganzen, Bienen flogen von Blütenkelch zu Blütenkelch. Bäume der verschiedensten Art wiegten ihre Äste im Wind. Ich hörte Vögel singen.

Da wußte ich, wenn ich erblinden würde, bliebe mir eine bunte innere Blumenwiese und ein fruchtbarer Garten unter wechselnden Himmeln.

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22 Gedanken zu „Kurze Zeilen -18 –

  1. 1. wirst Du nicht erblinden
    und
    2. wird dieser Zaubergarten immer in Dir vorhanden sein, liebe Ulli

    Ein wundervoller Text von Dir
    Dies hier habe ich aus einem meiner Gedichte herausgepickt für Dich

    *ein Zaubergarten
    in dem die Rosen tanzen
    mit Tausendgüldenkraut
    nach leisen Blütenklängen

    in dem die Geigen singen
    und leises Glockenläuten
    sich mit dem Dämmern trifft

    Du bist ein Zaubergarten in
    dem sich Wunder drängen*

    Liebe Grüße zum Morgen von Bruni

    Gefällt 3 Personen

    • Stimmt, liebe Bruni, ich werde nicht erblinden. Ich hatte diese Bilder am Tag nach der OP, es war wie ein nicht enden wollender Bilderregen, voller Blumen und Gärten (so, wie beschrieben). Im Vorfeld gab es so viele Ängste und nun hat selbst die größte Angst, nämlich die der Erblindung, einen großen Trost gefunden.
      Ich danke dir für deine zauberhaften Zeilen und wünsche dir einen sonnigen Tag. Hier scheint endlich die Sonne. Wie lange? 😉
      herzliche Grüße
      Ulli

      Gefällt 2 Personen

      • Ich kann das gut nachempfinden liebe Ulli, natürlich sind solche Empfehlungen immer leicht gesagt.
        Die Umsetzung ist jedoch nicht immer so einfach, doch was ist schon einfach!
        So müssen wir eben auch durchs Tal der Tränen um irgendwann wieder lachend eine Zeit zu genießen.
        Ich wünsche Dir alles Gute und viel Glück!

        LG Babsi

        Gefällt 1 Person

    • Stimmt, das waren Gedanken VOR dem Eingriff und das Blumenerlebnis hatte ich am Tag nach der OP, ein paar Stunden später und das war trotzallem „Gutgegangen“ auf einmal tröstlich!
      herzliche Abendgrüße
      Ulli

      Gefällt 1 Person

  2. Schlimmer als das Erblinden denke ich, ist der Verlust des Gehörs. Besser ist natürlich, noch über beide Sinne zu verfügen. Wir haben die phantastische Fähigkeit, Bilder, Musiken oder auch Gerüche abzuspeichern und uns ihrer zu erinnern. Oft geht mir ein Musikstück durch den Kopf, ein Tango, ein Bachsches Orgelwerk, sehr unterschiedliche Sachen. Und derzeit sehe ich in tiefer Dankbarkeit den kräftig roten Mohn, die blauen Kornblumen, die weiße Kamille am Feldrand.
    Ganz lieben Gruß zu Dir vom ollen, grauen Wolf aus dem Pommerschen PlattLand.

    Gefällt 1 Person

    • Wir haben das in den letzten Tagen immer wieder diskutiert, ob es überhaupt ein „schlimmer“ gibt. Generell wohl nicht, persönlich ja … wenn jemand wie du so der Musik verschrieben ist, ist es wohl das Gehör, wenn aber eine wie ich, die über die Bilder lebt, dann schon! Am allerbsten ist Gesundheit, mein Bruder, der seit eiigen Jahren weder riechen, noch schmecken kann, leidet eben darunter. Ich will möglichst lange alle Sinne beisammen halten!!!
      Danke, du lieber oller Wolf, ich grüße dich sehr herzlich aus dem heutigen sonnigen Wald
      Ulli

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