Die Geschichte der springenden Maus – Ende

lappland-heiliger-berg

Dieser Berg ist in schwedisch Lappland und wird von den dort lebenden Samen der „Heilige Berg“ genannt

Fortsetzung:

Springende Maus lebte wieder unter seinem Volk, aber er konnte seine Vision von den Heiligen Bergen nicht vergessen. Die Erinnerung brannte im Geist und im Herzen von Springende Maus. Eines Tages ging Springende Maus bis zum Rande des Ortes der Mäuse und blickte auf die Prärie. Er blickte hoch, um nach den Adlern zu sehen. Der Himmel war voll von Flecken, jeder einzelne ein Adler. Aber er war entschlossen, zu den Heiligen Bergen zu gehen. Er sammelte all seinen Mut und lief, so schnell er konnte, auf die Prärie. Sein kleines Herz hämmerte vor Aufregung und Angst.

Er lief, bis er zu einer mit Salbei bewachsenen Stelle kam. Er rastete und versuchte wieder Luft zu schöpfen, als er eine alte Maus sah. Der Flecken Salbei, auf dem Alte Maus lebte, war ein Zufluchtsplatz für Mäuse. Samen waren reichlich vorhanden und es gab Nestmaterial und auch sonst viele Dinge, um sich zu beschäftigen.

„Hallo“, sagte Alte Maus. „Willkommen.“ Springende Maus war erstaunt. So ein Platz und so eine Maus. „Du bist wahrhaftig eine große Maus“, sagte Springende Maus mit allem Respekt, den er aufbringen konnte. „Dies ist wahrhaftig ein wunderbarer Platz. All die Adler können dich hier auch nicht sehen“, sagte Springende Maus.

„Ja“, sagte Alte Maus, „und man kann von hier alle Wesen der Prärie sehen: den Büffel, die Antilope, den Hasen und den Coyoten. Man kann sie alle von hier aus sehen und ihre Namen kennenlernen.“„Das ist wunderbar“, sagte Springende Maus. „Kannst du auch den Fluss und die großen Berge sehen?“

„Ja und nein“, sagte Alte Maus mit Überzeugung. „Ich weiß, dass es den großen Fluss gibt. Aber ich befürchte, dass die großen Berge nur eine Sage sind. Vergiss deine Sehnsucht danach, sie zu sehen und bleib hier bei mir. Hier gibt es alles, was du möchtest und es ist ein guter Platz zum Leben.“

Lappland - heilige Berge

„Wie kann er so etwas sagen?“, dachte Springende Maus. „Die Medizin der Heiligen Berge ist nicht etwas, das man vergessen kann.“

„Ich danke dir sehr für das Mahl, das du mit mir teiltest, Alte Maus und auch dafür, dass du dein großes Heim mit mir geteilt hast“, sagte Springende Maus, „aber ich muss die Heiligen Berge suchen.“„Du bist ein dummer Mäuserich, wenn du von hier fortgehst. Es ist gefährlich auf der Prärie! Sieh nur dort oben!“, sagte Alte Maus mit noch mehr Überzeugung. „Sieh all diese Flecken! Es sind Adler und sie werden dich erwischen!

Es war schwer für Springende Maus fortzugehen, aber er sammelte seinen ganzen Willen und lief schnell weiter. Das Gelände war rauh. Aber er krümmte seinen Schwanz und lief mit aller Kraft. Er konnte die Schatten der Flecken auf seinem Rücken fühlen, während er rannte. All diese Flecken! Endlich lief er in eine Gruppe von Wildbeerensträuchern hinein. Springende Maus konnte kaum seinen Augen trauen. Hier war es kühl und sehr geräumig. Es gab Wasser, Beeren und Samen zu fressen, Gräser zu sammeln für Nester, Löcher zu erforschen und viele, viele andere Beschäftigungen. Und da gab es auch eine große Menge von Dingen zum Sammeln.

Er war dabei, seine neue Domäne zu erforschen, als er ein sehr schweres Atmen hörte. Er forschte rasch nach dem Geräusch und entdeckte seinen Ursprung. Es war ein großer Hügel aus Haaren mit schwarzen Hörnern. Es war ein großer Büffel. Springende Maus konnte kaum die Größe des Wesens glauben, das er dort vor sich sah. Er war so groß, dass Springende Maus in eines seiner Hörner hätte hineinkriechen können.

„So ein prachtvolles Wesen“, dachte Springende Maus und schlich sich näher heran. „Hallo, mein Bruder“, sagte Büffel. „ich danke dir für deinen Besuch.“„Hallo, großes Wesen“, sagte Springende Maus. „Warum liegst du hier?“„Ich bin krank und sterbe“, sagte Büffel, „und meine Medizin sagt mir, dass nur das Auge einer Maus mich heilen kann. Aber kleiner Bruder, so etwas wie eine Maus gibt es nicht.“

Springende Maus war erschüttert. „Eines meiner Augen!“, dachte er. „Eines meiner winzigen Augen.“ Er huschte zu den Wildbeerensträuchern zurück. Aber das Atmen wurde schwerer und langsamer.

„Er wird sterben“, dachte Springend Maus, „wenn ich ihm nicht mein Auge gebe. Er ist ein zu großes Geschöpf, um ihn sterben zu lassen.“ Er ging dorthin zurück, wo der Büffel lag und sprach: „Ich bin eine Maus“, sagte er mit zitternder Stimme. „Und du, mein Bruder, bist ein großes Wesen. Ich kann dich nicht sterben lassen. Ich habe zwei Augen, also kannst du eins davon haben. „

Im gleichen Augenblick, als er dies sagte, flog Springende Maus Auge aus seinem Kopf heraus und der Büffel war geheilt. Der Büffel sprang auf und erschütterte die ganze Welt von Springende Maus. „Ich danke dir, mein kleiner Bruder“, sagte der Büffel. „Ich weiß von deiner Suche nach den Heiligen Bergen und von deinem Besuch am Fluss. Du hast mir das Leben geschenkt, sodass ich den Menschen Gaben machen kann. Ich werde für immer dein Bruder sein. Lauf unter meinem Bauch und ich werde dich bis zum Fuß der Heiligen Berge bringen und du brauchst dich nicht vor den Flecken zu fürchten. Die Adler können dich nicht sehen, während du unter mir läufst. Alles, was sie sehen werden ist der Rücken des Büffels. Ich stamme aus der Prärie und würde auf dich fallen, wenn ich versuchen würde, auf die Berge hinauf zu gehen.“

Kleiner Mäuserich lief unter dem Büffel, geschützt und versteckt vor den Flecken, aber mit nur einem Auge war es erschreckend. Die großen Hufe des Büffels erschütterten die ganze Welt jedes Mal, wenn er einen Schritt machte. Endlich kamen sie zu einem Platz und Büffel blieb stehen.

„Hier muss ich dich verlassen, kleiner Bruder“, sagte der Büffel. „Ich danke dir sehr“, sagte Springende Maus. „Aber weißt du, es war sehr beängstigend unter dir mit nur einem Auge zu laufen. Ich war ständig in Angst vor deinen erderschütternden Hufen.“„Deine Angst war umsonst“, sagte Büffel, „denn meine Art des Gehens ist der Sonnentanzweg und ich weiß immer, worauf meine Hufe fallen werden. Ich muss nun in die Prärie zurückkehren. Du kannst mich dort immer finden.“

Springende Maus begann sofort, seine neue Umgebung zu untersuchen. Da waren sogar noch mehr Dinge als an den anderen Plätzen, mehr Beschäftigungen und eine Vielfalt von Samen und anderen Sachen, die Mäuse mögen. Bei der Untersuchung dieser Sachen stieß er plötzlich auf einen grauen Wolf, der da saß und absolut nichts tat.

„Hallo, Bruder Wolf“, sagte Springende Maus. Die Ohren des Wolfes wurden aufmerksam und seine ‚Augen leuchteten. „Wolf! Wolf! Ja, das ist es, was ich bin, ich bin ein Wolf!“ Aber dann erblasste sein Gesicht wieder und es dauerte nicht lange, bis er wieder still da saß, ohne sich zu erinnern, wer er war. Jedes Mal, wenn Springende Maus ihn daran erinnerte, wer er war, wurde er durch die Mitteilung angeregt, vergaß es aber bald wieder.

„So ein großes Wesen“, dachte Springende Maus, „aber er hat kein Gedächtnis.“ Springende Maus ging zum Mittelpunkt dieses neuen Ortes und war still. Er lauschte sehr lange dem Pochen seines Herzen. Dann war er plötzlich entschlossen. Er huschte dorthin zurück, wo der Wolf saß und sprach:

„Bruder Wolf…“, sagte Springende Maus… „Wolf! Wolf!“, sagte der Wolf… „Bitte, Bruder Wolf“, sagte Springende Maus, „bitte höre mich an. Ich weiß, was dich heilen wird. Es ist eines meiner Augen. Ich möchte es dir geben. Du bist ein größeres Wesen als ich. Ich bin nur eine Maus. Bitte nimm es an.“

Als Springende Maus aufhörte zu sprechen, flog sein Auge aus seinem Kopf, und der Wolf war geheilt. Tränen flossen die Backen des Wolfes herab, aber sein kleiner Bruder konnte sie nicht sehen, denn er war jetzt blind.

„Du bist ein großer Bruder“, sagte der Wolf, „denn jetzt habe ich mein Gedächtnis. Aber nun bist du blind. Ich bin der Führer zu den heiligen Bergen. Ich werde dich hinbringen. Dort ist ein großer Medizinsee. Der schönste See der Welt. Die gesamte Welt spiegelt sich darin. Die Menschen, die Zelthäuser der Menschen und all die Wesen der Prärie und des Himmels.“

„Bitte bring mich hin“, sagte Springende Maus. Der Wolf führte ihn durch die Tannen zum Medizinsee. Springende Maus trank das Wasser aus dem See. Der Wolf beschrieb ihm die Schönheit.

„Ich muss dich hier verlassen“, sagte der Wolf, „ denn ich muss zurückkehren, damit ich andere führen kann, aber ich werde so lange bei dir bleiben, wie du es wünschst.“

„Ich danke dir, mein Bruder“, sagte Springende Maus, „aber obwohl ich Angst davor habe, allein zu sein, weiß ich, dass du gehen musst, um anderen den Weg zu diesem Platz zu zeigen.“ Springende Maus saß da und zitterte vor Angst. Es war sinnlos zu laufen, denn er war blind, und er wusste, dass ihn hier ein Adler finden würde. Er fühlte einen Schatten auf seinem Rücken und hörte das Geräusch, das Adler machen. Er spannte sich für den Schlag. Und der Adler traf! Springende Maus schlief ein.

Dann wachte er auf. Die Überraschung, noch am Leben zu sein, war groß, aber jetzt konnte er sehen! Alles war verschwommen, aber die Farben waren wunderschön.

„Ich kann sehen! Ich kann sehen!“, sagte Springende Maus immer wieder. Eine verschwommene Form kam auf Springende Maus zu. Springende Maus kniff die Augen fest zusammen, aber die Form blieb verschwommen.

„Hallo Bruder“, sagte die Stimme, „willst du etwas Medizin?“ „Etwas Medizin für mich?“, fragte Springende Maus. „Ja! Ja!“ „Dann duck dich so tief du kannst“, sagte die Stimme, „und springe so hoch du kannst.“

Springende Maus tat, wie man ihn geheißen hatte. Er duckte sich so tief er konnte und sprang! Der Wind fing ihn auf und trug in höher.

„Hab keine Angst“, rief ihm die Stimme zu. „Klammere dich an den Wind und hab Vertrauen!“ Springende Maus tat es. Er schloss seine Augen und klammerte sich an den Wind und der trug ihn höher und höher. Springende Maus öffnete seine Augen und sie waren klar. Je höher er kam, desto klarer wurden sie. Springende Maus sah seinen alten Freund auf dem Seerosenpolster auf dem wunderschönen Medizinsee sitzen. Es war der Frosch.

„Du hast einen neuen Namen“, rief der Frosch. „Du bist Adler!“

ENDE

Anmerkung

Das Buch „Die sieben Pfeile“ von Hyemeyohsts Storm erschien 1980 im Wilhelm Fink Verlag – ISBN3-7705-1932-9

21 Gedanken zu „Die Geschichte der springenden Maus – Ende

  1. Eine sehr beeinruckende Geschichte. Vielen Dank dafür!

    Als passende Musik danach stelle ich mir vor: Mari Boine – Vuolgge mu mielde Bassivárrái (Komm´ mit mir auf den heiligen Berg). Für mich ist das auch eines der schönsten Musikvideos, die ich kenne.
    Leider verbieten deutsche Bevormundungen, das Video beim Onkel Juhtjuhp zu sehen. Aber eine Tonversion ist dort dennoch auffindbar.

    Vormittäglichschöne Grüsse vom verregneten Schwarzen Berg
    Herr Ärmel

    Gefällt 3 Personen

    • Guten Abend Herr Ärmel, wie Recht sie mit der passenden Musik haben, ich habe fast alles von Mari Boine hier, sie ist einfach nur wunderbar! Und life grad nochmal so gut, was für ein Feuer, vonwegen im Norden sind se alle kühl … lach
      herzliche Grüsse vom Schneekatastrophenberg
      Ulli
      oh, ich lese es ja erst jetzt, Sie sind mal wieder auf Ihrem Berg, möge Ihnen ab morgen die Sonne scheinen!

      Gefällt 1 Person

            • Du hast schon recht, da aber die Übersetzung nicht von mir stammt, sondern nur aus dem Buch abgeschrieben ist, nehme ich es, wie es dort steht … du bist bestimmt eine richtig gute Lektorin 🙂

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              • Weiß nicht, ob ich eine gute Lektorin bin. Ich weiß nur, dass ich allen auf die Nerven geh damit. 😉 Jedenfalls: Ich hätt das anders übersetzt, aber … es gibt Wichtigeres im Leben als korrekte Artikel und Pronomen (ich sags mir immer wieder vor …)

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                • Genauigkeit ist beim Lektorat das A & O , aber es gibt eben auch immer wieder sehr eigenwillige AutorInnen, ich muss manchmal auch wegen diesem und jenem diskutieren, wenn ich querlesen lasse. Manches nehme ich an, über anderes müssen die Damen dann eben hinwegsehen 😉 –

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                • Das ist beim Lektorieren die große Kunst: Die Handschrift des Autors oder der Autorin zu erhalten, obwohl man es selbst doch „besser“ könnte. (Was vielleicht ein Trugschluss ist). 😉

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  2. … Ich suche nicht mehr… Es ist eine Geschichte; sie kann wahr sein und auch nicht… Ich gehe einfach nur noch mit meinem Herz, soweit mir das möglich ist…

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