Die Geschichte der springenden Maus

 

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Für Madame Filigran, Arno von Rosen und alle, die gerne Geschichten lesen!

Die Geschichte der springenden Maus ist aus dem Buch „Sieben Pfeile“ von Hyemeyohsts Storm. Da sie sehr lang ist, werde ich sie hier in zwei Teilen einstellen.

Aus dem Klappentext: „Man probiere einmal die Rolle der tapferen, opferbereiten und zugleich in der Selbstsuche nicht nachlassenden „Springenden Maus“ als eine Form der Identitätsfindung.“

 

Es war einmal ein Mäuserich. Er war ein vielbeschäftigter Mäuserich, der überall herum suchte, das Gras mit seinen Barthaaren betastete und alles betrachtete. Er war vielbeschäftigt, wie alle Mäuse, beschäftigt mit Mäusesachen. Doch dann und wann hörte er ein merkwürdiges Geräusch. Dann erhob er seinen Kopf, kniff die Augen fest zusammen, sträubte seine Barthaare und wunderte sich.

Eines Tages eilte er zu einem benachbarten Mäuserich und fragte ihn: „Mein Bruder, hörst du auch das Rauschen in deinen Ohren?“

„Nein, nein“, antwortete der andere Mäuserich, ohne seine vielbeschäftigte Nase vom Boden zu heben. „Ich höre nichts. Ich bin jetzt beschäftigt. Sprich später mit mir.“

Er stellte einem anderen Mäuserich die gleiche Frage, doch dieser sah ihn ganz seltsam an. „Bist du nicht richtig im Kopf? Was für ein Geräusch?“ fragte er und schlüpfte in ein Loch im Stamm eines umgestürzten Baumes.

Der kleine Mäuserich zuckte mit seinen Barthaaren und beschäftigte sich wieder, fest entschlossen, die ganze Sache zu vergessen. Aber da war schon wieder dieses Rauschen. Es war undeutlich, sehr undeutlich, aber es war da! Eines Tages entschloss er sich, dieses Geräusch ein wenig zu erforschen. Er verließ die anderen vielbeschäftigten Mäuse, lief ein kurzes Stück und horchte wieder. Da war es! Er horchte angestrengt, als ihn plötzlich jemand grüßte.

„Hallo kleiner Bruder“, sagte die Stimme, und der Mäuserich sprang vor Schreck fast aus seiner Haut. Er krümmte Rücken und Schwanz und wollte davonlaufen.

„Hallo“, sagte die Stimme wieder. „Ich bin es, Bruder Waschbär.“ Und tatsächlich er war es! „Was machst du denn hier ganz alleine, kleiner Bruder?“ fragte der Waschbär. Der Mäuserich errötete und senkte seine Nase fast bis zum Boden.

„Ich höre ein Rauschen in meinen Ohren und bin dabei es zu erforschen“, antwortete er verschüchtert. „Ein Rauschen in deinen Ohren?“ erwiderte der Waschbär während er sich neben ihn setzte. „Was du hörst, kleiner Bruder, ist der Fluss.“„Der Fluss“, fragte Mäuserich neugierig. „Was ist ein Fluss?“„Komm mit, ich zeige dir den Fluss“, sagte Waschbär. Kleiner Mäuserich hatte furchtbare Angst, aber er war entschlossen, sich ein für alle Mal über das Rauschen Klarheit zu verschaffen. „Ich kann zu meiner Arbeit zurückkehren“, dachte er, „nachdem diese Sache erledigt ist und möglicherweise kann dieses Ding mir in all meinen geschäftigen Untersuchungen und beim Sammeln behilflich sein. Und meine Brüder sagten alle, es wäre nichts. Ich werde es ihnen zeigen. Ich werde Waschbär bitten, mit mir zurückzukehren, dann habe ich einen Beweis.“

„Also gut, Waschbär, mein Bruder“, sagte Mäuserich. „Führe mich zum Fluss. Ich werde mit dir gehen.“

Kleiner Mäuserich ging mit Waschbär. Sein kleines Herz hämmerte in der Brust. Der Waschbär führte ihn auf fremde Pfade und kleiner Mäuserich roch den Duft von vielen Dingen, die an diesem Weg vorbei gegangen waren. Viele Male fürchtete er sich so sehr, dass er beinahe umgekehrt wäre. Endlich kamen sie zum Fluss! Er war ungeheuer groß und atemberaubend, tief und klar an manchen Stellen und trübe an anderen. Kleiner Mäuserich war außerstande, über den Fluss zu sehen, weil der so groß war. Er brüllte, sang, schrie und donnerte auf seinem Weg. Kleiner Mäuserich sah große und kleine Stücke der Welt, die auf seiner Oberfläche fortgetragen wurden.

„Er ist mächtig“, sagte der kleine Mäuserich, nach Worten suchend. „Er ist eine große Sache“, antwortete Waschbär, „aber hier, lass mich dich einem Freund vorstellen.“

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An einer ruhigeren und seichteren Stelle war ein Seerosenpolster, leuchtend und grün. Darauf saß ein Frosch, fast so grün wie das Polster, auf dem er saß. Der weiße Bauch des Frosches stand deutlich hervor.

„Hallo, kleiner Bruder“, sagte der Frosch. „Willkommen am Fluss.“ „Ich muss dich jetzt verlassen“, unterbrach Waschbär, „aber hab keine Angst, kleiner Bruder, der Frosch wird für dich sorgen.“ Und Waschbär ging weg, am Fluss entlang, wo er Nahrung suchte, die er waschen und essen konnte.

Kleiner Mäuserich näherte sich dem Fluss und blickte hinein. Er sah eine verängstigte Maus dort widergespiegelt.

„Wer bist du?“, fragte kleiner Mäuserich das Spiegelbild. „Hast du keine Angst so weit draußen im großen Fluss?“„Nein“, antwortete der Frosch. „Ich habe keine Angst. Mir wurde bei meiner Geburt die Gabe gegeben, sowohl auf dem Fluss als auch in ihm zu leben. Wenn Wintermann kommt und diese Medizin einfriert, kann ich nicht gesehen werden. Aber während der ganzen Zeit, in der der Donnervogel fliegt, bin ich hier. Um mich zu besuchen, muss man kommen, wenn die Welt grün ist. Ich, mein Bruder, bin der Hüter des Wassers.“

„Erstaunlich“, sagte endlich kleiner Mäuserich, wieder nach Worten suchend. „Möchtest du etwas Medizinmacht haben“, fragte Frosch. „Medizinmacht? Ich?“, fragte kleiner Mäuserich. „Ja, ja! Wenn es möglich ist.“

„Dann duck dich so tief du kannst und dann spring so hoch wie du dazu imstande bist. Du wirst deine Medizin bekommen!“, sagte Frosch.

Kleiner Mäuserich tat, was man ihn geheißen hatte. Er duckte sich so tief er konnte und sprang. Als er es tat, sahen seine Augen die Heiligen Berge. Kleiner Mäuserich konnte kaum seinen Augen trauen. Aber das waren sie! Dann aber fiel er zurück und landete im Fluss! Kleiner Mäuserich bekam Angst und krabbelte zum Ufer zurück. Er war nass und fast zu Tode erschrocken.

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„Du hast mich getäuscht“, schrie kleiner Mäuserich den Frosch an. „Warte“, sagte Forsch. „Du bist nicht verletzt. Lass dich durch deine Angst und deine Wut nicht blenden. Was hast du gesehen?“ „Ich“, stotterte Mäuserich, „ ich, ich sah die Heiligen Berge!“„Und du hast einen neuen Namen!“, sagte Frosch. „Er ist Springende Maus.“„Ich danke dir, ich danke dir“, sagte Springende Maus und dankte ihm abermals. „Ich möchte zu meinem Volk zurückkehren und ihm über das, was geschehen ist, berichten.

„Geh. Geh also“, sagte Frosch. „Kehre zu deinem Volk zurück. Es ist leicht, es zu finden. Behalte das Geräusch des Medizinflusses in deinem Rücken. Gehe in entgegengesetzter Richtung zu dem Geräusch und du wirst deine Mäusebrüder finden.“

Springende Maus kehrte zur Welt der Mäuse zurück. Aber er fand Enttäuschung. Keiner hörte ihm zu. Und weil er nass war und er keinen Weg wusste, dies zu erklären, denn es hatte nicht geregnet, hatten viele der anderen Mäuse Angst vor ihm. Sie glaubten, er sei aus dem Munde eines anderen Tieres ausgespuckt worden, das versucht hatte, ihn zu fressen. Da wussten sie alle, dass, wenn er für das Tier, das ihn begehrt hatte, keine Nahrung gewesen war, er auch für sie Gift sein musste.

Springende Maus lebte wieder unter seinem Volk, aber er konnte seine Vision von den Heiligen Bergen nicht vergessen. Die Erinnerung brannte im Geist und im Herzen von Springende Maus. Eines Tages ging Springende Maus bis zum Rande des Ortes der Mäuse und blickte auf die Prärie. Er blickte hoch, um nach den Adlern zu sehen. Der Himmel war voll von Flecken, jeder einzelne ein Adler. Aber er war entschlossen, zu den Heiligen Bergen zu gehen. Er sammelte all seinen Mut und lief, so schnell er konnte, auf die Prärie. Sein kleines Herz hämmerte vor Aufregung und Angst.

Er lief, bis er zu einer mit Salbei bewachsenen Stelle kam. Er rastete und versuchte wieder Luft zu schöpfen, als er eine alte Maus sah. Der Flecken Salbei, auf dem Alte Maus lebte, war ein Zufluchtsplatz für Mäuse. Samen waren reichlich vorhanden und es gab Nestmaterial und auch sonst viele Dinge, um sich zu beschäftigen.

„Hallo“, sagte Alte Maus. „Willkommen.“ Springende Maus war erstaunt. So ein Platz und so eine Maus. „Du bist wahrhaftig eine große Maus“, sagte Springende Maus mit allem Respekt, den er aufbringen konnte. „Dies ist wahrhaftig ein wunderbarer Platz. All die Adler können dich hier auch nicht sehen“, sagte Springende Maus.

„Ja“, sagte Alte Maus, „und man kann von hier alle Wesen der Prärie sehen: den Büffel, die Antilope, den Hasen und den Coyoten. Man kann sie alle von hier aus sehen und ihre Namen kennenlernen.“„Das ist wunderbar“, sagte Springende Maus. „Kannst du auch den Fluss und die großen Berge sehen?“

„Ja und nein“, sagte Alte Maus mit Überzeugung. „Ich weiß, dass es den großen Fluss gibt. Aber ich befürchte, dass die großen Berge nur eine Sage sind. Vergiss deine Sehnsucht danach, sie zu sehen und bleib hier bei mir. Hier gibt es alles, was du möchtest und es ist ein guter Platz zum Leben.“

„Wie kann sie so etwas sagen?“, dachte Springende Maus. „Die Medizin der Heiligen Berge ist nicht etwas, das man vergessen kann.“

„Ich danke dir sehr für das Mahl, das du mit mir teiltest, Alte Maus, und auch dafür, dass du dein großes Heim mit mir geteilt hast“, sagte Springende Maus, „aber ich muss die Heiligen Berge suchen.“„Du bist ein dummer Mäuserich, wenn du von hier fortgehst. Es ist gefährlich auf der Prärie! Sieh nur dort oben!“, sagte Alte Maus mit noch mehr Überzeugung. „Sieh all diese Flecken! Es sind Adler und sie werden dich erwischen!“

Fortsetzung folgt …

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25 Gedanken zu „Die Geschichte der springenden Maus

    • Übermorgen, liebe Soso, geht es weiter … freut mich, dass sie dir gefällt, es war eine DER geschichten während meiner Ausbildung zur Visionssucheleiterin, allerdings immer nur bis zum Frosch … als ich das Buch erstand, habe ich gestaunt, wieviel mehr in dieser Geschichte steckt, darum habe ich sie hier in Gänze eingestellt … hatte nur Bedenken euch sooo viel Lesestoff zuzumuten, aber es scheint, dass es kein Problem macht. Gute Geschichten sind so lebenswichtig, wie Brot …
      liebe Grüsse und hab einen guten Tag – lass dich nicht ärgern!
      Ulli

      Gefällt 2 Personen

  1. Pingback: Sommerlied oder das Südschild |

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