Kurze Zeilen – 8 –

0078 16.02.16

Unter der Bodenlosigkeit ist ein Grund, eine Erde unter der Krume, ein Himmel hinter den Wolken und etwas hinter den Worten. Worte fallen in den Brunnen. Sie lassen sich nicht finden, nicht aussprechen, nicht schreiben. Momente, die Klang sind, ein Adagio in Moll. Momente, die eine Träne und ein Meer sind, wohinein sie versinken wollen, ins Ungeschehene und Ungehörte. Als ob das ginge. Es reißt an mir, hin in deine Abgründe, die mir fremd sind. Wohin gehst du jetzt?

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28 Gedanken zu „Kurze Zeilen – 8 –

  1. Manchmal gibt es Zeiten, da möchte ich einfach still am Meer stehen, in die Weite, die Unendlichkeit schauen. Wunderschöner Text von Dir! Und da fällt mir ein wunderschönes Lied von Johannes Daniel Falk ein, das unsere Kleinheit und unser Abhängigsein angesichts der gerade jetzt tobenden WeltenGewalten, die auch mich oft „runterziehen“, so treffend beschreibt:

    „Wie mit grimm’gem Unverstand
    Wellen sich bewegen!
    Nirgends Rettung, nirgends Land
    Vor des Sturmwinds Schlägen!
    Einer ist’s, der in der Nacht,
    Einer ist’s, der uns bewacht!
    Christ Kyrie,
    Du schlummerst auf der See.

    Wie vor unserm Angesicht
    Mond und Sterne schwinden!
    Wenn des Schiffleins Ruder bricht,
    Wo nur Rettung finden?
    Wo denn sonst, als bei dem Herrn?
    Sehet ihr nicht den Abendstern?
    Christ Kyrie,
    Erschein uns auf der See.

    Nach dem Sturme fahren wir
    Sicher durch die Wellen.
    Lassen, großer Schöpfer, dir
    Unser Lob erschallen;
    Lobet ihn mit Herz und Mund,
    Lobet ihn zu jeder Stund!
    Christ Kyrie,
    Ja dir gehorcht die See!

    Einst, in meiner letzten Not,
    Laß mich nicht versinken!
    Sollt‘ ich von dem bittern Tod
    Well‘ auf Welle trinken,
    Reiche mir dann liebentbrannt,
    Herr, Herr, deine Glaubenshand!
    Christ Kyrie,
    Komm‘ zu uns auf die See!

    Sei und bleib behütet, liebe Ulli! Ganz lieben Gruß aus dem Land am Meer vom ollen, grauen Wolf.

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    • Lieber Wolf, kannst du das auswendig? Ich staune … schön, wenn du hier Trost findest! Ich brauche wohl etwas anderes? Ach, ich seufze, es ist eine schwere Zeit. Bleiben wir rege und verbinden wir uns mit den Kräften, die uns stützen, glauben wir (noch immer) an das Beste, bleiben wir rege!
      ich freue mich, dass du hier warst!!! Habe in den letzten Tagen meine Postkisten sortiert und gestaunt, wieviel Post ich von dir und der Leuchtturmwärterin habe, schön ist das!
      Ich grüsse dich herzlich, und du die Leuchtturmwärterin von mir, okay?!
      Ulli

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  2. Liebe Ulli … hier war gestern so ein Tag. Auch in mir drin. Heute ist es so gleißend hell … die Sonne scheint, wie es nur im Winter geht – vor dunkeltürkisem Himmel. Ginge es, ich gäbe dir gerne ein paar Sonnenstrahlen ab.
    Herzliche Grüße.

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  3. echt? nur hinter den wolken blau? ich schicke dir für diese poetischen wunderbaren worte einen dicken strahl von der sonne, die hier scheint. und wenn ich um kurz nach fünf morgens mein haus verlasse, bin ich nicht mehr die erste, die aufgestanden ist. da singen schon die ersten vögel ein lied für mich. es ist so wundervoll, dass ich dir ein virtuelles zwitschern schicke!

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  4. Von diesem Bild und von diesem Text bin ich sehrsehrsehr angetan. Wie aus einem Guss.
    Danke.

    Und ja, ich vermute, dass wir die Abgründe der anderen nie wirklich verstehen werden. Ahnen vielleicht, und lieben – ja, das auch, das vielleicht vor allem – in allem Nichtverstehen.

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  5. Wieder so ein metaphorisch dichter schöntiefer Text, Ulli. Du stellst eine Frage und ich versuche, eine Antwort zu sinnen und sage: Ich gehe jetzt, ich muss in meine Abgründe gehen, immer wieder. Dort schaufele ich den Horizont von schweren Steinen frei. Ich nehme dich mit in meine Tiefe und zeige dann schlotternd meinen Arbeitsplatz, tief untertage. Doch ich sage dir, dass es mir hilft, das Licht freizulegen und schicke dich dann wieder nach oben, über die Krume, damit du für mich nach Wolkenbildern spähen gehst, die mir luftige Erde sein sollen. Meine Bodenlosigkeit soll dein Himmel sein. Das sage ich dir und gehe mit dir. Frag nicht wohin, denn du weißt es längst.

    Liebe Ulli, eine sehr lyrische Antwort auf deine wunderbare Frage.
    Einen lieben Gruß von Stefanie

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    • Liebe Stefanie, du siehst mich jetzt hier mit einer Gänsehaut sitzen und einem Kloss im Hals, so berühren mich deine Zeilen. Hab tausend Dank.
      Ich bin auch überrascht, was dieser Text bei dir auslöste, überrascht und eben sehr berührt.
      Deine Musik höre ich später, muss jetzt gleich los und ich will doch geniessen und nicht huschhusch und weiter …
      herzliche Grüsse
      Ulli

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    • gosh, ist das schön und wie es passt! danke dir, liebe Stefanie, schon wieder Gänsehaut, dieses Mal von oben nach unten und seitlich quer …
      ich lausche noch
      und grüsse dich sehr herzlich und sehr dankbar
      Ulli

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      • Ich freu mich sehr, dass Dir diese engagierten jungen Musiker so gut gefallen wie mir.
        Die Musik trägt wie auf Flügeln, überfliegt mühelos die Zeit und hat all ihren Zauber bewahrt.
        Träumemusik…😊
        Liebe herzliche Grüße zu Dir

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  6. Ist es nicht das Wesen von Abgründen, dass sie einem fremd sind, liebe Ulli, nicht nur die der anderen, sondern auch und womöglich mehr noch die eigenen? Einen schönen Abend wünsche ich dir – und die Zuversicht, die in dem ersten Satz deines Kurzzeilers wohnt!

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    • Das ist eine gute Frage, liebe Maren. Zuerst dachte ich, dass ich ja im Laufe meines Lebens meine Abgründe kennengelernt habe, aber das ist natürlich wieder nur die halbe Wahrheit, da lauern immer noch Unbekannte. Soso schrieb (siehe oben), dass man die Abgründe des anderen, einmal abgesehen davon, dass man sie nicht in Gänze ergründen kann (wie auch!), lieben kann. Das hat mir sehr gefallen!
      Und ja, mittlerweile trägt wieder mehr die Zuversicht, es ist schon ein Weilchen her, dass ich diesen Text schrieb, ein kleines Weilileichen 😉
      Ich grüsse dich herzlich zur guten Nacht
      habs gut mit dir
      Ulli

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