Kurze Zeilen – 4 –

0175 18.09.15 der Tod und das Meer

Ein brennendes Meer, stumm schreiende Fische, verklebte Flügel- laut sind die Schreie der Empörung. Zu Recht. Ich weiß nicht, wieviele Männer und Frauen, ob jung oder alt, wieviele Kinder seit einem Jahr und mehr im Mittelmeer ertranken. Wo sind die Schreie der Trauer von den Stränden bis zum Horizont? Noch immer werden Menschen gewogen und als zu leicht empfunden.

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31 Gedanken zu „Kurze Zeilen – 4 –

    • Liebe Birgit, ich denke ich weiß, wie es dir geht … ich ringe auch um Worte für all das, was mich derzeit umtreibt, mit der Form der kurzen Zeilen ist es eine Annäherng, schön, dass ich sie mit dir, mit euch teilen darf und sie auf Böden fällt …
      liebe Grüße
      Ulli

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  1. Hej Ulli! Dein Bild hat mich zuerst erschreckt. Und nur das Wissen um die Geschehnisse im Mittelmeer lässt es mich verstehen. Nach längerer Betrachtung zeigt es mir, wie sehr ich das Wasser, speziell die Brandung, mit leben verbinde. Mit beginnendem leben. Obwohl zum leben der Tod gehört. Könnten wir ohne ihn leben? Und obwohl in der Brandung auch fast für unsere Augen irgendwie lebloses zu finden ist. Dein Tod aber ganz schön stolz darin steht.
    Ich bin Dir für Deine Kollage dankbar, weil ich nach längerer Betrachtung denke, dass ich ein grosses Trauma (eher schweres Erlebnis) meines Vaters, das uns ein Leben lang (und wie ich heute morgen wieder sehe länger – er verstarb vor einigen Jahren) begleitete. Er ist bei einem grossen Luftangriff auf Bergen als Einziger gerettet worden dadurch, dass ihn Menschen, die wussten wie stark unterkühlte Menschen aufgewärmt werden müssen, zu sich nahmen und keine Mühen scheuten. Seine abgefrorenen Zehen erinnerten ein Leben lang. Obwohl diese Menschen seine Feinde waren, wie die Seinen behaupteten, auch nicht zu dem gewünschten nordischen Ideal gehörten, und mein Vater zu ihren Besetzern und Besatzern zählte. Kram Ulli

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    • Liebe Ruth, ich danke dir für diese Familiengeschichte. Ja, das Bild ist heftig, aber ich finde es auch heftig, was passiert – tagtäglich und trotzdem gibt es ja auch jetzt viele helfende Menschen, wie es bei deinem Vater geschah und wo plötzlich Feind und Freund keine Rolle mehr spielt
      herzlichst Ulli

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    • Danke, dass du mitliest und kommentierst- die kurzen Zeilen geben mir einen Raum, den ich vorher nicht hatte, um wenigstens im Ansatz all das auszusprechen, was mich gerade umtreibt … es geht noch weiter …
      liebe Grüße
      Ulli

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  2. Vor einiger Zeit dachte ich : Wie können Menschen reinen Gewissens Urlaub an diesen Stränden machen, an die Menschen angespült werden? Aber des Menschen Gedächtnis kann wunderbar ausblenden. Und so baden wir munter im Meer, das getränkt ist mit Tod.Und vergiftet durch Ölkatastrophen. Und trotzdem hab ich Frieden und Hoffnung in mir, wenn ich aufs Meer schaue und den Horizont sehe. Kat

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    • hej Kat, als ich letzten Mai im September am Atlantik war konnte ich auch einfach nur sein, nur manchmal dachte ich dann an all das Leid, aber der Atlantik ist auch nicht das Mittelmeer, ich glaube da hätte ich mehr Probleme es auszuschalten, aber würde ich das überhaupt wollen?
      Danke dir und herzliche Grüße
      Ulli

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  3. „Geschäftstüchtige“ Händler in der Türkei verkaufen Schwimmwesten die aus Pappe sind und bei Kontakt mit Wasser sofort untergehen. Ich wünschte es würde nicht stimmen, was ich da hörte….. trotzdem ein schönes Wochenende für alle.. LG T.

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  4. Liebe Ulli,
    Dein Bild ist großartig, alle sollten es sehen können.
    „Wo sind die Schreie der Trauer von den Stränden bis zum Horizont?“
    Wo ist das Entsetzen? Wenn ich an die Polit-Talks denke…, was für eine Kälte und Selbstzufriedenheit in diesen Runden herrscht, während über Menschen gesprochen wird, die sich in einer unvorstellbar grausigen Situation befinden. Wie kann man in aller Ruhe über Zahlen debattieren, wo es doch um Menschen geht, die gerade alles verloren haben oder ertrinken? Warum werden die Menschen nicht auf sicherem Wege aus der Hölle geholt?
    Ein herzlicher Gruß,
    Madame Filigran

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    • Liebe Madame Filigran, was mich ganz besonders freut ist, dass du Eine von wenigen bist, die dieses Bild nicht „schockt“-
      gestern dachte ich auf einer längeren Autofahrt darüber nach, was denn der Unterschied ist, zu der Empörung nach dem 2. Weltkrieg und dem Holocaust, da fiel der Satz sehr oft, das war Massenmord und wir schämen uns, dass wir es nicht gewusst haben, nicht gehandelt haben, nun passiert dieser Massenmord tagtäglich vor unseren sehenden Augen, niemand kann sagen er, sie hätte nichts gewusst, aber was ist der Gegenentwurf? Dichte Grenzen. Und damit werden noch mehr Menschen sterben müssen. Ach, es ist grusig!
      Danke für deins … ich denke noch mehr, aber mir gehen manchmal wirklich die Worte aus-
      herzliche Grüsse
      Ulli

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    • Liebe Dina, nur so Menschen wie ich ändern vielleicht nichts? Ich fühle mich oft so hilflos bei diesem ganzen Wahnsinn, schreibe dagegen an, mache Bilder, aber wer seiht die schon, ausser den Menschen, die ähnlich denken und fühlen? Bin ja leider keine Hannah Arendt …
      und trotzdem freue ich mich sehr über deine Zugewandtheit und dein Mischwingen. Es ist doch furchtbar, dass in Europa ein riesiger Rechtsruck zu beobachten ist und in den USA treibt nun ein Herr Trump sein Unwesen. Wohin steuern wir nur? mir macht das Angst!
      Liebe Grüsse
      Ulli

      Gefällt 3 Personen

    • es fällt mir jetzt schwer einfach nur danke zu sagen- und eigentlch will ich ja auch nicht wehtun, aber so, wie du es sagst, denke ich: doch, manchmal will ich wehtun und dafür danke ich dir

      herzliche Grüsse
      Ulli

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