Rückblick – 4 –

054 22.04.15 rot

Mitten hinein in meine rote Lebenskraft wehte ein dunkler Hauch. Er berührte mich am Arm, rührte in meiner Brust, ließ Wärme frostig werden. Einen Augenblick lang. Ein Augenblick, der zu den unvergessenen in diesem Jahr gehört. Einer, der mir etwas zu sagen hat:

Es wird Zeit mir ins Gesicht zu sehen. Es wird Zeit die Falten nicht schön, die Krankheiten nicht weg zu reden.

Es wird Zeit der Schwarzen ins Gesicht zu schauen, ihren Tanz auf den Schädelschalen und ihre Knochenketten auch. Wie ich scheue! Meine Tanzschritte sind zögerlich, eher ein unschlüssiges Wiegen, denn ein forscher Schritt. Und ich habe noch immer nicht das rote Kleid verbrannt.

Übergang.

Da steht noch etwas an. Die Herausforderung steht im Raum. Manchmal tanze ich sie, die zögerlichen Wiegeschritte mit der Schwarzen. Sie lacht mir zahnlos ins Gesicht. Damit muss ich leben.

Die Närrin hat ihr Clownkostüm aus dem Schrank geholt. Noch rätselt sie, nimmt sie das rote oder gleich das schwarze? Viele Feuer brennen durch die Nacht.

060ab 27.04.15 rot mit clown

Zeig dich, stay open, diese beiden Sätze bleiben im Jahresrad …


Im April ist auch der Geburtstag meiner Enkelin, in diesem Jahr wurde sie drei Jahre alt. Und jedes Mal dann hoffe ich, dass mir noch viele Jahre mit ihr und ihrem Bruder, mit meiner Tochter, ihrem Mann, mit meinem Sohn und meinem Mann, mit allem und allen anderen bleiben. Wieviel sind viele Jahre?

füsse

Während ich meine persönlichen Bahnen ziehe, gerät die Welt immer mehr aus den Fugen. Die Bilder der Dramen auf dem Mittelmeer werden mehr und ich frage in einem meiner Artikel im April:

Wer sagt, dass eiserne Vorhänge der Vergangenheit angehören? Wer schreit, das Boot ist voll? Und wie wir alle wissen, war das erst der Anfang. Wohin wir gehen, das ist weiterhin die Frage. Wie wir uns zu alldem verhalten, muss jede und jeder für sich beantworten.

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27 Gedanken zu „Rückblick – 4 –

    • da bist du ja! Gerade habe ich dich im Radio gehört, klasse, nun habe ich auch eine Stimme hinter deinen Sätzen! Und ja, vielen, vielen Dank für deins zu mir hin, bin gespannt, ob sie sich bei mir melden … huuu, wie aufregend – lach
      noch zu den Füssen, da liegt ein Jahr dazwischen und ist als Reihe geplant, jedes Jahr ein Foto von den Füssen meiner Tochter, meiner Enkelin und mir auf einem Bild, da kann man dann älter werden studieren-

      herzliche Grüsse
      Ulli

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    • Liebe Sylvia, das stimmt, wir können sie nur ausfüllen, unsere Zeit! Schön, dass du dies schreibst, gerade heute Morgen schrieb ich in meinen „Morgenseiten“, dass es nicht daum gehen kann, was ich lasse und ob ich überhaupt etwas lasse, es geht ja immer ums Lebendigfühlen und -sein und solange werde ich lernen und weitergehen. Und wenn dann das Ende kommt, hoffe ich sehr, dass ich mit allem einverstanden bin, mit allem was war und mit dem letzten Übergang …
      herzlichen Danke für deins, ich hoffe, es war ein freudiges Herz worein meine Worte trafen!

      herzliche Grüsse
      Ulli

      Gefällt 2 Personen

  1. zu dem letzten Absatz kopiere ich hier meinen Kommentar zum Aprilbeitrag. Es geht dabei nur im Fakten, nicht um Analyse, auch nicht um Gefühle oder gar Vorwürfe. „Inzwischen hat sich die Situation in Griechenland weiter zugespitzt. Jetzt sollen 5 “hotspots” auf den Inseln eingerichtet werden – vermutlich, um die Flüchtlinge zu kochen. Keine Ahnung, wie das Land mit diesen Herausforderungen fertig werden soll. Die linke Regierung wird gezwungen, vollkommen gegen ihre eigenen Vorstellungen zu handeln. Sonst fliegt Griechenland aus der Schengenzone – aus der Eurozone – aus der Europäischen Gemeinschaft – sonst ….Inzwischen schlagen sich die Flüchtlinge und die Arbeitsmigranten (o diese feinen Unterscheidungen!) an der Nordgrenze Griechenlands, hassen sich gegenseitig, demolieren die Eisenbahnlinie, die Importeure und Exporteure sind verzweifelt, die Touristikunternehmer auf den hauptsächlich betroffenen Inseln sowieso. Doch immer noch versuchen die einfachen Menschen – Ausländer wie Inländer – zu helfen, spenden Kleidung, geben Essen aus, Ärzte arbeiten freiwillig, denn staatlicherseits funktioniert zu wenig.“

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    • Danke Gerda!

      Das, was immer deutlicher wird ist, dass die meinsten Menschen hilfbereit sind, dass es ohne all die Menschlichkeit und Ehrenamtlichkeit wirklich finster aussehen würde- es gibt diese Schere von Politik und Gesellschaft-

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    • Liebe Maren,
      Die roten Collagen mochtest du ja auch schon im April sehr gerne und ja, ich auch 🙂 sie waren und sind ein gutes Antidot für hängende Mundfalten …
      ach und hach, so ganz zufrieden bin ich ja nicht mit der Offenheit und damit was und wie ich mich zeige, das Ganze ist schlictweg noch im Prozess-
      ich grüsse dich herzlich
      Ulli.

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      • Ja, und auch mit diesem Prozess zeigst du dich. Wenn das nicht beeindruckend ist. 😉 Und auf die Füße-Serie als Sinnbild des Älterwerdens und Jungbleibens freue ich mich auch schon, am liebsten natürlich weiter mit rotem Nagellack.

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        • ich erinnere mich noch gut, als Elvira beim ersten Bild sinnierte ab wann denn die Kleine auch die Nägel rot hat … tja, ein Jahr hat es gedauert- nächstes Jahr hänge ich dann das dritte dran- ich mag ja diese Reihen sehr- es gibt noch eine zweite: Mathilda und der Schneemann, aber mittlerweile zeige ich sie gar nicht mehr gerne hier, ist ja doch ziemlich privat und sie kann ja noch nicht sagen, ob sie das will- und wer weiss, was noch alles kommt … hach und ach und lach und weg 🙂

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  2. Liebe Ulli, durch „Zufall“ bin ich gerade auf diesen älteren Beitrag gestoßen. Sehr beeindruckend, auch „Die Schwarze“. Und sehr berührend. Ich habe mich in den letzten Monaten mit den drei Lebensphasen auseinandergesetzt und bin irgendwie auch noch mit Pausen dabei… (Habe ich haber noch nicht gepostet.) Insofern berühren mich Deine Worte, Gedanken und Bilder dazu sehr. Danke. Liebe Grüße, Doreen

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