Rückblick 2015 – 1

Letztes Jahr um diese Zeit erstellte ich aus den Bildern eines Monats Collagen. In diesem Jahr nehme ich je ein Foto und eine Fotomontage aus einem Monat und spüre nach. Zur Wintersonnenwende werde ich, wie in jedem Jahr, destillieren, da will ich vorbereitet sein. Wie ich mich auf die Rauhnächte freue! Aber nun zum Rückblick:

Januar 2015

Die Geburtsstunde der kleinen blauen Frau ist am 06. Januar 2015. Hier im Blog erscheint sie zum ersten Mal am 16. Januar

008 06.01.15 die kleine blaue Frau träumt Meer

Samtmut schrieb mir am 11. November diesen Jahres: „Die kleine Frau (Träumerin) ist von Heinrich Vogeler, über 100 Jahre alt und damit gemeinfrei.“

Als ich die kleine blaue Frau im Netz entdeckte, war sie eine Gestalt auf einem weißen Hintergrund. Darunter stand: Künstler/Künstlerin unbekannt … Ich schnitt sie aus, montierte sie in eins meiner Ostseebilder und ließ das Bild wirken, bis ich diese Zeilen schrieb:

Die kleine blaue Frau träumt Meer. Sie träumt Möwen an den Horizont. Weiß, wie manche Tauben.

Und nun schaut mal das Original:

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Das glaubt mir jetzt doch kein Mensch, entfuhr es mir. Ungläubig starrte ich auf das Bild. Nicht nur, dass Vogeler das Bild die Träumerin nannte, auch sitzt sie, wie auf meiner Montage, auf einem Stein in den Dünen am Meer …


Der Januar war bei uns schnee- und eisreich. Ich machte den einen und anderen Gang durch die winterliche Welt, und fand diesen roten Engel im Schnee (oder fand er mich?):

Januar 2015 2

Die Engel und ich, das ist eine Geschichte für sich. Ich umkreise sie, ähnlich, wie es Jürgen Küster und Susanne Haun in ihrem Projekt double bind getan haben. Es schien mir, als ob Susanne wenig Mühe mit den Engeln hatte, während Jürgen, ähnlich wie ich, ihre Gestalt, ihr Sein oder Nichtsein umkreiste.

(Die Bilder von Jürgen und Susanne findet ihr hier →)

Jürgen hat mich in diesem Jahr auf seiner Buchalov Freundestour besucht. Neben vielem anderen waren auch die Engel Thema. Kaum war er weitergereist, widmete ich mich ihnen noch einmal, neue Montagen enstanden. Wofür fragte ich mich nicht, es war nur eine weitere Umkreisung. Jetzt finden sie Platz in dem Projekt der 24 Tage oder Türen von Graugans, mit der Überschrift: Mutmaßungen über Engel …

Ich schrieb es schon öfters, dass meine Seele, mein Selbst oft mehr weiß, als mein Ich. Erst im Rückblick erkenne ich den roten Faden, sehe ich, dass er ein Stück weiter durch mein grünblaues Lebensgewebe mäandert ist.

In dem Artikel von Mützenfalterin am 01. Dezember fand ich einen Satz von Marica Brodozic, der mich bewegt: […]” aus dem Unerklärbaren kommt auch alle Poesie. Wir brauchen eine Poesie des Lebens, eine Poesie des Lichts, die uns Forscher unseres Selbst werden lassen […]“

Die kleine blaue Frau ist in diesem Jahr mein Forschungsprojekt geworden. Auch sie weiß mehr als ich. Sie resoniert und tanzt mit dem Unerklärbaren, sie ist Wanderin und Finderin.

Zurück zu dem roten Engel im Schnee. Ich sehe einen abgebrochenen Flügel und rote Tränen im Schnee oder sind es Blutstropfen? Ist er ein gefallener Engel? Und was ist mit seinem zweiten Flügel passiert?

Dieses Jahr ist es nicht friedlicher geworden. Es gibt nicht weniger Kriege, nicht weniger Gewalt, noch immer schraubt sich die Spirale in die Höhe und Tausende kämpfen mit den Wellen im Meer, viele sind ertrunken. Wer weiß, was dieser rote Engel weiß!

Fortsetzung folgt

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23 Gedanken zu „Rückblick 2015 – 1

  1. Der rote, blutenden Engel hinterlässt einen bleibenden Eindruck bei mir. Vielleicht verlieren wir alle im laufe des Lebens einen Flügel oder lassen Federn?
    Das Rot auf dem weißen Schnee ist noch eindrucksvoller und zeigt die Kontraste des Lebens.
    Danke, dass du unser Projekt erwähnt hast, Ulli und einen schönen Tag von Susanne

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    • Liebe Susanne, ja, ich gluabe auch, dass wir zumindest Federn lassen, manche verlieren auch einen oder gar beide Flügel, aber sie können nachwachsen, das ist die frohe Botschaft.
      Ich hatte ja den roten Engel irgendwie dann doch vergessen. Als ich ihn gestern im Januararchiv wiederentdeckte war ich sehr freudig überrascht- die Engel sind mir durch euer Projekt wirklich näher gekommen. Überhaupt waren die Begnungen in diesem Jahr mit dir und mit Jürgen für mich auch sehr besonders- es fand dadurch auch eine Positionierung in mir statt, worüber ich dir schon einmal andeutungsweise schrieb und wofür ich auch sehr dankbar bin.
      Mitllerweile hat sich vieles von diesem Jahr „gesetzt“, jetzt beginnt es sich ausbreiten. Jetzt ist die Zeit, um die Vorratsdosen zu öffnen und nach und nach die darin verborgenen Schätze zu kosten und weiterzuverarbeiten.
      Ich freue mich über deine Assoziationen zum roten Engel- danke und hab einen freudigen Abend
      Ulli

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  2. Liebe Ulli,
    Viel Information gibst Du. Ich muss mit mehr Muße nachforschen, Deinen Spuren folgen.
    Oft staune ich über die verborgene Verbindung der Symbole in unserem Leben. Wir suchen die blauen Frauen, die roten Engel-oft ohne uns dessen bewusst zu sein und auch ich kenne das staunende Gefühl der Entdeckung eines Zusammenhangs, den ein anderer benannte und genauso oder ähnlich zum Ausdruck brachte wie ich. Es ist mehr noch als Inspiration, es ist dies die Offenbarung des tieferen stillen Wissens, dass wir alle miteinander vernetzt sind.
    Ich bin gespannt was ich sehe oder erkenne, wenn ich Deinen Fäden folge.
    Deine Montage zeigt eindrucksvoll die Einsamkeit und Deine Erklärung dazu benennt den Widerspruch: dass wir es nicht sind.
    Sehr schön!
    Liebe Grüße von der Fee✨

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    • Liebe karfunkelige Fee, wieviel du siehst, wieviel du spürst, auch ohne, dass du mir bis hierher weit gefolgt wärst- bist du ja in meinem Café eher noch ein „neuer“ Gast, über den ich mich sehr freue. Ich mag deine Sicht auf vieles sehr! Schön, dass wir uns hier begegnen durften und dürfen, hier und anderswo …
      Ich glaube eben an die Verbundenheit und auch meine Erfahrung hat viel darüber zu berichten, auch darüber, dass wir Menschen gar nicht so verschieden voneinander sind, wenn es um Gefühle geht …
      Symbolarbeit gehört auch zu meiner Arbeit als naturorientierte Prozessbegleiterin, da passieren immer wieder sehr erstaunliche Dinge, wer was findet bzw. wer wen findet …
      ich grüsse dich herzlich
      Ulli

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      • Ich lese Dich sehr gern, Ulli und wann immer ich so wie jetzt Zeit finde, ein wenig Ruhe, folge ich Deinen Links, es ist eine wunderbare Kommunikation die Du pflegst, wenn Du in Deinem Café Deine Freunde versammelst, zu ihnen hinverweist oder erzählst von Deinen Innerreisen und -welten. Eben las ich in einem anderen Blog, wie jemand es schade findet, dass sich viele die Zeit 45 Minuten am Stücke in einem Beitrag abzutauchen nicht nehmen und auch ich…bin manchmal eine zeitlich Gejagte und öffne Fenster zu Stippvisiten und das obwohl ich so gern mehr kennenlernen, lesen, erfahren und wissen möchte. Doch es lohnt sich dennoch und immer. Dann eben häppchenweise die formidable Abhandlung über Schreiben und Poesie lesen, Vogelers und Susanne Hauns Kunst besuchen, zum Abschluss in Echoes abtauchen…einem meiner David-Gilmour-Lieblingssongs. Wieder zu Dir zurückkehren, in der Hand einen Stoff und weitere Fäden wie Schussfasern ihn durchziehend und wenn da mal keine mindestens höchst formidable Kopfbedeckung draus gefaltet werden kann, weiß ich es auch nicht, das ist Verdichtung und Du in Deinem Weltenall-Café, Du webst und webst. Rechts die kleine blaue Frau vom 16. Januar, eine Reisende und links im Schnee eine Art Engel in Rot. Fein, bei Dir Gast zu sein!

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      • Ich bin gerade ganz berührt von deinen Worten, würde ich rot werden, was ich aber nicht tue, wenigstens nicht sichtbar, dann würdest du mich jetzt hier mit hochrotem Kopf sehen, aus Freude. Aber auch ein bisschen aus Scham. Gehöre ich doch auch zu denen, die oft nur huschhusch liest, liked. Ich brauche genau so einen Wink, wie du und literaturfrey ihn mir soeben gebt, lieber mal nur einen Blog lesen und den dann aber mit Musse- danke

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  3. Ich habe eben auf Wikipedia über Heinrich Vogeler gelesen. Das Gemälde „Das Leiden der Frau im Kriege oder auch Trauernde Frauen“ hat mich sehr berührt. Es ist sicher kein Zufall, dass Du die kleine blaue Frau gefunden hast. Es sollte so sein.
    Liebe Grüße schickt Dir Elvira

    Gefällt 3 Personen

    • Zu mir sprechen viele seine Bilder, liebe Elvira, vielleicht weil sie so „schnörkellos“ sind, weil sie abbilden, weil sie innere Zustände in der Abbildung sichtbar machen- ich will ihn auch noch mehr studieren. Ich bin Samtmut wirklich dankbar-
      herzliche Grüsse
      Ulli

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    • Liebe Soso, nein, ich sah dich nicht schniefen, aber jetzt wo du es sagst … 😉
      ein bisschen sind mir gestern die Worte für all das ausgegangen, sicherlich, wenn ich mehr Zeit hätte, wenn ich … aber du zeigst mir mit deinem Kommentar, wie auch Elvira und Karfunkelfee, dass ihr auch so versteht und dann soll es auch für mich gut sein! So danke auch ich dir von Herzen und sende liebe Grüsse- hoffentlich bist du bald wieder on … Daumen drück und dich
      Ulli

      Gefällt 2 Personen

  4. Liebe Ulli, dieses Gemälde der blauen Frau ist wunderschön.
    Deine Collaage was ähnlich, obwohl Du dieses Original nicht kanntest?
    Das glaube ich gerne, denn beim Nachspüren von Worten und Landschaften schalten wir alle Gefühle ein und sie weben ein Bild, so wie der Maler seines webte – damals, als es entstand.

    Liebe Grüße von Bruni

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Bruni, ja, so war das im Januar, ich sinnierte herum an einer kleinen blauen Frau, weil da eine Idee ein Bild und später Worte finden wollte- also gab ich im Netz kleine, blaue Frau ein und fand sie, aber eben nur als kleine blaue Frau ohne Meer- den rest kennst du ja- heute denke ich, dass sie jemand abgezeichnet hat, als Studie vielleicht- die Tiefen des Netzes sind ja wahrlich unergründlich … – naja und dann schrieb ich eben unter das Bild, falls die Künstler, der Künstlerin sie einmal entdeckt, sich doch bei mir melden könnte, jo … und dann kam Samtmut im November vorbei und entdeckte die kleine blaue Frau vom januar. Sie wusste mehr! In solchen Momenten liebe ich die Vernetzung!

      Du gibst ein wichtiges Stichwort: nachspüren, hinspüren … darin liegen für mich die Freilegungen und Entdeckungen der Geheimnisse unseres Innens und das der Welt- da kann man noch viele Leben weiterforschen 😉 was mich dann, wenn ich dies denke, immer sehr beflügelt!
      herzlich grüsse ich dich
      Ulli

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  5. Liebe Ulli!
    Ich lasse erst einmal sacken – denn unser Zusammentreffen hat doch offensichtlich bei uns Beiden mehr in Schwingung gebracht als ich zuerst dachte. Das ist schön. Und gut. Und ich danke Dir für die Erwähnung hier an dieser Stelle.
    Ich lasse erst einmal sacken und werde mich in Ruhe den anderen Rückblicken, die ja noch folgen werden, widmen. Irgendwie sind die Engel wieder zurückgekehrt.
    Liebe Grüße Juergen

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  6. Vielleicht sind alle Informationen zu dem Bild in der kleinen blauen Frau enthalten, Du hast diese in ihr „gelesen“ und ihr so den zugedachten Platz zurückgeben können. So Wunder voll. Danke.
    Liebe Grüße – Samtmut

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    • Es ist und bleibt für mich etwas magic, ich kann immer wieder darüber staunen und freue mich so über dein/euer Mitschwingen 🙂
      und die Mail … die kommt jetzt aber wirklich bald … bei mir ist gerade richtig viel los, auch schön -lach- liebe Grüsse Ulli

      Gefällt 1 Person

  7. …traumhafte Einträge gibt es hier zu bewundern… und feine Kommentare von dir und den anderen wie der Fee und Bruni zum Beispiel…

    soooo macht bloggen und lesen und gucken viiiiel Freude!!
    Herzliche Abendgrüße von mir zu dir 🙂

    Gefällt 2 Personen

  8. Pingback: Rückblick – 7 – |

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