Tausendjährige Schildkröte – eine Leseprobe

0235 09.11.15 tausendjährige schildkröte

(die Meeresschildkröte fand ich im Netz: tigersnail.com – herzlichen Dank – den Frosch entdeckte ich in diesem Jahr an einer Hauswand in der Bretagne)

Es muss nicht gut sein, auch nicht schlecht. Es darf sein, es ist. Leichtigkeit ist eine Haltung. Mit federnden Schritten tanzt die kleine blaue Frau die Ewigkeit; alles Werden und Vergehen als Eins. Nicht groß, nicht klein, nicht lustig, nicht traurig, nicht schwer, nicht leicht und nichts dazwischen. Sie zeigt dem Himmel ihr weiß geschminktes Gesicht. Ihre roten Lippen küssen die Erde. Sie singt das Grün des Lebens, das Blau der Tiefe, das Gold der Sonne und den silbernen Mond. Sie tanzt einen Kreis. Ein Pinsel zieht schwarze Tusche über kostbares Papier. Es zeigt die kleine blaue Frau der Welt die Maske der Ewigkeit.

Die kleine blaue Frau geht tief hinab und hoch hinauf. Mal ist es Meer, mal Wüste, mal Wiese, mal Wald, mal Berg, mal Tal. Aber sie weiß noch immer nicht, ob sie je den Grund erreichte. Wie leer es auch war, wie dunkel die Nacht, der Fall fand noch immer ein Erwachen.

Sie singt zur Trommel ihr Seelenlied. Nie ist sie allein, wenn sie das Leben singt oder den Tod, den Fluss oder den Baum, die Liebe oder die Melancholie. Der Kreis ist die Kraft, der Brunnen aus dem sie schöpft.

Es gibt kein Verweilen, nicht im Licht, noch irgendwo. Es gibt ein Pendel in der Ewigkeit, ein Sein, ein Nichtsein und eine tausendjährige Meeresschildkröte.

Text und Bild copyright Ulli

Dies ist ein Absatz aus einer der neuen Geschichten rund um die kleine blaue Frau. Ein Resultat meines Novemberschreibens.

Und nun bist du dran, so du magst: würdest du eine solche Geschichte weiterlesen wollen, würdest du wissen wollen was vorher geschah? Ich bin gespannt.

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19 Gedanken zu „Tausendjährige Schildkröte – eine Leseprobe

    • Ein schöner Kommentar, ein schönes Bild! Es gibt Hügel auf denen Linden stehen (dass du ausgerechnet die Linde nimmst 🙂 ), und Kapitel in dem Buch der kleinen blauen Frau, das hast du gut erspürt.
      Danke liebe Soso, hab einen guten Tag

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  1. Der Absatz muss nicht, aber könnte – gefühlt – für sich allein stehen bleiben. Vielleicht wenn der Absatz etwas Konkretes offen ließe, so dass ein Teil unverständlich bliebe, würde spontan kommen: Was ist geschehen?
    Ist Dir bei dieser Geschichte wichtig, diese so zu schreiben, dass Deine Leser gespannt mehr erfahren wollen und danach verlangen? Wie soll ich sagen … Das Spannende an dem Absatz ist vor allem der entspannende Effekt – insbesondere im Zusammenhang mit Deiner Frage.
    Konnte ich mich verständlich machen? Sonst frag besser nach. 😉

    Gefällt 2 Personen

    • So hat es Soso ja auch empfunden und es ist eins der Kapitel, viele sind kurz bis sehr kurz- ich verstehe was ihr meint. Mir gefällt, dass dieser Text auf dich entspannend wirkt und sage danke für deins
      liebe Grüsse
      Ulli

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      • Liebe Ulli, mir geht es beim Lesen wie Samtmut, ich empfinde Entspannung. Die kleine blaue Frau erlebt viele Abenteuer. Die Pendelausschläge werden mit der Zeit zu einem Kreisen des Pendels um einen imaginiären Mittelpunkt. Da braucht es kein „Mehr“.
        Einen lieben Gruß – Uta

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      • Liebe Uta, dein Input ist mir sehr kostbar- gestern Abend dachte ich, dass dieses Kapitel vielleicht ein feines Ende ist … ich danke dir nochmals und schreibe weiter
        herzliche Grüsse vom blauen Novemberberg
        Ulli

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    • Danke auch dir Susanne, wenn du sagst, dass du sie magst, meine Poesie, dann freue ich mich, du liest ja viel …
      herzliche Abendgrüsse vom Berg unter dem klaren Sternenhimmel
      Ulli

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  2. Ach, da würd ich sooo gern mittanzen mit der kleinen blauen Frau, die Ewigkeit tanzen mit federnden Schritten, wie tröstlich und wie wundervoll, wir tanzen und tanzen und und um uns herum nehmen die Dinge ihren Lauf und werden und vergehen und werden und wir würden uns an den Händen halten und manchmal über unsere roten Schuhe lächeln…uuuups, sie hat gar keine roten Schuhe an? Macht nix, barfüssig ists eh besser, Tod und Geburt und vieles dazwischen lassen sich gut mit nackerten Zehen erfassen und übergehen und so tanzen wir fort und fort und fort durch die Galaxien…Gaaaaanz liebe Grüsse Blaue Blume im Sternenwind.

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    • Wenn du mir jetzt gegenüber sitzen würdest, liebe Frau Graugans, dann könntest du sehen, dass mir kleine Flügel gewachsen sind, vor stiller Freude. Und doch, doch, das stimmt, da gab es einmal rote Schuhe, herrjeh, wo sie nur geblieben sind? Da muss ich noch mal in den Moosbetten schauen oder war es in den sandigen Wüstenbergen … ?

      herzpochende Grüsse
      Ulli

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  3. Beim Lesen der poetischen Zeilen über die blaue Frau, war es rund und schön.
    Dann las ich deine Frage und dachte, natürlich würde ich weiterlesen. Denn ich mag die kleine blaue Frau und ihren Tanz in allen Facetten.
    Und ich glaube, sie hat noch viel zu erzählen.

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    • Ja, das hat sie, liebe Maribey und nicht alles ist so leichtfüssig, wie hier, aber wo ist es das schon? Mal leicht, mals schwer und dann wieder die Mitte …
      ich danke dir für deins, liebe Grüsse
      Ulli

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  4. Dieser schöne, ruhige (obwohl nicht verweilende) Text könnte auf der letzten Seite eines „Entwicklungsromans“ stehen, nachdem die „Heldin“ allerlei erlebt hat – im Meer, auf dem Hügel, mit der Schildkröte, und dies und das und allerlei Farben mehr. Doch, mich interessiert, was da noch „drumherum“ stehen wird, wenn denn….

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    • Ja genau, Sabine, da bin ich gestern Abend dann auch angekommen, dass dieser Text nicht am Anfang, sondern am Ende der Geschichte stehen muss. Unter anderem auch wegen den Kommentaren hier und du schreibst mir jetzt die Bestätigung- danke dafür.
      Verweilen … ja das muss sein und auch das ist Teil der Geschichte von der kleinen blauen Frau.
      Herzlichen Dank für deins und liebe Grüsse
      Ulli

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