Ein heisser Sommer

0160a 25.08.15 heisser Sommer

Gerade jetzt, wenn dieser Artikel erscheint, fahre ich wieder von Süd nach Nord. Lang ist es her. Ist es lang her? Es war Mai, als ich das letzte Mal ins Wendland fuhr. Ein heisser Sommer liegt dazwischen. Spanische Verhältnisse hier auf dem Berg.

Wir haben geschwitzt, wir haben den Schatten gesucht, wir haben für kühle Getränke gesorgt. Wir haben an lauen Sommerabenden Spaziergänge gemacht oder vor der Türe gesessen, mit und ohne Bier, mit und ohne Wein, mit und ohne Feuer, mit und ohne Freunden und Freundinnen. Währenddessen verdunkelt sich die (Menschen-)Welt.

0158 25.08.15 Frosch

Ein heisser Sommer, brennende Unterkünfte, Abertausende in Not. Ich höre und sehe politische Schaumblasen. Not lässt sich nicht wegreden und Faschisten auch nicht. Ich bin nicht nur betroffen oder berührt, ich bin wütend!

Meine Mutter rannte zusammen mit ihrer Mutter von West nach Ost und zurück, zwischendurch gebar sie meinen Bruder. Es war März 1945. Ob der Krieg je enden würde und die damit verbundene Verfolgung war nicht klar. Nicht meiner Mutter. Nicht meiner Grossmutter. Sie rannten …

Ich renne nicht. Nicht mehr. Gerade jetzt fahre ich. Von Süd nach Nord und in zwei Wochen wieder zurück. Kranichzeit. Es ist eine Zeit, in die das Fluchtlied meiner Grossmutter und Mutter tönt. Ich bin Tochter. Ich bin GrossTochter. Ich bin Teil. Ich bin betroffen. Ich weine. Ich bin tapfer. Mutig … auch … manchmal. Ich flüchte nicht mehr. Noch nicht wieder. Ich wandere auf den Spuren und schaue den Flug der Kraniche. Ich denke an die Mutter, an die grosse Mutter und jetzt an die Enkel. Die Welt ist zu schön, um sie in braunem Morast versinken zu lassen, ob Süd, ob Nord, ob Ost, ob West. Wir sind dran!

Ich habe einen Traum. Gula Gula …

Nicht dass ich wüsste, was Gula Gula heisst. Mari Boine joikt und joiken ist u. a. ein Gesang von Vokalen und Konsonauten, von Worten, die man nirgendwo nachschlagen kann, die man nur erspüren kann … joiken ist Emotion und Gefühl zu den „Dingen“ in der Welt – zusammen mit den Bildern, ist Gula Gula für mich der Traum von einer Welt, in der für alle und alles Raum ist.

bye for now

P.S. … doch das muss jetzt noch sein- gestern lag wieder eine toll gestaltete IDogmaKarte von Irgendlink im Postkasten – für ihn den Künstler auf dem Rad waren alle Wetter und Donnerwetter, er hat es geschafft, ist am Kap angekommen und nun schon auf dem Rückweg … auch von hier aus rufe ich dir noch einmal DANKE zu und well done, Jürgen!

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22 Gedanken zu „Ein heisser Sommer

  1. Vielleicht sollte man all den Dumpfbacken Wanderzwang verschreiben. Denn das erweitert ja immer den Horizont & wenn man den Vögeln dabei zusieht, wird einem die eigenen BEschränktheit & Kleinheit erst recht gewahr.

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen, Fritsch.

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  2. Liebe Ulli, wie sollts denn anders sein, natürlich liebst du Mari Boine oder? Nächsten Vollmond werd ich sicher nach der Gula, Gula tanzen, der Erdmutter, die uns durch unsere Vorfahrinnen sagen läßt, daß wir uns anschauen sollen, was wir mit unserer Mutter anstellen, wir, ihre Kinder! Habe Dir einen Juchitzer (Jauchzer) geschickt im Mondlicht, es berührt mich sehr, daß Du jetzt ausgerechnet die Gula hier spielst! Hab Dank, auch für den geheimnisvollen Trommelgesangtransfer von Nordwest nach Südost…vielleicht sollten wir uns alle viel mehr verbünden…Liebe Grüsse und gehab Dich wohl!

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    • Gten Morgen, liebe Frau Graugans … unbedingt sollten wir uns mehr und mehr vernetzen und verbinden … ie 13 Grossmütter machen es uns doch so wunderbar vor- das eine ist die Vernetzung, die wir hier und jetzt schon nutzen, das andere ist das Netz, das wir erspüren, hegen und pflegen können … ich bin dabei-
      gerade bin ich in einem Haus mit 5 anderen Frauen, ist das so wunderbar!
      für heute grüße ich dich herzlich
      Ulli

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  3. Pingback: Nachtfalterflüstern |

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