Trauer oder Altes neu aufgelegt – 5 –

Als ich noch sehr klein war, fuhr ich mit der Mutter den Vater besuchen. Wir kamen in ein fremdes Land.  In dem gab es ein Meer, Sand und Felsen und einen roten Ball. Das Meer holte sich den roten Ball. Das Land den Vater …

eine Zeichnung von 1977 – der rote Ball –

02.03.13 der rote Ball

neu aufgelegt

0130 29.07.15 trauer

„Es war tröstlich zu wissen, dass die Trauer sie niemals verlassen, immer bei ihr sein würde.“

Knausgård „Alles hat seine Zeit“ S. 312

Zugegeben, ich habe diesen Satz aus dem Zusammenhang genommen. Aber es war genau dieser Satz, an dem ich hängen blieb. Dass Trauer, die immer bei einem bleibt, die einen nie verlässt auch tröstlich sein kann, das ist für mich ein neuer Gedanke und auch eine Herausforderung.

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18 Gedanken zu „Trauer oder Altes neu aufgelegt – 5 –

  1. Mich haben beide Bilder traurig gestimmt. Das obere zeigt die Trauer mehr, das untere unglaubliche Einsamkeit. Jedenfalls für mich. Ich kann nicht sagen, ob es mich trösten würde, wenn ich wüsste, dass die Trauer immer in mir bleiben würde. Wichtiger wäre es mir zu wissen, dass ich den, um den ich trauere, nie vergesse. Dass etwas in mir widerhallt, wenn ich an ihn denke, etwas, das mich positiv schwingen lässt. Das betrifft nicht nur Menschen. Für mich betrifft es auch die Vergangenheit. Ich musste erst lernen, die Trauer um Zeiten, die wunderschön waren, zu überwinden und aus all dem Positiven, das damals war, Kraft für das Jetzt und Hier zu schöpfen. Mir scheint die Gefahr groß zu sein, in Depressionen zu fallen, wenn die Trauer uns nicht loslässt. Oder wir sie.
    Herzche Grüße,
    Elvira

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    • Liebe Elvira, Ja genau, ich finde eben auch, dass es einen Unterschied macht die Trauer in den Momenten des Verlustes zu leben, statt an ihr ewig festzuhalten- Trauer und Trost ist für mich nicht wirklich vereinbar. Darum bin ich an diesem Satz hängengeblieben. Schwieirg wird es, wenn man die Trauer wegdrückt, ich glaube erst dann ist die Gefahr der Depression sehr groß oder eben, wenn man ihr festhält …
      die Bilder sind traurig, ja …
      ich danke dir und grüße dich herzlich
      Ulli

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  2. Liebe Ulli!
    Eine traurige Geschichte. Warum? Dass das Meer den Ball holt, habe ich oft erlebt. Nicht schön, aber verschmerzbar. Aber wie holt das Land den Vater. Mir erschließt sich nicht, was das bedeutet, nur dass es was Schlimmes sein muss. Warum? Und die Traurigkeit? Nein, für immer möchte ich die nicht, aus welchen Gründen auch immer, in mir haben.
    LG aus dem Weserbergland, heute geht’s nach Hause.

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    • Lieber Jürgen, mein Vater ist aus diesem fremden Land nicht mehr zurückgekehrt, wenige Wochen, nachdem meine Mutter und ich abgereist waren, ist er dort tödlich verunglückt- so entstand diese Metapher- der Verlust des roten Balls war verkraftbar, ja, aber dieser Verlust hat sich in mir mit dem Verlust des Vaters verwoben, zumal es sein Geburtstagsgeschenk für mich dort war.
      Ich war sehr lange traurig darüber, musste viel „tun“, um irgendwann nicht mehr sofort in Tränen auszubrechen, wenn jemand etwas über ihn erzählt hat- meine erste Reaktion war dreimonatiges Schweigen … bei allem was heute anders ist, es blieb eine Art Resttraurigkeit, die aber nichts tröstliches hat- mit ein Grund warum ich an diesem Satz hängen blieb.
      Danke für deins und gute Landung daheim
      herzlichst Ulli

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      • Liebe Ulli!
        Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, ob ich Dir mit meiner direkten Fragerei und Kommentierung nicht doch zu nahe getreten bin. Wenn ja, tut es mir leid und ich gelobe für die Zukunft mehr Feingefühl.
        LG Juergen

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      • lieber Jürgen, nein, du bist mir nicht zu nahe getreten! Ich müsste ja dieses Thema hier nicht aufmachen, wenn ich es aber tue, dann muss ich auch mit Fragen rechnen, nicht wahr?! Also … alles gut und … ich schätze deine Fragen.
        liebe Grüße
        Ulli

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  3. ich kann verstehen, was du geschrieben hast, dass du Trost gefunden hast, in diesem untröstlichen Satz. Genau das war mein erster Impuls, als ich ihn damals gelesen haben, als hätte mich jemand verstanden, vielleicht sogar durchschaut. Trotzdem ist viel wahrer, heilsamer, was Elvira schreibt, wir müssen durchgehen durch die Trauer, sie voll erleben oder erleiden, um sie dann loslassen zu können, die Trauer mitsamt der Vergangenheit, um die wir getrauert haben. Wenn sich dann nach dieser Überwindung die Möglichkeit auftut, das Gute aus der vergangenen Erfahrung, Begegnung usw. mit in die Gegenwart zu nehmen, ist das ein wunderschönes Geschenk, das mehr wert ist, als die treue Begleitung der Trauer.

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    • ich stimme zu, rundum! Du bist also auch an diesem Satz hängen geblieben?
      Ich bin froh, dass ich ihn so eingestellt habe, weil er für mich nicht wahr ist und nicht wahr sein soll! Trotzdem stelle ich fest, dass es in mir eine Art Resttrauer gibt und das eben schon immer, nur tröstlich ist sie nicht!
      liebe Grüße
      Ulli

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  4. Ich ahne die Dimension des Trostes, der Trauer anhaftet. Auch Knausgårds Satz begreife ich, und ich glaube, ahne, dass wir wählen können. Ob wir sen Trost der Trauer wie eine ewige Wunde oder lieber wie eine Narbe integrieren wollen.
    Manche können das eine, manchen bleibt das andere?
    Deine Bilder sind sehr berührend.
    Ich hoffe, dir gehts zurzeit gut?
    Big hug aus der CH

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  5. Ich kann diesen Satz nur so verstehen, dass Trauer auch etwas Genussvolles sein kann und also behalten werden will. Ich kann das nachvollziehen, denn Schmerz um einen Menschen verbindet ja auch, man hat ihn noch irgendwie. Trotzdem sollte sich das eines Tages verwandeln in ein Band des „Gewesenen“, „Erinnerten“. Irgendwann möchte ich darüber nicht mehr traurig sein, sondern glücklich über das, was man hatte.
    Deine Bilder sind in der Tat sehr traurig, sie berühren mich. Ich schick dir ein paar aufrichtende Gedanken. ❤

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    • ich danke dir, liebe Anhora … es geht wohl mehr um den Menschen, den man verloren hat, der bleibt, weil man ihn geliebt hat, irgendwo zumindest in der Seelenlandschaft, das ist mein Trost- die Trauer selbst ist die Trauer und wirklich Tröstliches kann ich in ihr nicht finden- deswegen das Zitat … ich wollte gerne wissen, ob es mir allein so geht, dass er für mich nicht stimmt.
      danke für deins und liebe Grüße
      Ulli

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  6. Zu wissen, dass einen eine bestimmte Trauer niemals (ganz) verlassen wird, kann auch aus meiner Sicht durchaus etwas Tröstliches haben, erinnert sie einen doch daran, was einem Freude bereitete, was man geliebt hat. Hast du das so gemeint, liebe Ulli? Oder ganz anders? In den Bildern, fast mehr noch in dem neu aufgelegten, erkenne ich wenig Tröstliches.

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    • Liebe Maren, in den Bildern ist nichts Tröstliches, nein, war auch nicht gewollt, sie sollten nur die Trauer darstellen- ich empfinde in der Trauer selbst eh nichts Tröstliches, aber darin, dass der Mensch um den es geht nie ganz geht, weil ich sein Andenken bewahren kann, dass er oder sie Abdrücke in meiner Seelelanlandschaft hinterlassen hat, dafür bin ich sogar dankbar!
      Ich bin froh, dass ich diesen Satz eingestellt habe, zeigt er mir doch, dass ich nicht allein über seine Aussage stolpere …
      liebe Grüße nach HH vom Rhein, wo es heute regnet und es mir gut geht
      Ulli

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  7. Pingback: Wenn der Körper doof macht |

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