Engel – 2 –

0125ab 21.07.15 Engel

Bekanntermassen können die Engel jede beliebige Form annehmen. Weniger bekannt hingegen, dass die Form, die sie annehmen, für sie auch eine Bedrohung darstellt. Halten sie zu lange an ihr fest, beginnt die Form sie zu prägen, und falls sie die Warnsignale nicht erkennen, wird die Form sie schliesslich vollends vereinnahmen.

Karl Ove Knausgard: Alles hat seine Zeit – S. 12

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15 Gedanken zu „Engel – 2 –

    • Liebe Anhora, ja, wahrscheinlich ist es wie mit dem ICH, wenn wir ständig sagen, ich bin so und so und so, dann werden wir das auch und lassen keine Veränderung mehr zu, dann erstarren wir in unserem eigenen Bild, der eigenen Form-
      herzliche Sonntagsgrüsse von mir an dich

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  1. Hallo Ulli,
    mir gefallen die blauen Engel in Deinen beiden Beitraegen sehr. Ueber das Wesen von Engeln, muss ich gestehen, habe ich mir bisher eigentlich (noch) keine Gedanken gemacht. Da muss ich mir auch noch viel mehr anlesen.
    Hab‘ ein feines Wochenende,
    Pit

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    • das freut mich, lieber Pit, dass dir die blauen Engel gefallen – ich begreife mehr und mehr, dass Engel, je nachdem wer sie versucht zu beschreiben, dann doch immer andere Gesichter haben … und doch scheint es für Viele keinen Zweifel zu geben, dass sie um uns sind-
      liebe Sonntagsgrüsse über den Teich an dich
      Ulli

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    • Ich habe bei diesem Zitat spontan an Wim Wenders Film gedacht: Der Himmel über Berlin, dann fiel mir noch Sartres „Das Spiel ist aus“ dazu ein …
      ist es nicht interessant wieviel unterschiedliche Meinungen es zu Engeln gibt, dass sie mit und ohne Flügel gedacht oder gesehen werden und dass der Glaube an ihre Existenz beharrlich bestehen bleibt, trotz Aufklärung und Naturwissenschaften?!
      ich grüsse dich herzlich

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  2. Mir ist dieser Satz sehr wichtig, er hat viel Denkbewegung bei mir freigesetzt, als ich damals gelesen habe, ich habe die Form damals in erster Linie auf das Schreiben bezogen, aber natürlich geht es um das Denken allgemein, es geht darum in Bewegung zu bleiben, Liebe zum Beispiel ist so ein Phänomen, das sich niemals an eine Form halten würde und deswegen gegen die Gefahr von einer Form vereinnahmt zu werden, gefeit ist. Super spannend finde ich natürlich die Collage, denn während ich dieses sehr wunderbare Buch von Knausgard gelesen habe (ich finde es handwerklich und „künstlerisch“ überragend, in dieser Hinsicht auch sehr viel komplexer und anspruchsvoller als die Bände seines Megaprojektes), waren meine Vorstellungen von Engeln ganz anders als diese Collage, irgendwie düster, bedrohlich und von so einem Licht umspielt, als wenn die Sonne gerade sehr dramatisch auf- oder untergeht.

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    • Dieses Düstere nehme ich bei ihm auch wahr, ebenso das Unheimliche, es sind diese ewig brennenden Cherubim und die unheimlichen Nephilims, mal schauen wer noch so auftaucht und wie es sich entwickelt, denn ganz ehrlich … ich bin überhaupt nicht bibelfest- klar erinnere ich die Arche Noah, aber allein Rahel, da müsste etwas klingeln, tut es aber nicht- ich habe mit ca. 12 Jahren dicht gemacht und ab da alles verdrängt und vergessen, zu arg war mir die katholische Kirche und hatte mich fest in ihren Zangen … manchmal stelle ich fest, dass ich noch immer nicht alles befreien konnte- irgendwie grusig- umso erstaunter bin ich über meine neue Zuwendung und Neugierde-
      In Knausgards Buch finde ich die psychologischen Hintergründe sehr, sehr spannend, ich war begeistert, wie er die Geschichte von Kain und Abel aufrollte- da traf er einen Nerv, warum auch immer noch konnte ich Kain nie als den wirklich NurBösen sehen, daran erinnere ich mich eben auch noch-

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  3. „Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
    und er verarmte mir in den Armen
    und wurde klein, und ich wurde groß:
    und auf einmal war ich das Erbarmen,
    und er eine zitternde Bitte bloß.

    Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, –
    und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
    er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
    und wir haben langsam einander erkannt…“ (Rainer Maria Rilke)

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen, Fritsch.

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    • Du kannst dir glaube ich nicht vorstellen, wie mich gerade jetzt dieses Gedicht freut- es ist für mich eins der Schönsten von Rilke, hab herzlichen Dank, lieber Florian- das wird vielleicht auch noch ein Bild bekommen …
      herzlichst
      Ulli

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